25 Fragen zum Islam ()

 

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 Toleranz und Nachsicht im Islam


Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Allah. Segen und Frieden seien auf unserem Propheten Muhammad und auf seiner Familie und seinen Gefährten.

Zu den Faktoren die geholfen haben, den Islam zu verbreiten und ihm Anerkennung und Akzeptanz bei den Nichtmuslimen zu verschaffen, gehören, dass er leicht zu verstehen ist, dass seine Lehre einfach ist und seine Toleranz in den Beziehungen; und dass er der natürlichen Veranlagung, mit der Gott den Menschen erschaffen hat, nicht widerspricht und keinen Gegensatz zu ihr bildet; und sein klarer und deutlicher Ruf, der natürlichen Veranlagung zu folgen und ihr nicht zuwider zu handeln.  Wie es Allah, Hocherhabene, im Qur´an deutlich erklärt:

(So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, - (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen er schaffen hat. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht.) (Qur´an 30:30)

Vielleicht lässt sich das mit einem Beispiel verdeutlichen: und zwar dem natürlichen Instinkt der Sexualität. Der Islam sieht ihn nicht als schmutzig an und hat ihn nicht verboten, im Gegenteil er hat befohlen, ihn zu realisieren, wie Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Und verheiratet die noch ledigen (Männer und Frauen) unter euch und die Rechtschaffenen von euren Sklaven und euren Sklavinnen. Wenn sie arm sind, wird Allah sie durch Seine Huld reich machen. Allah ist Allumfassend und Allwissend.) (Qur´an 24:32)

Und der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat ermutigt, die Initiative zu ergreifen und zu heiraten, um dieses sexuelle Bedürfnis zu befriedigen, indem er sagte:

„O ihr Scharen der Jugendlichen, wer sich von euch die Führung einer Familie leisten kann, der soll heiraten, denn das hilft, den Blick zu senken und die Scham zu hüten. Und wer dies nicht kann, der soll fasten. Dann ist dies für ihn ein Schutz.“

Aber er hat es nicht ohne Bedingungen und Begrenzungen erlaubt.  Vielmehr hat er Regeln aufgestellt und die richtige Art und Weise gezeigt, um dies zu erreichen und den Instinkt zu befriedigen.  Dafür hat er das Heiraten als richtigen Weg bestimmt, so dass mit der Heirat die Ruhe erzielt wird, nach der sich jeder Mensch sehnt. Und infolge dessen wächst diese Gnade, durch die das Zusammenleben in einer Ehe erfolgreich wird und Nachkommen gezeugt werden; und das auf eine legale Art und durch einen heiligen Bund, wie Allah, der Hocherhabene, es im Qur´an erklärt:

(Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.)                                                                                 (Qur´an 30:21)

   Und er hat jede andere Art außer dieser für verboten erklärt, wegen dem, was daraus resultiert, wie die Verbreitung von Krankheiten, das Abbrechen von Familienverbindungen, außereheliche Kinder mit unruhigen Seelen und voller Hass auf ihre Gesellschaft. So sagt Allah, der Hocherhabene, im Qur´an:

(Und nähert euch nicht der Unzucht. Gewiß, sie ist etwas Abscheuliches - und wie böse ist der Weg.)

   (Qur´an 17:32)

   Es muss dabei auch erwähnt werden, dass er die Ehe nicht für ewig bestimmt hat, für den Fall, dass einer von beiden oder beide damit nicht zurecht kommen. Dann hat er den beiden die Trennung erlaubt, aber durch angemessene Anordnungen, die die Rechte von beiden sichern und auf ihre Gefühle achtend, weil der Islam den Aufbau einer glücklichen Familie zum Ziel hat, die selbst dann den Grundstein für die erfolgreiche Gesellschaft bildet, wodurch der Einzelne sein weltliches und religiöses Leben in Freiheit und Ruhe genießen kann, und so wird er zu einem Menschen, der produktiv und förderlich ist für die Gesellschaft. Und so ist es das gleiche Prinzip auch bei anderen veranlagten Dingen beim Menschen.  So hat der Islam die Dinge einfach gemacht und der menschlichen Seele nicht mehr aufgeladen, als sie tragen kann.     

   Als dem Islam der Terrorismus immer häufiger vorgeworfen wurde und ihm Eigenschaften nachgesagt wurden, die überhaupt  nichts mit ihm zu tun haben, sondern einfach nur dafür bestimmt sind, vor ihm  abzuschrecken, vielleicht aus Angst vor der steigenden Zahl der Konvertierten, und als immer mehr Vorwürfe und Zweifel hörbar wurden, die keinen Grund und Boden haben, sondern lediglich Interpretationen eigener, persönlicher Anschauungen, die islam- und muslimfeindlich sind, bat mich der Scheikh Muhamed Seyfudin Abu Anas, Vorsitzender des Vereins „Einladung zum Paradies e.V.“ in Deutschland, ein kurz gefasstes Buch zu schreiben, das die Toleranz und die Nachsicht des Islam und im Islam darstellt. Es ist ihm, nach Allah, dem Hocherhabenen, zu verdanken, dass dieses Buch veröffentlicht wird.

   Jedoch muss ich sagen, dass mein Erstaunen sehr groß war, als ich von dieser Entwicklung der öffentlichen Meinung, speziell in Deutschland, erfahren habe, weil ich, offen gesagt, die Deutschen als ein freundliches Volk kennengelernt habe und je näher ich sie kennenlernte, desto beeindruckter war ich von ihrer Freundlichkeit. Zu dieser Ansicht bin ich aufgrund meiner Erfahrungen mit jenen Deutschen gelangt, die aus geschäftlichen oder privaten Gründen in mein Land gekommen sind. Und da das Volk so freundlich ist, habe ich automatisch den Schluss gezogen, dass seine Regierung ebenfalls freundlich sein muss. Denn ein freundliches Volk wählt auch nur eine freundliche Regierung. Auch hat sich dies mir nach den zahlreichen gemäßigten Stellungnahmen der deutschen Regierung zu vielen Geschehnissen auf internationaler Ebene bestätigt. An dieser Stelle möchte ich dem deutschen Volk gratulieren für diese vernünftige und freundliche Regierung. So gratuliere ich auch der deutschen Regierung für dieses wunderbare Volk. Ich spreche für meine eigene Person und kann sagen, dass ich Deutschland liebe und ihm Aufstieg und Fortschritt wünsche. Und ich möchte Deutschland beruhigen, dass hinter dem wahren Islam nur Liebe, Zuneigung und Frieden steckt, und das ist, was sie in diesem Buch erkennen werden. Ich wünsche mir von der Regierung und vom Volk, dass sie gründlich darüber nachdenken, den wahren Islam zu akzeptieren, ihn zu fördern sowie den Menschen die Möglichkeit geben, den Lebensweg zu gehen, den sie möchten, solange alles friedlich und im Rahmen der deutschen Verfassung verläuft. Das ist meine Hoffnung. Denn durch das Akzeptieren des Islam werden sie ihre Gesellschaft bereichern und viele Konflikte lösen können. Konflikte, die aufgrund der modernen Zivilisation und der Verbreitung der Verderbnis, des Ungehorsams, der Zerstörung von Familien etc., entstanden sind. Und nicht nur das; sie werden auch ihre Wirtschaft verbessern, wenn sie das islamische Wirtschaftssystem annehmen, das keine Finanzkrise oder wirtschaftlich zerstörende Schwankungen, wie wir sie heutzutage erleben, kennt. Es reicht als Beweis, dass viele nicht-islamische Nationen vorhaben, das islamische Wirtschaftssystem zu übernehmen. Auch aus politischer Sicht werden sie 1,57 Mrd. Muslime, die ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen, für sich gewinnen. Sie werden dadurch besondere und nützliche Bündnisse mit nicht weniger als 90% der islamischen Nationen schließen können und zudem über eine stabile Sicherheit inner- und außerhalb des Landes verfügen. Wir leugnen natürlich nicht, dass es einige Muslime gibt, die durch ihre Handlungen dem Islam Böses angetan haben, sei es nun absichtlich oder unbeabsichtigt. Jedoch ist es ungerecht, dem Islam die Fehler und falschen Handlungen einiger seiner Anhänger, die nicht dem wahren Islam folgen, anzuhängen.

   Ich wiederhole es noch einmal, dass ich Deutschland und sein Volk liebe. Und der Beweis für meine Liebe ist meine schnelle Reaktion auf die Bitte des Scheikh Muhamed Seyfudin Ciftci. Ich gratuliere Deutschland dafür, einen solchen Scheikh zu haben, der eine ausgeglichene Persönlichkeit in seiner Dawa (Einladung zum Islam) ist. Zudem ist er klar und ehrlich in seiner Orientierung und seinen Zielen.

Euer Dr. Abdurrahman ibn Abdulkarim Al-Sheha


 Einführung

Der Islam ist die Religion, mit der Allah alle Propheten, seit Adam, (sas), entsandt hat. Der Islam ist die Religion, die Allah für beide Welten, der Menschen und der Djinn (Geister), auserwählt hat bis zum Tag der Auferstehung. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Gewiss, die Religion ist bei Allah der Islam.)                                                                                      (Qur´an 3:19)

Der Islam lädt dazu ein, Allah alleine anzubeten und Ihm allein die aufrichtige ‘Ibada (religiöse Anbetungshandlungen) ohne jegliche Beigesellung anderer entgegenzubringen. Diese Einladung ist die aller Gesandten und Propheten.

So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Er hat euch von der Religion festgelegt, was Er Nuh anbefahl und was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben und was Wir Ibrahim, Musa und `Isa anbefahlen: Haltet die (Vorschriften der) Religion ein und spaltet euch nicht darin (in Gruppen).)                                                                          (Qur´an 42:13)

Die Propheten vor Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wurden nur zu ihrer Stadt, ihrem Dorf oder ihrem Stamm und für eine bestimmte Zeit entsandt. Wenn nun der entsandte Prophet starb und nach einer langen Zeit die Entgleisungen von seinen Gottesgesetzen (Scharia) durch Vielgötterei und die Entfernung von der Umsetzung der Scharia und Ungerechtigkeit herrschte, entsandte Allah einen anderen Propheten, um die alte Scharia und die Empfehlung zur Anbetung Gottes alleine, ohne Ihm etwas beizugesellen, zu erneuern. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und Wir haben ja bereits in jeder Gemeinschaft einen Gesandten erweckt: „Dient Allah und meidet die falschen Götter.)      (Qur´an 16:36)

Und so war schließlich der letzte dieser Propheten und Gesandten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Allah hat ihn entsandt, damit er das Siegel aller Propheten und Gesandten wird, und damit seine Scharia die letzte aller vorangegangenen Scharia’s wird. Auch damit seine Scharia für die gesamte Welt gilt. Für die Menschen und die Djinn, für die Weißen und Schwarzen, für die Araber und Nichtaraber, für alle gleich. So sagt  Allah, der Hocherhabene:

(Und Wir haben dich für die Menschen allesamt nur als Frohboten und Warner gesandt.) (Qur´an 34:28)

Deshalb war es wichtig und unerlässlich, dass diese Botschaft und diese Scharia bestimmte Eigenschaften aufweist, die vorige Scharia’s nicht besaßen. Sie muss fähig sein, sich den gesellschaftlichen Fortschritten anzupassen. Sie muss ebenfalls alle Menschen ansprechen, unabhängig von ihrer Herkunft und Abstammung. Deswegen ist eine der Eigenschaften dieser Religion, dass sie universell ist, und dass eine Barmherzigkeit für die Menschheit darin liegt. So sagt Allah, Erhaben ist Er:

(Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt.) (Qur´an 21:107)

Sie muss auch hinsichtlich der Bestimmungen vollkommen und allumfassend sein, um das Leben des Einzelnen, der Gemeinschaft und die Beziehungen mit anderen Gemeinschaften zu regeln, um so ihre Stetigkeit und ihren Fortbestand zu sichern, die Allah für sie vorgesehen hat und damit diese Scharia auch für alle Zeiten, Epochen und Orte, bis zum Jüngsten Tag, gültig bleiben kann. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(...Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gunst an euch vollendet, und Ich bin mit dem Islam als Religion für euch zufrieden.)        (Qur´an 5:3)

Und da die Einfachheit, Toleranz und Nachsicht wichtige Punkte sind, damit der Mensch sich zu einer Scharia bekennt, gehören diese auch zu den besonders betonten Eigenschaften der islamischen Scharia. Diese Toleranz und Nachsicht zeigt sich in der Einfachheit ihrer Regeln und in der Leichtigkeit ihrer religiösen Riten. Ein weiteres Charakteristikum ist die Weite und Einfachheit, die diese Summe von Regeln mit sich bringen, damit es allen, zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich ist, sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzusetzen und nach ihnen zu leben, so, wie Allah und Sein Prophet es befohlen haben. Dabei stützt sich die Art und Weise auf den Vers, in dem Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.)         (Qur´an 2:286)

Und der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Lasset meine Befragung sein, solange ich eure Handlungen billige; denn diejenigen, die vor euch waren, gingen durch ihre (überflüssigen) Fragen und Meinungsverschiedenheiten mit ihren Propheten zugrunde. Wenn ich euch etwas verbiete, dann meidet es und von dem, was ich euch aufgetragen habe, führt aus, so viel ihr vermöget.“    (Buchari)

Die Toleranz und Nachsicht im Islam sind eine unerlässliche Säule, auf der sich die islamische Scharia stützt. Angefangen bei der bedeutendsten Sache der Religion, nämlich dem Glaubensbekenntnis, bis zu den kleinsten Angelegenheiten. Ohne Eigensinn und ohne eine Strenge, die das Erlaubte verbietet und ohne eine Leichtsinnigkeit, die das Verbotene erlaubt. Denn diese Scharia wurde für die Menschen offenbart, die Mängel haben, Gefühlen und Emotionen ausgesetzt sind und über eine begrenzte Kraft verfügen. So nimmt die islamische Scharia Rücksicht auf diese Emotionen, Gefühle und Kräfte, weil es die Religion der Fitra (natürliche Veranlagung) ist. Sie greift diese Fitra nicht an, sondern passt sich dieser an und begleitet sie. Sie bietet allen die Möglichkeit, die religiösen Riten zu befolgen, je nach Fähigkeit und Situation des Einzelnen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(… und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt.)   (Qur´an 22:78).

Die Regeln der islamischen Scharia sind erfüllt mit Nachsicht und Toleranz und geprägt von Einfachheit sowie der Aufhebung von Bedrängnis und Vermeidung von Schwierigkeiten für ihre Anhänger. Deswegen ist sie beliebt bei allen Individuen der islamischen Gesellschaft, trotz der Vielfältigkeit ihrer Ebenen und der Unterschiede ihrer Gedanken. Sie genießen das Praktizieren dieser Scharia. Die gerechten Nicht-Muslime bestätigen dies. Denn die islamische Scharia berücksichtigt den Reichen und Armen, den Gesunden und den Kranken, den Großen und den Kleinen, Männer wie Frauen. Sie berücksichtigt auch den Herrscher und das Volk und nimmt Rücksicht auf den Ort und die Zeit. Von Beginn an kannte die gesamte Menschheit keine andere Religion, die solche umfassenden Prinzipien besitzt und die angepasst ist an die Natur des Menschen, den Allah schwach erschuf. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.) (Qur´an 4:28)

Die Toleranz und Nachsicht des Islam und seine Einfachheit in der Aufhebung der Bedrängnis und der Strenge, ist nicht nur auf seine Anhänger beschränkt. So hatten die Anhänger anderer Religionen, die der Bedrängnis und der Härte ausgesetzt waren, durch die Erscheinung des Islam viel Gutes und Erleichterung erfahren. Der Islam entlastete sie in vielerlei Hinsicht. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(die dem Gesandten, dem schriftunkundigen Propheten, folgen, den sie bei sich in der Thora und im Evangelium aufgeschrieben finden. Er gebietet ihnen das Rechte und verbietet ihnen das Verwerfliche, er erlaubt ihnen die guten Dinge und verbietet ihnen die schlechten, und er nimmt ihnen ihre Bürde und die Fesseln ab, die auf ihnen lagen. Diejenigen nun, die an ihn glauben, ihm beistehen, ihm helfen und dem Licht, das mit ihm herab gesandt worden ist, folgen, das sind diejenigen, denen es wohl ergeht.)        (Qur´an 7:157)

Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört die Legitimation des sog. Ijtihad (Bemühen), den der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) konkludent erlaubt hat, als er Mu’adh zum Jemen schickte. Er fragte ihn:

„Wie urteilst du, wenn du einer Klage begegnest?“ Er sagte: „Ich urteile nach dem Qur’an.“ Er fragte ihn: „Was ist, wenn du darin nichts findest?“ Er sagte: „Dann urteile ich nach der Sunna des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken).“ Er fragte ihn weiterhin: „Und wenn du darin nichts findest?“ Er sagte: „Ich bemühe mich in meiner Meinung, bis ich zu einer Lösung komme.“ Er schlug auf seine Brust und sagte: „Alles Lob gebührt Allah, Der den Gesandten des Gesandten Gottes zu dem, was Allah und Seinen Propheten zufrieden stellen, verholfen hat.“

Daher ist diese Religion fähig, sich zu entwickeln, gültig und passend für jede Zeit und jeden Ort. Denn der Islam brachte allgemeine Prinzipien und Fundamente, feste, umfassende und vollständige Grundsätze, die sich nicht mit der Zeit und dem Ort ändern. Zu diesen Fundamenten gehören das Bekenntnis und die religiösen Riten, wie der Glaube (Iman), die Gebete (ihre Anzahl und ihre Zeiten), die Almosen - soziale Pflichtabgabe - (ihre Beträge und wann sie zu geben sind), das Fasten und seine Zeit, die Pilgerfahrt mit ihrer Verrichtungsweise und ihrer Zeit und die Hudud (Bestrafungen), etc.

Ganz gleich, welche Dinge sich mit der Zeit ergeben und neu erscheinen, sie werden dem Qur’an vorgestellt. Wenn darin eine Regelung für diese Sache gefunden wird, dann folgt man dieser und lässt alles andere beiseite. Findet man nichts darin, so geht man zur Sunna des Propheten (Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) über und sucht dort nach Regelungen in den über ihn authentisch und zuverlässig überlieferten Aussagen. Findet man hier etwas, so nimmt man dies, andernfalls geht man zum den Ijtihad über. Da haben die frommen und aufrichtigen Gelehrten zu forschen und zu überprüfen, um zu einem Ergebnis zu kommen, welches das Interesse und das Wohl der Allgemeinheit verwirklicht sowie den Belangen ihrer Zeitepoche und ihrer gesellschaftlichen Situation entspricht. Das erfolgt durch das Überprüfen dessen, was der Qur’an und die Sunna wahrscheinlich zulassen. Diese neuen Dinge werden anhand der schariakonformen, allgemeinen Grundsätze, die aus dem Qur’an und der Sunna entnommen wurden, überprüft. Folgende Grundsätze als Beispiel: (Grundsätzliche Legitimation in allen Angelegenheiten), (Wahrung der Interessen), (Einfachheit und das Meiden von Bedrängnis), (Beseitigung des Nachteils), (Not rechtfertigt das Verbotene), (Notlagen werden einzeln beurteilt und abgeschätzt), (das Beseitigen des Nachteils hat den Vorrang gegenüber der Herbeiführung von Nutzen), (Ausführung der weniger nachteiligen Handlung), (Nachteil wird nicht mit Nachteil aufgehoben), (das Ertragen des persönlichen Nachteils, um den allgemeinen Nachteil abzuwehren), etc.

   Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass der Ijtihad nicht so verstanden werden darf, dass man der eigenen Laune folgen und nach eigenen Vorstellungen urteilen soll. Vielmehr geht es um das Erreichen von Ergebnissen, die den Menschen Gutes und Nützliches bringen, ohne dabei den religiösen Texten zu widersprechen. Das ist so, damit der Islam jedem Zeitalter angepasst ist und den Belangen jeder Gesellschaft in jeder Epoche angeglichen wird. Diese Worte sind nicht einfach so daher gesagt. Denn wer die qur‘anischen Texte und die Aussprüche des Propheten (Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verfolgt, sieht, dass der Islam zur Toleranz, Nachsicht und Einfachheit einlädt und dazu anhält.

 Der Islam und der Diskurs der Toleranz und Nachsicht:

Über die Toleranz und Nachsicht des Islam zu sprechen ist nichts spezielles oder partielles, sondern etwas, was den gesamten Islam umfasst und anspricht, weil die Toleranz und Nachsicht in jeder Facette des Islam integriert ist. Wie kann es auch anders sein, wo doch der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Die beste Art und Weise eures Glaubens ist die einfachste.“

Auch sagte er (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Die beliebte Art der Religion bei Allah ist die des rechten Glaubens und der Gnade.“ (Buchari)

Der Islam ist somit ein vollkommener und umfassender Diskurs. Der Islam ist die Religion der Mitte, wie Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei.)  (Qur´an 2:143)

1.       Der Islam ist eine Religion der Toleranz und Nachsicht im Bereich der Politik und der auswärtigen Beziehungen, so sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten.)     (Qur´an 60:80)

2.       Auch ist er eine Religion der Toleranz und Nachsicht im Bereich der Gesellschaft, so sagt Allah, der Hocherhabene:

(O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.) (Qur´an 94:13)

3.       Auch im Bereich des Benehmens und des Charakters ist der Islam eine Religion der Toleranz und Nachsicht, so sagt Allah, der Hocherhabene:

(Nimm den Überschuss, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!)       (Qur´an 7:199)

4.       Im Bereich der religiösen Verrichtungen zeigt sich diese Toleranz ebenfalls. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag –, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.)

                                                                       (Qur´an 7:42)

5.       Und so verhält es sich auch im Bereich der Wirtschaft. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. Dies (wird sein), weil sie sagten: „Verkaufen ist das gleiche wie Zinsnehmen.“ Doch hat Allah Verkaufen erlaubt und Zinsnehmen verboten. Zu wem nun eine Ermahnung von seinem Herrn kommt, und der dann aufhört, dem soll gehören, was vergangen ist, und seine Angelegenheit steht bei Allah. Wer aber rückfällig wird, jene sind Insassen des (Höllen)feuers. Ewig werden sie darin bleiben.)  (Qur´an 2:275)

6.       Der Islam ist auch eine Religion der Toleranz und Nachsicht im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden.) (Qur´an 3:134)

7.       So ist es ebenfalls im Bereich der Erziehung und Bildung. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Vereinfacht und erschwert nicht, und verkündet die

gute Nachricht und schreckt nicht ab.“      (ibn Hibban)

Die islamischen religiösen Texte waren ein Anlass, den Diskurs der Toleranz, der Nachsicht und der Einfachheit durch die Nachlegung seiner praktischen Umsetzung in der islamischen Gesellschaft zu verankern:

Auf der Ebene des Einzelnen, durch den Ausspruch des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Seid nachsichtig, so ist Allah mit euch nachsichtig.“

(von Ahmad überliefert)

und auf der Ebene der Gemeinschaft, anhand des Ausspruchs des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Allah liebt die Güte in jeder Angelegenheit.“ (Buchari)

Der Prophet hat sogar für denjenigen, der gütig mit seiner Umma umgeht und sie milde behandelt und sie dabei mit Einfachheit führt, ein Bittgebet gesprochen, in dem es heißt:

„O Allah, wer die Führung dieser Umma übernimmt und es ihr schwer macht, erschwere es ihm, und wer die Führung dieser Umma übernimmt und gütig, milde und nachsichtig mit ihr umgeht, geh gütig, milde und nachsichtig mit ihm um.“ (von Muslim überliefert).

Der Islam hat die Toleranz und Nachsicht zu den Dingen zählen lassen, die zum Paradies führen und von der Hölle abwenden, so sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Wer unkompliziert, sanft und nah ist, den hält Allah von der Hölle fern.“

Aber man muss wissen, dass Toleranz, Nachsicht und Einfachheit speziell für die religiösen Verrichtungen gelten und nicht für die Lehren der Scharia und der Religion. So kann nichts Verbotenes für erlaubt erklärt werden und nichts Erlaubtes für verboten. Auch darf das Praktizieren seiner Richtlinien und Regeln nicht vernachlässigt werden oder etwa den islamischen Auffassungen und allgemeinen Sitten schaden. Es sind die Toleranz, die Nachsicht und die Einfachheit, die fern sind von Härte und Schwere und auch fern von Frevel und Sünde. Geregelt ist dies in dem Ausspruch des Propheten, den ’Aischa (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben) die Ehefrau des Propheten berichtete:

„Wenn dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zwei Dinge angeboten wurden, so wählte er die einfachere Sache, solange es sich nicht um eine Sünde handelte. War es eine Sünde, dann war er am entferntesten davon.“

Natürlich sind die Ausnahmen davon ausgeschlossen, denn diese haben ihre speziellen Regelungen.

Im Folgenden werden wir weitere Facetten der Toleranz und Nachsicht behandeln:

 Die Toleranz und Nachsicht im Bereich der Aqida:

Die Aqida (Gesamtheit der zu verinnerlichenden Inhalte des Islam) im Islam ist das Fundament und die Grundlage, worauf die Religion aufbaut, bei der es keine Kompromisse oder Verhandlungen gibt. Denn ohne Aqida gibt es auch keine Religion.

Deshalb sagt uns Allah, der Hocherhabene, im Qur’an:

(Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will.) (Qur´an 4:84)

Zu den Seiten der Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida gehören:

1.       Die Aqida ist klar und nicht etwa undeutlich oder verworren. Es ist einfach, so dass der Unwissende es vor dem Wissenden versteht und der kleine vor dem großen. Daher ist es nicht notwendig, zu einer bestimmten Gruppe zu gehören, um die Aqida zu kennen und zu verstehen. Diese Aqida unterschätzt nicht den menschlichen Verstand, sodass es ihn etwa dazu veranlassen würde, Steine, Bäume oder Tiere anzubeten. Vielmehr ruft es zum Glauben an den einen einzigen Gott auf; Ihn alleine, ohne jegliches Beigesellen und ohne jegliche Vermittler anzubeten. Die Aqida ist so einfach, dass es sogar der unwissende Beduine in der Wüste verstanden hat, als er gefragt wurde: „Wie hast du deinen Gott erkannt?“ Da sagte er instinktiv: „Der Dung deutet auf das Vieh und die Fußspuren auf den Gehenden. Deutet etwa die Nacht und der Tag, die Erde und der Himmel nicht auf den Allmächtigen, den Allwissenden?“ Auch wusste es die Magd mit ihren Schafen. Mu’awiya ibn al-Hakam al-Sulami sagt: „Ich hatte eine Zahl von Schafen, die meine Magd hütet. Eines Tages entdeckte ich, dass ein Wolf eines der Schafe gefressen hatte. Aus meiner Wut heraus versetzte ich ihr einen schweren Schlag, den ich danach bereute und es tat mir sehr leid. Daraufhin ging ich zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und fragte: „Soll ich sie freilassen?“ Da sagte der Prophet:

„Bring sie zu mir!“ Als sie kam, fragte sie der Prophet: „Wo ist Allah?“ Sie antwortete: „Im Himmel.“ Da fragte sie der Prophet weiter: „Wer bin

ich?“ Sie sagte: „Du bist der Gesandte Gottes.“. Daraufhin sagte der Prophet zu Mu’awiya: „Lass sie

frei! Sie ist eine Gläubige.“

2.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida, dass er seinen Anhängern auferlegt hat, an alle vorangegangenen Gesandten und Bücher, die offenbart wurden, zu glauben. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Der Gesandte (Allahs) glaubt an das, was zu ihm von seinem Herrn (als Offenbarung) herab gesandt worden ist, und ebenso die Gläubigen; alle glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten – Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von Seinen Gesandten. Und sie sagen: „Wir hören und gehorchen. (Gewähre uns) Deine Vergebung, unser Herr! Und zu Dir ist der Ausgang.)                               (Qur´an 2:285)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida gehört, dass niemand mit Gewalt gezwungen oder genötigt wird, ohne eigenen Willen oder Überzeugung, den Islam anzunehmen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Es gibt keinen Zwang im Glauben. (Der Weg der) Besonnenheit ist nunmehr klar unterschieden von (dem der) Verirrung. Wer also falsche Götter verleugnet, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe, bei der es kein Zerreißen gibt. Und Allah ist Allhörend und Allwissend.) (Qur`an 2:256)

Denn in den islamischen Quellen steht, dass die Unstimmigkeiten über die Religionen zwischen den Menschen Tatsachen sind, die dem Willen Allahs entsprechen. Deshalb gehört es nicht zu den Regeln des Islam, die Menschen dazu zu zwingen, Muslime zu werden. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn dein Herr wollte, würden fürwahr alle auf der Erde zusammen gläubig werden. Willst du etwa die Menschen dazu zwingen, gläubig zu werden?)

 (Qur`an 10:99)

So steht es demjenigen, dem der Islam erklärt wurde, frei zu entscheiden, ihn anzunehmen oder abzulehnen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und sag: (Es ist) die Wahrheit von eurem Herrn. Wer nun will, der soll glauben, und wer will, der soll ungläubig sein. Gewiss, Wir haben den Ungerechten ein Feuer bereitet, dessen Zeltdecke sie umfangen hält. Und wenn sie um Hilfe rufen, wird ihnen mit Wasser wie geschmolzenem Erz geholfen, das die Gesichter versengt – ein schlimmes Getränk und ein böser Rastplatz.)         (Qur`an 18:29)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islams gehört im Bereich der Aqida auch, dass nach den sichtbaren Taten und Aussagen geurteilt wird und nicht nach den verborgenen Absichten und Zielen. Deswegen kann niemand nach seinen verborgenen Absichten zur Rechenschaft gezogen werden, weil diese verborgenen Dinge eine Angelegenheit zwischen dem Menschen und seinem Gott sind, über die kein Mensch etwas wissen kann. Deshalb reagierte der Prophet streng, wenn jemand über die Menschen gemäß ihren Absichten urteilte. So wünschte sich einer der Gefährten, dass er den Islam nicht vor seiner Tat angenommen hätte. Osama ibn Zaid (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) sagte:

„Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) entsandte uns in eine Brigade. Wir wachten auf, und ich sah einen Mann. Er sagte: „La ilaha illa Allah (Es gibt keinen Gott außer dem einen Gott)“, und ich habe ihn erstochen. Dies lastete mir schwer auf dem Herzen und ich ging zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und berichtete ihm von dem Vorfall. Er fragte: „Er hat „la ilaha illa Allah“ gesagt und du hast ihn getötet?“ Ich sagte: „O Prophet, er hat es bloß aus Angst vor dem Tod gesagt.“ Da fragte der Prophet: „Hast du in sein Herz geschaut, damit du weißt, ob er es (aus Angst) sagte oder nicht?“ Und er wiederholte es so oft, bis ich mir wünschte, dass ich erst an diesem Tag den Islam angenommen hätte."

Die Beurteilung des Menschen vollzieht sich also nach dem Äußeren, den Taten. So berichtet abu Sa’id al-Khudri: „Ali ibn abu Talib sendete dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) aus dem Jemen Golderz in gegerbtem Leder. Er sagte: „Er teilte es unter vier Leuten auf; ‘Uyainata ibn Hisn und al-Aqra‘ ibn Habis und Zaid al-Khail und der vierte ist entweder ‘Alqama ibn ‘Ulatha oder ‘Amer bin at-Tufail. So sagte einer seiner Gefährten: „Es wäre vorteilafter, uns dies zu geben anstatt ihnen. Als der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) dies mitbekommen hatte, fragte er:

„Vertraut ihr mir nicht? Der im Himmel vertraut mir. Mir kommen die Mitteilungen des Himmels morgens und abends.“ Da stand ein Mann auf und sagte: „O Prophet, fürchte Allah.“ Da sagte der Prophet: „Wehe dir! Bin ich nicht derjenige, der Allah mehr fürchtet als alle anderen Menschen?“ Der Mann ging. Da fragte Khalid ibn al-Walid: „O Prophet, soll ich ihn umbringen?“ Der Prophet antwortete: „Nein, vielleicht betet er.“ Khalid fragte daraufhin: „Wie viele sind es, die mit ihrem Mund etwas anderes sagen, als das, was sich in ihren Herzen befindet?“ Da sagte der Prophet: „Es wurde mir nicht befohlen, in die Herzen der Menschen zu schauen." Dann schaute er ihn an und sagte: "Es wird unter meinen Nachkommen Menschen geben, die den Qur’an rezitieren, wobei ihre Rezitation ihre Zungen nicht übertritt, sie treten aus der Religion aus, wie ein Pfeil aus seiner Beute.“

5.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida gehört auch, dass es nicht bedenklich ist, wenn der Muslim auf einige seiner religiösen Gebote bzw. Pflichten verzichtet, um aus seiner misslichen Lage, unter der er leidet, zu entkommen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wer Allah verleugnet, nachdem er den Glauben (angenommen) hatte – außer demjenigen, der gezwungen wird, während sein Herz im Glauben Ruhe gefunden hat –, doch wer aber seine Brust dem Unglauben auftut, über diejenigen kommt Zorn von Allah, und für sie wird es gewaltige Strafe geben.)              (Qur`an 16:106)

Und dies ist so, damit der Muslim nicht in seelische Bedrängnis gerät infolge des Druckes, den er von seinen Widersachern erfährt. So geschah es auch mit ‘Ammar ibn Yasir (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), als ihn die Ungläubigen festhielten und ihn gequält und gefoltert haben und nicht eher von ihm abgelassen haben, bis er den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) beschimpfte und über ihre Götzen gut sprach. Erst dann ließen sie ihn laufen. Als er zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ging, fragte ihn der Prophet:

„Was ist denn los mit dir?“ Er sagte: „Schlimmes, o Prophet! Sie haben mich nicht eher freigelassen, bis ich Schlechtes über dich und Gutes über ihre Götzen sagte.“ Der Prophet fragte ihn: „Wie ist dein Herz?“ Er sagte: „Mein Herz findet Ruhe im Glauben.“ Da sagte der Prophet: „Wenn sie es nochmal tun, dann tue es nochmal.“

   So verhält es sich, wenn dem Muslim körperliches Leid zugefügt wird, wie es Bilal (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) widerfahren ist. So berichtet Abdullah ibn Mas’ud:

„Die ersten, die ihren Islam kundtaten, waren sieben: Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Abu Bakr, ‘Ammar und seine Mutter, Sumaya, Suhaib, Bilal und al-Miqdad. Den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat Allah durch seinen Onkel Abu Talib beschützt, und Abu Bakr hat Allah durch seinen Stamm beschützt. Die übrigen wurden von den Ungläubigen festgenommen und regelrecht gefoltert und gequält, bis sie aussprachen, was von ihnen verlangt wurde. Außer Bilal, der sich selbst, Allahs wegen, gleichgültig war, und seinem Stamm gleichgültig war. Sie nahmen ihn und überließen ihn den Kleinen, die ihn in den Straßen Mekkas hin und her schleppten und er sagte dabei: Ahad, Ahad (Einer, Einer).

6.       Zur Toleranz und Nachsicht der Religion im Bereich der Aqida gehört auch, dass der Islam die menschliche Seele von der Anbetung anderer, außer Allah, befreit hat. Dies erfolgte durch die Verankerung des Iman in der Seele des Muslims, dass er keine Angst zu haben braucht, außer vor Allah und dass es keinen außer Allah gibt, der Nutzen oder Schaden bringen kann. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und sie haben sich außer Ihm Götter genommen, die nichts erschaffen, während sie (selbst) erschaffen werden, und die sich selbst weder Schaden noch Nutzen zu bringen vermögen und die weder über Tod noch über Leben noch über Auferstehung verfügen.)

                                                                       (Qur`an 25:3)

Somit liegt alles in den Händen Gottes und niemand, wer er auch sein mag, kann nutzen oder schaden, geben oder nehmen, außer mit dem Willen Allahs und nur das, was Er vorgeschrieben hat. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wenn Allah dir Unheil widerfahren lässt, so kann es keiner hinweg nehmen außer Ihm. Und wenn Er für dich etwas Gutes will, so kann keiner Seine Huld zurückweisen. Er trifft damit, wen Er will von Seinen Dienern. Er ist der Allvergebende und Barmherzige.)

                                                                       (Qur`an 10:107)

Damit hat der Islam jeglichen Weg zur Abhängigkeit und Ehrerbietung von Menschen verbaut und nur von Gott allein sind alle abhängig. Er machte deutlich, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), dem die hohe Würde und die großartige Stellung zuteil geworden ist, denselben Gegebenheiten ausgesetzt ist, wie jeder andere Mensch auch. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag: Ich vermag mir selbst weder Nutzen noch Schaden (zu bringen), außer was Allah will. Wenn ich das Verborgene wüsste, würde ich mir wahrlich viel Gutes verschaffen, und Böses würde mir nicht widerfahren. Ich bin nur ein Warner und ein Frohbote für Leute, die glauben.) (Qur`an 7:188)

7.       Ebenfalls gehört es zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida, dass der Muslim glaubt, dass Allah befiehlt, alle Menschen gleich zu behandeln, unabhängig von ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrer Schicht. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah gebietet Gerechtigkeit, gütig zu sein und den Verwandten zu geben; Er verbietet das Schändliche, das Verwerfliche und die Gewalttätigkeit. Er ermahnt euch, auf dass ihr bedenken möget.)              (Qur`an 16:90)

Somit ist es erforderlich und notwendig, zu jedem gerecht zu sein. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn ihr euer Wort gebt, dann seid gerecht, auch wenn es um einen Verwandten geht. Und haltet euren Bund gegenüber Allah. Dies hat Er euch anbefohlen, auf dass ihr (es) bedenken möget!)                               (Qur`an 6:152)

Auch ist die Gerechtigkeit unerlässlich in jeder Situation, im Zustand der Ruhe und des Zorns, mit dem Muslim und mit dem Nicht-Muslim. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und der Hass, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, dass ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher.) (Qur`an 5:8)

8.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Aqida gehört ebenfalls, dass der Muslim glaubt, dass Allah die Menschen gegenüber anderen Seiner Geschöpfe geehrt hat, trotz ihrer unterschiedlichen Konfessionen, Hautfarben, Geschlechter und Schichten. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und Wir haben ja die Kinder Adams geehrt; Wir haben sie auf dem Festland und auf dem Meer getragen und sie von den guten Dingen versorgt, und Wir haben sie vor vielen von denen, die Wir erschaffen haben, eindeutig bevorzugt.)    (Qur`an 17:70)

Und aus dieser Ehrung heraus erfolgt, dass sie Rechte und Pflichten haben. Jabir ibn Abdullah (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) berichtete:

„Als ein Trauermarsch an uns vorbeizog, stand der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) auf. Wir sagten: „O Prophet, es ist der Trauermarsch eines Juden!?“ Er sagte: „Wenn ihr einen Trauermarsch seht, dann steht auf.“ (Buchari)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung (Taschri’a):

   Die Gesetzgebung ist ein Pfad, den der Mensch verfolgt, um dadurch seine Ziele und erhofften Ergebnisse zu erreichen. Damit der Mensch seine Ziele verwirklichen kann, ist es notwendig, dass dieser Weg klar, deutlich, bestimmt und einfach ist. Das ist der Weg des Islam hinsichtlich der Gesetzgebung. Er ist klar und deutlich, großzügig, tolerant und angeglichen an die Fähigkeiten des Menschen. Schauen wir uns einige Aspekte dieser Toleranz und Nachsicht in diesem Bereich an:

1.       Zu der Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört es, dass seine Texte einfach und leicht verständlich sind. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und Wir haben den Qur’an ja leicht zum Bedenken gemacht. Aber gibt es jemanden, der bedenkt?)

                                                                       (Qur`an 54:17)

Seine Texte sind klar und deutlich, ohne Zweifel. Es steht jedem zu, nach den Dingen, die einem unklar erscheinen, zu fragen und sie zu hinterfragen, ohne dabei in Bedrängnis zu geraten. Jedoch hat der Qur’an die Beantwortung der Fragen nicht jedem überlassen, sondern gab das Recht der Beantwortung den Gelehrten, die sich auf die Scharia spezialisierten und diese Religion studierten sowie ihre Texte eingehend gelesen und verstanden haben und außerdem ihre Inhalte und den dahinter stehenden Sinn erkannt haben. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(So fragt die Leute der Ermahnung, wenn ihr (etwas) nicht wisst.)          (Qur`an 16:43)

Und so ist es auch gerecht. Denn wer beispielsweise krank ist, sucht einen Arzt auf und nicht etwa einen Ingenieur oder einen Landwirt. So gilt im Islam das Sprechen (falsche Informationen, falsche Fakten, falsche fatwa) über die Angelegenheiten des Islam ohne erworbenes Wissen zu den größten Sünden, weil derjenige, der ohne zu wissen spricht, könnte eventuell Verbotenes für erlaubt erklären und umgekehrt. Oder so jemand könnte Rechte aberkennen oder falsch zuordnen und den Fragenden unter Umständen in Bedrängnis oder in Enge bringen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag: Mein Herr hat nur die Abscheulichkeiten verboten, was von ihnen offen und was verborgen ist; und (auch) die Sünde und die Gewalttätigkeit ohne Recht, und dass ihr Allah (etwas) beigesellt, wofür Er keine Ermächtigung herab gesandt hat, und dass ihr über Allah (etwas) sagt, was ihr nicht wisst.)

                                                                       (Qur`an 7:33)

Es gibt also im Islam keine verworrenen und dunklen Angelegenheiten, an die man zu glauben hat, ohne danach fragen zu dürfen, bis auf die Dinge, die den Rahmen des menschlichen Verstands sprengen, wie etwa die verborgenen Angelegenheiten, über die uns Allah deswegen nicht aufgeklärt hat, weil wir Menschen keinen Nutzen davon haben und auch nicht die Fähigkeit besitzen, diese zu erfassen. So etwa der Vers, in dem es heißt:

(Sie fragen dich nach dem Geist. Sag: Der Geist ist vom Befehl meines Herrn, euch aber ist vom Wissen gewiss nur wenig gegeben.)             (Qur`an 17:85)

Und der Vers:

(Sie fragen dich nach der Stunde, wann sie bloß feststehen wird. Was hast du über sie zu erwähnen? Zu deinem Herrn ist ihr Endziel. Du bist nur ein Überbringer von Warnungen für jemanden, der sie fürchtet.)         (Qur`an 79:42-45)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört auch, dass seine Lehren und Gesetze göttliche, feststehende Gesetze sind, die weder geändert noch ausgetauscht werden können. Denn sie wurden nicht von Menschen festgesetzt, die Beeinträchtigungen, Fehlern, Beeinflussung von den umliegenden Gegebenheiten, Kultur und Tradition ausgesetzt sind, sondern von Dem, Der alles erschaffen hat und besser weiß, was am esten und nützlichsten für die Lage eines jeden Einzelnen ist. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Begehren sie etwa das Urteil der Unwissenheit? Wer kann denn besser walten als Allah für Leute, die (in ihrem Glauben) überzeugt sind?)   (Qur`an 5:50)

Es steht keinem Menschen zu, unabhängig von seiner Stellung oder seinen Privilegien gegenüber anderen, an den göttlichen Gesetzen etwas zu ändern, sei es viel oder wenig, weil diese die Rechte aller bewahren sowie den einfachen und großzügigen Weg gehen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Weder für einen gläubigen Mann noch für eine gläubige Frau gibt es, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, die Möglichkeit, in ihrer Angelegenheit zu wählen. Und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, der befindet sich ja in deutlichem Irrtum.)             (Qur`an 33:36)

Der Islam hat allen auferlegt, sich den Gesetzen Gottes unterzuordnen, sie einzuhalten, zu würdigen, zu ehren und sie umzusetzen. Alle sind vor diesen Gesetzen gleich. Der Herrscher und der Beherrschte, der Reiche und der Arme, der Adlige und der Schuft, der Weiße und der Schwarze, so wie Allah, der Hocherhabene, es sagt:

(Die Rede der Gläubigen, wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er zwischen ihnen richte, besteht nur darin, dass sie sagen: „Wir hören und gehorchen.“ Das sind diejenigen, denen es wohl ergeht.)                (Qur`an 24:51)

Deswegen gibt es im Islam auch keine absolute, menschliche Autorität. Denn die Autorität ist in dem Rahmen beschränkt, den die Scharia festgelegt und bestimmt hat. Somit gibt es keine Willkür und keine Gewaltherrschaft. So sagt der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Jeder Muslim hat zu hören und zu gehorchen in den Dingen, die ihm lieb sind und die ihm nicht lieb sind, es sei denn, es wird ihm befohlen, Verbotenes zu tun, so hat er weder zu hören noch zu gehorchen.“ (Buchari)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört auch, dass es keine unabhängige, geistige Institution gibt, wie der Klerus in anderen Religionen. So hat der Islam den Vermittlerstatus vernichtet und kritisierte die Ungläubigen, dass sie Vermittler bei der Anbetung Gottes hatten. So berichtet uns Allah, der Hocherhabene:

(Sicherlich, Allah gehört die aufrichtige Religion. Diejenigen aber, die sich anstatt Seiner Schutzherren nehmen (, sagen:) „Wir dienen ihnen nur, damit sie uns Zutritt in Allahs Nähe verschaffen“) (Qur`an 39:3)

So spricht Allah die Wahrheit über diese Schutzherren, und dass sie weder nutzen noch schaden, sondern genauso Geschöpfe sind wie sie selbst. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Gewiss, diejenigen, die ihr anstatt Allahs anruft, sind (nur) Diener gleich euch. So ruft sie (doch) an, und so sollen sie euch doch erhören, wenn ihr wahrhaftig seid!)      (Qur`an 7:194)

So hat der Islam die Vorstellung von der direkten und unmittelbaren Verbindung zwischen dem Diener und seinem Gott fest verankert. Diese Vorstellung basiert auf dem absoluten Glauben an Ihn und darauf, sich in allen Belangen nur an Ihn zu wenden und Ihn allein um Vergebung und um Hilfe zu bitten, direkt und ohne Mittelsmänner. So soll derjenige, der eine Sünde begangen hat, seine Hände heben und seinen Herrn alleine anflehen und Ihn alleine um Vergebung bitten, an jedem Ort, zu jeder Zeit und in jeder Lage. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wer etwas Böses tut oder sich selbst Unrecht zufügt und hierauf Allah um Vergebung bittet, wird Allah Allvergebend und Barmherzig finden.)

(Qur`an 4:110)

Und Er sagt auch:

(Euer Herr sagt: „Ruft Mich an, so erhöre Ich euch.)

                                                                       (Qur`an 40:60)

So gibt es im Islam keine Religionsleute, die gebieten, verbieten und vergeben und sich als Stellvertreter Gottes ansehen und damit Gesetze erlassen und nach ihren Vorstellungen lenken und leiten, und jene ins Paradies eintreten lassen, die sie mögen und es denen verbieten, die sie nicht mögen. Denn die Gesetzgebung steht Allah alleine zu. So sagt der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) über den Vers:

(Sie haben ihre Gelehrten und ihre Mönche zu Herren genommen außer Allah)          (Qur`an 9:31):

„Sie haben die Gelehrten und Mönche zwar nicht angebetet, aber sie befolgten ihre Gebote und Verbote. Sie taten, was diese ihnen als Pflicht auferlegten und hielten sich fern von ihren Verboten.“ (at-Tirmidhi)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört auch das Prinzip der Beratung (Schura), damit die Angelegenheiten, die von gemeinschaftlichem und öffentlichem Interesse für alle Gesellschaftsmitglieder sind, nicht von den Interessen Einzelner dominiert werden. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinandergelaufen. So verzeihe ihnen, bitte für sie um Vergebung und ziehe sie in den Angelegenheiten zu Rate.)         (Qur`an 3:159)

5.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam in diesem Bereich gehört es auch, dass der Ijtihad in den Bereichen möglich ist, in denen weder ein Vers offenbart, noch ein Ausspruch des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) berichtet wurde. Denn der Islam ist bereit zur Anpassung und gültig für jede Zeit und jeden Ort. Der Islam bringt nämlich allgemeine Prinzipien, Fundamente und vollkommene, umfassende und feststehende Grundsätze sowie Regelungen bezüglich der Aqida und der religiösen Anbetungshandlungen, die sich weder aufgrund der Zeit, noch des Ortes ändern, wie etwa der Glaube (Iman), das Gebet und seine Zahl sowie die Gebetszeit, die Almosen und ihr Anteil und was sie enthalten, das Fasten und seine Zeiten, die Pilgerfahrt und ihre Verrichtungsweise und die Hudud. Mit allen Dingen, die sich mit der Zeit ergeben und neu in Erscheinung treten, wird gemäß dem Qur’an verfahren. Wenn darin eine Regelung für diese Sache gefunden wird, dann geht man danach und lässt alles andere liegen. Findet man nichts darin, so geht man zur Sunna des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) über und sucht dort nach Regelungen in seinen authentischen, zuverlässigen Aussprüchen. Findet man da was, so nimmt man dies, andernfalls geht man auf den Ijtihad über. Da haben die gottesfürchtigen Gelehrten zu forschen und zu überprüfen, um zu einem Ergebnis zu kommen, damit das Interesse und das Wohl der Allgemeinheit verwirklicht wird und um den Belangen ihrer Epoche und ihrer gesellschaftlichen Situation Rechnung zu tragen. Das erfolgt durch das Überprüfen dessen, was der Qur’an und die Sunna wahrscheinlich zulassen. Diese neuen Dinge werden anhand der schariakonformen, allgemeinen Grundsätze, die aus dem Qur’an und der Sunna entnommen wurden, überprüft. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass der Ijtihad nicht so verstanden werden darf, dass man der eigenen Laune folgen und nach eigenen Vorstellungen urteilen soll. Vielmehr geht es um das Erreichen von Ergebnissen, die den Menschen Gutes und Nützliches bringen, ohne dabei den religiösen Texten zu widersprechen. Das ist so, damit der Islam jedem Zeitalter angepasst ist und den Belangen jeder Gesellschaft in jeder Epoche angeglichen ist.

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Bereich der Gesetzgebung gehört auch die Schließung der Türen, die zum Extremismus und zur Strenge führen. Der Islam verbietet die Übertreibung, gemäß den Worten Allahs, des Hocherhabenen:

(Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis.)              (Qur`an 2:185)

Auch sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

 „Wehe euch vor der Übertreibung in der Religion, denn diejenigen vor euch gingen wegen der Übertreibung in der Religion zu Grunde.“ (an-Nasa‘i) Auch zählte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) die Übertreibung in der Religion, den Extremismus und die Hartnäckigkeit als Austritt aus seiner Sunna. So berichtet Anas ibn Malik (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass drei Personen zu den Gemächern der Ehefrauen des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gingen, um nach seinen religiösen Anbetungshandlungen zu fragen. Als es ihnen mitgeteilt wurde, erschien es ihnen zu wenig, und sie sagten: „Wir sind weit von dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) fern, denn Allah hat ihm all seine vorangegangenen und späteren Sünden vergeben.“ Da sagte einer: „Ich aber werde jede Nacht beten.“ Und der andere sagte: „Ich werde mein ganzes Leben lang jeden Tag fasten und nicht essen.“ Und der dritte sagte: „Ich werde mich von den Frauen fernhalten und niemals heiraten.“ Als der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) dazukam und hörte, was sie sprachen, sagte er:

„Seid ihr diejenigen, die das gesagt haben? Bei Allah ich bin der Gottesfürchtigste von euch, aber ich faste und esse, ich bete und schlafe, und ich heirate die Frauen. Wer sich von meiner Sunna abwendet, gehört nicht zu mir.“          (Buchari)

   Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) pflegte von Zeit zu Zeit seine Gefährten daran zu erinnern, um sie von der Art und Weise und der Methode des Extremismus und der Übertreibung fernzuhalten. Abdullah ibn ‘Amr ibn al-‘As (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) sagte: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte zu mir:

„O Abdullah, mir wurde mitgeteilt, dass du am Tag fastest und die Nacht betend verbringst. Stimmt das?“ Ich sagte: „Ja, das stimmt.“ Da sagte er zu mir: „Tue das nicht. Sondern faste und iss, verbringe die Nacht betend, aber schlafe auch, denn dein Körper hat ein Recht dir gegenüber, dein Auge hat ein Recht dir gegenüber, deine Ehefrau hat ein Recht auf dich und dein Gast hat ein Recht dir gegenüber. Es genügt, wenn du von jedem Monat drei Tage fastest. Denn du bekommst jede Hasana (gute Tat) verzehnfacht, und das wäre das ganze Leben (als hättest du das ganze Leben gefastet).“ Jedoch wollte ich noch mehr, so wurde es mir verschärft. Ich sagte: „Oh Prophet, ich fühle mich zu mehr fähig.“ Da sagte er: „Dann faste so wie der Prophet Dawud (möge Allah ihm Wohlergehen schenken) und nicht mehr.“ Ich fragte: „Wie hat der Prophet Dawud (möge Allah ihm Wohlergehen schenken) gefastet?“ Er antwortete: „Die Hälfte des Lebens (jeden zweiten Tag fastend).“

   Als Abdullah dann alt wurde, sagte er: „Hätte ich doch bloß die Genehmigung (drei Tage im Monat zu fasten) angenommen.“     (Buchari)

 Das heißt natürlich nicht, dass der Islam eine Religion ist, die sich unkontrolliert dem Diesseits widmet und dem Sich-Hingeben der Lust und dem Genuss. Der Islam ist vielmehr eine Religion der Mäßigung und der Mitte, die zwischen der Religion und dem diesseitigen Leben verbindet, sodass kein Teil dem anderen gegenüber die Oberhand gewinnt. Denn der Islam schreibt ein Gleichgewicht zwischen der Seele und dem Körper vor. So schreibt der Islam dem Muslim vor, wenn er sich zu sehr in die weltlichen Belange vertieft, sich durch die Verrichtung der von Allah auferlegten religiösen Taten an seine seelischen Bedürfnisse zu erinnern. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(O die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zu Allahs Gedenken und lasst das Kaufgeschäft. Das ist besser für euch, wenn ihr wisst.)

                                                                       (Qur`an 62:9)

Wenn sich der Muslim aber zu sehr in religiöse Verrichtungen vertieft, dann soll er sich an die materiellen Bedürfnisse erinnern. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wenn das Gebet beendet ist, dann breitet euch im Land aus und trachtet nach etwas von Allahs Huld.)

                                                                       (Qur`an 62:10)

Auch hat der Islam das Genießen der guten Dinge mit dem Verbot der Verschwendung geregelt, d.h. die Verschwendung, die dem Körper schadet. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Esst und trinkt, aber seid nicht maßlos! – Er (Allah) liebt nicht die Maßlosen.)            (Qur`an 7:31)

Auch verdeutlicht der Islam, dass es keinen Widerspruch zwischen den religiösen und den diesseitigen Belangen gibt. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Es ist keine Sünde für euch, dass ihr nach Huld von eurem Herrn trachtet. Doch wenn ihr von Arafat her geströmt seid, dann gedenkt Allahs bei der geschützten Kultstätte. Und gedenkt Seiner, wie Er euch rechtgeleitet hat, obwohl ihr vordem wahrlich zu den Irregehenden gehörtet.)   (Qur`an 2:198)

7.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört, dass es dem Muslim erlaubt ist, wenn er um sein Leben fürchtet, Verbotenes zu essen oder zu trinken, um seinen Bedarf zu decken, wie etwa das Schweinefleisch, Totes, Blut, Alkohol oder Verbotenes zu tun, gemäß dem Vers:

(Verboten hat Er euch nur (den Genuss von) Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber ein anderer (Name) als Allah(s) angerufen worden ist. Wer sich aber in einer Zwangslage befindet, ohne zu begehren oder das Maß zu überschreiten, für den ist es keine Sünde. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.)                      (Qur`an 2:173)

Sayyid Qutb, möge Allah Sich seiner erbarmen, sagt interpretierend über diesen Vers: „Es ist die Aqida, die den Mensch als Menschen anerkennt und nicht als Tier, Engel oder Teufel. Sie erkennt ihn so an, wie er ist, samt seiner Schwäche und seiner Kraft, und sieht ihn als Gesamtbild an, bestehend aus einem Körper mit samt seinen Schwächen und einem Verstand, mit Urteilsvermögen, einer Seele und mit Sehnsüchten und Begierden. Diese Aqida fordert von ihm nur das, was er auch zu leisten vermag und berücksichtigt bei den auferlegten Pflichten die zur Verfügung stehenden Kapazitäten des Einzelnen, ohne Erschwernis und Härte.

8.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Gesetzgebung gehört auch, dass die guten Taten vielfach belohnt werden, man für die Sünden jedoch nur einfach zur Rechenschaft gezogen wird. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wer mit (etwas) Gutem kommt, erhält zehnmal so viel. Und wer mit einer bösen Tat kommt, dem wird nur gleichviel vergolten, und es wird ihnen kein Unrecht zugefügt.)         (Qur`an 6:160)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa (Einladung zum Islam):

   Da der Islam eine weltliche und universelle Religion ist, die an alle Menschen, zu jeder Zeit und an jedem Ort, gerichtet ist, ist es wichtig, dass die Dawa bestimmte Eigenschaften besitzt, wie Gutmütigkeit, Toleranz und Nachsicht in der Art und Weise, der Darbietung, Vorstellung und das Voranstellen des Guten für die anderen, damit diese Eigenschaften den Menschen (anderen) verhelfen und sie bereit machen, über den Islam zu diskutieren und diesen eventuell anzunehmen. Das ist die Methode des Islam bei der Dawa. Er hält dazu an, dass man die Andersgläubigen mit Weisheit und schöner Ansprache einlädt. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite mit ihnen in bester Weise.)              (Qur`an 16:125)

Wir wollen hier einige dieser Facetten der Toleranz und Nachsicht im Bereich der Dawa betrachten:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa, gehört die Öffnung der Türen zur Konvertierung der Anhänger anderer Religionen, er freut sich sogar darüber. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Allah freut Sich über die Reue Seines Dieners, wenn dieser um Vergebung bittet, mehr als jemand, dessen Reittier in der Wüste mit seinem Essen und Trinken verschwunden ist. Verzweifelt legt er sich daraufhin in den Schatten eines Baumes. Sein Reittier und seinen Proviant hat er bereits aufgegeben. Plötzlich findet er es vor sich stehen, hält es fest und sagt vor lauter Freude: „O Allah, Du bist mein Diener und ich bin Dein Herr“ (er verspricht sich vor lauter Freude).“

                                                                           (Muslim)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört, dass der Islam vorgeschrieben hat, dass man dem Weg der Verkündung froher Botschaften und schöner Empfehlungen zu folgen hat. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu Mu’ath und abu Musa al-Asch’ari, als er sie zum Jemen entsandte:

„Verkündet die frohe Botschaft und schreckt nicht ab, und vereinfacht und erschwert nicht, und seid euch einig und wendet euch nicht voneinander ab.“

3.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass er seinen Anhängern das Diskutieren mit den Andersgläubigen und -denkenden, nach den Prinzipien und Grundsätzen, die sie respektieren und ihrer Lage und Situation entsprechen, fern von Überheblichkeit und Degradierung, zur Pflicht gemacht hat. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und streitet mit den Leuten der Schrift nur in bester Weise, außer denjenigen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: „Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herab gesandt worden ist und zu euch herab gesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind Ihm ergeben.)                         (Qur`an 29:46)

Somit gibt es weder Meinungszwang, noch Zwang zur Befolgung, noch Gleichgültigkeit gegenüber Andersgläubigen, sondern es gilt den Argumenten zuzuhören und darüber zu debattieren und die Benutzung der Methode der Diskussion, Überzeugung und der logischen, gesunden Beantwortung, die mit der Denkweise der Diskussionspartei angebracht ist. Nehmen wir hierzu beispielsweise die Auferstehung. Ibn ‘Abbas (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) sagte: „Al-‘As ibn Wa’el, und er war Nicht-Muslim, ging zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) mit einem Stück Knochen und zerbröckelte es vor ihm und fragte: „O Muhammad, lässt Allah das hier, nachdem es zu Staub wurde, auferstehen?“ Er antwortete: „Ja, das tut Allah. Er nimmt deine Seele zu Sich, lässt dich wieder auferstehen und lässt dich in der Hölle verweilen.“ Er, ibn ‘Abbas, sagte: „Dann wurde der Vers offenbart:

(Sieht denn der Mensch nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben, und doch ist er sogleich ein deutlicher Widersacher? Er führt Uns ein Beispiel an und vergisst seine (eigene) Erschaffung. Er sagt: „Wer macht die Knochen wieder lebendig, wenn sie zerfallen sind?“ Sag: „Wieder lebendig macht sie Derjenige, Der sie das erste Mal hat entstehen lassen. Und Er weiß über jede Schöpfung Bescheid, (Er,) Der euch aus grünen Bäumen Feuer gemacht hat, so dass ihr sogleich damit anzünden könnt. Hat nicht Derjenige, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat, (auch) die Macht, Ihresgleichen zu erschaffen? Ja doch! Und Er ist der Allerschaffer und Allwissende.)

        (Qur`an 36:77-81)

Es waren solche Diskussionen und solche logischen Antworten und solche treffenden Argumente und deutliche Beweise, die bei den Menschen keinen Zweifel aufkommen lassen, die über einen gesunden Menschenverstand verfügen und nach der Wahrheit suchen, die dazu geführt haben, dass erkannt wurde, dass diese Religion die wahre und richtige Religion ist. So berichtet uns Allah, der Hocherhabene, über die Diskussion zwischen Ibrahim (möge Allah ihn in Ehren halten) und dem König von Babel Namrud ibn Kan’an: (Siehst du nicht jenen, der mit Ibrahim über seinen Herrn stritt, weil Allah ihm die Herrschaft gegeben hatte? (Damals) als Ibrahim sagte: „Mein Herr ist Derjenige, Der lebendig macht und sterben lässt.“ Er sagte: „Ich mache lebendig und lasse sterben.“ Ibrahim sagte: „Allah bringt ja die Sonne vom Osten her; so bringe du sie vom Westen her!“ Da war derjenige, der ungläubig war, verblüfft. Und Allah leitet nicht das ungerechte Volk recht.) (Qur`an 2:258)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass  man sich davor hütet, Unterstellungen zu machen, zu verletzen und sarkastisch zu werden, sowie Abstand von Provokationen und Verärgerungen jeglicher Art hält. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und sag Meinen Dienern, sie sollen das, was am besten ist, sagen. Gewiss, der Satan stachelt zwischen ihnen (zu Zwietracht) auf. Der Satan ist ja dem Menschen ein deutlicher Feind.) (Qur`an 17:53)

5.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam, dass er der Methode der schönen Empfehlung, der Zuwendung und des Mitgefühls folgt, denn nur damit werden die Herzen angesprochen, mit den schönen und guten Worten, die dem Herzen lieb sind. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag: O Leute der Schrift, warum haltet ihr die, die glauben, von Allahs Weg ab, indem ihr danach trachtet, ihn krumm zu machen, wo ihr doch Zeugen seid? Doch Allah ist nicht unachtsam dessen, was ihr tut.)    (Qur`an 3:99)

Allah sagt auch:

(Sag: O mein Volk, handelt nach eurer Stellung! Ich werde ebenfalls (so) handeln. Dann werdet ihr (noch) erfahren, wem die letztendliche Wohnstätte gehören wird. Gewiss, den Ungerechten wird es nicht wohl ergehen.) (Qur`an 6:135)

6.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass er sanft in der Art und Weise des Vortragens ist und zärtlich in den Worten, ohne dabei grob zu sein. So spricht Allah zu Moses und Harun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen, als Er sie zum Pharao entsandt hat, um ihn (zum Islam) aufzurufen. Pharao behauptete, er sei Gott und forderte die Menschen dazu auf, ihn anzubeten:

(Geht zu Firaun (Pharao), denn er lehnt sich auf. Und so redet mit ihm in sanften Worten, auf dass er bedenken oder sich fürchten möge.)  (Qur`an 20:43-44)

7.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört es, den Andersgläubigen die Möglichkeit zu geben, ihrerseits Argumente und Beweise hervorzubringen und darzulegen, um diese schließlich zu besprechen und zu diskutieren. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag: Was meint ihr zu dem, was ihr anstatt Allahs anruft? Zeigt mir, was sie von der Erde erschaffen haben. Oder haben sie etwa an den Himmeln teil? Bringt mir doch ein Buch vor diesem herbei oder die (geringste) Spur von Wissen, wenn ihr wahrhaftig seid.)                       (Qur`an 46:4)

8.       Es gehört auch zur Toleranz und Nachsicht der islamischen Religion, dass sie alle, die ihr widersprechen, zu sinnvollen und konstruktiven Gesprächen einlädt, die sie auf einen gemeinsamen Nenner bringen und vor Trennung und Diskrepanz fernhalten, mit einem Akzent von Gutmütigkeit und von dem Wunsch des Guten für sie geleitet. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag: O Leute der Schrift, kommt her zu einem zwischen uns und euch gleichen Wort: dass wir niemandem dienen außer Allah und Ihm nichts beigesellen und sich nicht die einen von uns die anderen zu Herren außer Allah nehmen. Doch wenn sie sich abkehren, dann sagt: Bezeugt, dass wir (Allah) ergeben sind.)            (Qur`an 3:64)

9.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass der Islam die Tore der Konvertierung zu sich weit öffnet und jeder hineintreten kann, ohne Schwierigkeit, Einmischung, Mühe oder Erschwernis; und ohne jegliche Rituale oder religiöse Zeremonien, die an bestimmten Orten stattfinden oder vor bestimmten Leuten vollzogen werden müssen. Dies, weil der Islam eine reine, unmittelbare und direkte Verbindung zwischen dem Menschen und seinem Gott ist, ohne Mittler oder dergleichen. Es sind nur ein paar einfache Worte, die sehr schwer wiegen und eine großartige Bedeutung in sich tragen. Derjenige, der sich dazu entschlossen hat Muslim zu werden und den Islam annehmen möchte, kann sie einfach sagen und diese sind das Glaubensbekenntnis (Ich bezeuge, dass es nichts gibt, dem zu Recht gedient wird, außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist). Diese Worte sind der Schlüssel zum Paradies; wer sie aus Überzeugung sagt, distanziert sich damit von jeder anderen Religion und Ideologie (außer den Islam) und ihm stehen die Rechte zu, die den Muslimen zustehen und er hat die Pflichten, die Muslime auch haben.

10.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass wenn ein Nicht-Muslim den Islam annimmt, Allah ihm alle seine vorangegangenen Sünden vergibt, die er vor dem Islam begangen hat. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag zu denen, die ungläubig sind: Wenn sie aufhören, wird ihnen vergeben, was bereits vergangen ist. Wenn sie aber (dazu) zurückkehren, – so hat sich schon die Gesetzmäßigkeit an den Früheren vollzogen.)     (Qur`an 8:38)

Und der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

            „Der Islam löscht, was vorher war.“

11.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa gehört auch, dass die Angehörigen anderer (Schrift-)Religionen, wenn sie den Islam annehmen, doppelt belohnt werden, weil sie an ihren Propheten geglaubt haben und nun auch an die Botschaft des Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) glauben. Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Diejenigen, denen Wir vor ihm die Schrift gaben, glauben an ihn. Und wenn er ihnen verlesen wird, sagen sie: „Wir glauben an ihn. Gewiss, es ist die Wahrheit von unserem Herrn. Wir waren ja schon vor ihm (Allah) ergeben.“ Diese erhalten ihren Lohn zweimal dafür, dass sie standhaft waren. Und sie wehren mit dem Guten das Böse ab und geben von dem aus, womit Wir sie versorgt haben.) (Qur`an 28:52-54)

12.   Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Dawa, dass die Nicht-Muslime, die den Islam annehmen, für ihre guten Taten, die sie vor dem Islam verrichtet haben, belohnt werden. So sagt Hakim ibn Hizam (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben): „O Prophet, werde ich auch für die guten Taten vor meinem Muslimsein, wie Spenden, Freilassen von Sklaven, Verwandte besuchen, belohnt?“ Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Als du den Islam angenommen hast, wurden dir deine guten Taten vor dem Islam angerechnet.“(Buchari)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des Umgangs mit Nicht-Muslimen:

Zu Beginn des Abschnitts über die Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit Nicht-Muslimen möchte ich den Orientalisten Louis Jung zitieren. Dies ist eine Einführung über einige Facetten der Toleranz und Nachsicht den Nicht-Muslimen gegenüber. Er sagte: „Es gibt Dinge, die der Westen noch von der islamischen Zivilisation lernen muss. Eines davon ist die großzügige und tolerante Sichtweise der Araber. [Die Araber und Europa, S.10, zitiert wird aus dem Buch: „Das sagen sie über den Islam“, S.327]. Im Folgenden werden einige Facetten der Toleranz und Nachsicht gegenüber den Nicht-Muslimen aufgezeigt.

1.       Eine Seite der Toleranz und Nachsicht des Islam gegenüber Nicht-Muslimen ist, dass er alle wirtschaftlichen Beziehungen mit ihnen erlaubt hat, wie Kaufgeschäfte, Unternehmensführung, Mietverträge, Tauschgeschäfte etc.. All das erfolgt gemäß den Scharia-Richtlinien, die den Schutz vor jeglichen Schäden gewährleisten und die Rechte wahren. Auch erfolgt das durch die beidseitige Einigung und das Wissen über diese Verträge und Vertragsgegenstände sowie die Voraussetzungen. So berichtet ‘Aischa (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Essen von einem Juden kaufte und diesem sein Schild als Pfand hinterließ. Der Islam verbietet solche Beziehungen nicht, es sei denn, es ergibt sich Schaden oder Ungerechtigkeit, wie etwa Zinsen oder Glücksspiel, denn diese sind verboten, auch für die Muslime untereinander. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(O die ihr glaubt, verschlingt nicht den Zins um ein Vielfaches vermehrt, sondern fürchtet Allah, auf dass es euch wohl ergehen möge!)         (Qur`an 3:130)

Allah sagt auch:

(O die ihr glaubt, berauschender Trank, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Gräuel vom Werk des Satans. So meidet ihn, auf dass es euch wohl ergehen möge! Der Satan will (ja) zwischen euch nur Feindschaft und Hass säen durch berauschenden Trank und Glücksspiel und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten. Werdet ihr (damit) nun wohl aufhören?)                (Qur`an 5:90-91)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört es auch, dass es erlaubt ist, in ihren Gebetsstätten zu beten. So wird überliefert, dass abu Musa in einer Kirche in Damaskus namens Nahya gebetet hat. Wobei es nicht wünschenswert ist, wenn sich darin Skulpturen oder Bilder befinden, es sei denn es lässt sich kein anderer Platz finden. Wie Omar (möge Allah Wohlgefallen an ihm finden) zu einem Christen sagte: „Wir betreten eure Kirchen wegen den Bilder bzw. Skulpturen nicht.“

3.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört ebenfalls, dass die Nicht-Muslime in die Moschee eintreten dürfen, wenn sie ein bestimmtes Interesse haben. Eine Ausnahme stellt die heilige Moschee in Makkah dar. Denn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) empfing Delegationen in seiner Moschee in Medina und hat ihnen das (Betreten) nicht verboten. Dies zeigt auch die bekannte Geschichte von Thumama ibn Athal. Abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm finden) berichtete:

„Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) entsandte Leute Richtung Najd. Sie kamen mit einem Mann vom Stamm Hanifa, der Thumama ibn Athal hieß, ein Oberhaupt des Stammes von al-Yamama. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) fragte: „Was hast du Thumama?“ Er sagte: „O Muhammad, ich bringe dir folgende frohe Nachricht. Wenn du mich tötest, dann tötest du einen Adligen. Und wenn du gnädig bist, dann bist du einem Dankenden gnädig. Wenn du Geld willst, so frage danach und du bekommst davon was du willst.“ Der Prophet verließ ihn und kam am nächsten Tag wieder. Er fragte ihn: „Was hast du Thumama?“ Er antwortete: „Was ich auch gestern sagte, wenn du gnädig bist, bist du einem Dankenden gnädig und wenn du tötest, tötest du einen Adligen. Und wenn du Geld willst, bekommst du so viel wie du magst.“ Wieder verließ ihn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und kam am nächsten Tag wieder und fragte wieder: „Was hast du Thumama?“ Er antwortete wieder: „Was ich auch gestern sagte, wenn du gnädig bist, bist du einem Dankenden gnädig und wenn du tötest, tötest du einen Adligen. Und wenn du Geld willst, bekommst du so viel wie du magst.“ Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Lasst ihn frei!“ Thumama ging, nachdem er freigelassen wurde, zu einem der Moschee nahegelegenen Garten, wusch sich, kam zum Propheten zurück und sagte das Glaubensbekenntnis: „Asch-hadu al-la ilaha illa Allah wa asch-hadu anna Muhammad rasul Allah.“ Er sagte weiter: „O Muhammad, bei Allah, kein Gesicht war mir auf dieser Welt verhasster als dein Gesicht und jetzt ist es das mir liebste Gesicht auf dieser Welt, und es gab keine Religion, die mir verhasster war als deine Religion und jetzt ist sie mir die liebste, und kein Land war mir mehr verhasst als dein Land und jetzt ist es das mir am liebste. Deine Leute haben mich gefangen genommen, als ich zur ‘Umra wollte. Was soll ich nun tun?“ Der Prophet verkündete ihm eine frohe Botschaft und befahl ihm die Umra zu verrichten. Als nun Thumama in Makkah ankam, fragte ihn jemand: „Hast du die Religion deiner Väter verlassen und bist Muhammad gefolgt?“ Er sagte: „Ich bin Muslim geworden und bei Allah, ihr bekommt kein Weizenkorn, bis der Prophet es erlaubt.“

4.       Ein weiterer Aspekt der Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen ist, dass es erlaubt ist, ihre Kranken zu besuchen und sie zu trösten, sowie bei Allah für sie um Gesundheit zu bitten. So berichtet Anas (möge Allah Wohlgefallen an ihm finden):

„Ein jüdischer Junge war ein Diener des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Als dieser Junge krank wurde, besuchte ihn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und setzte sich neben seinem Kopf  nieder, dann sagte er: „Nimm den Islam an!“ Da schaute der Junge zu seinem Vater. Dieser sagte: „Gehorche abu al-Qasim (dem Propheten)!“ Er nahm den Islam an. Als dann der Prophet rausging, sagte er: „Allah gebührt der Dank, der ihn vor der Hölle errettet hat.“ (Buchari)

5.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslime gehört auch, dass es erlaubt ist, ihnen beim Tod ihrer Nahestehenden Beileid auszusprechen und sie zu trösten. So berichtet Abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Ich bat Allah um Erlaubnis, für meine Mutter um Vergebung zu bitten, jedoch erlaubte Er es mir nicht. Und ich bat Ihn um Erlaubnis, ihr Grab zu besuchen. Dies erlaubte Er mir.“ (Muslim)

6.       Auch gehört es zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen, dass es erlaubt ist, für sie zu spenden, wenn sie nicht kriegerisch bzw. feindselig sind, und sie zu beschenken. Als für Abdullah ibn ‘Amr (möge Allah Wohlgefallen an ihm finden) eine Ziege geschlachtet wurde, kam er und sagte: „Habt ihr unseren jüdischen Nachbarn etwas davon geschenkt? Habt ihr unseren jüdischen Nachbarn etwas davon geschenkt? Ich habe vom Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gehört, dass er sagte:

„Jibril empfahl mir so eindringlich die Güte zum Nachbarn, bis ich dachte, dass er ihn als Erben einsetzen würde.“ (At-Tirmidhi)

    Es geht sogar soweit, dass es erlaubt ist, die Almosen, die den bedürftigen Muslimen zustehen, denjenigen auszuzahlen, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen, wenn damit ein Nutzen für die Muslime, das Abwenden eines Übels, das Annehmen des Islam oder die Verteidigung von diesem erzielt wird. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Die Almosen sind nur für … diejenigen, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen) (Qur`an 9:60)

Auch als ‘Umar (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) einen armen, schwachen Bettler von den Leuten der Schrift (Ahl al-Kitab) sah, befahl er, ihm Geld von der Staatskasse (Bayt al-Mal) zu geben und sagte:

„Schaut nach anderen seinesgleichen und gebt ihnen das, was ihren Bedarf und den ihrer Familien deckt, denn Allah, der Hocherhabene sagt:

(Die Almosen sind nur für die Armen, die Bedürftigen …)          (Qur`an 9:60)

Die Armen sind die Muslime und die Bedürftigen sind die Leute der Schrift (Ahl al-Kitab).“

7.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, dass es erlaubt ist, dass der Muslim seine nicht-muslimischen Verwandten besucht. Es wurde sogar befohlen, sie gut zu behandeln und nicht den Kontakt zu ihnen abzubrechen. So berichtet Asma bint abu Bakr (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben): „Meine Mutter, die ungläubig war, kam mich besuchen. Ich fragte den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Meine Mutter kommt mich besuchen und sie ist eine Götzendienerin, soll ich den Kontakt zu ihr dennoch pflegen?“ Er sagte:

„Ja, pflege den Kontakt zu deiner Mutter.“ (Buchari)

8.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen, dass es erlaubt ist, von ihrem Geschirr zu speisen und ihre Kleidung zu tragen, wenn sie nicht aus Verbotenem produziert worden sind, wie etwa Gold oder nicht-muslimische Kleidung, laut dem Ausspruch, den abu Tha’laba al-Khuschani überliefert hat.

Er sagte: „O Prophet, wir leben in einem Stamm, der aus den Leuten der Schrift (Ahl al-Kitab) besteht. Dürfen wir aus ihrem Geschirr speisen?“ Er sagte: „Wenn ihr anderes Geschirr findet, dann esst nicht aus ihrem, wenn ihr keines findet, dann wascht es und esst daraus.“ (Buchari)

9.       Es gehört auch zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit Nicht-Muslimen, dass es erlaubt ist, von den Leuten der Schrift (Ahl al-Kitab) zu heiraten und von ihrer Nahrung zu essen, wenn diese halal ist, gemäß dem Vers:

(Heute sind euch die guten Dinge erlaubt. Und die Speise derjenigen, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, und eure Speise ist ihnen erlaubt. Und die Ehrbaren von den gläubigen Frauen und die ehrbaren Frauen von denjenigen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, wenn ihr ihnen ihren Lohn gebt, als ehrbare Ehemänner, nicht als solche, die Hurerei treiben und sich Liebschaften halten.)

                                                                       (Qur`an 5:5)

10.   Desweiteren gehört auch zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen, dass ihnen ihre Ehe, die sie vor dem Islam geschlossen hatten, anerkannt wird. So verfuhr der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) mit den Nicht-Muslimen, die den Islam angenommen hatten. So geschah es mit Ghailan ibn Salama ath-Thaqafi, der zehn Ehefrauen hatte, als er Muslim wurde. Da sagte ihm der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Wähle vier von ihnen aus!“ (At-Tirmidhi)

11.   Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam, dass es erlaubt ist, das Fleisch der geschächteten Vierbeiner unter dem Vieh nur von den Leuten der Schrift (Ahl al-Kitab) zu essen, wenn diese den Namen Gottes beim Schächten erwähnt haben. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und esst nicht von dem, worüber der Name Allahs nicht ausgesprochen worden ist. Das ist wahrlich Frevel.) (Qur`an 6:121)

12.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, dass es erlaubt ist, ihnen Schutz und Sicherheit zu gewähren. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn jemand von den Götzendienern dich um Schutz bittet, dann gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Allahs hört. Hierauf lasse ihn den Ort erreichen, wo er in Sicherheit ist.) (Qur`an 9:6)

13.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch Folgendes: Wenn ein Nicht-Muslim eine Straftat gegen einen Muslim begangen hat, die in einem islamischen Staat eine Sanktion zur Folge hat, wird derjenige, dessen Recht verletzt wurde oder sein gesetzlicher Stellvertreter vor die Wahl gestellt, ob sie Gnade walten lassen, einen (materiellen) Schadensersatz dafür nehmen oder die Sanktion durchführen lassen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und Wir haben ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn; und (auch) für Verwundungen Wiedervergeltung. Wer es aber als Almosen erlässt, für den ist es eine Sühne.) (Qur`an 5:45)

14.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch Folgendes: Es ist den Muslimen verboten, andere Religionen zu beschimpfen, zu beleidigen oder sich herablassend über sie zu äußern. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und schmäht nicht diejenigen, die sie außer Allah anrufen, damit sie nicht in Übertretung ohne Wissen Allah schmähen!) (Qur`an 6:108)

15.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, dass den Muslimen vorgeschrieben ist, ihre Versprechungen und Abmachungen (bei Verträgen etwa) einzuhalten. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(O die ihr glaubt, haltet die Abmachungen!) (Qur`an 5:1)

Auch hat der Islam befohlen, zu den Nicht-Muslimen bei Verträgen und Abkommen treu zu sein; und der Islam hat den Verrat verboten. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und erfüllt die (eingegangene) Verpflichtung. Gewiss, nach der (Erfüllung der) Verpflichtung wird gefragt werden.) (Qur`an 17:34)

16.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, dass ihr Leben, ihr Vermögen und ihre Ehre zu respektieren sind, sodass es verboten ist, ihnen Unrecht zu tun, ihnen feindselig zu begegnen, etwas von ihren Rechten zu mindern oder sie schlecht zu behandeln. So sagt Allah, der Allerbarmer: (Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten.) (Qur`an 60:8)

Auch sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Derjenige, der einem Verbündeten Unrecht zufügt oder sein Recht verletzt oder ihm mehr auferlegt, als dieser zu leisten vermag oder von ihm etwas nimmt, ohne seine Einwilligung, so bin ich derjenige, der am Tag der Auferstehung gegen ihn ist.“ (Sunan abu Dawud, Bd. 3, S. 170, Nr. 3052).

  Auch sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Wer einen Verbündeten tötet, riecht nicht (einmal) den Geruch des Paradieses. Und der Geruch des Paradieses ist aus einem Abstand von 40 Jahren zu riechen.“ (Buchari)

17.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört ebenfalls, dass den Ahl ath-Thimma (Schutzbefohlenen) von den Nicht-Muslimen, soziale Sicherheit in einem islamischen Land zusteht, gemäß der Handlung des zweiten Kalifen, Umar ibn al-Khattab (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), als er einen alten Mann von den Juden sah, wie er um Geld bettelte. Als er nach ihm fragte, erfuhr er, dass er zu den Ahl al-Jizya (Tributzahlern) gehörte. Da sagte ‘Umar zu ihm: „Wir wären dir gegenüber nicht gerecht, wenn wir von dir den Tribut während deiner Jugend zwar genommen haben, dich jetzt im Alter aber im Stich lassen würden.“ Er nahm ihn an der Hand, ging mit ihm zu sich nach Hause und gab ihm, was er an Essen und Kleidung fand und ließ dem Wärter des Bayt al-Mal mitteilen: „Schaut nach anderen seinesgleichen und gebt ihnen, was ihren Bedarf und den ihrer Familien deckt, denn Allah, der hocherhabene, sagt:

(Die Almosen sind nur für die Armen, die Bedürftigen …) (Qur`an 9:60)

Die Armen sind die Muslime und die Bedürftigen sind die Leute der Schrift (Ahl al-Kitab).

18.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch Folgendes: Er hat die Muslime dazu angehalten, den Feinden unter den Nicht-Muslimen zu vergeben und zu verzeihen, trotz der Möglichkeit, diese zu bestrafen, um so ihre Herzen zu gewinnen, und um zu zeigen, dass der Islam eine Religion voller Toleranz und Nachsicht, Liebe und Barmherzigkeit ist, und nicht eine Religion, die darauf abzielt, die nächstbeste Gelegenheit zu ergreifen, um zu unterdrücken und zu tyrannisieren. So sagt Allah, der Hocherhabene, zu Seinem Propheten:

(Dafür, dass sie ihr Abkommen brachen, haben Wir sie verflucht und ihre Herzen hart gemacht. Sie verdrehen den Sinn der Worte, und sie haben einen Teil von dem vergessen, womit sie ermahnt worden waren. Und du wirst immer wieder Verrat von ihnen erfahren – bis auf wenige von ihnen. Aber verzeihe ihnen und übe Nachsicht. Gewiss, Allah liebt die Gutes Tuenden.) (Qur`an 5:13)

Auch sagt Allah:

(Viele von den Leuten der Schrift möchten euch, nachdem ihr den Glauben (angenommen) habt, wieder zu Ungläubigen machen, aus Missgunst von sich selbst aus, nachdem ihnen die Wahrheit klargeworden ist. Doch verzeiht und seid nachsichtig, bis Allah mit Seiner Anordnung kommt! Allah hat zu allem die Macht.) (Qur`an 2:109)

Und Er sagt:

(Sag zu denjenigen, die glauben, sie sollen denjenigen vergeben, die nicht Allahs Tage erhoffen, auf dass Er einem (jeden) Volk das vergelte, was sie erworben haben.) (Qur`an 45:14)

19.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, sie in schönster Weise einzuladen, ihnen Hoffnung zu geben und sie daran zu erinnern, dass Allah ihre Sünden vergibt, sowie sie nicht an Seiner Barmherzigkeit und Vergebung verzweifeln zu lassen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Sag zu denen, die ungläubig sind: Wenn sie aufhören, wird ihnen vergeben, was bereits vergangen ist. Wenn sie aber (dazu) zurückkehren, – so hat sich schon die Gesetzmäßigkeit an den Früheren vollzogen.) (Qur`an 8:38)

20.   Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Umgang mit den Nicht-Muslimen gehört auch, dass er dazu angehalten hat, für alle Menschen das Gute zu wollen und machte es zu einer Eigenschaft des Glaubens, weil es eine Religion des Friedens und der Liebe ist. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„O Abu Huraira, sei fromm, dann gehörst du zu den besten Dienern! Sei genügsam, dann gehörst du den dankbarsten Menschen! Wünsche den Menschen das, was du dir selbst wünschst, dann bist du gläubig! Sei gut zu deinen Nächsten, dann bist du ein Muslim! Und lache nicht viel, denn das viele Lachen tötet das Herz!“

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der religiösen Anbetungshandlungen (‘Ibada)

Alle religiösen Anbetungshandlungen im Islam, die Pflichten und die freiwilligen Taten, stützen sich auf das Prinzip der Toleranz und Nachsicht und der Einfachheit. Damit hat Allah die Religion des Islam ausgestattet, damit jeder Muslim, in jeder Lebenssituation, mit seiner Kraft und Fähigkeit entsprechend die religiösen Verrichtungen genießen kann. Umgekehrt wird der Muslim dem Genuss, seinen Gott anzurufen und damit dem Gefühl der Geborgenheit, des Vertrauens, der Gemütsruhe, der Erleichterung, der Glückseligkeit und der seelischen Freude nicht beraubt. So sagt Allah, der Hocherhabene:

((Es sind) diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!) (Qur`an 13:28)

So gibt es im Islam keine Auferlegung, die über der Fähigkeit des Menschen liegt. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Ihr sollt das tun, was ihr zu leisten vermögt, denn Allah wird nie genug davon haben, euch für eure Taten zu belohnen, bis ihr genug habt. “

So gehört es auch zur Toleranz und Nachsicht des Islam und zu seiner Einfachheit, dass seine Befehle und die vorgeschriebenen religiösen Anbetungshandlungen der Fitra und  den menschlichen Fähigkeiten entsprechend sind, ohne Auferlegung von Dingen, die nicht zu leisten möglich sind oder die gegen die menschliche Fitra sind. Der Islam verbietet es und sieht es nicht gern, wenn der Muslim sich übermäßig belastet, auch wenn es um religiöse Anbetungshandlungen geht. So berichtet Anas (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) einen alten Mann sah, der sich auf seine beiden Söhne stützte. Da fragte der Prophet:

„Was ist mit ihm? Sie sagten: „Er hat geschworen zu Fuß zu gehen.“ Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Allah ist diesem, der sich selbst quält, unbedürftig.“ Dann befahl er ihm, auf ein Reittier zu steigen. (Buchari)

Auch gehört es zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der religiösen Anbetungshandlungen, dass Allah, der Hocherhabene, dem Muslim die Belohnung für die guten Taten, die er zu tun pflegte, als er gesund und ansässig war, gutschreibt, wenn dieser wegen Krankheit, einer Reise o.ä. daran verhindert ist. Der Islam zählt zur Toleranz und Nachsicht im Bereich der ‘Ibada auch die (Sondergenehmigungen), die der Muslim in Anspruch nehmen soll, um dafür die Belohnung zu bekommen, gemäß dem Ausspruch des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), in dem er sagte:

„Allah liebt es, wenn Seine Sondergenehmigungen in Anspruch genommen werden, so wie Er es liebt, dass Seine Befehlen ausgeführt werden.“

So gehört es auch zur Toleranz und Nachsicht des Islam, dass einige religiöse Anbetungshandlungen in bestimmten Fällen gemindert werden oder gar entfallen.

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der rituellen Reinigung:

Die rituelle Reinigung ist im Islam eine wichtige Voraussetzung für die Richtigkeit vieler religiöser Anbetungshandlungen. Wenn man bedenkt, dass der Muslim Wasser für die rituelle Gebetswaschung zur Verrichtung der fünf Pflichtgebete am Tag und in der Nacht braucht, sowie für weitere freiwillige Gebete (Nafila), die Waschung von der Verunreinigung und dass die Waschung für viele religiöse Ereignisse unerlässlich ist, wie etwa für das (wöchentliche) Freitagsgebet und die beiden Festgebete, so würde die Strenge in der Waschung dazu führen, dass man in Bedrängnis gerät und somit keine Lust mehr auf das Gebet hat, geschweige denn auf die Waschung.

Daher sollen im Folgenden einige Beispiele für die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der rituellen Reinigung aufgeführt werden:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der rituellen Reinigung gehört es, dass das Wasser grundsätzlich rein ist, solange seine Farbe, sein Geruch oder sein Geschmack sich nicht geändert haben, damit der Muslim nicht in Bedrängnis gerät. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Das Wasser wird durch nichts unrein, es sei denn es verändert seinen Geruch, Geschmack oder seine Farbe.“

2.        Es gehört auch zur Toleranz und zur Nachsicht des Islam im Bereich der rituellen Reinigung, dass er sogar den Speichel von reinen Tieren als rein betrachtet und auch wenn das Trinkwasser damit in Berührung gekommen ist, man es noch zum Trinken und Reinigen benutzen kann. So berichtet Kabscha bint Ka’b ibn Malik, die unter (i.S.v. Dienerin) abu Qatada war, dass abu Qatada nach Hause kam, und sie brachte ihm Wasser, damit er die Gebetswaschung vornimmt. Als dann eine Katze kam, stellte er ihr das Wasser hin und bemerkte, dass ich ihm zusah. Er fragte mich: „Wunderst du dich?“ Ich sagte: „Ja.“ Er sagte: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Sie sind nicht unrein. Sie gehören zu denen, die unter euch weilen.“ (al-Mustadrak ‘ala as-Sahihain)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört auch, dass, wenn kein Wasser vorhanden ist oder wenn man nicht in der Lage ist, Wasser zu benutzen aufgrund von Krankheit, sonstiger Verhinderung, Bedrängnis oder wenn man aufgrund extremer Kälte Angst hat, krank zu werden oder wenn das Wasser nur zum Trinken reicht oder andere ähnliche Gründe, so ist die Ersatzabreibung mit Erde erlaubt, als Ersatz für das Wasser und Erleichterung von Allah, dem Hocherhabenen, sowie zur Vereinfachung. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Und wenn ihr krank seid oder auf einer Reise oder jemand von euch vom Abort kommt oder ihr Frauen berührt habt und dann kein Wasser findet, so wendet euch dem guten Erdboden zu und streicht euch damit über das Gesicht und die Hände. Allah will euch keine Bedrängnis auferlegen, sondern Er will euch reinigen und Seine Gunst an euch vollenden, auf dass ihr dankbar sein möget.) (Qur`an 5:6)

4.       Auch zählt zur Toleranz und Nachsicht des Islam, dass es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, über die Socken und über die Kopfbedeckung zu streichen, ohne diese auszuziehen, damit der Muslim nicht in Bedrängnis gerät und keine gesundheitsschädlichen Folgen, etwa aufgrund von Kälte, davonträgt.

  So berichtet Ja’far ibn ‘Amr ibn Umayya adh-Dhumari von seinem Vater, der sagte:

„Ich sah den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), als er die Gebetswaschung vollzog, und er über seine Socken bzw. Fußbedeckung und über seine Kopfbedeckung strich.“ (Sahih ibn Chuzaima)

 Der Islam ist dagegen, wenn man es den Menschen erschwert und nicht erleichtert. So sagte Jabir:

„Wir waren einmal auf einer Reise, da hat sich ein Mann durch einen Stein den Kopf verletzt. Als er seine rituelle Reinheit verlor, fragte er die Gefährten des Propheten: „Steht mir eine Sondergenehmigung zu?“ Sie sagten: „Wir sehen keinen Anlass zur Sondergenehmigung, weil du in der Lage bist, das Wasser zu benutzen.“ So wusch er sich mit dem Wasser und starb (weil Wasser in die Kopfwunde eingedrungen war). Als wir dann zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gingen, wurde er darüber informiert. Da sagte er: „Sie haben ihn umgebracht, möge Allah sie umbringen. Hätten sie denn nicht fragen können, wenn sie es doch nicht (genau) wussten? Wenn jemand etwas nicht weiß, so soll er fragen. Es hätte gereicht, wenn er die Ersatzabreibung gemacht und einen Verband um seine Wunde gebunden hätte. Anschließend hätte er darüber (mit nasser Hand) streichen und den Rest seines Körpers waschen können.“

5.       Auch gehört es zur Toleranz und Nachsicht des Islam, dass der Boden grundsätzlich rein ist, damit der Muslim seine religiösen Verrichtungen überall verrichten kann - außer auf Friedhöfen oder im Badezimmer bzw. auf der Toilette - solange keine klare und deutliche Unreinheit zu sehen ist. So ist das Gebet nicht von einem bestimmten Ort abhängig, wie etwa in einer Synagoge oder in einer Kirche, damit der Muslim beim Gebet nicht in Bedrängnis gerät. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Mir wurden fünf Dinge gegeben, die keinem vor mir gegeben wurden. Jeder Prophet wurde nur zu seinem Volk entsandt, und ich wurde zu allen Menschen entsandt. Mir wurde die (Kriegsbeute) erlaubt. Sie wurde niemandem vor mir erlaubt. Mir wurde die Erde rein und als Gebetsstätte gemacht. Wenn jemand die Gebetszeit erreicht, der bete da, wo er ist; und mir wurde durch Schrecken auf einer Entfernung von einem Monatsmarsch zum Sieg verholfen; und mir wurde die Fürsprache gegeben.“

6.       Auch gehört es zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der rituellen Reinigung, dass wenn sich eine Unreinheit bzw. Schmutz auf dem Boden befindet, man dies ohne Weiteres beseitigen kann. Das wird aus der Geschichte des Beduinen sichtbar, der in der Moschee urinierte. Als die Leute ihn davon abhalten wollten, sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Lasst ihn in Ruhe und gießt danach Wasser über seinen Urin, denn ihr sollt erleichtern und nicht erschweren."

7.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört auch, dass die Ausscheidungen von Tieren, dessen Fleisch man isst, rein ist, solange es kein ausgeflossenes Blut ist, sodass die Kleidung und der Ort davon nicht unrein werden, außer die Sitzplätze der Kamele. So berichtet Jabir ibn Samura, dass ein Mann den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) fragte: „Soll ich die Gebetswaschung verrichten, wenn ich Schaffleisch gegessen habe?“ Er antwortete: „Wenn du möchtest, kannst du die Gebetswaschung vornehmen, und wenn du nicht möchtest, brauchst du die Gebetswaschung nicht vorzunehmen.“ Er fragte weiter: „Und wenn ich Kamelfleisch gegessen habe?“ Er sagte: „Ja, vollziehe die Gebetswaschung, wenn du Kamelfleisch gegessen hast!“ Er fragte: „Darf ich an den Plätzen der Schafe beten?“ Er sagte: „Ja.“ Er fragte: „An den Sitzplätzen der Kamele?“ Er sagte: „Nein.“

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des Gebets:

Das Gebet wurde unter anderem auferlegt, weil es eine Verbindung zwischen dem Menschen und seinem Herrn darstellt, die dem Muslim ermöglicht, mit Allah alleine zu sein, um Ihn anzuflehen und anzurufen. Wenn der Muslim in weltliche Belange vertieft ist und das Licht des Glaubens (Iman) immer schwächer wird, ruft der Muezzin (Gebetsrufer) zum Gebet, damit das Licht im Herzen wieder stark wird und die Verbindung zwischen ihm und seinem Schöpfer zu jeder Zeit aufrecht erhalten bleibt.  Das Gebet findet fünfmal am Tag statt;  der Muslim verrichtet es in der Gemeinschaft, außer wenn er entschuldigt ist. So lernen sich die Muslime kennen und der Kontakt, die Liebe und die Harmonie werden gestärkt. Zudem fragen sie einander nach dem Wohlbefinden. Dadurch wird auch jeglicher Konflikt beseitigt. Denn die Muslime stehen im Gebet Seite an Seite. Große und Kleine, Reiche und Arme, allesamt gleich vor Allah, in ihren Gebeten, richten sich nach Makkah (Gebetsrichtung) und verrichten dieselben Bewegungen. Das Gebet ist nach dem Glaubensbekenntnis die unverzichtbarste Säule des Islam. So berichtet Anas ibn Malik (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gesagt hat:

„Das erste, worüber der Mensch zur Rechenschaft gezogen wird, ist das Gebet, wenn es gültig ist, sind alle restlichen Taten auch gültig, und wenn es nichtig ist, so sind alle restlichen Taten nichtig.“

   An der Tatsache, dass das Gebet sich fünfmal am Tag und in der Nacht wiederholt, ist die Toleranz und Nachsicht und Einfachheit darin deutlich, damit der Muslim es mit Zufriedenheit und ohne Bedrängnis oder Erschwernis zu fühlen verrichtet. Es folgen einige Beispiele für die Toleranz, die Nachsicht und die Einfachheit im Pflichtgebet:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des Gebets gehört, dass der Muslim es seiner Fähigkeit entsprechend verrichtet. So gehört etwa das Stehen zu den Pflichten bzw. Voraussetzungen des Gebets. Ist man aber nicht in der Lage zu stehen, verrichtet man es sitzend. Ist man nicht in der Lage zu sitzen, verrichtet man es liegend und wenn man auch dazu nicht in der Lage ist, verrichtet man es durch Andeutungen bzw. Gestik. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Der Kranke verrichtet das Gebet stehend, wenn er kann. Wenn er dies nicht kann, dann betet er sitzend, auf seiner rechten Seite in Richtung Makkah. Wenn er dies auch nicht kann, betet er liegend, mit den Beinen Richtung Makkah.“

2.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört auch, dass es verschiedene Verrichtungsformen des Gebets gibt, je nach Situation und Sicherheit bzw. in Angstsituationen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Haltet die Gebete ein, und (besonders) das mittlere Gebet, und steht demütig ergeben vor Allah. Wenn ihr in Furcht seid, dann (verrichtet das Gebet) zu Fuß oder im Reiten.) (Qur`an 2:238-239)

3.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam, die die Verkürzung der Gebete auf Reisen gestattet (das Verkürzen der Gebete mit vier Rak’a zu zwei Rak’a und das Zusammenlegen von zwei Gebeten, sowie das Voranstellen oder Nachstellen eines Gebets, etwa das ´Asrgebet mit dem Dhuhrgebet zur Zeit des Dhuhrgebets zu beten und damit das ´Asrgebet voranstellen oder das Dhuhrgebet mit dem ´Asrgebet zur Zeit des ´Asrgebets beten und damit das Dhuhrgebet nachstellen), je nachdem, was sich als leichter bzw. praktischer erweist. So berichtet Ya’la ibn Umayya: „Ich sagte zu ‘Umar ibn al-Khattab:

(So ist es keine Sünde für euch, das Gebet abzukürzen, wenn ihr befürchtet, diejenigen, die ungläubig sind, könnten euch überfallen) (Qur`an 4:101) die Leute sind doch in Sicherheit.“ Da sagte Umar: „Ich wunderte mich ebenfalls, so wie du dich gewundert hast, und ich fragte den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und er sagte:

„Es ist eine Sadaqa (Almosen), die euch Allah zukommen ließ, so nehmt sie an.“

4.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht im Islam in diesem Bereich, dass es dem Kranken und dem Beschäftigten, auch wenn er nicht auf der Reise ist, sowie bei starker Kälte und Regen erlaubt ist, zwei Gebete zusammenzulegen. So berichtet ibn ‘Abbas, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) das Dhuhr und das ´Asrgebet zusammengelegt hat, ohne in einer Angstsituation oder auf Reisen zu sein. Da sagte abu az-Zubair:

„Ich fragte Sa’id, wieso der Prophet das getan habe? Er sagte: „Ich fragte ibn ‘Abbas, wieso er das getan hat?“ Er sagte: „Er wollte niemanden aus seiner Umma in Bedrängnis bringen.“ (Muslim)

5.       Ebenfalls zählt zur Toleranz und Nachsicht im Islam, dass die Zeiten der Gebete sich auf Zeiträume erstrecken, sodass es keine Bedrängnis oder Einengung für den Muslim darstellt. So berichtet Jabir ibn Abdullah, dass Jibril, als die Mittagssonne sich zu neigen begann, zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kam und sagte:

„O Muhammad, steh auf und verrichte das Dhuhrgebet.“ Dann kam Jibril nach einer Weile als der Schatten genau so lang wie der tatsächliche Körper war und sagte: „Steh auf und verrichte das ´Asrgebet.“ Dann kam er wieder, als die Sonne unterging und sagte: „Steh auf und verrichte das Maghribgebet.“ Dann blieb er weg, bis die Abendröte verschwand und sagte: „Steh auf und verrichte das ´Ischagebet.“ Sodann kam er zu ihm bei der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang und sagte: „Steh auf und verrichte das Subhgebet.“ Am nächsten Tag kam er, als der Schatten genauso lang war wie der tatsächliche Körper und sagte: „Steh auf und verrichte das Dhuhrgebet.“ Dann kam er, als der Schatten doppelt so lang war wie der Körper und sagte: „Steh auf und verrichte das ´Asrgebet.“ Dann erschien er, als die Sonne unterging zur selben Zeit wie am Tag davor und sagte: „Steh auf und verrichte das Maghribgebet.“ Dann kam er, als das erste Drittel der Nacht verstrich und sagte: „Steh auf und verrichte das ´Ischagebet.“ Schließlich kam er kurz vor dem Sonnenaufgang und sagte: „Steh auf und verrichte das Subhgebet.“ Sodann sagte er: „Zwischen beiden ist Zeit für das jeweilige Gebet.“

                                                                          (an-Nasa‘i)

6.       Desweiteren zählt zur Nachsicht und Toleranz des Islam, dass der Muslim, wenn er aus Vergesslichkeit mehr oder weniger gebetet hat, das Gebet nicht zu wiederholen braucht, sondern er macht Sujud as-sahw (Vergesslichkeitsniederwerfung), damit es einfacher und leichter ist und ein Trotzen gegen den Teufel. So berichtet abu Sa’id al-Khudri (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Wenn jemand im Zweifel ist über sein Gebet und nicht weiß, ob er drei oder vier Rak’a verrichtet hat, so soll er den Zweifel beiseite legen und von dem ausgehen, worüber er sich sicher ist, und vor dem Friedensgruß zwei Sujud as-sahw verrichten. Wenn er fünf Rak’a gebetet hat, dann sind sie (die zwei Sujud as-sahw) eine Fürsprache für ihn, und wenn er vier Rak’a verrichtet hat, dann sind sie ein Trotzen gegen den Teufel.“

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam im Bereich des Gebets gehört es auch, dass wenn der Muslim nicht weiß, wo Makkah liegt und keine Möglichkeit hat, die Richtung herauszufinden, sich bemühen soll, etwa anhand der Sonne und ihrem Stand, die Richtung nach Makkah herausfinden (ansonsten betet er einfach). So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah gehört der Osten und der Westen; wohin ihr euch auch immer wendet, dort ist Allahs Angesicht. Allah ist Allumfassend und Allwissend.) (Qur`an 2:115)

8.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam im Bereich des Gebets gehört es auch, dass es dem Vorbeter beim Gemeinschaftsgebet verboten ist, das Gebet in die Länge zu ziehen. So berichtet abu Huraira, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gesagt hat:

 „Wenn jemand von euch das Gebet leitet, so soll er das Gebet kurz halten, denn unter den Betenden ist der Schwache, der Kranke und der Alte. Wenn man aber alleine betet, dann kann man so lange beten wie man möchte.“ (Buchari)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der sozialen Pflichtabgabe (Zakat):

   Zu den Gründen, weshalb die Zakat auferlegt wurde, gehört, dass sie vorgeschrieben wurde, damit die Armut aus der islamischen Gesellschaft beseitigt und den möglicherweise daraus resultierenden Gefahren, wie etwa Diebstahl, Tötung oder Überfällen, vorgebeugt wird. Es soll durch die Deckung der Bedürfnisse der Bedürftigen und der Armen auch das Bewusstsein zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zwischen den Muslimen entwickelt werden, damit die Demütigung zu betteln von ihnen genommen wird. Es folgen einige Seiten der Toleranz, Nachsicht und Erleichterung bezüglich der Zakat:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam in diesem Bereich gehört, dass die Zakat nicht aus dem wertvollen und kostbaren Vermögen genommen wird, sondern aus dem ‚normalen‘ Vermögen. So berichtet ibn ‘Abbas (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu Mu’ath ibn Jabal (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), als er ihn zum Jemen entsandte, gesagt hat:

„Du wirst Leuten der Schrift (Ahl al-Kitab) begegnen, so soll das erste sein, wozu du sie aufrufst, Allah einzig und allein anzubeten. Wenn sie das anerkennen, teile ihnen sodann mit, dass Allah das Gebet fünfmal am Tag und in der Nacht auferlegt hat. Wenn sie das Gebet verrichten, teile ihnen mit, dass Allah die Zakat auferlegt hat, die von den Reichen genommen wird und den Armen zukommt. Wenn sie damit einverstanden sind, dann nimm von ihnen und meide das kostbare und wertvolle Vermögen.“ (Buchari)

2.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht in diesem Bereich, dass der Pflichtanteil des Vermögens, der als Zakat entrichtet werden soll, sehr gering ist im Vergleich zu dem Vermögen, von dem sie genommen wird. Auch ist nur aus dem Geld Zakat zu nehmen, das ein Jahr lang ungenutzt angespart wurde. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Es ist dir nichts auferlegt, meint das Gold, bis du 20 Dinar hast. Wenn du 20 Dinar hast und über ein ganzes Jahr vergangen ist, dann musst du einen halben Dinar als Zakat entrichten. Wenn es mehr sind, dann wird es dementsprechend berechnet. Und es ist keine Zakat für Geld vorgeschrieben, das nicht ein ganzes Jahr verweilt hat.“ (Ahmad)

3.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht, dass bei Ackerbau und Bepflanzungen, für die Bestimmung der Zakat die Art und Weise des Anbaus berücksichtigt wird. So hat man ein Zehntel für den Ertrag von Pflanzen, die ohne Zutun und nur mit Regenwasser bewässert wurden, und ein Fünftel für den Ertrag von Pflanzen, die durch eigenhändige oder maschinelle Bewässerung bewässert wurden, abzugeben. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Aus dem, was der Himmel und die Wasserquellen bewässert haben, gilt ein Zehntel. Und was durch Zutun bewässert wurde, ein Fünftel.“

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Bereich der Zakat gehört es auch, dass die Zakatpflicht entfällt, wenn man nicht in der Lage ist, diese zu entrichten und Verbindlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen hat, wie etwa Schulden u.ä. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Die Sadaqa (Zakat) ist vom Wohlhabenden zu entrichten.“ (Ahmad)

    Der Islam hat diesem Schuldner sogar das Recht gegeben, von der Zakat zu nehmen, weil er ebenfalls bedürftig ist. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Die Almosen sind nur für die Armen, die Bedürftigen, diejenigen, die damit beschäftigt sind, diejenigen, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen, (den Loskauf von) Sklaven, die Verschuldeten, auf Allahs Weg und (für) den Sohn des Weges, als Verpflichtung von Allah. Allah ist Allwissend und Allweise.) (Qur`an 9:60)

5.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht im Islam, im Bereich der Zakat, dass der Gebende einen Gewinn von der Entrichtung der Zakat hat und keinen Verlust. Das lässt auch den Muslim wohlwollend zum Ausgeben der Zakat eilen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Nimm von ihrem Besitz ein Almosen, mit dem du sie rein machst und läuterst, und bete für sie, denn dein Gebet ist für sie eine Beruhigung! Allah ist Allhörend und Allwissend.) (Qur`an 9:103)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam beim Fasten:

Das Fasten wurde unter anderem vorgeschrieben, damit der Muslim das Leiden seiner bedürftigen Geschwister von den Armen mitfühlt und verspürt, damit er ihre Rechte erfüllt, sich nach ihnen erkundigt, ihre Bedürfnisse deckt, gütig und fürsorglich mit ihnen ist und ihnen Gutes tut. Das Fasten ist auch ein Kampf des Menschen, zwischen sich und seinen Wünschen und Begierden, um so den Rang seiner Seele zu erhöhen und um sich von schlechten Worten und den schlechten Taten fernzuhalten. Im Folgenden werden einige Facetten der Toleranz und der Nachsicht des Islam beim Fasten vorgestellt:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass er das Fasten nur einen Monat im Jahr vorgeschrieben hat, nämlich im Monat Ramadan. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qur‘an als Rechtleitung für die Menschen herab gesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten.) (Qur`an 2:185)

2.       Auch gehört zur Toleranz und Nachsicht, dass er das Fasten an bestimmten Zeiten festgemacht hat, damit der Muslim nicht in Bedrängnis gerät, im Hinblick auf Beginn und Ende. So darf weder mehr, noch weniger gefastet werden und begonnen wird vom Fajr bis zum Sonnenuntergang. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Erlaubt ist euch, in der Nacht des Fastens mit euren Frauen Beischlaf auszuüben; sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid. Allah weiß, dass ihr euch selbst (immer wieder) betrogt, und da hat Er eure Reue angenommen und euch verziehen. Von jetzt an verkehrt mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah für euch bestimmt hat, und esst und trinkt, bis sich für euch der weiße vom schwarzen Faden der Morgendämmerung klar unterscheidet! Hierauf vollzieht das Fasten bis zur Nacht.) (Qur`an 2:187)

3.       Es gehört auch zur Toleranz und Nachsicht beim Fasten, dass es nicht erlaubt ist, ohne Fastenbrechen das Fasten fortzusetzen, weil darin große Erschwernis und Bedrängnis für den Muslim liegt. Man hat sich an das Vorgeschriebene zu halten. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Man darf nicht ohne sein  Fasten zu brechen weiter fasten.“ (ibn Hibban)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht beim Fasten zählt auch, dass Er dafür einen großartigen Lohn, ohne Grenzen, versprochen hat, angesichts der Tatsache, dass es eine leichte Verrichtung ist. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Allah, der Hocherhabene, sagt: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder obszön, noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‚Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah angenehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herren gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“

                                                                           (Buchari)

5.       Es zählt ebenfalls zur Toleranz und Nachsicht in diesem Bereich, dass es für den Kranken und den Reisenden erlaubt ist, zu essen und nicht zu fasten, wenn darin eine Schwere oder Härte empfunden wird, und dies später nachzuholen. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, (der soll) eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, – damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget.) (Qur`an 2:185)

Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat es verboten, dass man sich überlastet, auch wenn es im Bereich der religiösen Anbetungshandlungen sei. Jabir ibn Abdullah (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) sagte: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) war auf einer Reise, da sah er einen Mann, der in Ohnmacht gefallen ist und um den sich viele Menschen versammelt haben. Da fragte er:

„Was ist mit ihm?“ Sie sagten: „Der Mann fastet.“ Da

sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und

ihm Wohlergehen schenken): „Es gehört nicht zur Frömmigkeit und Güte, auf Reisen zu fasten.“ Bei Muslim heißt es: „Nehmt die Sondergenehmigung, die

euch Allah angeboten hat, an!“

6.       Desweiteren zählt zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des Fastens, dass es der stillenden Frau und der Schwangeren, wenn sie Angst um sich und das Baby hat, erlaubt ist zu essen und bei Möglichkeit das Fasten nachzuholen. So ist es auch mit den Älteren, denen es schwer fällt zu fasten oder diejenigen, die das Fasten schwächt. Jedoch soll man stattdessen andere ernähren. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.) (Qur`an 2:286)

7.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört auch, dass das Fasten desjenigen, der aus Versehen oder gezwungenermaßen gegessen oder getrunken hat, gültig ist und damit sein Fasten nicht gebrochen hat. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Wer vergessen hat, dass er fastet und dann gegessen oder getrunken hat, der soll sein Fasten fortsetzen, denn Allah hat ihm zu essen und zu trinken gegeben.“

                                                                            (al-Jama‘a)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Pilgerfahrt:

Zu den glorreichen Zielen der Pilgerfahrt gehört das Verinnerlichen der Einheit (und Einzigkeit) Allahs und Ihm zu gedenken. So lautet das Motto: „Hier bin ich, o Allâh, hier bin ich, um Deinem Ruf zu folgen. Du hast keinen Gott neben Dir. Hier bin ich! Alles Lob und Huld sind Dein und auch die Herrschaft. Es gibt keinen Gott neben Dir.“

Das bedeutet: „O Allah, wir sind an diesen Ort gekommen, weil wir Deinem Ruf nachgekommen sind, auf Deine Zufriedenheit hoffen und Deine Einzigkeit bekennen und weil nur Du das Recht hast, angebetet zu werden.“ Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Adligen und dem Niedrigen, dem Weißen und dem Schwarzen, dem Araber und dem Nicht-Araber. Alle sind vor Allah gleich. Es gibt keinen Unterschied, außer in der Gottesfurcht. So wird die Brüderlichkeit zwischen den Muslimen gefestigt und ihre Emotionen und Hoffnungen vereint. Folgende Seiten sind dabei als Toleranz, Nachsicht und Erleichterung des Islam im Bereich der Pilgerfahrt anzusehen:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam und seiner Einfachheit bei der Pilgerfahrt gehört es, dass es dem Muslim vorgeschrieben ist, die Pilgerfahrt nur einmal im Leben zu unternehmen, denn diese jedes Jahr verrichten zu müssen, würde eine große Bürde darstellen, - das ist auch ein Beweis für die Barmherzigkeit der Botschaft des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) – denn wäre es vorgeschrieben, die Pilgerfahrt jedes Jahr zu unternehmen, dann wäre es für Makkah nicht möglich, diese riesige Anzahl von Muslimen aufzunehmen. Abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) berichtete: „Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat eine Ansprache gehalten, in der er sagte:

 „O Leute, Allah hat euch die Pilgerfahrt auferlegt, so verrichtet sie!“ Da fragte ein Mann: „O Prophet, sollen wir sie jedes Jahr verrichten?“ Der Prophet schwieg, bis der Mann seine Frage dreimal wiederholt hatte. Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Hätte ich ja gesagt, dann wäre es eine Pflicht, und ihr hättet es nicht ertragen“. Dann sagte er: „Lasset meine Befragung sein, solange ich eure Handlung billige denn diejenigen, die vor euch waren, gingen durch ihre (überflüssigen) Fragen und ihre Meinungsverschiedenheiten mit ihren Propheten zugrunde. Wenn ich euch etwas verbiete, dann meidet es und wenn ich euch etwas befehle, dann führt davon aus, soweit ihr könnt.“

2.       Ebenfalls zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Pilgerfahrt gehört, dass die Verpflichtung, die Pilgerfahrt zu verrichten, entfällt, obwohl sie eine der fünf Säulen des Islam ist, wenn es finanziell oder körperlich nicht möglich ist. Wenn also jemand krank ist und keine Aussicht auf eine Genesung besteht und er wohlhabend ist, dann kann er jemanden beauftragen, dass er für ihn die Pilgerfahrt macht. Und auch der Arme, der kein Geld besitzt, das seinen Bedarf und den seiner Familie übersteigt, braucht die Pilgerfahrt nicht zu verrichten. Denn Allah, der Hocherhabene, sagt: (Und Allah steht es den Menschen gegenüber zu, dass sie die Pilgerfahrt zum Hause unternehmen – (diejenigen,) die dazu die Möglichkeit haben. Wer aber ungläubig ist, so ist Allah der Weltenbewohner Unbedürftig.) (Qur`an 3:97)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht gehört auch, dass Er dem Muslim die Freiheit gegeben hat, zwischen den drei Pilgerarten auszuwählen, mit welchem er beginnen will, seiner Zeit und seiner finanziellen Lage entsprechend. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Wäre meine Angelegenheit (über die Art der Pilgerfahrt) mir überlassen, hätte ich mein Opfertier nicht mitgenommen (sondern Hadsch Al-Tamattu` verrichtet). Jedoch habe ich meinen Kopf bedeckt und mein Opfertier mit mir geführt. So gibt es für mich (in dieser Situation) keine andere Loslösung aus dem Weihezustand, ausser wenn ich mein Opfertier schlachte."

4.       Zur Toleranz und Nachsicht gehört auch, dass es für Verbotenes, das während der Pilgerfahrt begangen wird, Sühne gibt, um so die Mängel und Fehler zu beheben. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Vollzieht die Pilgerfahrt und die Besuchsfahrt für Allah. Wenn ihr jedoch (daran) gehindert werdet, dann (bringt) an Opfertieren (dar), was euch leichtfällt. Und schert euch nicht die Köpfe, bevor die Opfertiere ihren Schlachtort erreicht haben! Wer von euch krank ist oder ein Leiden an seinem Kopf hat, der soll Ersatz leisten mit Fasten, Almosen oder Opferung eines Schlachttieres. – Wenn ihr aber in Sicherheit seid, dann soll derjenige, der die Besuchsfahrt mit der Pilgerfahrt durchführen möchte, an Opfertieren (darbringen), was ihm leichtfällt. Wer jedoch nicht(s) finden kann, der soll drei Tage während der Pilgerfahrt fasten und sieben, wenn ihr zurückgekehrt seid; das sind im Ganzen zehn. Dies (gilt nur) für den, dessen Angehörige nicht in der geschützten Gebetsstätte wohnhaft sind. Und fürchtet Allah und wisst, dass Allah streng im Bestrafen ist!) (Qur`an 2:196)

5.       Zur Toleranz und Nachsicht im Bereich der Pilgerfahrt gehört, dass es erlaubt ist, die Pilgerfahrt unter Vorbehalt zu verrichten mit der Möglichkeit, sie abzubrechen, wenn den Muslim Ereignisse ereilen, die er nicht voraussehen konnte. So berichtete ‘Aischa (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu Dhuba’a bint az-Zubair sagte:

„Wolltest du die Pilgerfahrt verrichten?“ Sie sagte: „Bei Allah, ich fühle, dass ich krank werde.“ Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu ihr: „Verrichte die Pilgerfahrt unter Vorbehalt. Sag: O Allah, meine Pilgerfahrt endet da, wo Du mich gehalten hast (da, wo ich wegen Krankheit gehindert werde).“

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Bereich der Pilgerfahrt gehört ebenfalls, dass durch die Pilgerfahrt alle Sünden und Fehler vergeben und gelöscht werden. So berichtet Abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Wer die Pilgerfahrt verrichtet, ohne Beischlaf auszuüben und ohne Frevel zu begehen, kommt so zurück, wie am Tag seiner Geburt.“ (Buchari)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bezug auf die Frau:

Die Frau genießt im Islam eine hohe Stellung und der Islam schützt ihre Rechte und machte es zum Zeichen einer gesunden Persönlichkeit, wenn man die Frau gut behandelt. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Diejenigen Gläubigen mit dem vollkommensten Glauben sind die, mit dem besten Charakter; und die besten unter euch, sind die besten zu ihren Frauen.“ (Sahih ibn Hibban)

Auch stellte der Islam im Hinblick auf die Gunst und Wohltat das Recht der Frau vor das Recht des Mannes. So sagte der Prophet: „Geht mit den Frauen gut um!“

Folgendes gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bezug auf die Frau:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bezug auf die Frau gehört, dass Er ihr ein Recht auf die Morgengabe gegeben hat und diese den Männern auferlegt. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und gebt den Frauen ihre Morgengabe als Geschenk. Wenn sie für euch aber freiwillig auf etwas davon verzichten, dann verzehrt es als wohlbekömmlich und zuträglich.) (Qur`an 4:4)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass sie ein Anrecht auf die Hälfte ihrer Morgengabe hat, wenn sie geschieden wird, bevor der Mann sie berührt hat. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Aber wenn ihr euch von ihnen scheidet, bevor ihr sie berührt und euch ihnen gegenüber schon (zu einer Morgengabe) verpflichtet habt, dann (händigt) die Hälfte dessen (aus), wozu ihr euch verpflichtet habt, es sei denn, dass sie (es) erlassen oder der, in dessen Hand der Ehebund ist. Und wenn ihr (es) erlasst, kommt das der Gottesfurcht näher. Und versäumt es nicht, gut zueinander zu sein. Was ihr tut, sieht Allah wohl.) (Qur`an 2:273)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht gehört, dass es verboten ist, die Frau, nach der Scheidung, aus dem Haus auszuweisen, denn darin, dass sie zuhause bleibt, könnte womöglich ein Grund zur Versöhnung sein und dass sie wieder zueinander finden. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(O Prophet, wenn ihr euch von Frauen scheidet, dann scheidet euch von ihnen auf ihre Wartezeit hin, und berechnet die Wartezeit. Und fürchtet Allah, euren Herrn. Weist sie nicht aus ihren Häusern aus; sie sollen auch nicht selbst ausziehen, außer, sie begehen etwas klar Abscheuliches. Dies sind Allahs Grenzen. Wer aber Allahs Grenzen übertritt, der fügt sich ja selbst Unrecht zu. Du weißt nicht, vielleicht führt Allah danach eine neue Lage herbei.) (Qur`an 65:1)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bezug auf die Frau gehört auch, dass der Islam dem Mann auferlegt hat, für sie zu sorgen und aufzukommen und ihr alle ihre Rechte zu geben hat nach der Scheidung und sie auch dann gut zu behandeln und sie nicht in Bedrängnis und Schwierigkeiten zu bringen, solange sie in ihrer Wartezeit ist. Denn Allah, der Hocherhabene, sagt: (Lasst sie dort wohnen, wo ihr (selbst) wohnt, von dem, was ihr euch leisten könnt. Und fügt ihnen keinen Schaden zu, um sie in die Enge zu treiben. Und wenn sie schwanger sind, dann gebt für sie (das Nötige) aus, bis sie mit dem niederkommen, was sie (in ihren Leibern) tragen. Wenn sie für euch (das Kind) stillen, dann gebt ihnen ihren Lohn, und beratet untereinander (darüber) in rechtlicher Weise. Wenn ihr aber einander Schwierigkeiten bereitet, dann wird (das Kind) für ihn eine andere stillen.) (Qur`an 65:6)

5.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört ebenfalls, dass er das Sorgerecht der Frau zugesprochen hat, wenn sie dies möchte. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und die Mütter stillen ihre Kinder zwei volle Jahre. (Das gilt) für jemanden, der das Stillen zu Ende führen will. Und demjenigen, dem das Kind geboren wurde, obliegt es, für ihre Versorgung und Kleidung in rechtlicher Weise aufzukommen. Keiner Seele wird mehr auferlegt, als sie zu leisten vermag. Keine Mutter soll wegen ihres Kindes zu Schaden kommen, noch einer, dem das Kind geboren wurde, wegen seines Kindes. Und dem Erben obliegt das gleiche. Wenn sie beide jedoch in gegenseitigem Einvernehmen und gemeinsamer Beratung (das Kind vorzeitig) entwöhnen wollen, so ist darin keine Sünde für sie (beide). Und wenn ihr eure Kinder (von einer Amme) stillen lassen wollt, so ist darin keine Sünde für euch, sofern ihr das, was ihr geben wollt, in rechtlicher Weise aushändigt. Und fürchtet Allah und wisst, dass Allah das, was ihr tut, wohl sieht!) (Qur`an 2:233)

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er ihr das Recht zu erben zugesprochen hat, nachdem es ihr vorher verwehrt war. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Den Männern steht ein Anteil von dem zu, was die Eltern und nächsten Verwandten hinterlassen, und den Frauen steht ein Anteil von dem zu, was die Eltern und nächsten Verwandten hinterlassen, sei es wenig oder viel – ein festgesetzter Anteil.) (Qur`an 4:7)

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass einige Pflichten entfallen, wenn sich die Frau in ihrer Menstruation- oder Entbindungsphase befindet. So hat sie das Gebet nicht zu verrichten und auch nicht nachzuholen. Und fasten muss sie auch nicht, jedoch holt sie diese Tage, die sie nicht gefastet hat, nach, wenn sie wieder in der Lage ist zu fasten. So berichtete Mu’atha: „Ich fragte ‘Aischa: „Wieso holt die Frau, die ihre Periode hatte, die nicht gefasteten Tage nach, aber nicht die nicht verrichteten Gebete?“ Sie fragte mich: „Bist du eine haruria (Stadt aus die khawarij kamen)?“ Ich sagte: „Nein, bin ich nicht, aber ich frage (mich).“ Sie sagte: „Wenn wir unsere Menstruation bekommen, ist uns befohlen worden, die nicht gefasteten Tage nachzuholen, aber nicht die nicht verrichteten Gebete.“ Auch der Abschieds-Tawaf während der Pilgerfahrt entfällt, wenn die Frau ihre Periode hat. Denn ibn ‘Abbas (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) sagte: „Den Menschen wurde befohlen, dass der Abschieds-Tawaf das letzte ist, was sie um die Ka’ba verrichten, jedoch entfällt das für diejenigen Frauen, die ihre Periode haben.“

8.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam hinsichtlich der Frau gehört, dass er ihr und ihrem Ehemann erlaubt hat, sich miteinander in allem zu amüsieren, außer dem Eindringen, wenn die Frau ihre Periode hat. So berichtete Anas, dass bei den Juden eine Frau, die ihre Periode hat, nicht mit ihnen essen und sich nicht in ihrem Haus aufhalten darf. Daher fragten die Gefährten den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) darüber. Da offenbarte Allah, der Hocherhabene, den Vers:

(Sie fragen dich nach der Monatsblutung. Sag: Sie ist ein Leiden. So haltet euch von den Frauen während der Monatsblutung fern, und kommt ihnen nicht nahe, bis sie rein sind. Wenn sie sich dann gereinigt haben, so kommt zu ihnen, wie Allah es euch geboten hat. Allah liebt die Reumütigen, und Er liebt die, die sich rein halten.) (Qur`an 2:222)

Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

 „Tut alles, außer dem Eindringen.“

9.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass für sie im Falle eines Krieges die Pflicht zu kämpfen entfällt. ‘Aischa (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben) fragte: „O Prophet, ist es der Frau vorgeschrieben sich zu bemühen (Jihad)?“ Er sagte:

„Ja, sie sollen sich bemühen bei der ‘Umra und der Pilgerfahrt, aber nicht kämpfen.“ (von Ahmad überliefert)

  1. Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass ihr nicht vorgeschrieben ist zu arbeiten und zu versorgen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Der Wohlhabende soll entsprechend seinem Wohlstand (die Aufwendungen) ausgeben. Und wem seine Versorgung bemessen (zugeteilt) wurde, der soll (eben) von dem ausgeben, was Allah ihm gegeben hat. Allah erlegt keiner Seele mehr auf als das, was Er ihr gegeben hat. Allah wird nach Schwierigkeit Erleichterung schaffen.) (Qur`an 65:7)

Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte ebenfalls:

„Fürchtet Allah hinsichtlich der Frauen! Wahrlich, ihr habt sie unter dem Schutz Allahs genommen und der Verkehr mit ihnen wurde euch durch Allahs Worte rechtmäßig gestattet. Euer Recht über sie besteht darin, dass sie niemandem erlauben sollen, auf euren Betten zu sitzen, den ihr nicht mögt. Aber wenn sie dies tun, könnt ihr sie bestrafen, aber nicht hart. Und ihre Rechte über euch bestehen darin, dass ihr sie in einer angemessenen Weise mit Essen und Kleidung versorgen sollt.“

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der finanziellen Beziehungen:

Geld ist der Nerv des Lebens und der finanziellen Beziehungen zwischen den Menschen. In diesen Beziehungen herrschen viele rechtswidrige Umgangsmethoden, Ungerechtigkeiten und die Beraubung der Rechte anderer bei der Stärkung und Durchsetzung persönlicher Interessen, ohne Rücksicht auf das, was anderen Parteien für Schäden widerfahren. Deshalb war es notwendig, dass auch hier in diesem Bereich Toleranz und Nachsicht herrscht. Daher können wir folgende Facetten für die Toleranz und Nachsicht des Islam erwähnen:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des Handels (Kauf und Verkauf) gehört, dass der Islam dazu anhält, dass es einfach, großzügig und nachsichtig ist. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Allah erbarme Sich einem, der nachsichtig und einfach ist, wenn er verkauft, nachsichtig und einfach ist, wenn er kauft.“

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört in diesem Bereich auch, dass er auch dazu angehalten hat, dem, der sich in Schwierigkeit befindet, Aufschub zu gewähren, damit dieser seine Schulden tilgen kann, oder ihm seine Schuld erlassen wird, was bei Allah besser ist. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn er (der Schuldner) in Schwierigkeiten ist, dann sei (ihm) Aufschub (gewährt,) bis eine Erleichterung (eintritt). Und dass ihr (es) als Almosen erlasst, ist besser für euch, wenn ihr (es) nur wisst.)

                                                                       (Qur`an 2:280)

Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte darüber auch:

„Wer einem Schuldner, der sich in Schwierigkeit befindet, Aufschub gewährt, bekommt für jeden Tag den Lohn einer Sadaqa, und wer ihm Aufschub gewährt, obwohl die Rückzahlung fällig ist, bekommt für jeden Tag den Lohn einer Sadaqa." (ibn Maja)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam dazu auffordert, die Schulden zu erlassen. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Ein Mann, der vor euch lebte, wurde zur Rechenschaft gezogen. Es wurde keine gute Tat gefunden, außer dass er sich unter die Menschen mischte und (den Leuten, denen er Geld verlieh) Aufschub gewährte; er befahl seinen Angestellten, die Schuldner zu entlasten.“ Er (der Prophet) sagte: Allah, der Hocherhabene, sagt: „Es gebührt eher Uns. Entlasset ihn (erlasst seine Sünden).“ (Muslim)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört dasAnhalten zur Nachsicht bezüglich des Zurückverlangens von geliehenem Vermögen.

5.        So berichtete abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass ein Mann zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kam, um von ihm etwas zurückzufordern und war dabei grob. Da wollten sich die Gefährten auf ihn stürzen, jedoch sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Lasst ihn, denn der Gläubiger hat ein Recht zu fordern.“ Und sagte dann: „Gebt ihm einen Anteil wie seinen Anteil.“ Sie sagten: „O Prophet, wir finden nur einen besseren als seinen.“ Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Gebt es ihm, denn zu den Besten unter euch gehören diejenigen, die am gütigsten beim Zurückgeben (des geliehenen Gutes) sind.“

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam dazu anhält und anspornt, die Ware bzw. das Geld umzutauschen, wenn eine der Vertragsparteien seinen Kauf bzw. Verkauf bereut. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagt:

„Wer demjenigen, der seinen Kauf bereut, die Ware umtauscht, dem verzeiht Allah seinen Fehltritt am Tag der Auferstehung.“

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er die Freiheit beim Kauf gewährleistet. Denn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Die beiden Kaufparteien haben die Freiheit (zu kaufen oder nicht), solange sie sich nicht trennen bzw. bis sie sich trennen. Wenn sie ehrlich waren, wird ihr Geschäft gesegnet und wenn sie gelogen haben, wird der Segen entrissen.“ (Buchari)

8.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört das Erbrecht, dass das Erbe auf die berechtigten Erbenden verteilt hat, unabhängig von Alter und Geschlecht, sodass es eine gerechte Aufteilung, der Verwandtschaftsnähe entsprechend, gibt, die alle bestätigen können, die über einen gesunden Menschenverstand verfügen. So steht es niemandem zu, das Erbe nach Belieben und eigenen Vorstellungen zu verteilen. Zu den Annehmlichkeiten und guten Seiten dieses Systems gehört es, dass es das Vermögen, egal wie groß es ist, in kleine Vermögen teilt, so dass die Anhäufung des Vermögens bei einer bestimmten Gruppe bzw. bei bestimmten Menschen nahezu unmöglich ist. Der Qur’an hat hierzu die Anteile der Kinder, Eltern, Ehepartner und Geschwister deutlich gemacht. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah empfiehlt euch hinsichtlich eurer Kinder: Einem männlichen Geschlechts kommt ebenso viel zu wie der Anteil von zwei weiblichen Geschlechts. Wenn es aber (ausschließlich) Frauen sind, mehr als zwei, dann stehen ihnen zwei Drittel dessen zu, was er hinterlässt; wenn es (nur) eine ist, dann die Hälfte. Und den Eltern steht jedem ein Sechstel von dem zu, was er hinterlässt, wenn er Kinder hat. Wenn er jedoch keine Kinder hat und seine Eltern ihn beerben, dann steht seiner Mutter ein Drittel zu. Wenn er Brüder hat, dann steht seiner Mutter (in diesem Fall) ein Sechstel zu. (Das alles) nach (Abzug) eines (etwaigen) Vermächtnisses, das er festgesetzt hat, oder einer Schuld. Eure Väter und eure Söhne – ihr wisst nicht, wer von ihnen euch an Nutzen näher steht. (Das alles gilt für euch) als Verpflichtung von Allah. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allweise.) (Qur`an 4:11)

Es gibt noch weitere Bestimmungen, die an anderen Stellen im Qur’an erwähnt werden, hier aber aus Platzgründen nicht erörtert werden können. Daher sollte bei Interesse auf die einschlägige Literatur zurückgegriffen werden.

9.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam dazu anhält, wohltätig zu den Anwesenden zu sein, die bei der Erbverteilung dabei sind, aber selbst keine Erbenden sind, und ihnen zu geben und diese nicht zu vergessen. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Und wenn bei der Verteilung Verwandte, Waisen und Arme zugegen sind, dann versorgt sie davon und sagt zu ihnen geziemende Worte.) (Qur`an 4:8)

10.   Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam das Prinzip des Testaments geboten hat. Der Muslim sollte einen gewissen Anteil von seinem Vermögen für wohltätige und gemeinnützige Zwecke spenden, damit es für ihn nach seinem Tod als fortdauerndes Almosen dient. Dieses Testament ist auf ein Drittel beschränkt. So berichtete ‘Amer ibn Sa’d (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass ihn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) während seiner Krankheit besuchte und da sagte er:

„O Prophet, ich bin im Besitz von Geld, soll ich mein gesamtes Vermögen vermachen?“ Er sagte: „Nein.“ Ich sagte: „Die Hälfte?“ Er sagte: „Nein.“ Ich sagte: „Ein Drittel?“ Er sagte: „Einen Drittel und das ist viel. Wenn du deine Familie reich hinterlässt, ist es besser, als sie mittellos und bedürftig zu hinterlassen. Und egal was du ausgibst, so ist es eine Spende, sogar der Bissen, den du in den Mund deiner Frau legst; und möge Allah dich erheben, sodass einige von dir Nutzen bekommen und andere geschadet werden.“

                                                                           (Buchari)

   Daher gehört es auch zu den Voraussetzungen, dass das Testament keinen der Erben bevorzugt, damit den übrigen Erben nicht geschadet oder Feindseligkeit hervorgerufen wird. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte auch: „Allah gab jedem sein Recht, damit ist keinem Erben was zu vermachen.“ (Sunan Abu Dawud)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich der Bestrafungen (Hudud):

   Der Islam hat, wie jede andere Religion, ein Bestrafungssystem, durch dessen Umsetzung die Sicherheit und der Frieden in der Gesellschaft gewährleistet werden und zum Schutz vor der Ausbreitung von Verbrechen, sodass das Blutvergießen verhindert werden kann, die Würde geschützt wird, das Vermögen bewahrt wird, die Schurken und Verbrecher unterdrückt werden und damit die Menschen sich davor hüten, sich gegenseitig zu überfallen. Die Verbrechen werden also mit diesen Sanktionen verhindert bzw. in ihrem Ausmaß eingedämmt. So sehen wir, dass der Islam für jede verbrecherische Tat eine dazu passende Bestrafung vorsieht. Für die absichtliche Tötung gilt die Wiedervergeltung. Allah, der Hocherhabene, sagt:

(O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch

Wiedervergeltung für die Getöteten) (Qur`an 2:178)

Es sei denn die Verwandten bzw. Eltern des Getöteten vergeben, gemäß dem Vers:

(... Doch wenn einem von seinem Bruder etwas

erlassen wird.) (Qur`an 2:178)

Und für den Diebstahl sieht der Islam das Abtrennen der Hand vor, so sagt Allah, der Hocherhabene:

(Der Dieb und die Diebin: trennt ihnen ihre Hände ab

als Lohn für das, was sie begangen haben, und als ein

warnendes Beispiel von Allah. Allah ist Allmächtig

und Allweise.) (Qur`an 5:38)

Wenn nun der Dieb weiß, dass wenn er stiehlt, seine Hand abgetrennt wird, dann wird das Stehlen unterlassen und das Vermögen der Leute bleibt verschont.

Und für die Übertretung gegenüber der Würde der anderen durch Unzucht, sieht der Islam für den nicht verheirateten das Peitschen vor. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Eine Frau und ein Mann, die Unzucht begehen,

geißelt jeden von ihnen mit hundert Hieben.)

(Qur`an 24:2)

Und dies, um die Abstammung vor Vermischung zu schützen und das Vermögen davor, dass Nichtberechtigte es erben.

Für die Übertretung gegenüber der Würde von Frauen, durch Verleumdung, sieht der Islam auch die Geißelung vor. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Diejenigen, die den ehrbaren Ehefrauen (Untreue)

vorwerfen und hierauf nicht vier Zeugen beibringen,     die geißelt mit achtzig Hieben.) (Qur`an 24:4)

So wird auch mit weiteren Verbrechen verfahren, für die der Islam je eine entsprechende Bestrafung vorsieht, je nach Gefahr des Verbrechens für die Gesellschaft. Auch legte der Islam einen allgemeingültigen Grundsatz fest, wonach die Bestrafungen festgelegt werden. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Die Vergeltung für eine böse Tat ist etwas gleich

Böses.) (Qur`an 42:40)

Auch sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn ihr bestraft, so bestraft im gleichen Maß,

wie ihr bestraft wurdet.) (Qur`an 16:126)

Für die Vollstreckung dieser Sanktionen gibt es Voraussetzungen und Regeln. Im Folgenden wird die Güte, Toleranz und Nachsicht der Religion im Bereich der Sanktionen dargestellt:

1.       Zur Toleranz, Nachsicht und Güte des Islam im Bereich der Sanktionen im Bezug auf die Rechte im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen gehört, dass er die Vollstreckung der Bestrafung zu keiner unabdingbaren Angelegenheit gemacht hat. Er hat die Möglichkeit zur Versöhnung und Vergebung gegeben und die Gewährung von (Schadens-)Ersatz offen gelassen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Die Vergeltung für eine böse Tat ist etwas gleich Böses. Wer aber verzeiht und Besserung bringt, dessen Lohn obliegt Allah. Er liebt ja nicht die Ungerechten.)

                                                                       (Qur`an 42:40)

2.       Zur Toleranz, Nachsicht und Güte des Islam im Bereich der Sanktionen gehört, dass die Taten, die mit den Rechten Allahs zu tun haben, nicht bestraft werden, solange der Mensch sie nicht öffentlich verkündet und die Tat nicht zu den zuständigen Behörden gelangt ist. So ist die Sache zwischen dem Menschen und seinem Gott. Abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) berichtete, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gesagt hat:

„Alle von meiner Umma sind verschont, außer diejenigen, die (ihre Taten) öffentlich bekannt machen. Und es ist (Dummheit), wenn man etwas (eine Sünde) nachts begeht und am nächsten Tag, obwohl Allah ihn nicht bloßstellte, (zum nächsten geht) und sagt: „Du, ich habe gestern das und das gemacht.“ Obwohl er nachts in Allahs Deckung stand, und nun am Tag deckt er diesen Schutz auf.“

                                               (übereinstimmend überliefert)

   Der Islam beabsichtigt durch die Umsetzung der Sanktionen die Wahrung der Menschenrechte, die Verankerung der Sicherheit, die Ruhe in der Gesellschaft und den Frieden, und er beabsichtigt die Abschreckung derjenigen, die sich vornehmen, mit ihrer eigenen Sicherheit Unfug anzustellen. Wenn nun der Mörder weiß, dass er getötet wird und der Dieb weiß, dass seine Hand abgetrennt wird und der Verleumder, dass er gepeitscht wird, dann schreckt er davor zurück, verschont sich und verschont die anderen. Und Allah, der Hocherhabene, sagt:

(In der Wiedervergeltung liegt Leben für euch,

o die ihr Verstand besitzt, auf dass ihr

 gottesfürchtig werden möget!) (Qur`an 2:179)

Mag sein, dass jemand einräumt, dass diese Bestrafungen, die der Islam vorgeschrieben hat, harte Strafen sind. Dazu kann man entgegnen, dass der gesund denkende Mensch zugeben wird, dass diese Verbrechen Schäden und schwerwiegende Nachteile für die Gesellschaft darstellen, die der Gesellschaft nicht verborgen bleiben, und dass es wichtig ist, diesen entgegenzuwirken, sie zu bekämpfen, ihnen zu widerstehen und sie zu bestrafen. Der Streit dreht sich also über die Art der Bestrafung. So soll sich doch jeder einmal selbst die Frage stellen, ob die Sanktionen, die der Islam festgesetzt hat, nützlicher und erfolgreicher sind, im Bekämpfen der Straftat oder zumindest in der Verminderung bzw. Reduzierung von Straftaten, oder die Sanktionen, die Menschen festgelegt haben, die das Verbrechen nur vermehren. Durch sie könnte sogar der Täter verschont und das Opfer beschuldigt werden. Sollte nicht das verdorbene Glied amputiert werden, damit der Rest des Körpers gesund bleibt?

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Hinblick auf Krieg und Geiseln:

Es liegt in der Natur der menschlichen Gesellschaften, dass zwischen ihnen Konflikte und Kriege entstehen, aufgrund von Ungleichheit und Streitigkeit, aufgrund von Rasse oder Abstammung oder Religion, oder Konflikte und Kriege aufgrund von Expansionsbegehren, Ausweiten der Macht oder wirtschaftlichen Interessen. So sagt Allah, der Hocherhabene:

((Ihnen), die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten   vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Allah. Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt hätte, so wären fürwahr

Mönchsklausen, Kirchen, Bethäuser und Gebetsstätten

zerstört worden, in denen Allahs Name häufig genannt wird. – Und Allah wird ganz gewiss denjenigen helfen, die Ihm helfen. Allah ist wahrlich

Stark und Allmächtig.) (Qur`an 22:40)

Was jedoch den Krieg im Islam angeht, so ist er an erster Stelle menschlich. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und seid nicht wie diejenigen, die aus ihren

Wohnstätten hinauszogen, in Übermut und aus

Augendienerei vor den Menschen, und die von Allahs

Weg abhalten. Allah umfasst, was sie tun.) (Qur`an 8:47)

So dient der Krieg im Islam der Verteidigung vor einem Feind oder der Unterstützung eines Benachteiligten. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Was ist mit euch, dass ihr nicht auf Allahs Weg, und

(zwar) für die Unterdrückten unter den Männern,

Frauen und Kindern kämpft, die sagen: „Unser Herr,

 bringe uns aus dieser Stadt heraus, deren Bewohner

 ungerecht sind, und schaffe uns von Dir aus einen

Schutzherrn, und schaffe uns von Dir aus einen

Helfer.“)          (Qur`an 4:75)

Da der Krieg im Islam menschlicher Natur ist, ist es notwendig, dass die Faktoren der Toleranz, Nachsicht und Gutmütigkeit sichtbar sind. Daher werden im Folgenden einige dieser Faktoren vorgestellt:

1.       Zur Toleranz, Nachsicht und Gutmütigkeit des Islam gehört, dass er keine Religion des Terrorismus, der Übertretung, der Ungerechtigkeit oder der Führung von Kriegen ist, wie viele seiner Feinde behaupten, weil sie es leid sind, dass so viele diese Religion annehmen. Wie soll der Islam denn eine Religion des Krieges sein, wo doch Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter.)     (Qur`an 2:190)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam hinsichtlich der Kriege gehört, dass der Islam seinen Anhängern vorgeschrieben hat, im Falle eines Krieges mit den Feinden zunächst den Frieden zu suchen, wenn diese auch den Frieden und das Kämpfen aufgeben wollen, um zu zeigen, dass der Islam keine Religion des Tötens ist oder gar Genuss verspürt, wenn Blut fließt. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiss, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.)

                                                                       (Qur`an 8:61)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam verbietet, denjenigen zu töten, der nicht kämpft und auch nicht die Menschen, mit denen die Muslime ein Abkommen haben. So sagt Allah, der Hocherhabene: (Außer denjenigen, die sich einem Volk anschließen, zwischen dem und euch ein Abkommen besteht, oder die zu euch gekommen sind, weil ihre Brüste beklommen sind, gegen euch zu kämpfen oder gegen ihr (eigenes) Volk zu kämpfen. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er ihnen wahrlich Gewalt über euch gegeben, und dann hätten sie gegen euch wahrlich gekämpft. Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten und dann nicht gegen euch kämpfen, sondern Frieden anbieten, so hat euch Allah keine Veranlassung gegeben, gegen sie (vorzugehen).)

(Qur`an 4:90)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass es für den Kriegsfall Regeln gibt, sodass die Menschlichkeit sogar im Krieg gewahrt wird. So dürfen von den Feinden nur diejenigen getötet werden, die auch tatsächlich kämpfen und dazu anstiften bzw. Beihilfe leisten, jedoch nicht die Älteren, die Kinder, die Frauen, die Kranken, die Krankenpfleger (Ärzte, Krankenschwestern, etc.) und diejenigen, die sich nur der Anbetung gewidmet haben. Auch ist es verboten, den Verletzten den Gnadenschuss zu geben, die Toten zu verstümmeln, Tiere zu töten, Häuser zu zerstören, Wasser oder Brunnen zu beschmutzen, diejenigen, die die Flucht vom Schlachtfeld ergriffen haben, zu verfolgen. Dies waren die Anweisungen des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und seiner Nachfolger (der Kalifen) an ihre Kriegsführer. Und diese großzügige und gutmütige Kriegspolitik spiegelt sich in den Taten des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wieder, als er Makkah eingenommen hatte. Dabei handelte es sich um diejenigen, die ihn ausgestoßen und seine Gefährten getötet hatten und die ihn töten wollten; er sagte zu ihnen:

„Wer sich im Haus von abu Sufian aufhält, ist sicher und wird verschont, und wer seine Türen schließt, ist sicher, und wer die Waffen niederlegt, ist sicher.“

                                                                               (Muslim)

Auch seine Kalifen (Nachfolger) befolgten diese gutmütige Kriegspolitik. So sagte abu Bakr (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), der erste Kalif, zu seinen Kriegsführern, die er entsandte: „Stellt euch auf, ich habe zehn Dinge zu verkünden, so hört mir zu und merkt euch meine Worte: Betrügt nicht, übertreibt nicht, verratet nicht, verstümmelt nicht, tötet keine Kinder, tötet keine Älteren und keine Frauen, macht keine Palmen unfruchtbar und brennt sie nicht nieder, schneidet keinen fruchtbaren Baum ab, schlachtet keine Ziege und keine Kuh und kein Schaf, außer zum Verzehr, und ihr werdet Leuten begegnen, die sich in ihrer Gebetsstätte der Anbetung gewidmet haben, lasst sie und ihre Gebetsstätte in Frieden.“

5.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Rechte und die Menschlichkeit der feindlichen Geiseln respektiert werden. So ist es verboten, sie zu foltern, ihnen Leid zuzufügen, sie zu demütigen, zu terrorisieren, sie zu verstümmeln oder ihre Geduld zu strapazieren, indem ihnen das Essen und Trinken bis zum Tod verwehrt wird. Es ist vorgeschrieben, sie gutmütig zu behandeln und ihnen Gutes zu tun. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und sie geben – obwohl man sie liebt – Speise zu essen einem Armen, einer Waisen und einem Gefangenen: Wir speisen euch nur um Allahs Angesicht willen. Wir wollen von euch weder Belohnung noch Dank.)        (Qur`an 76:8-9)

Die Anhänger des Islam beeilten sich, diese Anweisungen in die Tat umzusetzen. So sagte abu ‘Uzair ibn ‘Umair, der Bruder von Mus’ab ibn ‘Umair: „Ich war bei (der Schlacht von) badr einer der Geiseln, da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Seid gut zu den Geiseln!“

    Und ich war in einer Gruppe von den Ansar (jene Leute, zu denen der Prophet geflohen war), sie brachten ihr Abendessen und aßen Datteln und gaben mir Brot, gemäß dem, was ihnen der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) befohlen hatte.“ (al-Mu’jam al-Saghir)

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört die Nachsicht mit den Geiseln dergestalt, dass sie ohne eine Gegenleistung freigelassen werden; oder mit Gegenleistung, etwa gegen Lösegeld oder eine muslimische Geisel, je nachdem, was dem Allgemeinwohl dient, gemäß dem Vers:

(Wenn ihr sie schließlich schwer niedergeschlagen habt, dann legt (ihnen) die Fesseln fest an. Danach (lasst sie) als Wohltat frei oder gegen Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten ablegt.)   (Qur`an 47:4)

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Gutmütigkeit im Umgang mit den Menschen des Landes, das eingenommen wurde, empfohlen wird. So befahl der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) die Kopten gut zu behandelt, indem er sagte:

„Wenn ihr Ägypten einnehmt, behandelt die Kopten gut, denn sie haben Obhut und Verwandtschaft.“

    Es ist nicht das Ziel, die Würde der besiegten Völker zu missbrauchen, ihr Vermögen zu plündern oder wegzunehmen, ihre Ehre zu entwürdigen, ihre Häuser zu zerstören oder sich zu rächen, sondern das Ziel ist die Verbesserung, das Gute zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten und Gerechtigkeit walten zu lassen. Die Muslime haben die Anweisungen ihres Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) befolgt und sind ihnen nachgekommen. Und der beste Beweis dafür ist der Umgang des Gefährten ‘Umar ibn al-Khattab (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) gegenüber den Bewohnern von Jerusalem, als er die Stadt einnahm. Da sagte er:

„Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, folgendes gewährt der Diener Allahs, ‘Umar ibn al-Khattab, der Kalif, den Bewohnern Jerusalems an Sicherheiten: Sicherheit ihrer Person, ihres Vermögens, ihrer Kirchen und Kreuze. Sie werden nicht gezwungen, ihre Religion zu wechseln und niemandem von ihnen wird Übel zugefügt.“

   Hat denn die Geschichte solchen Adel, derartige Gerechtigkeit und Nachsicht von einem Sieger gegenüber einem Besiegten jemals erlebt? Obwohl er (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) doch in der Lage gewesen wäre, ihnen vorzuschreiben, was auch immer er gewollt hätte. Aber so ist die Gerechtigkeit und die Gutmütigkeit. Das ist ebenfalls der Beweis dafür, dass der Krieg im Islam menschlich ist und keine weltlichen Vorteile bezweckt.

 Die Toleranz und Nachsicht und Toleranz und Nachsicht des Islam im Hinblick auf die Vergebung der Sünden:

   Die Menschen machen ständig und viele Fehler und begehen Sünden zwischen sich und ihrem Herrn und untereinander. Das ist auch worüber uns der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) mitteilt, indem er sagte:

„Jeder Mensch ein ist Sünder und die besten Sünder sind jene, die ständig um Vergebung bitten.“

Denn der Mensch ist nicht unfehlbar und damit nicht vor der Begehung der Sünde verschont, so ist die Natur des Menschen. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Bei dem, in dessen Händen meine Seele liegt, wenn ihr nicht sündigt, dann wird Allah euch auslöschen und neue Menschen bringen, die Sünden begehen und um Vergebung bitten und denen Allah anschließend vergibt.“

Und diese Sünden, die der Mensch begeht, stützen sich auf einen alten Kampf und eine vorherige Androhung vom Teufel, um ihn (den Menschen) zu verführen und in die Irre zu leiten. So berichtet uns Allah, der Hocherhabene, über die Verführung des Teufels gegen den Menschen:

(Er sagte: „Mein Herr, darum, dass Du mich in Verirrung hast fallen lassen, werde ich ihnen ganz gewiss auf der Erde (das Böse) ausschmücken und sie ganz gewiss allesamt in Verirrung fallen lassen.)       (Qur`an 15:39)

So gehört zur Toleranz und Nachsicht des Islam in diesem Bereich Folgendes:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass Allah die Sünden vergibt, egal wie oft diese wiederholt werden. So berichtet Abu Sa’id al-Khudri, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Iblis (der Teufel) sagt: „O Gott, ich werde die Menschen solange verführen, solange ihre Seelen in ihren Körpern sind.“ Er (der Prophet) sagte: „So sagt Allah, der Hocherhabene: „Ich werde ihnen vergeben, solange sie um Vergebung bitten.“            (musnad Ahmad)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass das Tor zur Vergebung für den Muslim jederzeit und in jeder Situation geöffnet ist. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wer aber bereut, nachdem er Unrecht getan hat, und es wieder gutmacht, so nimmt Allah seine Reue gewiss an. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.)

                                                                       (Qur`an 5:39)

Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte auch:

„Allah streckt Seine Hand in der Nacht aus, damit derjenige, der am Tag gesündigt hat, um Vergebung bittet; und Er streckt Seine Hand am Tag aus, damit derjenige, der in der Nacht gesündigt hat, um Vergebung bittet; bis die Sonne vom Westen her aufgeht.“ (Muslim)  

    Außer in bestimmten Situationen wird das Tor zur Vergebung geschlossen, die Allah, der Hocherhabene, im Qur’an deutlich gemacht hat:

(Die Annahme der Reue obliegt Allah nur für diejenigen, die in Unwissenheit Böses tun und hierauf beizeiten bereuen. Deren Reue nimmt Allah an. Und Allah ist Allwissend und Allweise. Nicht aber ist die Annahme der Reue für diejenigen, die böse Taten begehen, bis dass, wenn sich bei einem von ihnen der Tod einstellt, er sagt: „Jetzt bereue ich“, und auch nicht für diejenigen, die als Ungläubige sterben.)

                                                                  (Qur`an 4:17-18)  

   Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat dies durch seinen Ausspruch verdeutlicht, in dem er sagte:

„Allah, der Hocherhabene, nimmt die Bitte um Vergebung Seines Dieners an, solange dieser nicht stirbt.“ (at-Tirmidhi)

    Und durch seinen Ausspruch:

„Wer um Vergebung bittet, bevor die Sonne vom Westen her aufgeht, dem vergibt Allah.“ (Muslim)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam die Bitte um Vergebung einfach gestaltet hat, ohne Mittler, ohne Bedrängnis oder Erschwernis. Der Mensch hebt einfach seine Hände, bekennt sich vor seinem Gott schuldig und bittet Ihn um Vergebung und um Verzeihung. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und wer etwas Böses tut oder sich selbst Unrecht zufügt und hierauf Allah um Vergebung bittet, wird Allah Allvergebend und Barmherzig finden.)

                                                                       (Qur`an 4:110)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Sünden, die der bereuende Sündige begangen hat, wenn er in seiner Reue ehrlich ist und sich vorgenommen hat, diese nie zu wiederholen, gegen gute Taten eingetauscht werden. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Und diejenigen, die neben Allah keinen anderen Gott anrufen und nicht die Seele töten, die Allah (zu töten) verboten hat, außer aus einem rechtmäßigen Grund, und die keine Unzucht begehen. – Wer das tut, hat die Folge der Sünde zu erleiden; die Strafe wird ihm am Tag der Auferstehung vervielfacht, und ewig wird er darin in Schmach bleiben, außer demjenigen, der bereut, glaubt und rechtschaffene Werke tut; jenen wird Allah ihre bösen Taten gegen gute eintauschen; und Allah ist stets Allvergebend und Barmherzig.)

                                                                   (Qur`an 25:68-70)

Die islamische Scharia spricht den Verstand des Sündigen an und behandelt seine verwirrte und ratlose Verfassung, durch die Öffnung des Weges der Vergebung, um sich von der Sünde zu entfernen. Denn Allah, der Hocherhabene, lässt niemanden an Seiner Barmherzigkeit und Vergebung verzweifeln, ganz gleich wie groß die Sünde ist, Er sagt:

(Sag: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.)              (Qur`an 39:53)

Was jedoch die Rechte der Menschen untereinander angeht, so muss man ihnen ihre Rechte wieder geben und sie für das, was man ihnen angetan hat, um Verzeihung bitten.

5.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass der Islam die gute Absicht belohnt, auch wenn keine tatsächliche Tat erfolgt. Es geht sogar so weit, dass der Muslim dafür belohnt wird, wenn er eine Sünde beabsichtigt, sie jedoch aus Angst und Furcht vor Allah nicht begeht. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Allah, der Hocherhabene, sagt: „Wenn Mein Diener vorhat eine schlechte Tat zu begehen, dann schreibt sie nicht nieder, bis er sie begeht. Wenn er sie begeht, dann schreibt sie ihm gleich. Und wenn er sie Meinetwegen unterlässt, dann schreibt ihm eine Hasana (Belohnung) nieder. Wenn er eine gute Tat beabsichtigt und er sie nicht verrichtet, dann schreibt ihm eine Hasana (Belohnung) nieder. Wenn er sie verrichtet, schreibt ihm 10 Hasanat (Belohnungen) bis das 700fache nieder.“                (Buchari)

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Sünden des Muslims die Barmherzigkeit Allahs nicht verschleiern, sondern sie bringen den Muslim dazu, sich mehr Sünden zu wünschen, wenn ihm sein Buch vorgehalten wird, aufgrund dessen, was er an Barmherzigkeit und Vergebung Allahs sieht. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Ich weiß, wer als Letzter in das Paradies gelangt und als Letzter aus der Hölle hinausgeht. Es ist ein Mann, der am Tag der Auferstehung gebracht wird, dann wird gerufen: „Legt ihm seine kleinen Sünden vor und löscht die großen Sünden.“ Dann werden ihm seine kleinen Sünden vorgetragen. Es wird gesagt: „Du hast an dem Tag das getan und das getan, und das, und das, und an dem Tag das und das und das.“ Und er sagt: „Ja“ und kann nichts davon leugnen, dabei fürchtet er, dass ihm seine großen Taten vorgetragen werden. So wird ihm gesagt: „Für jede Sünde bekommst du eine Hasana.“ Dann sagt er: „O Allah, ich habe Dinge begangen, die ich hier nicht sehe.“

   Da sah ich den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) lächeln, bis seine Backenzähne sichtbar wurden.

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass Allah geduldig und nachsichtig mit denjenigen ist, die ungehorsam sind und nicht an Ihn glauben. Denn Allah, der Hocherhabene, sagt:

(Und wenn Allah die Menschen für das belangen wollte, was sie verdient haben, würde Er auf ihrer Oberfläche kein Tier übriglassen. Aber Er stellt sie auf eine festgesetzte Frist zurück. Und wenn dann ihre Frist kommt (–, so wird Er sie belangen), denn gewiss, Allah sieht Seine Diener wohl.) (Qur`an 35:45)

 Die Gutmütigkeit des Islam und die abzubüßenden Taten:

   Zur Gutmütigkeit, Toleranz und Nachsicht des Islam zählt, dass Er einige religiöse Anbetungshandlungen zusätzlich zu deren Belohnung, sie auch zur Sühne für Sünden gemacht hat; aus Barmherzigkeit von Allah für Seine Diener und als Ruhe für ihre Seelen und als Befreiung von ihren Sünden. Zu diesen Verrichtungen gehören folgende:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass er die verpflichtenden religiösen Anbetungshandlungen neben der Belohnung, die man für die Verrichtung bekommt, zu einer Sühne von Sünden gemacht hat. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Das Gebet zum Gebet, und das Freitagsgebet zum Freitagsgebet, und Ramadan zum Ramadan, sind Sühne, solange die großen Sünden gemieden werden.“

   Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte auch:

„Lasst der ‘Umra (eine ‘Umra) und der Pilgerreise (eine Pilgerreise) folgen, denn sie verbannen die Armut und die Sünden, so, wie der Blasebalg die Schlacken vom Eisen, Gold und Silber beseitigt. Und es gibt für die segenreiche, nach Vorschrift durchgeführte Pilgerreise keine andere Belohnung als das Paradies.“

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Vermeidung der großen Sünden ein Grund für die Vergebung der kleinen Sünden ist. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Wenn ihr die schwerwiegenden (Dinge) meidet, die euch verboten sind, tilgen Wir euch eure bösen Taten und gewähren euch auf eine ehrenvolle Weise Eingang (in den Paradiesgarten).) (Qur`an 4:31)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Entrichtung des Grußes und das Händeschütteln unter den Muslimen Sühne für ihre Sünden sind. So berichtet Huthaifa, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gesagt hat:

„Wenn der Muslim einem anderen Muslim begegnet, und der eine dem anderen die Hand gibt, dann fallen die Sünden von ihnen, wie die Blätter von Bäumen.“

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Dinge die den Menschen zustoßen, wie etwa Krankheiten, Probleme und Trauer, ebenfalls Dinge sind, mit denen Allah die Sünden vergibt. So berichtete abu Sa’id al-Khudri (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Was auch immer den Muslim an Mühsal, Kummer, Besorgnis, Leiden oder Sorgen trifft, damit vergibt ihm Allah seine Sünden.“

    Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte auch:

„Welches Übel auch immer den Muslim trifft, damit vergibt ihm Allah seine Sünden, auch der Stachel, der ihn sticht.“

5.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er die Waschung ebenfalls zu einer Sühne von Sünden gemacht hat. So berichtete abu Sa’id al-Khudri (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gesagt hat:

„Soll ich euch nicht verraten, womit Allah die Sünden vergibt und die Hasana mehrt?“ Sie sagten: „Ja bitte, o Prophet Allahs.“ Er sagte: „Das Vollenden des Wudhu (ritelle Gebetswaschung) in harten Situationen (etwa bei Kälte) und das Abwarten der Gebete nach dem Gebet. Wer von euch aus seinem Haus geht und mit dem Vorbeter das Gebet verrichtet und danach auf das nächste Gebet wartet, für den sagen die Engel: O Allah vergib ihm, O Allah erbarme Dich seiner.“

6.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er die einfachen Taten, wie das Gedenken Allahs, der wohltätigen Spende in Allahs Namen gleichgesetzt hat, womit der Muslim seine Sünden tilgen kann. So berichtete abu Huraira (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass einige arme Leute zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gingen und ihm sagten:

„O Prophet, die Wohlhabenden sind uns mit ihren hohen Stufen im Paradies und dem ewigen Wohlstand voraus. Sie beten wie wir und fasten wie wir. Und sie haben viel Geld, womit sie die Pilgerreise und die ‘Umra verrichten können und damit kämpfen und spenden.“ Da sagte er zu ihnen: „Soll ich euch nicht etwas verraten, womit ihr, wenn ihr danach handelt, diejenigen einholt, die euch überholt hatten, und euch keiner danach einholen kann und ihr besser seid als diejenigen, die um euch leben, außer derjenige, der genauso viel getan hat? Sagt: subhanallah und al-hamdu lillah und Allahu akbar nach jedem Gebet 33mal.“

   Wir waren uns nicht einig, so meinten einige: „Wir sollen subhanallah 33mal, al-hamdu lillah 33mal und Allahu akbar 34mal sagen.“ So ging ich zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zurück und fragte ihn. Er sagte:

„Sag subhanallah und al-hamdu lillah und Allahu akbar jeweils 33mal.“

7.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass das viele Verrichten von guten Werken die Sünden tilgt und sie löscht. So berichtet Mu’ath, dass er gesagt hat: „O Prophet, gib mir einen Rat!“ Er sagte:

„Fürchte Allah, wo immer du auch bist!“ Er sagte: „Gib mir noch einen!“ Er sagte: „Lasse der schlechten Tat eine gute folgen!“ Er sagte: „Gib mir noch einen!“ Er sagte: „Behandle die Menschen gutmütig.“ (Ahmad)

8.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Verrichtung der Pflichten Sühne für die kleinen Sünden sind. So wurde authentisch überliefert, dass abu Umama (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) berichtet, dass ein Mann zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kam und sagte:

„O Prophet, ich habe eine Untat begangen, so entlaste mich davon!“ Er fragte ihn: „Hast du, bevor du hergekommen bist, die Gebetswaschung gemacht?“ Er sagte: „Ja.“ Er fragte weiter: „Hast du mit uns gebetet, als wir gebetet haben?“ Er antwortete: „Ja.“ Dann sagte er: „Geh, Allah hat dir vergeben.“

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam und die Sühnen   der Sünden:

Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass er seinen Anhängern die Sühne geboten hat, wenn diese die Rechte Allahs und die Rechte der Menschen gebrochen haben, damit diese (Sühne) ein Grund für die Vergebung der begangenen Sünde ist. Diese Sühnen heben das Gefühl der Schuld auf, damit der Mensch nicht aufgrund der begangenen Taten in ewigen Schuldgefühlen und psychischer Sorge lebt. Es folgen nun einige Facetten der Toleranz, Nachsicht und Gutmütigkeit in diesem Bereich:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich des nicht beabsichtigten Tötens gehört, dass er dafür eine Sühne festgelegt hat, die Allah deutlich macht. So sagt Er, der Hocherhabene:

(Es steht keinem Gläubigen zu, einen (anderen) Gläubigen zu töten, es sei denn aus Versehen. Und wer einen Gläubigen aus Versehen tötet, (der hat) einen gläubigen Sklaven (zu) befreien und ein Blutgeld an seine Angehörigen aus(zu)händigen, es sei denn, sie erlassen (es ihm) als Almosen. Wenn er (der Getötete) zu einem euch feindlichen Volk gehörte und gläubig war, dann (gilt es,) einen gläubigen Sklaven (zu) befreien. Und wenn er zu einem Volk gehörte, zwischen dem und euch ein Abkommen besteht, dann (gilt es,) ein Blutgeld an seine Angehörigen aus(zu)händigen und einen gläubigen Sklaven (zu) befreien. Wer aber keine (Möglichkeit) findet, (der hat) zwei aufeinanderfolgende Monate (zu) fasten – als eine Reueannahme von Allah. Und Allah ist Allwissend und Allweise.) (Qur`an 4:92)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er für den Rückenschwur eine Sühne vorgesehen hat. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Diejenigen, die sich von ihren Frauen durch den Rückenschwur trennen und hierauf dann doch zu dem zurückkehren, was sie gesagt haben, (sollen) einen Sklaven befreien, bevor sie beide einander berühren. Damit werdet ihr ja ermahnt. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig.) (Qur`an 58:3)

3.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass er für denjenigen, der seinen Eid bricht (fälschlicherweise Schwörenden) ebenfalls eine Sühne vorsieht. So sagt Allah, der Hocherhabene:

(Allah wird euch nicht für etwas Unbedachtes in euren Eiden belangen. Jedoch wird Er euch für das belangen, was ihr mit euren Eiden fest abmacht (und dieses dann nicht einhaltet). Die Sühne dafür besteht in der Speisung von zehn Armen in dem Maß, wie ihr eure Angehörigen im Durchschnitt speist, oder ihrer Bekleidung oder der Befreiung eines Sklaven. Wer aber keine (Möglichkeit) findet, (der hat) drei Tage (zu) fasten. Das ist die Sühne für eure Eide, wenn ihr schwört. Und erfüllt eure Eide. So macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr dankbar sein möget!)

                                                                       (Qur`an 5:89)

4.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die Sühne entfällt, wenn man nicht in der Lage ist sie zu erfüllen. Und der beste Beweis dafür ist die Geschichte des Gefährten, der zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ging und sagte: „O Prophet, ich habe den Beischlaf mit meiner Frau vollzogen, während ich fastete (Pflichtfasten im Monat Ramadan).“ Da fragte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Kannst du jemanden freilassen (hast du einen Sklaven, den du freilassen kannst?)“ Er sagte: „Nein.“ Er sagte: „Kannst du zwei Monate durchgehend fasten?“ Er sagte: „Nein.“ Er sagte: „Kannst du 60 Armen Speise geben?“ Er sagte: „Nein.“

    Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verweilte etwas und brachte dann einen Stengel Datteln mit und sagte:

„Wo war der Fragende?“ Er sagte: „Hier.“ Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Nimm das und spende es!“ Der Mann sagte: „Einem Ärmeren als mich? Bei Allah es gibt keinen ärmeren als mich und meine Familie.“ Da lächelte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bis seine Eckzähne sichtbar wurden und sagte: „Ernähre damit deine Familie!“            (Buchari)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam und   der Fortbestand der Hasanat:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass der Muslim für gute Werke belohnt wird, die er selbst nicht verrichtet hat, sondern dadurch, dass er andere darauf hingewiesen hat, gute Werke zu tun. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Wer zu Gutem ruft, der wird so belohnt wie der, der ihm darin folgte (das Gute zu tun), ohne dass ihnen etwas von ihrer Belohnung gemindert wird. Und wer zu Schlechtem ruft, der bekommt dieselbe schlechte Tat, die diejenigen, die ihn darin befolgt haben, bekommen, ohne dass ihnen davon gemindert wird.“

                                                                           (Muslim)

   Das ist es, was den Muslim darauf bedacht macht, seine Umgebung zu verbessern, indem er Gutes verrichtet und zu Gutem aufruft und das Schlechte bekämpft und davor warnt, und indem er das Schlechte nicht fördert und nicht verbreitet, damit sein Buch der Taten frei bleibt von Sünden. Damit verbessert er sich und die anderen.

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die gute Erziehung und die Verbreitung und das Weitergeben von Wissen in der Gesellschaft eine Tat ist, die dem Menschen während seines Lebens und nach seinem Tod zugutekommt. So sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Wenn der Mensch stirbt, hören seine Taten auf, bis auf drei: Eine fortbestehende Spende, nützliches Wissen oder ein/e Sohn/Tochter, der/die für ihn Bittgebete spricht.“ (Muslim)

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam und die Begierden des Menschen:

Zur Toleranz und Nachsicht des Islam gehört, dass er die Begierden und Bräuche zu Taten umtauscht, für die man belohnt wird, wenn man die entsprechende Absicht hat. Es folgen einige Seiten dieser Toleranz und Nachsicht:

1.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass das Stillen der Begierde und das Befriedigen der Bedürfnisse auf dem Weg des Erlaubten (halal) mit dem Ehepartner, begleitet von der Absicht, sich und seinen Ehepartner zu schützen und davor zu bewahren, Verbotenes oder Verwerfliches zu begehen, belohnt wird. So berichtet abu Thar (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben), dass einige Leute zum Propheten gingen und sagten: „O Prophet die Wohlhabenden sind uns mit ihren hohen Stufen im Paradies und dem ewigen Wohlstand voraus. Sie beten wie wir und fasten wie wir. Und sie haben viel Geld, womit sie die Pilgerreise und die Umra verrichten können und damit spenden.“ Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Hat euch denn nicht Allah gegeben, womit ihr spenden könnt? Für jedes Subhanallah bekommt ihr den Lohn einer Sadaqa (Spende), für jedes Allahu akbar, für jedes al-hamdu lillah, für jedes la ilaha illa Allah, für jedes Gute gebieten und Verwerfliche verbieten bekommt ihr den Lohn einer Sadaqa, auch für den Beischlaf mit eurer Ehefrau.“ Sie sagten: „O Prophet, wenn unsereiner seine Bedürfnisse befriedigt, wird er dafür belohnt?“ Er sagte: „Wie ist es, wenn es in Sünde geschieht, wird er dafür bestraft? Entsprechend wird er dafür belohnt, wenn er es auf dem erlaubten Weg tut.“ (Muslim)

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam gehört, dass die erlaubten alltäglichen Belange zu guten Taten getauscht werden, wenn die Absicht rein und aufrichtig ist. So wird aus dem Essen und Trinken eine gottesdienstliche Handlung, die belohnt wird, wenn damit die Gesundheit und die Kraft des Körpers gewahrt wird, um erlaubte Arbeit verrichten zu können und um damit den von Allah auferlegten Pflichten nachzukommen. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Wenn der Mann für seine Familie sorgt und den Lohn dafür bei Allah erhofft, bekommt er hierfür den Lohn einer Sadaqa.“ (Buchari)

Sogar jede Tat, die der Muslim verrichtet und dabei die aufrichtige Absicht hat, zählt für ihn als Sadaqa. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

„Jeder Muslim hat eine Sadaqa zu geben.“ Sie sagten: „O Prophet, was ist, wenn man nichts (zum Spenden) findet?“ Er sagte: „So soll er etwas tun, womit er sich selbst nutzt und spendet.“ Sie sagten: „Was ist, wenn man nichts findet?“ Er sagte: „So soll er dem Hilfebedürftigen helfen.“ Sie sagten: „Was ist, wenn er niemanden findet?“ Er sagte: „So soll er Gutes tun und das Schlechte meiden, das ist für ihn eine Sadaqa.“

 Die Toleranz und Nachsicht des Islam im Bereich   der Erziehung:

Die im Islam herrschende Erziehungsmethode ist eine der Gutmütigkeit, Sanftheit und Nachsichtigkeit, sie ist fern von Rüge und Abschreckung. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Allah hat mich nicht kompromisslos und engstirnig, sondern vereinfachend und beibringend, lehrend entsandt.“ (Muslim)

1.       So gehört zur Gutmütigkeit des Islam in diesem Bereich, die Art und Weise des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), der auf seine Vorliebe für das Gute, die Gutmütigkeit und Nachgiebigkeit in der Methode für die Belehrung hinwies, die er bei einem jungen Mann angewendet hat, um ihn von der Unzucht abzuhalten. So kam ein junger Mann zum Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und bat ihn um Erlaubnis, Unzucht zu begehen. Da sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

„Akzeptierst du es für deine Mutter?“ Er sagte: „Bei Allah, nein.“ Er sagte: „So akzeptieren es die Leute nicht für ihre Mütter. Akzeptierst du es für deine Tochter?“ Er sagte: „Bei Allah, nein.“ Er sagte: „So tun es die Leute auch nicht für ihre Töchter. Akzeptierst du es für deine Schwester?“ Er sagte: „Bei Allah, nein.“ Er sagte: „So akzeptieren es die Leute auch nicht für ihre Schwestern. Akzeptierst du es für deine Tante (väterlicherseits)?“ Er sagte: „Bei Allah, nein.“ Er sagte: „So tun es die Menschen auch nicht für ihre Tanten. Akzeptierst du es für deine Tante (mütterlicherseits)?“ Er sagte: „Bei Allah, nein.“ Da legte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) seine Hand auf ihn und sagte: „O Allah, vergib ihm seine Sünde, reinige sein Herz und hüte seine Scham.“

2.       Zur Toleranz und Nachsicht im Islam im Bereich der Erziehung gehört auch, dass die Methode der Einfachheit und Erleichterung benutzt wird. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hat diese Methode als Vorbild für seine Anhänger bei dem Geschehnis mit dem Beduinen demonstriert, der in die Moschee ging und sich hinstellte und urinierte. Da riefen die Gefährten: „Nicht, nicht!“ Doch der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Setzt ihn nicht unter Druck!“ Dann rief er ihn zu sich und sagte:

„Die Moscheen sind nicht für so etwas da, sondern für das Rezitieren des Qur’an und das Gedenken Allahs.“

   Dann ordnete der Prophet an, dass man über die Urinstelle Wasser gießen solle. Durch diese Gutmütigkeit, Toleranz und Nachsicht hat der Prophet jenen jungen Mann nicht bestraft oder beschimpft, obwohl er Unzucht begehen wollte, was zu den größten Sünden im Islam gehört. Auch hat er nicht den unwissenden Beduinen beschimpft, der in der Moschee des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), einem der besten Orte überhaupt, uriniert hat. All das, um zu zeigen, welche Methodik im Umgang mit den Menschen und in der Erziehung angewandt werden soll.

Schlusswort

Durch das Lesen dieses Buches sind dir sicherlich die (Für-) Sorge des Islam für die Toleranz und Nachsicht und Gutmütigkeit und die Einladung der Menschen zu guten Manieren und der Aufruf zur Sanftmütigkeit deutlich geworden. War es nicht der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), der gesagt hat:

   „Ignoriere von den guten Taten nichts, und sei es das Begegnen deines Bruders mit einem fröhlichen Gesicht.“

    Auch sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken):

   „Wünsche den Menschen das, was du dir auch wünschst.“

Durch die Einladung zum Islam wird auch erkennbar, dass man sich nicht in die Angelegenheiten der anderen einmischen darf. Denn der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:

  „Zur Vollkommenheit des Glaubens gehört es, dass man sich nicht in die Angelegenheiten einmischt, die einen nichts angehen!“

Das ist ein Aufruf, den Menschen Nutzen zu bringen und ihnen Freude zu bereiten. So sagte doch der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte:  

  „Die Menschen, die Allah am liebsten sind, sind diejenigen, die den Menschen am meisten nützen und die Taten, die bei Allah am liebsten sind, ist Freude, die man einem Muslim bereitet oder eine Last, die man ihm abnimmt, oder eine Schuld, die man ihm begleicht, oder zu Essen zu geben. Es ist mir lieber, meinem Bruder in seiner Angelegenheit zu helfen, als in dieser Moschee in Medina einen Monat lang I‘tikaf (sich in die Moschee zur Verrichtung religiöser Anbetungshandlungen zurückziehen) zu machen. Und wer seinen Zorn unterdrückt, dem deckt Allah seine Fehlerhaftigkeit. Und wer seinen Zorn unterdrückt, obwohl man überlegen ist und seinen Zorn in die Tat umsetzen kann, dem füllt Allah sein Herz mit Hoffnung am Tage der Auferstehung. Und wer einem Bruder hilft, eine Angelegenheit zu lösen, dem festigt Allah seine Füße an dem Tag, an dem die Füße wanken.“

   Diese Worte sind nicht die Worte von Menschen, sondern Worte aus islamischen Texten der Scharia, aus dem Qur’an und der Sunna. Eine derartige Religion mit einer derartigen Methodik!  Wäre es nicht angebracht, sie zu befolgen und zu unterstützen? Oder wenigstens sie nicht zu bekämpfen, sondern ihr die Möglichkeit zu bieten, zu wachsen und sich zu verbreiten, damit die Welt an ihrem Nutzen der Toleranz und Nachsicht und Einfachheit in Freude teilhaben kann? Glücklich ist derjenige, dem es gelingt, einer solchen Religion anzugehören, damit er diese Toleranz und Nachsicht und diese Einfachheit genießt. Zu den Gründen, aus denen viele Nicht-Muslime vom Islam abgeschreckt sind, gehört sicherlich, was sie an abscheulichem Verhalten und beschämendem Umgang von Menschen sehen, die sich als Muslime ausgeben, sich jedoch voll und ganz vom Islam distanzieren. Diese Leute sind sogar weit davon entfernt, zum Islam zu gehören. So hoffe ich doch, dass diese abscheulichen Verhaltensweisen mancher Muslime keinen Hindernis für das nähere und richtige Kennenlernen dieser großartigen Religion darstellen. Dabei ist es wichtig, dass die Informationen, die man erlangt, aus zuverlässigen Quellen kommen.

Ich bitte Allah darum, dass Er mit diesem Buch nützt und dass dieses Buch das beabsichtigte Ziel erfüllt. Ich richte meine Liebe an alle, die dieses Buch lesen, und mein Wunsch ist es, dass der Frieden die ganze Welt erfüllt und dass alle die Wahrheit erkennen.

Möget ihr unter Allahs Fürsorge und Schutz stehen.