Bid’a: Neuerungen im Lichte der vollkommenen Schari’a ()

 

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 Bid’a: Neuerungen im Lichte der vollkommenen Schari’a

Von

Scheikh Muhammad Ibn Salih al-Uthaimin

Übersetzt von Abu Imran

Überarbeitet von Farouk Abu Anas

Kooperatives Büro für die Da'wa-Arbeit unter Ausländern in Rabwah/Riyadh (Saudi-Arabien)

1429-2008

بســم الله الرحمن الرحيـم

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen

Wahrlich, alles Lob gebührt Allah allein. Wir danken Ihm, erstreben Seine Hilfe und bitten um Seine Vergebung. Und wir suchen Zuflucht bei Ihm vor dem Übel unserer eigenen Seelen und vor unseren Missetaten. Wen Allah rechtleitet, der wird nie irregehen. Wem Allah den Irrweg bestimmt, für den wird es keine andere Leitung geben. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah: nur Er ist es wert, angebetet zu werden. Er ist einzig und hat keinen Partner, und ich bezeuge, dass Muhammad (ﷺ‬) Sein Diener und Sein Gesandter ist. Allah hat ihn mit der Rechtleitung und der wahren Religion gesandt.

Der Prophet (ﷺ‬) überbrachte die Botschaft, erfüllte seine Aufgabe, ermahnte die Gemeinschaft, strengte sich für Allah an - so wie man sich für Ihn anstrengen sollte - bis zu ihm die Gewissheit kam. Er (ﷺ‬) ließ seine Umma (Gemeinschaft) auf einem klaren und deutlichen Weg zurück: ein Weg dessen Nacht wie sein Tag ist, und niemand weicht von diesem Weg ab, ohne dass er dem Untergang geweiht ist.

Er erklärte seiner Umma alles, was diese Gemeinschaft für ihre Angelegenheiten benötigt. Die Ausführungen des Propheten (ﷺ‬) waren in so einem Ausmaß, dass Abu Dharr - Möge Allah Seinen Wohlgefallen mit ihm haben - sagte: „Der Prophet (ﷺ‬) ließ nicht einmal einen Vogel, der im Himmel mit seinen Flügel schlug, außer Acht, ohne dass er uns hierüber Wissen gab.“ Auch sagte einer der Muschrikun (Götzendiener) zu Salman al-Farsi - Möge Allah Seinen Wohlgefallen mit ihm haben: „Euer Gesandter lehrt euch so viel, ja sogar Toilettenmanieren.“ Darauf antwortete Salman: „Ja! Er hat uns sogar verboten in Richtung der Qibla zu urinieren oder unseren Stuhlgang durchzuführen, und dass wir uns nicht mit weniger als drei Steinen säubern sollen und bei der Reinigung weder die rechte Hand benutzen noch Knochen oder Mist verwenden sollen.“

Allah - der Erhabene - hat in diesem großartigen Qur’an die Grundlagen der Religion und seine Zweige erläutert. Er hat den Tauhid mit all seinen Arten erklärt, Verhaltensregeln für Versammlungen und für die Einholung von Erlaubnis zum Betreten der Wohnungen dargelegt. Der Erhabene sagt[1]:

"O ihr, die ihr glaubt, wenn in Versammlungen zu euch gesagt wird: "Macht Platz!" - dann macht Platz; Allah wird ausgiebig Platz für euch machen." [Sura 58:11]

Auch sagt Er: "O ihr, die ihr glaubt, betretet keine anderen Wohnungen als die euren, bevor ihr nicht um Erlaubnis gebeten und ihre Bewohner gegrüßt habt. Das ist besser für euch, wenn ihr euch ermahnen lasset." [Sura 24:27]

Allah - der Erhabene - hat sogar Regeln für die Bekleidung auferlegt. Er sagt:

"(Was nun) die älteren Frauen (betrifft), die nicht mehr auf Heirat hoffen können, so trifft sie kein Vorwurf, wenn sie ihre Tücher ablegen, ohne ihre Zierde zur Schau zu stellen. Aber wenn sie sich dessen enthalten, ist das besser für sie. Und Allah ist Allhörend, Allwissend." [Sura 24:60]

"O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder reichlich über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig." [Sura 33:59]

"Und sie sollen ihre Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, dass bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen, auf dass ihr erfolgreich sein möget." [Sura24:31]

"Und es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr Häuser von der Rückseite betretet. Frömmigkeit ist vielmehr, (Allah) zu fürchten. So geht in die Häuser durch ihre Türen hinein und fürchtet Allah. Vielleicht werdet ihr erfolgreich sein." [Sura 2:189]

Hierzu gibt es andere zahlreiche Verse, durch die bekräftigt wird, dass diese vollständige und umfassende Religion keiner Hinzufügung oder Ergänzung bedarf.

Ebenso wenig ist es erlaubt, irgendetwas von der Religion wegzulassen. Genau aus diesem Grund sagt Allah - der Erhabene - im Qur’an:

"Und Wir haben dir das Buch (o Muhammad) zur Erklärung aller Dinge herniedergesandt…" [Sura 16:89]

Es gibt nichts, was die Menschen für ihr Leben und für ihren Lebensunterhalt brauchen, ohne dass Allah dies in Seinem Buch nicht erklärt hätte. Sei dies durch den Wortlaut des Textes oder durch einen Hinweis oder, dass man etwas explizit ableitet bzw. mittels Text etwas versteht.

Meine lieben Brüder, es gibt manche Menschen, die folgende Aussage Allahs interpretieren:

"Es gibt kein Getier auf Erden und keinen Vogel, der auf seinen zwei Schwingen dahinfliegt, die nicht Gemeinschaften wären so wie ihr. Nichts haben Wir in dem Buch ausgelassen. Vor ihrem Herrn sollen sie dann versammelt werden." [Sura 6:38]

Sie meinen, dass sich die Worte »Nichts haben Wir in dem Buch ausgelassen« auf den Qur’an beziehen. Jedoch richtig wäre, dass sich diese auf die Wohlbewahrte Tafel beziehen.

Was den Qur’an angeht, so hat Allah - der Erhabene - ihn viel tief- und weitgehender beschrieben, als dies im vorherigen Vers über die Wohlbewahrte Tafel erwähnt wird, indem die Vernachlässigung irgendeiner Sache im Qur’an verneint wird. Er sagt: "Und Wir haben dir das Buch (o Muhammad) zur Erklärung aller Dinge herniedergesandt…" [Sura 16:89]

Diese Aussage ist noch tiefgehender und klarer als Seine bereits erwähnten Worte: "Nichts haben Wir in dem Buch ausgelassen." [Sura 6:38]

Vielleicht würde nun einer fragen: Wo finden wir im Qur’an die Anzahl der fünf Gebete? Ebenso die Anzahl der Rak’at (Gebetseinheiten) für jedes Gebet? Und wie kann es richtig sein, wenn wir im Qur’an keine Beschreibung für die Anzahl der Rak’at für jedes Gebet finden können, wo doch Allah sagt: "Und Wir haben dir das Buch (o Muhammad) zur Erklärung aller Dinge herniedergesandt…" [Sura 16:89]

Die Antwort ist, dass Allah - der Erhabene - uns in Seinem Buch verdeutlicht, dass es Pflicht ist alles zu nehmen, was der Gesandte Allahs sagte, und was auch immer er befahl. Der Erhabene sagt:

"Wer dem Gesandten gehorcht, der hat Allah gehorcht" [Sura 4:80]

"Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt an; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch." [Sura 59:7]

Was auch immer die Sunna erklärt, so hat der Qur’an es nicht versäumt, darauf hinzuweisen und hinzulenken, weil die Sunna einer der beiden Arten der Offenbarung ist, die Allah - der Erhabene - Seinem Gesandten beigebracht und offenbart hat. Allah sagt:

"… und Allah hat das Buch und die Weisheit auf dich herabgesandt ..." [Sura 4:113]

Daher ist auf dieser Grundlage alles aus der Sunna auch im Buche Allahs.

Meine Brüder, nachdem nun das Vorangegangene klar gemacht wurde, schließt sich die Frage an: Ist der Prophet (ﷺ‬) von uns gegangen, obwohl er etwas von der Religion ausgelassen hat, das uns Allah näher bringt?

Niemals! Der Prophet (ﷺ‬) erklärte die gesamte Religion: entweder mit seinen Worten, mit seinen Handlungen oder mit seiner schweigsamen Billigung. Manchmal ging diese Erläuterung von ihm aus und manchmal waren seine Ausführungen Antworten auf Fragen, die ihm gestellt wurden.

Es kam vor, dass Allah Hin und wieder einen Beduinen aus der entferntesten Region der Wüste sandte, damit er den Gesandten Allahs von den Angelegenheiten der Religion fragt, worüber sich die zu ihm stehenden Gefährten nicht erkundigt haben. Genau aus diesem Grund freuten sie sich, wenn ein Beduine kam und den Propheten (ﷺ‬) über bestimmte Dinge fragte.

Dass der Prophet (ﷺ‬) nichts ausgelassen hat, was die Menschen für ihren Dienst an Allah, für ihre Beziehungen untereinander und ihren Lebensunterhalt brauchen, ohne diesen Bedarf bereits gedeckt zu haben, wird durch die Aussage Allahs bekräftigt:

"Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt." [Sura 5:3]

Nachdem diese Sache erläutert wurde, o Muslim, wisse, dass jeder, der Neuerung in der Religion begeht, selbst wenn diese mit guter Absicht getan wird, so wird diese Neuerung - obwohl sie selbst bereits eine Irreführung ist - als Verleumdung gegenüber der Religion Allahs angesehen und als Verwerfung und Ablehnung Allahs folgender Worte betrachtet: "Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt." [Sura 5:3]

Denn der Neuerer, der eine neue Sache in die Religion Allahs brachte, die kein Teil der Religion Allahs ist, sagt auf eine indirekte Art und Weise, dass die Religion nicht vollständig ist, weil die ausgelassene und von ihm eingebrachte Sache benutzt werden kann, um Allah näher zu kommen. Es ist erstaunlich, dass jemand eine Neuerung bringt, welche sich auf Allahs Essenz, Seine Namen und Eigenschaften bezieht, und dann sagt, dass er dadurch Allah erhöht und verherrlicht, und somit seinen Herrn von allen Unvollkommenheiten und Fehlern befreit, wobei er angeblich dem Befehl Allahs folgt, als Er sagt:

"Und setze neben Allah keinen anderen Gott…" [Sura 17:39]

Er macht eine Neuerung in der Religion, die sich auf Allahs Essenz bezieht - obwohl unsere Salaf (frommen Vorfahren) dieser Umma und ihre Führer nicht auf diesem Weg waren - und sagt, dass er Allah von allen Mängeln befreit, Ihn verherrlicht und den Worten Allahs Gehorsam leistet:

"Und setze neben Allah keinen anderen Gott…" [17:39]

Er sagt auch, dass wer auch immer mit diesem nicht übereinstimmt, jemand sei, der Allah Gleichnisse macht und Ihn mit Seiner Schöpfung vergleicht.

Genauso wird man über Leute erstaunt sein, die in die Religion Allahs etwas Neues einführen, was sich auf Allahs Gesandten bezieht, jedoch kein Teil der Religion ist. Daraufhin behaupten diese Leute mittels dieser Neuerung, dass sie den Gesandten Allahs (ﷺ‬) lieben und ihn erhöhen. Sie sagen auch: Wer auch immer in ihrer Neuerung nicht mit ihnen übereinstimmt, den Gesandten Allahs (ﷺ‬) hasst. Sie geben den Leuten, welche ihnen widersprechen, auch andere Bezeichnungen und bösartige Namen.

Verwunderlich ist auch, dass solche Personen sagen: „Wir sind jene Leute, die Allah und Seinen Gesandten erhöhen und rühmen.“ In Wirklichkeit stellen sie sich ohne Zweifel vor Allah und Seinem Gesandten, wenn sie in die Religion Allahs und Seine Schari’a eine Neuerung bringen, die nicht dazu gehört. Allah sagt:

"O ihr, die ihr glaubt, kommt nicht Allah und Seinem Gesandten zuvor, und fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist Allhörend, Allwissend." [49:1]

Meine Brüder, ich frage und bitte euch inständig bei Allah, so dass ihr eine wahrhaftig vom Herzen kommende Antwort gebt, jedoch nicht eine Antwort, die sich auf eure Gefühle, Emotionen und blinde Folgsamkeit stützt - das setzt die Religion voraus: Was sagt ihr über Leute, die in die Religion Allahs eine Neuerung einführen, welche nicht dazu gehört; sei diese über Allahs Essenz, Seine Namen und Eigenschaften oder etwas, was sich auf Allahs Gesandten (ﷺ‬) bezieht, und sie sagen dabei: „Wir erhöhen und rühmen Allah und Seinen Gesandten damit.“ Sind solche Leute jene, die es mehr verdienen Allah und Seinen Gesandten zu erhöhen und zu rühmen?

Oder sind es jene Leute, die nicht Mal um die Länge einer Fingerspitze von Allahs Schari’a abweichen und über das, was mit der Schari’a kam, sagen: „Wir glauben und akzeptieren es als Wahrheit, worüber wir informiert wurden, und wir hören und gehorchen hinsichtlich dessen, was uns anbefohlen wurde.“ Über das, womit die Schari’a nicht kam, sagen sie: „Wir halten uns zurück und bleiben fern von dem. Es ist uns verwehrt, Allah und Seinem Gesandten zuvorzukommen und etwas über die Religion Allahs zu sagen, was nicht in dieser Religion zu finden ist.“

Welche dieser beiden Gruppen an Menschen verdient es mehr, Allah und Seinen Gesandten zu lieben, zu erhöhen und zu rühmen?

Es gibt keinen Zweifel daran, dass jene, die sagen »Wir glauben und akzeptieren es als Wahrheit, worüber wir informiert wurden, und wir hören und gehorchen hinsichtlich dessen, was uns anbefohlen wurde« und »Wir halten uns zurück und bleiben fern von dem, wozu wir nicht befohlen wurden« und »Wir sind die Letzten, die fähig wären, etwas in die Schari’a Allahs einzuführen, was nicht in ihr enthalten ist«, ihre eigene Grenze und ihre Macht wissen und bestätigen, die von der Macht ihres Schöpfers verschieden ist. Sie sind jene, die Allah und Seinen Gesandten rühmen und die Richtigkeit ihrer Liebe für Allah und Seinen Gesandten darlegen.

Mit Sicherheit sind es nicht die Neuerer in der Religion Allahs, die etwas einführen, was nicht dazu gehört; sei dies in Glaubensangelegenheiten, in Rede oder Handlung - sie rühmen Allah und Seinen Gesandten nicht. Man ist erstaunt über Leute, welche die Aussage des Gesandten Allahs (ﷺ‬) kennen: „Hütet euch vor den neu erfundenen Dingen, denn jede neu erfundene Sache ist eine Neuerung (Bid’a), und jede Neuerung ist eine Irreführung, und jede Irreführung ist im Höllenfeuer.“ Sie wissen, dass die Aussage »…jede neu erfundene…« allgemein, umfassend und vollständig ist, eingeschlossen und umgeben mit dem stärksten Verbindungswort, das für Verallgemeinerung und Einschließung benutzt werden kann: „…kullu (jede)…“. Sie wissen auch, dass jener, der diese Worte von sich gab, der Ausdrucksstärkste der gesamten Schöpfung und der größte Ermahner aller Geschöpfe ist, der nicht spricht, außer etwas, dessen Bedeutung er definitiv und sicher beabsichtigt und anstrebt.

Wenn daher der Prophet (ﷺ‬) sagte: „Jede Neuerung ist eine Irreführung“, so wusste er, was er sagt, und er wusste die Bedeutung dessen, was er sagt. Diese Worte stammen von ihm, und zwar als Folge seiner vollkommenen Ermahnung an die Umma. Wann immer diese drei Angelegenheiten in einer Rede zusammentreffen (die Vollkommenheit der Ermahnung und der Absicht, die Vollkommenheit der Rede und des Dialoges und die Vollkommenheit des Wissens und des Bewusstseins), wird hiermit darauf hingewiesen, dass durch so eine Rede die eigentliche Bedeutung, worauf Bezug genommen und hingewiesen wird, beabsichtigt und angestrebt wird. Nach so einem tiefen Verständnis, stellt sich die Frage, ob man Neuerungen in drei oder fünf Arten unterteilen kann? Niemals! Dies wäre nicht richtig.

Die Behauptung mancher Gelehrter, dass es Bid’a Hasana (gute Neuerung) gibt, schlägt sich in eine oder zwei Situationen nieder (und kann mittels einer oder zwei Situationen erklärt werden):

In Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine Neuerung, jedoch wird es von einer Person als Neuerung betrachtet.

Es handelt sich um eine Neuerung, wodurch es zu einem Übel wird, jedoch weiß die Person über dieses Übel nicht Bescheid. Daher ist dies die Antwort auf alles, was als Bid’a Hasana bezeichnet wird. Auf dieser Grundlage gibt es keinen Weg für Leute der Neuerung, ihre Neuerungen zu einer Bid’a Hasana zu erhöhen. In unseren Händen ist das scharfe Schwert des Gesandten Allahs, als er sagte: „Jede Neuerung ist eine Irreführung“. Wahrlich, dieses scharfe Schwert wurde in den Fabriken des Prophetentums und der Gesandtschaft produziert.

Es wurde nicht in den schwachen und zerbrechlichen Fabriken der Leute hergestellt, sondern vielmehr in Fabriken des Prophetentums. Der Prophet (ﷺ‬) formte es in eine effektive und schöne Art. Es ist niemandem möglich, jemanden, in dessen Hand dieses scharfe Schwert ist, mit einer Neuerung herauszufordern, indem man sagt, diese Neuerung wäre eine Bid’a Hasana, obwohl Allahs Gesandter bereits sagte: „Jede Neuerung ist Irreführung“.

Es ist so, als würde ich gerade in euren Gemütern Getuschel hören, welches lautet: Was sagst du über die Aussage von Amirul-Mu’minin ’Umar Ibn al-Khattab - Möge Allah Seinen Wohlgefallen mit ihm haben, jener, der immer in Übereinstimmung mit der Wahrheit war, als er Ubay Ibn Ka’b und Tamim ad-Dari befahl, die Leute in Tarawih während des Ramadan zu führen, und als er zur Moschee ging, während die Leute einheitlich hinter einem Imam standen, er sagte: „Was für eine gute Neuerung das doch ist. Jedoch ist das Gebet, welches sie nicht verrichten, sondern zu seiner Zeit schlafen, besser als das, was sie nun verrichten.“ Die Antwort hierzu wird aus zwei Gesichtspunkten entnommen:

Erstens: Es ist niemandem erlaubt, den Worten des Gesandten (ﷺ‬) mit anderen Worten zu widersprechen. Auch nicht mit den Worten von Abu Bakr, der nach dem Propheten der beste dieser Umma ist, ebenso nicht mit den Worten von ’Umar, welcher der zweitbeste nach dem Propheten ist, und auch nicht mit Uthman’s oder ’Ali’s Worten oder mit den Worten anderer Leute. Allah - der Erhabene - sagt:

"So mögen sich die, die sich seinem Befehl (dem Befehl des Propheten) widersetzen, (davor) hüten, dass sie nicht Drangsal/Unheil befalle oder eine schmerzliche Strafe treffe." [Sura 24:63]

Imam Ahmad - Möge Allah mit ihm barmherzig sein - sagte: „Wisst ihr, was hier mit Unheil/Heimsuchung gemeint ist? Damit ist Schirk (Polytheismus) gemeint. Wenn man manche der Worte des Propheten (ﷺ‬) ablehnt, so wird sein Herz von Abweichung und Fäulnis befallen werden, und er wird zerstört sein.“

Ibn ’Abbas - Möge Allah Seinen Wohlgefallen mit ihm haben - sagte: "Es ist fast so, als würden Steine vom Himmel auf euch herabfallen! Ich sage, dass der Gesandte Allahs das gesagt hat, und ihr sagt »Abu Bakr und ’Umar haben gesagt«".

Zweitens: Wir wissen mit Sicherheit, dass Amirul-Mu’minin ’Umar Ibn al-Khattab unter den größten Leuten war, welche die Worte Allahs - des Erhabenen - und die Worte Seines Gesandten (ﷺ‬) am meisten respektierten. Er war dafür bekannt, innerhalb der Grenzen (Hudud) Allahs zu verweilen, und zwar in so einem Ausmaß, dass man ihn als Wächter der Worte Allahs beschrieb.

’Umar hat niemals die Grenzen überschritten, die Allah gesetzt hat. Daher passt es nicht zu ’Umar dem Führer der Menschheit, Muhammad, zu widersprechen und entgegen zu stehen, indem er über eine Neuerung »Was für eine gute Neuerung das doch ist« sagt, und dass diese Neuerung dem entspricht, was der Gesandte Allahs (ﷺ‬) mit seiner Rede »Jede Neuerung ist eine Irreführung« bezweckte.

Vielmehr ist es notwendig, dass die Neuerung, über die ’Umar sprach, jener Art der Neuerung zuzuordnen ist, die nicht dem entspricht, was der Prophet mit seiner Rede beabsichtigte. ’Umar bezog sich mit seiner Aussage auf die Gemeinschaft hinter einem einzigen Imam, als sie zuvor getrennt und verstreut waren. Die Grundlage für das Gemeinschaftsgebet während des Ramadan kam vom Gesandten Allahs (ﷺ‬). Es ist in den beiden Sahih Büchern (Buchari und Muslim) auf der Basis der Überlieferung von ’A’ischa gesichert, dass der Prophet (ﷺ‬) für drei Nächte die Leute im Gebet geführt hat, und dann in der vierten Nacht davon abließ und sagte: „Wahrlich, ich habe befürchtet, dass euch dies zu einer Pflicht auferlegt wird und ihr nicht imstande seid, es zu verrichten.“

Daher ist das Gemeinschaftsgebet während der Nacht im Ramadan von der Sunna des Gesandten Allahs. ’Umar bezeichnete dies als Neuerung, indem er die Verstreuung der Leute in Betracht zog, als der Prophet vom Gemeinschaftsgebet abließ. Einer betete alleine, wiederum zwei Personen gemeinsam und wiederum ein anderer gemeinsam mit zwei weiteren Personen. Es gab einzelne Gruppen, die in der Moschee voneinander getrennt beteten. Dann sah ’Umar mit seiner scharfen und richtigen Einsicht, dass diese Leute hinter einem einzigen Imam vereint werden sollten. Diese Handlung ist an sich eine Neuerung, wenn man jene Situation der Verstreuung vor Augen hält. Diese Art der Neuerung ist relativ und hat bereits ein vorausgegangenes Beispiel. Daher kann man hier nicht von einer absoluten Neuerung sprechen, welche ohne vorheriges Beispiel eingeführt wurde. ’Umar belebte dies wieder, weil diese Sunna bereits zur Zeit des Propheten (ﷺ‬) vorhanden war.

Daher ist das Tarawih-Gebet in der Gemeinschaft eine Sunna, jedoch wurde diese Sunna mit der Zeit des Gesandten Allahs aufgegeben, bis ’Umar sie wieder belebt hat. Mit dieser Regelung ist es für Leute der Neuerung niemals möglich eine einzige Stelle in der Aussage ’Umars - Möge Allah mit ihm Seinen Wohlgefallen haben - zu finden, mit der sie ihre Neuerungen bestätigen und billigen lassen können.

Manch einer könnte sagen: Es sind neu eingeführte Dinge vorhanden, die von den Muslimen angenommen wurden, und nach denen sie ihre Handlungen ausrichten, obwohl diese Dinge zur Zeit des Gesandten (ﷺ‬) nicht bekannt waren, wie z.B. Schulen, Verfassung von Büchern und ähnliche Dinge. Diese sind Neuerungen, welche von den Muslimen als etwas „Gutes“ betrachtet wurden; Neuerungen, nach denen sie ihre Handlungen ausgerichtet und sie als beste Taten angesehen haben. Wie kann man also diese Sache, worüber sich die Muslime einig sind, mit der Rede des Führers aller Muslime, mit der Aussage des Propheten aller Muslime und des Gesandten des Herrn aller Welten (ﷺ‬) in Einklang bringen, wo er doch sagt: „Jede Neuerung ist eine Irreführung“.

Die Antwort ist: Wir sagen, dass dies in Wirklichkeit keine Neuerung ist. Vielmehr ist es ein Mittel zu dem, was bereits (in der Schari’a) recht- und gesetzmäßig ist. Die Mittel sind von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit verschieden. Es gehört zu den gesicherten Prinzipien der Schari’a, dass die Mittel Regelungen hinsichtlich Ziel und Zweck haben. Daher sind Wege und Mittel, mit denen man etwas zu erreichen versucht, das (von der Schari’a aus gesehen) legitim ist, auch rechtmäßig und erlaubt.

So sind Mittel und Wege für Dinge, die unrechtmäßig und verboten sind, auch unrechtmäßig und verboten. Selbst wenn das Gute als Mittel zum Bösen dient, ist es auch als etwas Schlechtes zu betrachten - und somit verboten. Hör dir die Worte Allahs an:

"Und schmäht die nicht, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll ohne Wissen Allah schmähen." [Sura 6:108]

Die Verunglimpfung der Götzen der Polytheisten ist nicht falsch, vielmehr richtig und gerechtfertigt. Jedoch ist die Schmähung des Herrn aller Welten unpassend, ungerechtfertigt, und sie verursacht Feindschaft und Unterdrückung. Deshalb ist es unrechtmäßig und verboten, wenn die lobenswerte Schmähung der Götzen zu einer klaren und offensichtlichen Ursache für die Schmähung des Herrn aller Welten wird. Ich habe dies als Beweis dargelegt, um zu zeigen, dass die Wege und Mittel Regelungen hinsichtlich ihres Zwecks und ihrem Ziel haben. Daher sind Schulen, das Niederschreiben von Wissen und die Verfassung von Büchern zwar aufgrund des Nichtvorhandenseins zur Zeit des Propheten (ﷺ‬) Neuerungen (keine Neuerung im Sinne der Schari’a, sondern neu aus sprachlicher Hinsicht), jedoch stellen sie nicht das einzige Ziel und Zweck dar. Vielmehr sind sie von den Mitteln und Wegen, welche das gleiche Urteil haben, wie das Ziel und der Zweck dieser Mittel und Wege, und in diesem Fall sind das Ziel und der Zweck dieser Mittel und Wege die Unterweisung und das Verbreiten von Wissen. Genau aus diesem Grund ist das Errichten einer Schule für den Zweck, verbotenes Wissen zu lehren, ebenso verboten wie das verbotene Wissen an sich (Schule ist hier Mittel, das verbotene Wissen der Zweck). Und wenn man beabsichtigt, die Schule für die Unterweisung in der Schari’a zu errichten, so ist das Bauen dieser Schule rechtmäßig und erlaubt.

Falls manch einer sagt: Was sagst du zu der Aussage des Propheten: „Wer auch immer in den Islam eine gute Sunna ebnet/einführt, wird seinen Lohn und den Lohn jener, die dieser (Sunna) bis zum Tag des Gerichtes folgen werden, bekommen.“ Die Antwort ist: Jener, der »Wer auch immer in den Islam eine gute Sunna ebnet/einführt…« sagte, ist der Gleiche, der »Jede Neuerung ist eine Irreführung« sagte. Es ist nicht möglich, dass eine Aussage vom Wahrhaftigen und Vertrauenswürdigen (d.h. dem Gesandten) entspringt, welche eine seiner anderen Aussagen als Lüge darstellt. Es ist nicht möglich, dass die Worte des Gesandten Allahs (ﷺ‬) sich jemals widersprechen. Auch ist es nicht möglich, eine Bedeutung abzulehnen, wenn es einen Widerspruch gibt. Wer auch immer denkt, dass sich die Worte Allahs oder die Seines Gesandten widersprechen, soll noch einmal schauen. Diese Vermutung entspringt entweder der eigenen Unfähigkeit oder der eigenen Nachlässigkeit. Es ist nicht möglich, einen Widerspruch in den Worten Allahs - des Erhabenen - oder in den Worten Seines Gesandten (ﷺ‬) zu finden. Wenn das der Fall ist, so ist die Erklärung der Widerspruchsfreiheit zwischen dem Hadith »Jede Neuerung ist eine Irreführung« und dem Hadith »Wer auch immer in den Islam eine gute Sunna ebnet/einführt…« abhängig davon, dass der Prophet von etwas spricht, was in den „Islam“ eingeführt wird, und Neuerungen sind nun mal nicht vom Islam. Er (ﷺ‬) sprach auch von „hasana“ (gut), und Neuerungen sind nicht hasana. Es gibt auch einen Unterschied zwischen Wiederbelebung und Neuerung.

Es gibt auch eine andere Antwort, die frei ist von Fehlern: Die Bedeutung von „man sanna“ (Wer auch immer ebnet/einführt) ist: „Wer auch immer eine Sunna wieder belebt, die es gab und dann untergegangen ist“. Auf dieser Grundlage ist „ebnen/einführen“ (sanna) ein relativer Zusatz, genau so, wie wenn jemand eine Sunna wieder belebt, nachdem diese Sunna vernachlässigt und vergessen wurde, wird diese Sunna als eine Neuerung (in Bezug auf dessen, dass sie eine zeitlang nicht mehr existierte) betrachtet.

Eine weitere dritte Antwort bezieht sich auf den Zusammenhang des Hadith. Der Hintergrund des Hadith gibt wieder, dass eine kleine Gruppe an Leuten als Delegation zum Propheten (ﷺ‬) kam. Diese Leute waren in einem ärmlichen und schwierigen Zustand. Der Prophet (ﷺ‬) rief die Leute um sich dazu auf, aus eigenem Willen zu spenden. Ein Mann von den Ansar kam mit einer Tasche voll Silber, die in seinen Händen gewichtig war. Er stellte die Tasche vor den Gesandten Allahs (ﷺ‬) ab, und das Gesicht des Propheten strahlte aus Freude, und er sagte: „Wer auch immer in den Islam eine gute Sunna ebnet/einführt, wird seinen Lohn und den Lohn jener, die dieser (Sunna) bis zum Tag des Gerichtes folgen werden, bekommen“. In diesem Zusammenhang bedeutet „ebnen/einführen“ die Einführung einer Handlung im Sinne seiner Umsetzung (man verursacht eine gute Tat, die andere dazu bewegt, auch diese gute Tat zu machen, d. Ü.), jedoch nicht im Sinne dessen, dass etwas an Rechtmäßigkeit gewinnt oder das Gesetz betrifft. Daher ist in der Aussage »Wer auch immer in den Islam eine gute Sunna ebnet/einführt…« von einer Person die Rede, die diese „gute Sunna“ (guter Weg) umsetzt, herbeiführt und verwirklicht, nicht jedoch zu einem Gesetz macht, denn dies ist verboten, da jede Neuerung eine Irreführung ist.

Wisset meine Brüder, dass das Folgen des Gesandten durch eine Person nicht korrekt und fehlerfrei ist, außer wenn ihre Handlung mit der Schari’a in Bezug auf sechs Angelegenheiten übereinstimmt:

1. Ursache oder Grund: Wenn jemand Allah mit einer gottesdienstlichen Handlung anbetet (’Ibada macht), die mit einer Ursache oder mit einem Grund verbunden ist, die nicht gesetzlich sind, so ist diese Handlung eine Neuerung, und diese Handlung wird nicht angenommen, sondern abgelehnt. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn die Leute zur 27. Nacht vom Monat Radschab aufstehen und sich darauf stützen, dass der Gesandte Allahs (ﷺ‬) in dieser Nacht zum Himmel stieg. Das Tahadschud-Gebet (Gebet in der Nacht) ist in der Tat eine gottesdienstliche Handlung. Jedoch wenn diese Handlung mit dieser Ursache und mit diesem Grund verbunden wird (d.h. man betet, weil der Gesandte zum Himmel stieg), wird diese Handlung zu einer Neuerung, weil sich diese Handlung auf etwas als Ursache und Grund stützt, die von der Schari’a nicht als Ursache und Grund für diese gottesdienstliche Handlung vorgebracht wurden. Diese Beschreibung - die Übereinstimmung der gottesdienstlichen Handlung mit der Schari’a im Sinne von Ursache und Grund - ist eine wichtige Angelegenheit, mit der die eigentliche Natur einer Neuerung (Bid’a), die von vielen als Sunna angesehen werden, klar und deutlich wird.

2. Art oder Form: Es ist ebenfalls grundlegend, dass die gottesdienstliche Handlung in seiner Art oder Form mit der Schari’a übereinstimmt. Wenn jemand Allah mit einer gottesdienstlichen Handlung anbetet, deren Form oder Art nicht gesetzlich ist, wird diese Handlung nicht angenommen. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn ein Mann ein Pferd opfert, so wäre seine Opfergabe nicht richtig, weil er der Schari’a in der Beschreibung der Form widerspricht. Das Schlachtopfer darf nur mit Lamm, Vieh (wie Kühe, Ochsen), Schaf und Kamelen erfolgen.

3. Zahl/Menge: Wenn sich jemand entscheidet, die Zahl der Gebetseinheiten zu erhöhen, wäre dies eine Neuerung, die nicht akzeptabel ist, weil sie der Schari’a im Sinne der Quantität widerspricht. Falls beispielsweise jemand das Dhuhr-Gebet mit fünf Rak’a betet, wäre sein Gebet einstimmig nicht richtig.

4. Art der Ausführung: Falls jemand beim Wudhu (Reinigung) zuerst seine Füße wäscht, dann über seinen Kopf streicht, anschließend seine Hände und sein Gesicht wäscht, sagen wir: Sein Wudhu ist ungültig, da es der Schari’a in der Art der Ausführung widerspricht.

5. Zeit: Wenn jemand in den ersten Tagen von Dhul-Hidscha ein Schlachtopfer darbringt, so würde seine Opfergabe nicht angenommen werden, da der zeitliche Bezug im Widerspruch zur Schari’a steht. Ich habe gehört, dass einige Leute während des Monats Ramadan ein Schaf schlachten, um mit dieser Schlachtung Allah näher zu kommen. Diese Handlung ist eine Neuerung aufgrund des zeitlichen Kriteriums, da es hinsichtlich Schlachtopfer nichts gibt, mit dem man Allah näher kommt, außer mit dem Schlachtopfer von Adha, Aqiqa und jenes, was man als Geschenk hergibt. Die Schlachtung im Monat Ramadan, während man glaubt, dass es für diese Schlachtung eine Belohnung gibt, so wie dies bei Eidul Adha der Fall ist, ist eine Neuerung. Jedoch wenn man nur aufgrund des Fleisches schlachtet, so ist dies erlaubt.

6. Ort: Wenn ein Mann I’tikaf an einem anderen Ort außerhalb der Moschee verrichtet, würde sein I’tikaf nicht richtig sein, denn I’tikaf darf nur in Moscheen ausgeführt werden. Falls eine Frau sagt, dass sie I’tikaf an ihrem Gebetsplatz im eigenen Heim verrichten möchte, so wäre ihr I’tikaf aufgrund des örtlichen Kriteriums im Widerspruch zur Schari’a. Ein anderes Beispiel hierzu wäre, wenn jemand Tawaf (Umrundung der Ka’ba) vornehmen möchte, jedoch meint, dass dies aufgrund der Einengung (verursacht durch viele Menschen) nicht möglich ist, und er Tawaf deswegen hinter der Moschee macht, so wäre sein Tawaf nicht richtig, weil der Ort für Tawaf das Haus (Ka’ba) ist. Allah - der Erhabene - sagte zu Ibrahim: "Reinigt Mein Haus für die es Umkreisenden und (sich dorthin) Zurückziehenden, die Sich-Verneigenden und Sich-Niederwerfenden." [Sura 2:125]

Daher wird ’Ibada nicht als eine rechtschaffene Tat angesehen, außer wenn zwei Bedingungen zutreffen:

Ikhlas (Reinheit der Absicht, die frei ist von Schirk), das Befolgen und Festhalten (an dem, was der Gesandte brachte; in Übereinstimmung mit seiner Sunna etc.). Dies stimmt nur, wenn die oben genannten sechs Punkte in Gutem verwirklicht werden. Ich sage zu jenen, die von Neuerungen heimgesucht wurden, deren Absichten ohne Zweifel gut sind und das Gute wünschen: wenn ihr das Gute erstrebt, bei Allah, wir kennen keinen Weg, der besser ist als der Weg der Salaf (frommen Vorfahren), möge Allah mit ihnen zufrieden sein.

Meine Brüder, beißt euch mit euren Backenzähnen fest an die Sunna des Gesandten (ﷺ‬) und schreitet auf dem Pfad der Salaf us-Salih. Beruht auf dem, worauf sie beruhten und dann achtet darauf: Wird dich dies auf irgendeine Weise verletzen oder schaden? Ich sage - und ich suche Zuflucht bei Allah, dass ich nicht etwas sage, worüber ich kein Wissen besitze: Man sieht, dass viele dieser Leute, die begierig und eifrig in Neuerungen sind, schwach und zaghaft in der Anwendung jener Angelegenheiten sind, deren Rechtmäßigkeit und Richtigkeit durch die Sunna gesichert wurde. Wenn sie ihre Neuerungen beenden und sich von ihnen trennen, begegnen sie gesicherten Handlungen der Sunna mit Faulheit. All dies ist von den schlechten Wirkungen der Neuerungen auf das Herz. Die üblen Wirkungen von Neuerungen auf das Herz sind gewaltig und ernst, und die Gefahr gegenüber der Religion ist immens. Jedes Mal wenn irgendwelche Leute eine Neuerung in der Religion begehen, vernachlässigen sie etwas Gleiches von der Sunna oder vielmehr als das, so wie manche Leute des Wissens unter den Salaf dies erwähnt haben.

Im Gegensatz hierzu, wenn jemand fühlt und weiß, dass er folgt und festhält, jedoch nicht Gesetze verabschiedet (indem er Neuerungen zu einem Teil der Religion macht), wird er als Ergebnis eine vollkommene Ehrfurcht, Unterwerfung, Demut und Anbetung seines Herrn der Welten erlangen. Außerdem wird er eine vollkommene Folgsamkeit gegenüber dem Imam der Gottesfürchtigen, dem Haupt der Gesandten, dem Gesandten des Herrn aller Welten, Muhammad (ﷺ‬) erreichen.

Ich richte diesen Rat an alle meine muslimischen Geschwister, die irgendeine Neuerung als etwas Gutes betrachten, seien diese in Bezug auf die Essenz Allahs, Seinen Namen, Seinen Eigenschaften oder dem Gesandtem Allahs, dass sie Allah fürchten und sich davon abwenden sollen. Weiterhin sollen sie ihre Sache auf Folgsamkeit und Umsetzung, jedoch nicht auf Neuerung errichten; auf Wahrhaftigkeit und nicht auf Schirk; auf Sunna und nicht auf Bid’a; auf dem, was der Barmherzige (ar-Rahman) liebt und nicht auf dem, was Schaitan liebt. Danach sollen sie schauen, was sie an Gewissheit, Leben und Gelassenheit in ihren Herzen erlangen werden, ebenso sollen sie ihr Augenmerk darauf richten, wie sorglos und behaglich ihre Lage wird.

Ich bitte Allah, dass Er uns zu Führern macht, die rechtgeleitet sind. Möge Er unsere Herzen mit Glaube und Wissen erleuchten, und dass das erlangte Wissen uns nicht schadet. Möge Er auf dem Wege Seiner gläubigen Diener mit uns sein und uns jenen zuschreiben, die Seine nahen Freunde sind, welche Ihn fürchten und zur Gruppe der Erfolgreichen gehören. Möge Allahs Segen und Heil auf dem Propheten Muhammad, seiner Familie und seinen Gefährten sein.



[1] Alle Übersetzungen stellen nur eine ungefähre Bedeutung dar.