Muhammad Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten

Jotiar Bamarni

Dieses Buch darf in seiner jeweils neuesten Ausgabe

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gedruckt, vervielfältigt und übersetzt werden;

mit der Auflage, dass keinerlei Änderungen,

Hinzufügungen oder Streichungen im

Text vorgenommen werden.

Lektorat: Umm Hanan

Umschlagsgestaltung: Mohamed Mohanad Abu Kalam

11., überarbeitete Auflage 2019

ISBN 978-3-9803633-3-4

حقوق الطَبْع والتَّرْجَمَة لكُلِ مَنْ يُريدُ إرْضاءَ الله

 Zamzam

M

ekka war ein ödes, unfruchtbares Tal, umgeben von hohen Bergen, mit zwei kleinen Hügeln in der Mitte.

In deren Nähe machte eines Tages ein alter Mann mit seiner Familie Halt. Während seine junge Frau sich nach den Strapazen der langen Reise um ihr Kind kümmerte, das sie noch stillte, holte er aus einem abgewetzten Reisesack Datteln und einen Schlauch voll Wasser und schickte sich dann an, seinen Weg allein fortzusetzen.

Verwundert blickte Hadschar auf. „Wohin gehst du, Abraham?“, fragte sie, „Willst du uns etwa an diesem einsamen Ort mitten in der Wüste zurücklassen?“

Abraham antwortete nicht und ging weiter. Sie lief ihm nach und wiederholte ihre Frage, aber er schwieg. Da begriff sie, dass er nicht aus seinem eigenen Willen heraus handelte. Ihr wurde klar, dass Allah ihm befohlen haben musste, dies zu tun. Sie fragte: „Hat dein Herr dir befohlen, uns hier zurückzulassen, Abraham?“

„Ja“, antwortete er fest.

Diese Antwort beruhigte Hadschar. Voller Zuversicht sprach sie: „So wird Allah, der es dir befohlen hat, uns bestimmt nicht im Stich lassen.“ [1]

Abraham nahm nun Abschied von ihr und seinem kleinen Sohn Ismael und machte sich schweren Herzens auf den Weg. Nachdem er eine Weile gegangen war, hielt er an, erhob seine Hände zum Himmel und flehte zu Allah, Er möge seine Familie mit Nahrung versorgen und ihnen Menschen zur Gesellschaft schicken.[2] Dann reiste er zurück nach Kanaan[3], woher er mit Hadschar und Ismael gekommen war.

Hadschar war nun mit ihrem Kind ganz allein und wartete ab, was die Tage brächten. Ihr Glaube an ihren Schöpfer und an Seinen Diener und Propheten Abraham verlieh ihr die Kraft, die Einsamkeit zu ertragen. Dieser Glaube gab ihr die Gewissheit, dass Allah[4] sie nicht vergessen würde – fern von Städten, Dörfern und anderen Menschen.

Sie wandte sich an Ihn: „Mein Herr! Abraham hat uns Dir anvertraut, und bei Dir ist keine Hoffnung verloren!“

Der Wasservorrat, den Abraham ihr gelassen hatte, war inzwischen aufgebraucht, und ihre Milch versiegte. „Herr, was soll ich machen?“, fragte Hadschar. Wie viele Tage waren schon vergangen, ohne dass sie eine Karawane gesehen hatte!

Sie ließ ihr Kind, das sich vor Hunger und Durst hin und her wälzte, allein und machte sich auf die Suche. Sie stieg auf den Hügel, der ihr am nächsten war, um nach Wasser oder Menschen Ausschau zu halten, doch rings um sich herum erblickte sie nur die öde, trockene, einsame Wüstenlandschaft. So stieg sie wieder hinunter und lief, bis sie den zweiten Hügel erreichte. Dort blickte sie erneut umher, konnte aber auch nichts entdecken. „O Allah, mein Herr, was soll ich nur tun?“, rief sie, während sie ihr Gesicht verzweifelt gen Himmel richtete.

In ihrer Sorge und Not eilte Hadschar sieben Mal von einem Hügel zum anderen[5], ohne irgendeinen Hinweis auf Wasser oder Leben zu erspähen. Plötzlich glaubte sie, eine Stimme zu hören. Sie zwang sich selbst zur Ruhe und lauschte aufmerksam. Sie hörte die Stimme noch einmal und rief: „Wer auch immer du sein magst, du hast mich deine Stimme hören lassen. Hast du irgendetwas, um mir zu helfen?“ Aber sie hörte nichts mehr. Jetzt schaute sie zu dem Platz, wo sie ihr Kind gelassen hatte, ob es noch lebte. Doch was war das? Schnell lief sie zu Ismael zurück.

Als sie ihren Sohn erreichte, sah sie etwas, das sie in größtes Erstau-nen versetzte. „O, wie wunderbar!“, sagte sie, während sie auf etwas blickte, was sich zu Füßen ihres Kindes bewegte ...

Ein Trupp der Dschurhum zog in der Nähe des Tales von Mekka vorbei, als ihnen etwas auffiel, was es dort zuvor noch nie gegeben hatte. Verwundert beobachteten sie einen Schwarm Vögel, der über dem Berg Abu Qubays kreiste. „Was sind das für Vögel, die über dem Berg kreisen, wo kommen sie her?“, fragte einer der Männer. Wie die benachbarten Stämme und Karawanen aus Syrien und dem Jemen wussten die Dschurhum, dass es im Innern des Tales von Mekka weder Wasser noch Vegetation gab. Wo lag diese Wasserstelle, von der die Vögel tranken?

Von Neugier gepackt, entsandten sie zwei Kundschafter.

Hadschar traute ihren Augen nicht: Zwischen den Füßen ihres Sohnes war der Boden aufgescharrt und es sprudelte klares Wasser, rege und lieblich. Von ihrer großen Sorge befreit, beugte sie sich dankbar über das kühle Nass. Sie schöpfte es mit beiden Händen, um das durstige Kind trinken zu lassen und ihren eigenen Durst zu stillen. Bald spürte sie erleichtert, dass sich auch wieder Milch für ihr Kind bildete. Nun begann sie, das Wasser mit den Händen einzudämmen und mit Sand einzuschließen, um es in ihren Schlauch zu füllen, denn sie fürchtete, dass es versiegen könnte. Dabei murmelte sie immer wieder: „Zummi! Zummi!“, was so viel bedeutet wie: „Dämme dein Wasser ein!“

So entstand der Name der Quelle: Zamzam.

Plötzlich vernahm Hadschar noch einmal dieselbe Stimme wie zuvor, die ihr zurief: „Fürchte nicht, im Stich gelassen zu werden. Denn an dieser Stelle werden einst Abraham und sein Sohn das Haus Allahs erbauen! Und Allah lässt Seine Leute nie im Stich.“[6]

Hadschar wusste jetzt, dass Allah sie nicht vergessen hatte und dass die wundersame Stimme von Seinem Engel gekommen war, den Er ihr in ihrer Not zu Hilfe geschickt hatte.[7] Dankbar warf sie sich vor Allah nieder, um Ihm für die Wohltat, die Er ihr und ihrem Kind erwiesen hatte, zu danken und Ihn für Seine Gnade zu preisen.

Von nun an sollte sie mit ihrem Sohn sicher in der Nähe der Quelle leben.

Die Kundschafter der Dschurhum waren inzwischen bis zum Grund des Tales vorgestoßen und in die Nähe der Hügel gelangt. Zu ihrer großen Überraschung erblickten sie eine Frau, die dort saß, mit einem Kind im Arm; neben ihr floss eine klare Quelle, die wie Silber in der Sonne funkelte.

Den beiden Kundschaftern verschlug es die Sprache. Wie oft schon waren sie und ihre Gefährten hier vorbeigekommen, ohne eine Menschenseele, geschweige denn eine Quelle, gesehen zu haben! Wer war diese Frau, und wer hatte das Wasser ausgegraben?

Unverzüglich kehrten sie zu ihrem Stamm zurück und erstatteten atemlos Bericht.

Sofort machte sich ein weiterer Trupp erfahrener Männer auf den Weg zu Hadschar und ihrem Sohn, um sich über sie zu erkundigen.

Hadschar erzählte den Ankömmlingen ihre Geschichte. Nachdem sich das erste Staunen gelegt hatte, fragten sie höflich: „Erlaubst du, dass wir uns in deiner Nachbarschaft niederlassen?“

Hadschar stimmte zu.

Die Kundschafter kehrten zu ihrem Stamm zurück, um sich mit ihren Angehörigen auf den Umzug in die neue Heimat vorzubereiten. Sie verließen ihren Lagerplatz und wohnten fortan in der Nähe dieser wundersamen Quelle. Später kamen auch Karawanen aus Syrien und dem Jemen hinzu; sie alle entdeckten die neue Wasserstelle an der Station des Weges, an der sie sich sonst zu treffen pflegten. Sie machten nun immer wieder hier Halt, um sich mit Wasser zu versorgen und auszuruhen.

Auf diese Weise hatte Allah das Bittgebet Abrahams erhört: Das Wasser, das Allah für Hadschar und ihr Kind hatte hervorsprudeln lassen, brachte Menschen zu ihnen. Es brachte Karawanen, die sie mit allem versorgten, was sie an Nahrung und Kleidung benötigten, und es brachte ihnen Nachbarn vom Stamme der Dschurhum, die in immer größerer Zahl zu ihnen strömten und das Tal von Mekka mit Leben und Geselligkeit füllten.

Eines Tages kam Abraham zurück und sah mit eigenen Augen, was Allah mit seiner Frau und seinem Sohn hatte geschehen lassen. Er hatte Allah damals gebeten: „So mache ihnen die Herzen der Menschen zugeneigt und versorge sie mit Früchten, damit sie dankbar sein mögen.“[8] Seine Bitte war auf wunderbare Weise erfüllt worden.

 Ein gesegnetes Haus

H

adschar sollte nicht mehr erleben, wie Abraham und Ismael die Kaaba, das Haus Allahs, erbauten: Kaum hatte ihr Sohn das Jugendalter erreicht, da starb sie. Nachbarn vom Stamme der Dschurhum gaben Ismael eine ihrer Töchter zur Frau, die fortan das Leben mit ihm teilte.[9]

Eines Tages kam Abraham und verkündete seinem Sohn, dass Allah ihnen beiden befohlen habe, Sein Haus in der Mitte des Tales von Mekka zu bauen. Der Bau sollte auf Fundamenten errichtet werden, die sich schon dort befanden.

Abraham und Ismael arbeiteten hart, um den schwierigen Auftrag auszuführen. Als die zwei Männer die Grundmauern der Kaaba errichtet hatten, bat Abraham: „Unser Herr, nimm es von uns an; denn wahrlich, Du bist der Allhörende, der Allwissende!“[10]

Voller Eifer rief Abraham nun die Menschen zum Glauben an Allah und zur Pilgerfahrt zu Seinem heiligen Haus auf und gründete damit das Zentrum der reinen Religion des Einzigen Gottes. Für die Zukunft vertraute er das Haus seinem Sohn an und erklärte ihm, wie er den Gläubigen die Riten und Handlungen der Pilgerfahrt beibringen sollte – so, wie Allah es ihn gelehrt hatte.

Schließlich kehrte Abraham nach Kanaan zurück. Ismael hütete die Kaaba, und nach ihm hüteten sie seine Kinder und deren Onkel von den Dschurhum.

Die Zeit verging; eine Generation folgte auf die andere, so wie die Tage und Nächte aufeinander folgen. Unterdessen hatten sich manche von Ismaels Nachkommen auf der arabischen Halbinsel zerstreut, während andere in Mekka geblieben waren. Doch statt an der reinen Religion Allahs, zu der Abraham sie aufgerufen hatte, festzuhalten, vergaßen sie viele. Nach und nach wurden Götzen und Götterbilder aufgestellt. Das Haus Allahs, des Einen, Einzigen Gottes, wurde zu einem Ort der Götzenanbetung. Menschen aus allen Gegenden der Halbinsel pilgerten hierher, um den Götzen Opfergaben und Schlachtopfer darzubringen.

Kaum noch etwas erinnerte an die edle Absicht, mit der Abraham und Ismael die Kaaba im Auftrag Allahs erbaut hatten.

Dieser traurige Zustand erreichte seinen Höhepunkt, als die Obhut der Stadt an Mudad Bin ‘Amr vom Stamme der Dschurhum überging.

Seine Herrschaft erfüllte alles andere als den Zweck, die Kaaba in Ehren zu halten. Vielmehr wurde sie dermaßen vernachlässigt, dass einige Bewohner Mekkas es wagten, die Gaben, die dem Haus für die Armen dargebracht worden waren und in seinem Innern aufbewahrt wurden, zu stehlen. Sie schreckten nicht einmal davor zurück, Krieg zu führen in Mekka, dem Ort des Friedens. Die süße, reine Quelle Zamzam war den Menschen längst gleichgültig geworden – sie betrachteten sie als einen gewöhnlichen Brunnen. Auch war ihr Wasser inzwischen erschreckend knapp.

Dies alles weckte die Aufmerksamkeit einiger der Nachbarstämme Mekkas, die seine unachtsamen und nachlässigen Bewohner vertrei-ben und sich des Brunnens bemächtigen wollten.

So stürzten sich die Stämme von Chuza‘a[11] auf die Dschurhum und griffen sie an. Der erbitterte Kampf forderte so manches Opfer.

Bald zeigte sich, dass die gut gerüsteten Eindringlinge den überrasch-ten Dschurhum weit überlegen waren. Als Mudad Bin ‘Amr sah, dass seine Herrschaft zu Ende ging und Mekka in die Hände der Chuza‘a fallen würde, begriff er, dass es keinen anderen Ausweg gab, als Mekka zu verlassen. Wehmütig grub er den heiligen Brunnen tiefer, versenkte die für die Kaaba gestifteten Geschenke darin und schüttete die Stelle sorgfältig mit Sand zu, bis nichts mehr an den Brunnen erinnerte.

Schweren Herzens verließ er die Stadt. Als er ging, hoffte er inbrünstig, eines Tages die Herrschaft über Mekka zurückgewinnen zu können.

Mekka aber ging in die Hände der Chuza‘a über.[12]

 Der Schatz

Q

usai Bin Kilab, ein Nachkomme Ismaels, des Sohnes Abrahams, war Herrscher über Mekka geworden. Unter ihm lebten die Menschen ruhiger und zufriedener als zuvor, denn er war der Erste, der Häuser bauen ließ, um innerhalb sicherer, fester Wände zu wohnen anstatt in dünnen Lauben und Zelten. Bisher hatten die Bewohner Mekkas sich gescheut, Häuser in der Nähe der Kaaba zu errichten.

Qusai machte sich daran, ein Rathaus zu bauen, in dem alle wichtigen Beschlüsse gefasst werden sollten. Auch vereinigte er die verschiede-nen Ämter, die mit der Kaaba verbunden waren, in seiner Hand und verwaltete sie mit Tatkraft und Klugheit. Zu ihnen gehörte die Siqaya, die Bewirtung der Pilger, das heißt die Bereitstellung von Wasser, Dattelsaft und anderen Getränken, sowie das Heranschaffen des Wassers von weit entfernten Brunnen, die an einigen Stellen Mekkas gegraben worden waren. Außerdem schuf Qusai das Amt der Rifada, das er den Quraisch[13] zur Pflicht machte. Es bedeutete, dass sie ihm einen Teil ihres Vermögens abzugeben hatten, damit er davon die Pilger speisen konnte. So festigte Qusai die zukünftige Macht der Quraisch. Beide Ämter wurden nach seinem Tod an seine Söhne und deren Nachkommen weitergegeben, bis sie von Abdul-Muttalib Bin Haschim Bin Abd Manaf Bin Qusai übernommen wurden.

Abdul-Muttalib war ein gutaussehender, freundlicher Mann von kräftiger Statur. Im Laufe der Jahre war er zu einigem Wohlstand gelangt, welchen er stets zum Wohle aller einsetzte.

Zu dieser Zeit hatte er nur einen Sohn, der Al-Harith hieß. Al-Harith arbeitete hart, um Wasser aus den äußeren Bezirken Mekkas heranzu-schaffen, dessen Sauberkeit zu überwachen und es für die Pilger be-reitzustellen.

Als Abdul-Muttalib sah, wie sein Sohn sich abplagte, wünschte er, dass der berühmte Brunnen Ismaels, an den die Araber sich noch dunkel erinnerten, nicht zerstört worden wäre. Dann wäre Al-Harith die Wasserbereitstellung gewiss leichter gefallen! Dieser Wunsch be-schäftigte ihn zunehmend; er konnte kaum noch an etwas anderes denken.

Während er eines Nachts in dem geschützten Bezirk nahe der Kaaba schlief, rief ihm jemand im Schlaf zu: „Grabe nach Taiba!“[14]

Abdul-Muttalib fragte verwirrt: „Aber was ist Taiba?“

Doch die Stimme schwieg, und Abdul-Muttalib erwachte.

In der folgenden Nacht schlief er wieder an demselben Ort, und diesmal rief jemand ihm zu: „Grabe nach Barra!“[15]

Abdul-Muttalib fragte: „Doch was ist Barra?“

Der geheimnisvolle Rufer verschwand wie in der Nacht zuvor, und Abdul-Muttalib erwachte wieder verwirrt.

In der dritten Nacht rief die Stimme: „Grabe nach Madnuna!“[16]

Als Abdul-Muttalib wissen wollte, was Madnuna sei, schwieg die Stimme abermals.

In der vierten Nacht schließlich, als die unbekannte Stimme ihn aufforderte: „Grabe nach Zamzam!“, fragte Abdul-Muttalib mehrmals: „Und wo ist Zamzam?“

Endlich beschrieb ihm die Stimme den Ort, an dem Zamzam zu finden war.

Als die Quraisch erwachten, wunderten sie sich über Abdul-Muttalib und Al-Harith, die schon eifrig dabei waren, zwischen den im ge-schützten Bezirk aufgestellten Götzenbildern Isaf und Nayila[17] zu graben – genau dort, wo sie gewöhnlich ihre Schlachtopfer darzubrin-gen pflegten. Sie fragten die beiden, was sie da täten.

Abdul-Muttalib gab ihnen zur Antwort: „Ich grabe nach dem Brunnen Zamzam, damit die Pilger daraus Wasser schöpfen können!“

Die Männer der Quraisch wollten Abdul-Muttalib daran hindern, zwischen ihren Götzenbildern zu graben. Ihre Drohungen und Versuche, ihn aufzuhalten, ließen Abdul-Muttalib jedoch unberührt – beharrlich grub er weiter, und sein Sohn stellte sich schützend hinter ihn.

„Bei Allah! Ich werde tun, was mir befohlen wurde“, verkündete er mit fester Stimme. Als die Männer der Quraisch ihre Entschlossenheit sahen, ließen sie die beiden in Ruhe.

Plötzlich stieß Abdul-Muttalib einen Freudenschrei aus. Die Männer des Stammes Quraisch eilten herbei und scharten sich um ihn.

Neben dem Sand und der Erde, die Abdul-Muttalib und sein Sohn ausgehoben hatten, sahen sie einen Ring aus gemauerten Steinen.

Die Männer riefen aufgeregt: „Das ist der Brunnen unseres Stamm-vaters und Propheten Ismael! Wir haben ein Recht auf diesen Brunnen, Abdul-Muttalib, du musst ihn mit uns teilen!“

Abdul-Muttalib jedoch erklärte mit ruhiger Stimme: „Das werde ich nicht tun! Die Verwaltung des Brunnens steht mir allein zu. Er wurde mir als einzigem unter uns zuteil!“

Die Männer der Quraisch gerieten in Zorn. Lautstark beschimpften sie Abdul-Muttalib und stritten sich mit ihm um den Brunnen, obwohl sie kurz zuvor noch hatten verhindern wollen, dass er überhaupt nach ihm grub. Sie schrien durcheinander: „Wir werden keine Ruhe geben, bis wir mit dir einen Prozess um den Brunnen geführt haben!“ Doch schließlich beruhigten sie sich wieder und gingen fort.

Abdul-Muttalib und Al-Harith gruben weiter. Es dauerte viele Stunden, den Sand und die Steine, mit denen der Brunnen zugeschüttet worden war, abzutragen. Doch die Mühe lohnte sich: In der Tiefe des Schachtes stieß Abdul-Muttalib zwischen den Sandmassen auf glänzendes Gold. „O Allah!“, jubelte er.

Sofort kamen die Quraisch wieder herbeigelaufen, um zu sehen, was los war. Sie staunten nicht wenig, als er aus dem Sand Schwerter, Rüstungen und am Ende sogar zwei Gazellen aus funkelndem Gold zog. Nun stießen die Quraisch ebenfalls Jubelrufe aus. Verwundert fragte Abdul-Muttalib, ob jemand wüsste, was das für wundersame Dinge seien, die er da gefunden habe.

„Dies sind die Gaben an die Kaaba, von denen man sich erzählt, dass Mudad vom Stamme der Dschurhum sie einst vergraben habe“, bekam er zur Antwort.

Alles, was er gefunden hatte, verwendete Abdul-Muttalib für die Kaaba. Aus den Schwertern ließ er eine herrliche Tür schmieden, und die beiden Gazellen aus Gold dienten als prachtvoller Türschmuck. Auf diese Weise kehrten die Gaben, die sich einst im Inneren der Kaaba befunden hatten, zu ihr zurück.

Zunächst aber grub Abdul-Muttalib unermüdlich weiter am Ort des Brunnens Zamzam, bis ihm endlich das süße, köstliche Wasser ent-gegensprudelte, mit dem er von nun an die Pilger erfrischen konnte.[18]

Seine Freude war groß, aber dennoch konnte er nicht den Kummer und die Mühsal vergessen, die ihn während des Ausgrabens begleitet hatten.

Die Quraisch hatten ihn und seinen Sohn bedroht. Niemand hätte ihnen Schutz gewährt, wenn es zu einer Konfrontation gekommen wäre. Abdul-Muttalib wollte nie wieder so schwach sein. Er schwor, dass, wenn ihm zehn Söhne geboren würden und diese das Alter erreichten, in dem sie ihm Stärke und Schutz gewähren könnten, er einen von ihnen opfern würde.

 Zehn Söhne

D

ie Jahre vergingen, Abdul-Muttalib wurden zehn Söhne geboren – sie wuchsen zu kräftigen jungen Männern heran, die ihm zu Stärke und Ansehen verhalfen. Als die Zeit gekommen war, seinen Schwur einzulösen, rief er sie zusammen. Nun, da alle Söhne, auch der jüngste und von ihm am meisten geliebte Abdullah, erwachsen geworden waren, schien es ihm unmöglich, einen auszuwählen.

Schließlich wollte er das Los entscheiden lassen. Jeder seiner Söhne musste ihm einen Pfeil mit seinem Namen bringen ...

und ausgerechnet der von Abdullah wurde gezogen.

Als die Bani Machzum erfuhren, dass der Sohn ihrer Schwester geopfert werden sollte, schickten sie Mughira, das Oberhaupt der Sippe, zu Abdul-Muttalib.

Mughira, die übrigen Söhne und auch die Quraisch flehten ihn an: „Bei Allah, opfere Abdullah nicht, sondern opfere an seiner Stelle etwas anderes! Auch wenn wir dafür unseren ganzen Besitz hergeben müssen.

Denn wenn du das machst, wird dies ein Brauch, und die Araber werden immer weiter ihre Söhne opfern! Willst du das, Abdul-Muttalib? Willst du das wirklich?“[19]

Schließlich war Abdul-Muttalib mit dem Vorschlag einverstanden, eine weise Frau in Medina[20] zu Rate zu ziehen, von der man sagte, dass sie in solchen Fällen weiterwisse. [21]

In Begleitung seiner zwei ältesten Söhne und des jüngsten, Abdullah, ritt Abdul-Muttalib nach Medina.

Als sie die Frau gefunden hatten, erzählten sie ihr von dem Schwur und dem Los, das gefallen war und fragten sie, ob das Opfer voll-bracht werden müsse oder nicht. Die weise Frau bat Abdul-Muttalib und seine Söhne um einen Tag Bedenkzeit.

Am nächsten Tag sprach sie zu ihnen: „Ich habe eine Antwort. Wie hoch ist euer Blutgeld normalerweise?“

„Zehn Kamele“, antworteten sie.

„So geht zurück in euer Land, stellt euren Sohn neben zehn Kamele und werft das Los zwischen ihnen! Wenn der Pfeil auf ihn zeigt, dann stellt weitere zehn Kamele dazu und werft das Los erneut. Werft so lange, bis der Pfeil auf die Kamele weist. Dann opfert die Kamele und nicht euren Sohn!“

Abdul-Muttalib und seine Söhne ritten zurück nach Mekka. Als sie angekommen waren, führten sie feierlich zehn Kamele in den Hof vor der Kaaba. Dann warfen sie das Los. Der Pfeil fiel auf Abdullah.

Sie stellten zehn Kamele hinzu, doch wieder wies der Pfeil auf Abdullah. Immer mehr Kamele wurden gebracht, bis es schließlich hundert waren. Jetzt endlich deutete das Los auf die Kamele. Abdul-Muttalib aber wollte ganz sicher gehen: Ein einziger Pfeil war für ihn nicht Beweis genug. Er bestand darauf, das Los ein zweites und ein drittes Mal zu werfen.

Als der Pfeil schließlich dreimal auf die Kamele zeigte, war er sicher, dass Gott sein Opfer angenommen hatte. Dankbar schlachtete er die hundert Kamele.[22]

Um die Kaaba herum standen zu jener Zeit zahlreiche Götzen, die von verschiedenen Stämmen angebetet wurden. Ihre Anbetung recht-fertigten die Menschen damit, dass schon ihre Väter und Großväter das Gleiche getan hätten und es deshalb nicht falsch sein könne. Sie behaupteten sogar, dass sie dem Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael folgten.

Es gab aber immer noch einige unter ihnen, die die Figuren ablehnten und ihre Gegenwart bei der heiligen Kaaba als beschämend empfan-den. Diese Hanifen genannte kleine Minderheit hatte sich die wahre Religion Abrahams bewahrt. Sie lehnten den Götzendienst ab und versuchten, ein tugendhaftes Leben zu führen.

Sowohl die Rabbis der Juden als auch die christlichen Gelehrten der Gegend erwarteten zu jener Zeit die Ankunft eines Propheten. Die Juden gingen davon aus, dass dieser Prophet ein Jude sein müsse, da sie sich als das von Allah auserwählte Volk betrachteten. Die Hanifen hofften, dass er unter den Arabern erscheinen würde, um der Götzendienerei ein Ende zu bereiten.

In dieser Zeit der Erwartung war Abdullah erwachsen geworden. Abdul-Muttalib fand, dass nun die Zeit gekommen sei, um nach einer Braut für ihn Ausschau zu halten. Abdullah war zu einem kräftigen Mann mit edlen Gesichtszügen herangewachsen. Keiner in Mekka hatte je einen schöneren gesehen. Nach einigem Überlegen erwählte Abdul-Muttalib eine der edelsten jungen Frauen unter den Arabern: Amena, die Tochter des Wahb.

Amena war eine kluge und redegewandte Frau, die für ihren guten Charakter und ihre Schönheit bekannt war. Sie stammte aus einem der besten Häuser der Quraisch. Abdullah und Amena heirateten und es dauerte nicht lange, bis Amena schwanger wurde. Während der Zeit ihrer Schwangerschaft reiste Abdullah mit einer Handelskarawane nach Syrien und Palästina. Amena wartete geduldig und sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres geliebten Mannes.

 Neid und Tod

N

icht wenige der Bewohner der Halbinsel waren neidisch auf die Mekkaner, in deren Mitte sich die erhabene Kaaba befand. Seit Abrahams Gebet erhört worden war, wirkte die Kaaba wie ein Magnet, der Gläubige aus allen Himmelsrichtungen anzog.

Abraha[23], den Statthalter des Königs von Abessinien im Jemen, erfüll-te das religiöse Leben in Mekka mit bitterem Neid. Deshalb ließ er eine gewaltige Kirche in Sanaa errichten. Er hoffte, dass die Pilger nun dorthin kommen würden, statt zu der Kaaba. Die Arbeiten wurden unbarmherzig vorangetrieben. Jedem Arbeiter, der erst nach Sonnen-aufgang zur Arbeit erschien, ließ Abraha eine Hand abhacken. Wäh-rend die Menschen in Sanaa hungerten, gab er prächtige Kreuze aus Gold in Auftrag, und aus den Ruinen der Paläste der Königin von Saba ließ er Marmor herbeischleppen. Die neu erbaute Kirche nannte er Qulays.[24]

Abraha warb um Pilger für sein Bauwerk. Er ließ die Nachricht über die Schönheit und Pracht seiner Qulays verbreiten und sprach zugleich in herabsetzender Weise von der alten Kaaba. Ungeduldig wartete er auf die Massen von Pilgern, die er dem Negus von Abessinien versprochen hatte.

Er wartete jedoch vergeblich. Als die Pilgerzeit kam, sah er mit eigenen Augen, wie die mit Schätzen beladenen und von Opfertieren begleiteten großen Karawanen an seiner prächtigen Kirche vorbei-zogen und sich in die Hitze der Wüste begaben – Mekka entgegen.

Als Abraha sah, dass die Araber sein Gotteshaus mieden und weiterhin ihre Wallfahrten nach Mekka unternahmen, kochte er vor Wut. All sein Werben war erfolglos geblieben, und als dann auch noch ein Mann vom Stamm der Bani Kinana[25] das Innere der Qulays beschmutzte, um Abrahas Schmähung der Kaaba zu rächen, stand sein Entschluss fest: Die Kaaba musste zerstört werden. Er rüstete eine Armee, um das Haus von Abraham und Ismael niederzureißen. Viel zu lange schon hatte seine prächtige Kirche im Schatten der Kaaba gestanden!

Mit sechzigtausend Soldaten, neun weiblichen und dreizehn männlichen Elefanten[26] marschierte Abraha gegen Mekka. Unterwegs zerstörte er rücksichtslos, was ihm in den Weg kam. Auch nahm er einen Anführer des Stammes Chathaam[27] namens Nufail gefangen, welchen er zwang, ihm den Weg nach Mekka zu zeigen.

Die Armee erreichte Taif, deren Einwohner Abraha entgegeneilten und ihm versicherten, dass es hier keine Kaaba gäbe. Sie befürchteten, er würde versehentlich ihren Götzen Al-Lat[28] zerstören. Ein Mann namens Abu Rughal[29] bot sich als Führer an, um der Armee den Weg zu zeigen. Kurz vor Mekka machten sie Halt und fingen alle Tiere ein, die sie als Beute für Abraha finden konnten – darunter auch zweihundert Kamele, die Abdul-Muttalib gehörten.

Die schwangere Amena wartete immer noch sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Mannes und verbrachte viele Nächte im Freien. In dieser Zeit – als sie und alle Bewohner Mekkas in Angst und Schrecken lebten – hätte sie ihn am meisten gebraucht.

Als sie den übermächtigen Gegner herannahen sahen, beschlossen die Quraisch, nicht zu kämpfen. Abdul-Muttalib ging mit einem seiner Söhne zu Abraha und bat ihn um Verhandlungen. Einer von Abrahas Elefantenführern, der Unais hieß und Abdul-Muttalib kannte, empfahl ihn: „O König, hier ist der Herr der Quraisch und bittet um Erlaubnis, mit dir zu sprechen! Er ist jemand, der den Menschen und sogar den wilden Tieren auf den Berggipfeln zu essen gibt. Höre ihn an und sei gut zu ihm!“

Abraha nickte. Er war von der Erscheinung des alten Mannes be-eindruckt, stieg sogar von seinem königlichen Sitz herab und setzte sich neben ihn auf einen Teppich.

Als Abdul-Muttalib lediglich nach seinen zweihundert Kamelen fragte, wunderte sich Abraha. Er sei doch gekommen, um die Kaaba und seine Religion zu zerstören, erklärte er unverhohlen. Abdul-Muttalib stand langsam auf und sprach mit ruhiger Stimme: „Ich bin der Herr der Kamele. Die Kaaba hat einen Herrn, der sie beschützen wird!“

„Gegen mich und meine Armee kann niemand die Kaaba schützen“, erwiderte Abraha.

„Wir werden sehen, was zwischen dir und dem Herrn der Kaaba geschehen wird“, sagte Abdul-Muttalib.[30]

Er erhielt seine Kamele und ging zurück in die Stadt. Er hatte den Bewohnern geraten, Mekka zu verlassen und außerhalb der Stadt hinter den Bergen abzuwarten, was geschehen würde. Abdul-Muttalib und einige Männer von seiner Familie gingen zur Kaaba und beteten zu Allah, dass Er Sein Haus schützen möge. Dann begaben sie sich zu den anderen Quraisch.

Am nächsten Tag, als die Soldaten ihre Waffen prüften und ihre Panzer anlegten, ging Nufail vom Stamm der Chathaam, den Abraha unter Zwang als Führer des Zuges eingesetzt hatte, zu einem der riesigen Kriegselefanten und flüsterte ihm ins Ohr: „Knie nieder, Mahmud, oder geh dorthin zurück, woher du gekommen bist; denn du bist in Allahs heiligem Land!“ Dann stieg er auf einen Berg und verbarg sich zwischen den Felsen.

Als Unais, der Elefantenführer, kam, um den Elefanten für den Ritt Abrahas vorzubereiten, blieb er überrascht stehen. Was war mit dem Tier geschehen? Der Elefant kniete – so, wie Nufail es ihm befohlen hatte! Unais war verblüfft, denn noch nie zuvor hatte er einen Elefanten knien sehen. Immer wieder murmelte er: „O Wunder, o Wunder!“

Unverzüglich brachte er die Nachricht von dem knienden Elefanten zu den Männern, die in seiner Nähe lagerten, und sie eilten herbei, um ihn zu sehen.

Unais und die Männer um ihn herum versuchten, den Elefanten zum Aufstehen zu bewegen, aber es gelang ihnen nicht.

Die Nachricht vom knienden Elefanten verbreitete sich unter den Soldaten wie ein Lauffeuer und erreichte schließlich auch Abraha, der darin ein schlimmes Vorzeichen sah. Er befahl den Männern, den Elefanten zum Aufstehen zu bewegen – egal wie. Die Soldaten schlugen ihn mit Eisenstangen und stachen ihn mit Lanzen, bis er vor Schmerzen schrie. Aber er blieb reglos wie ein Fels. Als sie jedoch versuchten, ihn nach Jemen zu lenken, erhob er sich und lief los. Die Leute stürmten ihm nach, bis sie ihn eingeholt hatten. Sie packten ihn und versuchten, ihn zurück in Richtung Mekka zu drehen. Der Elefant aber weigerte sich mit aller Kraft, auch nur einen Schritt zu tun. Die Männer wendeten ihn nach Westen und nach Osten, und er lief los. Sobald sie ihn aber in Richtung Mekka drehten, blieb er stehen und ließ sich nieder.

Trotz allem wollte Abraha auf keinen Fall aufgeben. Er wollte unbe-dingt die Kaaba zerstören.

Während er noch grübelte, wie er den ungehorsamen Elefanten zum Laufen bekommen könnte, geschah etwas Seltsames: Ein dunkler Schwarm Vögel näherte sich, schwoll an und bedeckte schließlich den gesamten Himmel wie eine schwarze Wolke. Schon kreiste die unheimliche Schar über der abessinischen Armee. Ein Hagel von Steinen prasselte auf das überraschte Heer nieder. Die schweren Panzerhemden der Soldaten konnten sie nicht schützen, denn es waren fürchterliche Steine aus glühendem gebranntem Ton, die vom Himmel stürzten – zwar nur linsengroß, aber sie durchbohrten ihre Körper. Schon wanden sich viele unter qualvollen Schmerzen. Voll Todesangst versuchten diejenigen, die noch nicht getroffen waren, zu flüchten. Bis die Reste der einst so starken Armee endlich im Jemen ankamen, waren die meisten unterwegs gestorben. Abraha wurde schwer verletzt in seine Burg getragen, wo seine Kinder und seine Frau ihn in seinem schrecklichen Zustand kaum erkannten. Unter entsetzlichen Qualen starb er kurze Zeit später.

Unais, der Elefant Mahmud und einige wenige jedoch blieben verschont. Später berichteten sie immer wieder von dem schrecklichen Geschehen. Einige von ihnen blieben in der Gegend von Mekka.

„Was hat diese starken Männer getroffen?“, fragten sich die Menschen, als sie überall die Leichen liegen sahen „wie eine abgefressene Saat.“[31] Gesund und stark, stolz auf ihre Zahl und Ausrüstung, waren sie ausgezogen. Fast vollständig aufgerieben, krank, schwach und gedemütigt waren die Reste der Armee Abrahas dorthin zurückgekehrt, woher sie gekommen waren, ohne dass seine Soldaten Mekka betreten oder ihre Augen das heilige Haus Allahs gesehen hatten! Die Überraschung und Freude der Mekkaner waren groß, als sie hörten, dass das Heer geflüchtet war, ohne die Kaaba erblickt zu haben. Abdul-Muttalib jedoch war nicht überrascht. Mit ruhiger Stimme erklärte er, dass er gewusst habe, dass Allah Sein Haus verteidigen werde.

Die Männer Mekkas eilten dorthin, wo das Heer der Abessinier gelagert hatte, um die Beute in Besitz zu nehmen.

Über die Rettung der Kaaba verfassten sie viele Gedichte.[32]

Ganz Arabien erfuhr, wie der Himmel die feindliche Armee vernichtet hatte. Bald gab es in ganz Mekka kein Haus mehr, in dem nicht zum Dank ein Freudenfest gefeiert wurde, und das Jahr ging als „Jahr des Elefanten“ in die Geschichte ein.

In diesem Jahr sollte aber noch ein weiteres großes Ereignis geschehen.

 Die Geburt des Gepriesenen

A

bdullah erlebte die Bedrohung durch Abraha und das Vogel-wunder nicht mit, denn er war zu jener Zeit nicht in Mekka, sondern auf einer Handelsreise nach Syrien und Palästina. Auf dem Rückweg erkrankte er schwer und musste in Medina[33] bei der Familie seiner Großmutter bleiben, während die Karawane weiter nach Mekka zog.

Als die Karawane ohne Abdullah heimkehrte, erschraken Abdul-Muttalib, Amena und die ganze Familie. Sofort schickte Abdul-Muttalib seinen ältesten Sohn Al-Harith nach Medina. Doch schon bei seiner Ankunft spürte er, was geschehen war, dass sein Bruder nicht mehr lebte.[34] Als Al-Harith mit der schrecklichen Nachricht zurück nach Mekka kam, trauerte man nicht nur in Abdul-Muttalibs Haus, sondern in der ganzen Stadt. Der Kummer der zarten und jungen Amena jedoch war am größten. In zahlreichen rührenden Gedichten hat sie ihm Ausdruck gegeben.[35] Ihr Kind war Halbwaise, noch bevor es zur Welt kam. Ganz Mekka konnte ihr keinen Trost bieten – nur das ungeborene Kind von ihrem geliebten Mann, das sie unter dem Herzen trug. Sie konnte es kaum erwarten, das Baby zu sehen, das sie wie eine kleine Sonne in ihrem Leib spürte.

Medina wurde von zwei großen arabischen Stämmen bewohnt, den Aws und den Chazradsch. Die beiden Stämme lagen oft miteinander im Streit und hatten schon manchen Krieg gegeneinander geführt. Außerdem lebten dort drei jüdische Stämme, die Bani Qurayda, die Bani An-Nadir und die Bani Qaynuqa.

Diese Stämme hatten sich auf der Flucht vor der römischen Unterdrückung in Medina niedergelassen. Sie waren mittlerweile arabisiert, was Sprache und Stammesleben anbetraf, allerdings fühlten sie sich weiterhin als Träger der Offenbarung von Moses und lebten in der Erwartung eines neuen Propheten.

Zu dieser Zeit stieg eines Nachts in Medina ein Jude auf das Dach seines Hauses und rief: „Ihr Juden!“

Als sie sich um ihn versammelt hatten, fragten sie, weshalb er sie gerufen habe. Da verkündete er ihnen, dass in dieser Nacht der Stern erschienen sei, der zur Geburt des Gepriesenen[36] angekündigt worden war.

So wie Amenas Schwangerschaft verlief auch die Geburt ihres Kindes trotz allen Kummers leicht. Sie ließ seinem Großvater Abdul-Muttalib ausrichten:

„Dir ist ein Junge geboren! Komm her und schau ihn dir an!“

Abdul-Muttalib eilte zu Amena und betrachtete den Jungen. Er nahm das Kind in seine Arme, trug es zur Kaaba und betete zu Allah, um Ihm für dieses Geschenk zu danken. Dann gab er ihm den Namen Muhammad.

Seine Mutter und sein Großvater machten sich nun große Sorgen um ihn, denn selbst für Erwachsene war das Klima in Mekka damals gefährlich. Immer häufiger grassierten schwere Epidemien, an denen viele Menschen zugrunde gingen. In einer großen Handelsstadt, in die Menschen aus allen Orten der Erde strömten, um Handel zu treiben oder zur Kaaba zu pilgern, war das kein Wunder. Die Reisenden blieben oft mehrere Monate und brachten nicht nur ihre Waren mit, sondern auch gefährliche Krankheiten. So starben viele Kinder kurz nach der Geburt.

Daher gaben die wohlhabenden Bewohner Mekkas ihre Kinder in die Obhut von Ammen, die in den Bezirken außerhalb der Stadt lebten.

Aus Liebe zu ihrem Kind willigte Amena ein, dass Muhammad einen Teil seiner Kindheit bei den Beduinen außerhalb der Stadt verbringen sollte – nicht nur, um ihn vor den gefährlichen Krankheiten zu schützen, sondern auch, um ihn in der klaren Luft der Wüste zu stärken. Auch sollte er das kostbare Werkzeug der Weisheit erwerben, die arabische Sprache klar sprechen lernen und einen scharfen Verstand bekommen.

Schon bald war es soweit: Die Ammen kamen, um Pflegekinder aus wohlhabenden Familien mitzunehmen. Eine von ihnen war Halima von den Bani Saad[37], die mit anderen Frauen des Stammes, zusammen mit ihrem Mann Harith und dem neugeborenen Sohn, den sie stillte, gekommen war, um sich einen Säugling zu suchen.

Sie erzählte: „Es war ein Jahr der Trockenheit und uns war fast nichts mehr geblieben, als wir uns mit einer grauen Eselin und einer alten Kamelstute auf den Weg machten. Bei Allah, das Euter der Kamelstute war so leer, dass sie uns keinen Tropfen Milch gab. Vor Hunger weinte unser Kind so sehr, dass wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten.[38] Was in meiner Brust war, reichte ihm nicht. Wir hatten gehofft, dass es regnen und unsere Reise sich dadurch etwas erleichtern würde. Meine Eselin, auf der ich ritt, war so schwach und dünn, dass ich mit der Karawane nicht Schritt halten konnte, so dass die anderen es auch schwer mit uns hatten, bis wir schließlich doch in Mekka ankamen, und die Suche nach Säuglingen aufnahmen.

Amena bot ihren Sohn Muhammad einer Amme nach der anderen an, doch wir alle lehnten ab, weil er ein Waisenkind war. Was hätten seine Mutter und sein Großvater uns schon geben können? Amena und der Großvater des kleinen Muhammad waren sehr traurig, dass niemand den Jungen nehmen wollte. Sollte das Kind den gefährlichen Krankheiten in Mekka ausgesetzt bleiben und deshalb vielleicht früh sterben? Außer mir hatten inzwischen alle Frauen, die mitgekommen waren, einen Säugling.

Als wir uns versammelten, um heimzukehren, sagte ich zu meinem Mann: ‚Bei Allah! Ich kann doch nicht ohne einen Säugling zurück-kehren! Ich nehme dieses Waisenkind!‘ ‚Tu das, vielleicht wird Allah uns durch ihn segnen‘, antwortete er. Ich nahm ihn nur, weil ich kein anderes Kind fand. Dann kehrte ich mit ihm zu unserem Lagerplatz zurück. Dort legte ich ihn an meine Brust, die plötzlich so viel Milch gab, bis er satt war. Danach trank mein eigener Sohn, bis auch er gestillt war. Dann schliefen beide ein. Vorher hatte unser Kind nicht schlafen können. Dann ging mein Mann zu der Kamelstute. Auch ihr Euter war voller Milch. Als er sie gemolken hatte, trank er, und auch ich trank so viel, bis wir richtig satt waren. Wir schliefen gut und es war eine sehr schöne Nacht für uns.

Am nächsten Morgen sagte mein Mann: ‚Bei Allah, Halima, du hast ein gesegnetes Geschöpf zu dir genommen!‘ ‚Bei Allah, dies wünsche ich‘, antwortete ich.

Auf meiner Eselstute trug ich Muhammad, während diese auf einmal so schnell lief, dass kein anderer Esel ihr folgen konnte und alle riefen: ‚O Tochter des Abu Du’aib, hab Erbarmen mit uns. Ist das nicht dieselbe Eselin?‘ ‚Bei Allah, es ist dieselbe!‘, rief ich.

Schließlich kamen wir in unserer Heimat an. Mir ist kein Land auf Allahs Erde bekannt, das trockener ist als unseres. Doch ab diesem Zeitpunkt kamen meine Schafe am Abend immer mit prallen Eutern zurück, während andere keinen Tropfen Milch aus den Eutern ihrer Tiere holten![39]

Wir erlebten Allahs Güte, bis Muhammad sein zweites Lebensjahr vollendet hatte und ich ihn abstillte. Er gedieh wie kein anderer gleichaltriger Junge. Wir brachten ihn zu seiner Mutter zurück, obwohl wir ihn nach all dem Segen, den wir durch ihn erfahren hatten, gerne behalten hätten. Also bat ich sie: ‚Wenn du deinen Jungen doch bei mir ließest, bis er größer ist, weil ich Angst um ihn habe wegen des ungesunden Klimas in Mekka!‘ Ich redete so lange auf sie ein, bis sie ihn mir aus Furcht, ihn in Mekka durch eine Krankheit zu verlieren, wiedergab. Wir kehrten mit ihm zurück.“[40]

Halima berichtet weiter:

„Bei Allah, einen Monat später spielte Muhammad mit seinem Milchbruder draußen, als unser Sohn rief: ‚Zwei Männer mit weißen Kleidern haben meinen quraischitischen Bruder zu Boden gelegt und seinen Bauch geöffnet, und sie schütteln ihn!‘ Wir eilten hinter die Zelte, sahen ihn dort mit blassem Gesicht stehen und fragten: ‚Was hast du, mein Kind?‘ ‚Zwei Männer, weiß gekleidet, kamen zu mir, legten mich nieder, öffneten meine Brust und suchten etwas darin, ich weiß aber nicht, was sie suchten!‘ Ganz gleich, wie oft wir die Kinder befragten, sie erzählten immer wieder dieselbe Geschichte. Wir brachten Muhammad zum Zelt zurück.“

Das seltsame Ereignis verunsicherte die Familie der Amme. Was war mit dem Kind? War es krank oder gar von einem bösen Geist besessen? „Halima, gib ihn unverzüglich seiner Familie zurück!“, riet ihr Mann.

Halima und Harith brachten den kleinen Muhammad also wieder nach Mekka zu seiner Mutter.

Überrascht fragte sie: „Was hat dich wieder zu uns geführt, o Halima? Du hattest dich doch so sehr dafür eingesetzt, dass er noch bei dir bleibt!“

„Das ist richtig, aber Allah hat das Kind wachsen lassen und ich habe meine Aufgabe getan. Ich mache mir Sorgen um ihn und bringe ihn dir, wie du es auch wolltest, zurück!“

„Das ist nicht dein Ernst. Bitte sei ehrlich mit mir!“ Amena bedrängte die Amme so lange, bis diese ihr alles erzählte.

„Hast du Angst bekommen? Fürchtest du den Satan?“

„Ja“, gab Halima zu.

Amena beruhigte sie: „Nein, bei Allah, der Satan kann ihm nichts anhaben! Große Dinge warten auf meinen kleinen Sohn.“[41]

Dann verabschiedete sie sich von Halima, indem sie sprach: „So lass ihn denn hier und komm gut nach Hause!“

Mutter und Sohn freuten sich, endlich zusammen zu sein und verbrachten drei glückliche Jahre in Mekka. Muhammad verstand sich gut mit seinem gleichaltrigen Onkel Hamza und seiner etwas jüngeren Tante Safiya; die drei wurden unzertrennliche Freunde.

 Vollwaise

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us Treue zu ihrem Mann beschloss Amena eines Tages, mit Muhammad das Grab seines Vaters und die dort lebenden Ver-wandten in Medina zu besuchen.

Sie nahm ihre Dienerin Baraka, die auch Umm Aiman genannt wurde, mit und sie schlossen sich der Karawane nach Medina an. Baraka, die den Knaben innig liebte, ritt mit ihm auf einem Kamel und Amena auf einem anderen. So legten sie fast fünfhundert Kilometer zurück.

Als sie ankamen, zeigte Amena dem Jungen, wo sein Vater gestorben und begraben war. Dies war das erste Gefühl des Verlustes, das sich in die Seele des Knaben grub. Viel erzählte die Mutter ihm von dem geliebten Vater, der sie nach den wenigen Tagen, die er mit ihr gemeinsam verbracht hatte, verlassen musste und dann bei Verwandten vom Tode überrascht worden war.

Nachdem sie sich einen Monat in Medina aufgehalten hatten, entschloss sich Amena zur Rückkehr. Unterwegs erkrankte sie. Vor einigen Tagen noch hatte Muhammad am Grab seines Vaters gestanden – und jetzt war seine geliebte Mutter krank. Die Krankheit verschlimmerte sich, und bis nach Mekka war es noch ein weiter Weg. Bei Abwa, zwischen den beiden Städten Medina und Mekka, starb Amena; während ihrer letzten Atemzüge war der kleine Muhammad an ihrer Seite. Sie wurde in Abwa begraben.[42]

Baraka kehrte mit dem weinenden, einsamen Kind zurück. Sie tat ihr Bestes, um ihn zu trösten.

Muhammad spürte nun doppelt, dass er verwaist war, und ihn überwältigte das Gefühl des Verlustes und des Schmerzes. Nur einige Tage zuvor hatte er die Trauer seiner Mutter über den Verlust ihres Mannes, seines Vaters, erlebt. Jetzt musste er auch noch den Tod seiner Mutter verkraften.

Muhammad wurde in den Schutz seines Großvaters gegeben, der ihn mehr als seine eigenen Kinder liebte. Abdul-Muttalib hielt sich sehr gerne in der Nähe der Kaaba auf. Keiner seiner Söhne wagte es, sich auf seinem Platz an der Kaaba niederzusetzen, aus Ehrerbietung ihm gegenüber. Nur Muhammad durfte dort sitzen. Seine Onkel versuch-ten, es ihm zu verbieten, doch wenn Abdul-Muttalib dies sah, sagte er: „Lasst meinen Sohn in Ruhe! Bei Allah, Großes erwartet ihn!“ Er streichelte seinen Rücken und freute sich über alles, was er tat.[43]

Als Muhammad acht Jahre alt wurde, war für Abdul-Muttalib die Zeit gekommen – er lag im Sterben.

Weinend sagte Abdul-Muttalib zu seinem Sohn Abu Talib: „Ich weine, weil ich Muhammad nicht länger in die Arme schließen kann und habe Angst, meinem Enkel könnte etwas zustoßen!“ Er vertraute ihn der Obhut Abu Talibs an, der auch sein Nachfolger als Oberhaupt der Bani Haschim wurde.[44]

Als Abdul-Muttalib starb, sah Baraka, wie Muhammad in der Nähe des Bettes seines verstorbenen Großvaters saß und bitterlich weinte.[45]

Abu Talib, der Onkel Muhammads, nahm ihn auf, sorgte für ihn und liebte ihn innig. Auch seiner Frau Fatima gelang es, dem Kind, trotz ihrer vielen eigenen Kinder, eine liebevolle Mutter zu sein. Abu Talib war arm, denn der Reichtum seines Vaters Abdul-Muttalib war im Laufe der Jahre durch Zuwendungen an die vielen armen Pilger fast aufgebraucht.

Muhammad war hilfsbereit und fleißig und versuchte bald, sich selbst zu versorgen, um seinem Onkel die Ernährung der Familie zu erleichtern. So begann er, in Mekka für einen geringen Lohn Schafe und Ziegen zu hüten.[46]

Als er zwölf Jahre alt geworden war und Abu Talib mit einer Karawane nach Syrien reisen wollte, um Handel zu treiben, bat Muhammad ihn, mitkommen zu dürfen.

Abu Talib überlegte nur einen Moment, ehe er zustimmte. „Bei Allah, ich nehme dich mit und wir trennen uns nie!“[47]

Bald machten sie sich auf den Weg. Im syrischen Busra hielten die Reisenden aus Mekka gewöhnlich in der Nähe eines Klosters Rast. Busra war eine arabische Stadt, die von den Byzantinern besetzt war. In dem Kloster lebten seit vielen Generationen christliche Mönche, die wertvolle alte Schriften aufbewahrten und einander vererbten. Da-runter gab es auch ein Buch, in dem etwas über die Erscheinung eines Propheten unter den Arabern geschrieben stand. Zu dieser Zeit lebte dort ein Mönch namens Bahira, der jenes alte Buch auswendig kannte und geduldig auf das Kommen des neuen Propheten wartete. Sein einziger Wunsch war es, noch dessen wunderbare Erscheinung zu erleben, bevor er starb.

Die mekkanischen Reisenden waren schon oft bei Bahira vorbeige-kommen und kaum von ihm beachtet worden. Doch diesmal sah er eine Wolke am Himmel, welche die Reisenden offenbar begleitete. Schließlich breitete sie ihren Schatten über einen Baum, und dieser ließ seine Zweige tiefer hängen, damit jene, die darunter saßen, zweifachen Schatten genießen konnten. Als Bahira dies sah, kam er aus seinem Kloster hervor und rief: „Ich habe Essen für euch vorbereitet! Ich möchte euch alle einladen!“[48]

Sie hatten mehrere Tage in der Wüste verbracht und waren müde, durstig und hungrig. Sie wunderten sich.

„Heute muss es einen besonderen Anlass geben, Bahira! Noch nie hast du uns eingeladen, obwohl wir schon öfter bei dir vorbeikamen. Was ist der Grund dafür?“

„Ihr habt recht, so ist es! Ihr seid meine Gäste, und ich möchte euch ehren. Ich habe für euch alle Essen vorbereitet!“

Bahira interessierte in Wahrheit nur das eine: der zu erwartende Prophet! Konnte er unter jenen Leuten aus Mekka sein – dem Ort, wo die heilige Kaaba stand?

Alle kamen zu ihm ins Kloster. Nur Muhammad blieb unter dem Baum.

Bahira sah sich neugierig unter seinen Gästen um und fand niemanden, auf den die Beschreibungen passten, die er aus dem heiligen Buch kannte. Konnte es sein, dass nicht alle gekommen waren? Er rief wieder: „Nicht ein einziger von euch, Männer der Quraisch, soll zurückbleiben!“

„Nur der Jüngste von uns ist bei unserem Gepäck geblieben!“

„O nein! Ruft ihn, damit auch er mit euch essen kann!“

Ein Mann von den Quraisch holte Muhammad und ließ ihn zwischen den Männern sitzen. Bahira begann, aufmerksam die Zeichen zu studieren, von denen er wusste, dass sie auf den neuen Propheten hinweisen sollten.

Nachdem seine Gäste gegessen und sich zerstreut hatten, ging Bahira zu Muhammad und bat ihn: „O Junge, ich bitte dich bei Al-Lat und Al-Uzza[49], beantworte meine Fragen!“

Muhammad erwiderte: „Du sollst mich nicht bei Al-Lat und Al-Uzza bitten! Bei Allah, nichts hasse ich mehr als sie!“

„Dann bitte ich dich bei Allah, mir zu antworten!“

Muhammad erwiderte: „Frage mich, was du fragen möchtest!“

Er fragte nach seinen Träumen, nach seinem Körper und nach vielen Angelegenheiten in seinem Leben.

Muhammads Antworten stimmten mit den Zeichen überein, die Bahira kannte. Er sah sich nun den Rücken Muhammads an, auf dem er das ovale Muttermal entdeckte, das den Propheten kennzeichnen sollte. Nun wusste er, dass es sich bei dem Jungen um einen Gesandten Allahs handelte – einen Propheten, der es, wie Noah, Abraham, Moses und Jesus, sehr schwer haben würde. Als er Muhammad zu seinem Onkel Abu Talib zurückbrachte, fragte er ihn: „Welcher Verwandt-schaftsgrad besteht zwischen dir und diesem Jungen?“

„Er ist mein Sohn.“

„Er kann nicht dein Sohn sein! Der Vater dieses Jungen soll nicht mehr am Leben sein!“

„Er ist der Sohn meines Bruders“, berichtigte Abu Talib.

„Was ist seinem Vater zugestoßen?“

„Er starb, während die Mutter des Jungen mit ihm schwanger war.“

„Jetzt hast du die Wahrheit gesagt! Bring deinen Neffen in seine Heimat zurück und beschütze ihn vor den Juden! Denn bei Allah, wenn sie wissen, was ich über ihn weiß, werden sie ihm Böses antun! Große Dinge erwarten deinen Neffen! Beeile dich und bring ihn nach Hause!“[50]

Kaum hatte Abu Talib seine Geschäfte in Ash-Sham[51] erledigt, eilte er, Bahiras Warnung folgend, mit Muhammad nach Mekka zurück.

Die Jahre vergingen und Muhammad wuchs zum Mann heran.

Weil die Mekkaner ihn stets als ehrlichen, vertrauenswürdigen und freundlichen Menschen erlebten, nannten sie ihn „Al-Amin“, den Vertrauenswürdigen. Händler der Stadt beauftragten ihn, ihre Ware mit Handelskarawanen ins Ausland zu bringen. Durch diese Reisen konnte Muhammad seine finanzielle Lage verbessern und seinem Onkel manche Last abnehmen.

Auch Chadidscha, eine reiche und kluge Kaufmannswitwe, lebte zu jener Zeit in Mekka. Sie war schon zweimal verheiratet gewesen und hatte beide Männer verloren. Als sie von Muhammads Ehrlichkeit und seinem edlen Charakter hörte, schickte sie eines Tages nach ihm und machte ihm das Angebot, ihre Handelsgüter mit einer Karawane nach Ash-Sham zu bringen. Muhammad war zu dieser Zeit fünfundzwanzig Jahre alt. Sie bot ihm einen höheren Lohn als jedem anderen, und sie war sogar bereit, ihm einen ihrer Sklaven, einen Mann namens Maisara, zur Verfügung zu stellen.

Muhammad nahm ihr Angebot an und schloss sich mit Maisara der Handelskarawane an.

Als sie in Busra im Süden Syriens ankamen, ließ Muhammad sich im Schatten eines Baumes in der Nähe eines Klosters nieder, in dem ein Mönch namens Nestor lebte.

Der Mönch fragte Maisara: „Wer ist der Mann unter diesem Baum?“

„Er gehört zum Stamm der Quraisch, zu den Leuten der Kaaba“,

 antwortete Maisara.

„Unter diesem Baum haben bisher nur Propheten gesessen!“ sagte der Mönch, und er erzählte Maisara, dass er beobachtet habe, wie zwei Engel Muhammad Schatten spendeten.[52]

Auf dem Markt verkaufte Muhammad die Waren und wählte sorgfältig aus, was er den Mekkanern zum Kauf anbieten wollte. Maisara, den die Worte Nestors sehr verwundert hatten, merkte, dass er einen Menschen begleitete, der anders war als alle anderen.

Bei ihrer Rückkehr nach Mekka berichtete Maisara Chadidscha von den Worten des Mönches.

„Du hast mich mit ihm geschickt, damit ich ihm diene. Stattdessen hat er mir gedient. Als ich krank war, pflegte er mich und als ich traurig war, tröstete er mich!“, sagte Maisara.

Chadidscha ging zu ihrem Cousin Waraqa und erzählte ihm, was sie über Muhammad gehört hatte.

Waraqa Bin Naufal war in seiner Jugend Christ geworden, er konnte Hebräisch lesen und schreiben und hatte Kenntnis von den heiligen Schriften der Juden und Christen. Im Alter war er erblindet, wurde aber in Mekka wegen seiner Weisheit sehr geschätzt.

„Chadidscha! Wenn das stimmt, dann ist Muhammad der Prophet Allahs! Ich weiß schon seit langem, dass ein Prophet erwartet wird. Seine Zeit ist jetzt gekommen!“, sagte er. Chadidscha schickte Maisara zu Muhammad, um ihn zu holen. Als Muhammad bei ihr eintraf, brachte sie gleich ihre Gefühle ihm gegenüber zum Ausdruck, besonders ihre Wertschätzung seiner Gerechtigkeit. Sie sagte ihm auch: „Ich schätze dich wegen deiner Beliebtheit in deiner Familie, wegen der Schönheit deines Charakters und wegen deiner Ehrlichkeit.“ Nach diesen Worten bot sie ihm die Ehe an.[53] Muhammad stimmte zu.

Muhammad sprach mit seinen Onkeln über sein Vorhaben. Diese beauftragten daraufhin seinen Onkel Hamza, zu Chadidschas Familie zu gehen und – wie es der Brauch war – förmlich für Muhammad um ihre Hand anzuhalten. Hamza war wohl deswegen besonders gut dafür geeignet, weil seine Schwester Safiya mit Chadidschas Bruder Awwam verheiratet war. Die Verwandten der Brautleute freuten sich über die Heirat, und Muhammad schenkte seiner Frau zwanzig Kamele als Brautgabe. Chadidscha war zu diesem Zeitpunkt vierzig Jahre alt, Muhammad fünfundzwanzig.

Bald verließ Muhammad das Haus seines Onkels. Er lebte nun bei seiner Frau und führte mit ihr eine glückliche Ehe. Sie gründeten eine große Familie, die nicht nur aus ihren eigenen Kindern bestand. Ihr erstes Kind war Qasim, der jedoch in seinem zweiten Lebensjahr starb.[54] Nach ihm gebar Chadidscha vier Töchter, die sie Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima nannten. Das letzte Kind, ein Junge, den Muhammad Abdullah[55] nannte, starb ebenfalls früh.[56]

Muhammad war sehr dankbar für seine Töchter, die er sehr liebte. Baraka, die Dienerin seiner Mutter, die ihre Freiheit von der Sklaverei Muhammad zu verdanken hatte, lebte auch bei ihnen, nachdem sie ihren Mann verloren hatte. Zaid, ein Sklavenjunge, den Muhammad freigelassen und auf dessen eigenen Wunsch als Sohn angenommen hatte, gehörte ebenfalls zur Familie.[57] Da Muhammads Onkel Abu Talib seine Kinder kaum ernähren konnte, weil er zu arm war, schlug Muhammad seinem Onkel Abbas vor, dass jeder von ihnen einen seiner Söhne aufnehmen sollte. Abu Talibs Sohn Dschaafar wurde von Abbas aufgenommen, sein Sohn Ali von Muhammad. So gehörte nun auch Ali zum Hause des Propheten.

 Die Kaaba

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ie friedliche Zeit in Mekka näherte sich ihrem Ende; eine schlimme Überschwemmung beschädigte die Kaaba, und mancherlei dunkle Zeichen zeigten sich. Tag für Tag erschien auf den Mauern der Ruine der Kaaba eine riesige Schlange. Jeden, der sich ihr näherte, zischte sie an und versetzte alle in Angst und Schrecken. Daher konnte die Kaaba nicht wiederaufgebaut werden. War das furchterregende Tier ein übles Vorzeichen? Eines Tages, als die Schlange wieder in der Sonne lag, beobachteten einige Menschen, wie ein Adler über ihr kreiste, dann tiefer und tiefer flog, bis er sie schnappte und sogleich mit ihr verschwand.[58]

Die Quraisch sahen darin ein Zeichen, dass Allah mit ihrem Vorhaben, die Kaaba wiederaufzubauen, einverstanden war. Doch wer würde sich trauen, Hand an Allahs Haus zu legen? Zwar waren die Mekkaner wieder Götzendiener geworden, aber an Allah glaubten sie immer noch und die Botschaft seiner Propheten Abraham und Ismael war ihnen nicht unbekannt. Dass die Kaaba von ihrer Entstehung bis zum Tag der Auferstehung der Mittelpunkt der göttlichen Botschaft und ein Symbol der Einzigkeit Allahs sein sollte, wussten sie noch – aber in jener Zeit waren Unwissenheit, Götzendienst und Gewalt so verbreitet, dass sie manchmal nicht mehr zu unterscheiden vermochten, was zur Religion Abrahams gehörte und was zum Aberglauben. Würde Allah einen weiteren Gesandten schicken, um die Menschen wieder auf Seinen Weg zu führen? Reichten die Propheten Adam, Noah, Abraham, Ismael, Moses, Zacharias, Johannes, Jesus und alle anderen, die gesandt worden waren, nicht aus?

Die christlichen und jüdischen Gelehrten erwarteten jenen Propheten, der barmherzig zu aller Welt sein sollte, mit unbeirrbarer Sehnsucht. Dessen letzte Botschaft sollte der ganzen Menschheit gelten – nicht nur einem bestimmten Volk.

Wann nur war es endlich soweit? Wie lange sollten die Menschen noch ihre Töchter lebendig begraben? Wie lange noch sollten Sklaven und Frauen auf der ganzen Welt, ob im Osten oder im Westen, im Morgen- oder im Abendland, unwürdig behandelt werden? Wie lange noch sollten die Menschen Steinfiguren anbeten und sich in ihrem Aberglauben damit rechtfertigen, dass diese ihnen den Befehl gäben, einander zu erschlagen und zu morden?

Al-Walid Bin Al-Mughira, Sippenoberhaupt der Bani Machzum, trat vor die Leute und erklärte mutig: „Ich beginne mit dem Abbruch der Kaaba!“

Während Al-Walid sich mit einer Spitzhacke in der Hand dem Hause Allahs näherte, betete er: „O Allah, wir wollen nur Gutes!“ Dann begann er, an den Steinen der Kaaba zu arbeiten.

Als die anderen Männer am nächsten Tag sahen, dass Al-Walid in der Nacht kein Unglück geschehen war, schlossen sie sich ihm an und rissen die alten Mauern bis zu den Fundamenten Abrahams nieder. Als jedoch ein Arbeiter eine Stange zwischen zwei grüne Steine des Fundaments steckte, um diese auseinanderzubrechen, bebte ganz Mekka.[59] Die Arbeiter hörten mit dem Abriss auf. Das Fundament sollte unberührt bleiben. Sie hatten die Botschaft verstanden.

Nun begann der Wiederaufbau. Alle Sippen von Mekka nahmen daran teil, und die Arbeit ging zügig voran.

Bald erreichten die Mauern die Stelle, wo der schwarze Stein[60] an seinem angestammten Platz eingefügt werden sollte. Plötzlich fingen die Männer an, darüber zu streiten, wer von ihnen die Ehre haben sollte, den schwarzen Stein an seinen Platz zu setzen. Fünf Tage lang ruhte die Arbeit und der Streit wogte hin und her, ohne dass sie eine Lösung fanden. Jeder Stamm wollte den Ruhm für sich allein. Es drohte ein Kampf zu entbrennen – ausgerechnet vor dem Haus, das Abraham gebaut hatte, damit die Gläubigen sich dort vor Allah in Frieden und Sicherheit niederwerfen konnten! Vor dem heiligen Haus des Friedens!

Abu Umayya, ein weiser alter Mann, hatte einen Vorschlag. „Ihr Männer der Quraisch“, rief er. „Beauftragt denjenigen, der als nächster durch das Tor der Moschee tritt, darüber zu urteilen, wer die Ehre haben soll, den schwarzen Stein einzusetzen!“ Er meinte das Tor, das zum Platz vor der Kaaba führte.

Der Vorschlag beruhigte die Streitenden. Alle waren einverstanden und warteten. Lange Zeit kam niemand. Endlich näherte sich eine Gestalt dem Tor.

„Es ist Al-Amin, der Vertrauenswürdige, Muhammad! Mit seinem Urteil sind wir einverstanden!“

Muhammad hörte sich an, worüber die Männer stritten. Er breitete ein Tuch auf dem Boden aus und legte den schwarzen Stein genau in die Mitte. Dann sagte er: „Ein Angehöriger jeder Sippe nimmt eine Ecke des Tuches, dann heben alle gleichzeitig den Stein hoch!“

Der Stein wurde zu seinem Platz gebracht. Dann nahm Muhammad ihn und schob ihn an seine Stelle.[61]

Nun waren sie alle daran beteiligt, und ein Kampf war vermieden worden.

Muhammad war zu dieser Zeit fünfunddreißig Jahre alt. Er wurde von allen gelobt. Die Quraisch setzten große Hoffnungen in ihn, denn sie wussten, dass er nicht wie jeder andere war.

Chadidscha und ihre Schwester Hala hatten einander sehr gern. Halas Sohn Abul-As, ein edler Mann unter den Quraisch, bat Muhammad um die Hand seiner ältesten Tochter Zaynab. Muhammad sagte seiner Tochter, dass ihr Cousin sie heiraten wolle und wollte wissen, was sie dazu meinte. Durch ein Lächeln brachte Zaynab ihre Zusage zum Aus-druck.

Chadidscha liebte ihren Neffen, daher freute sie sich über die Heirat.

Auch Abu Lahab erschien eines Tages bei Muhammad und bat ihn um die Ehre, seine Töchter Ruqayya und Umm Kulthum mit seinen Söhnen Utba und Utayba zu verloben. Nach Beratung mit seinen Töchtern und seiner Frau war Muhammad einverstanden. Die Heirat sollte aber erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

 Gabriel

W

ährend jener Zeit vollzogen sich bedeutsame Veränderungen in Muhammad. Ereignisse, die er im Traum sah, traten wirklich ein. Ihm wurde die Einsamkeit lieb und er verbrachte viele Nächte in einer abgeschiedenen Höhle auf dem Berg Hira.[62]

Als er wieder einmal sehr lange dortblieb, machten Chadidscha und ihre Töchter sich große Sorgen. Schließlich schickten sie Boten auf den Berg, um ihn zu suchen. Doch vergeblich.

Während Chadidscha noch überlegte, wo er nur sein könnte, stand Muhammad plötzlich vor ihr – in einem verstörten, verängstigten Zustand. Was war mit ihm geschehen?

„Bedecke mich! Bedecke mich!“, bat er seine Frau, die ihn sogleich mit einem Gewand zudeckte.

„Ich fürchte um mein Leben!“, fügte er hinzu.

Chadidscha beruhigte ihn. „Niemals wird Allah dich im Stich lassen; denn du bist wahrlich jemand, der die Verwandtschaftsbande pflegt, den Schwachen hilft, den Mittellosen gibt, den Gast freundlich aufnimmt, nur Wahres spricht und dem Notleidenden unter die Arme greift!“[63]

Muhammad erzählte seiner Frau, was in jener Nacht in der einsamen Höhle geschehen war: Ihm war ein Engel erschienen! „Der Engel erschien und befahl mir: ‚Lies!‘

Ich sagte: ‚Ich kann nicht lesen!‘

Aber der Engel packte und drückte mich, so dass ich dachte, ich würde sterben. Er ließ von mir ab und befahl noch einmal: ‚Lies!’ Ich antwortete erneut: ‚Ich kann nicht lesen.‘ Der Engel packte mich wieder, bis ich es nicht mehr ertragen konnte. Erst dann ließ er mich los und befahl mir wieder: ‚Lies!‘ Da rief ich: ‚Was soll ich denn lesen?‘ Da begann der Engel, mir vorzusprechen:

‚Lies, im Namen deines Herrn, der erschuf.

Erschuf den Menschen aus einem Anhängsel.

Lies; denn dein Herr ist Allgütig,

Der mit der Schreibfeder lehrt,

lehrt den Menschen, was er nicht weiß.‘ “[64]

Es war, als ob die Worte in sein Herz geschrieben wurden.[65] Als er aufgeregt die Höhle verließ, erschien der Engel erneut und rief: „Muhammad, du bist der Gesandte Allahs, und ich bin Gabriel!“

Muhammad sah den mächtigen Engel mit ausgebreiteten Flügeln am Horizont stehen; die gewaltige Gestalt füllte den ganzen Himmel aus. „In welche Richtung ich mich auch drehte, überall sah ich ihn! Im Norden, Süden, Osten und Westen!“

Chadidscha, die nicht an seinen Worten zweifelte, lief eilig zu ihrem Cousin Waraqa und erzählte ihm, was Muhammad erlebt hatte.

„Heilig! Heilig!“, rief Waraqa. „Bei dem, der die Seele Waraqas in den Händen hält, es war der große Namus[66], der Muhammad erschienen ist, derselbe Namus, der auch Moses erschien! Wahrlich, Muhammad ist der Prophet! Sag ihm, er möge geduldig und standhaft sein!“

Chadidscha erzählte Muhammad, was Waraqa gesagt hatte. Schließ-lich wollte Waraqa aber von ihm selbst hören, was geschehen war.

Muhammad berichtete ihm von dem Zusammentreffen mit Gabriel. Der blinde Waraqa wiederholte seine Bestätigung und schwor: „Beim Schöpfer, in dessen Hand meine Seele liegt, du bist der Prophet Allahs! Die Botschaft ist zu dir gekommen, wie sie zu Moses kam. Wenn ich doch nur ein junger Mann wäre! Wenn ich doch nur noch am Leben wäre, wenn dein Volk dich vertreibt!“

„Werden sie mich wirklich vertreiben?“, fragte Muhammad über-rascht. Er konnte sich nicht vorstellen, dass ein so beliebter und harmloser Mensch wie er von seinem Volk vertrieben werden sollte. „Ja“, erklärte Waraqa, „niemand ist bisher mit dieser Botschaft ge-kommen, ohne verfolgt zu werden!“ Er ermutigte ihn, sich zu freuen und standhaft zu bleiben.[67]

Chadidscha bekannte sich als Erste zum Islam. Sie war überzeugt davon, dass die Botschaften, die Muhammad erhielt, tatsächlich von Allah kamen. Von nun an besuchte Gabriel ihn häufig.

Als er ihm eine Zeit lang nicht erschien und keine Offenbarungen mehr brachte, wurde Muhammad bekümmert und traurig. Chadidscha aber bestärkte ihn, weiter zu warten, bis Gabriel ihm schließlich die berühmte Sure Die Morgenhelle überbrachte.[68]

Es folgten weitere himmlische Offenbarungen zur Bestätigung dessen, dass Muhammad „dank der Gnade seines Herrn nicht besessen, sondern“ der Prophet Allahs „von großartiger Wesensart“[69] war.

Muhammad selbst beschrieb die Art und Weise, wie ihm die göttlichen Offenbarungen zuteilwurden, so: „Manchmal überkommt sie mich wie Glockengeläut, und das ist die schmerzhafteste Art. Sobald ich die Botschaft fassen kann, verklingt das Läuten. Manchmal erscheint der Engel vor mir in der Gestalt eines Menschen und spricht zu mir, und ich bewahre in meinem Gedächtnis, was er sagt.“[70]

Der Prophet Muhammad[71], wie er nun von den Muslimen genannt wurde, begann, denjenigen aus seiner Sippe, zu denen er Vertrauen hatte, im Geheimen von seiner Botschaft zu berichten.

Als das Gebet zur Pflicht wurde, erschien Gabriel auf der höchsten Stelle Mekkas in der Gestalt eines Mannes[72] und schlug mit seinem Fuß ein Loch in die Erde, aus dem sogleich Wasser sprudelte.

Der Engel verrichtete die rituelle Waschung, während Muhammad ihn dabei beobachtete und anschließend das Gleiche tat. Dann stellte er sich zum Gebet auf, und Muhammad stellte sich neben ihn und betete mit ihm.[73]

Der Prophet ging zu Chadidscha, wusch sich und betete mit ihr, wie Gabriel mit ihm gebetet hatte, damit auch sie es lernte.[74]

Er begann, den Menschen die klare monotheistische Botschaft des Einzigen Gottes zu predigen und ermutigte sie, nur noch Allah zu dienen. Ihm war bewusst, dass diese Botschaft Gefahren mit sich brachte, denn die Gleichheit, die Allah für die Menschen wollte, bedeutete für viele reiche Männer, in Mekka und in der übrigen Welt, das Ende ihrer Tyrannei gegenüber den Schwachen – vor allem aber gegenüber den Frauen.

Diejenigen, die Hunderte von Sklaven besaßen und diese wie Tiere behandelten, sollten sie nach der neuen Religion nämlich freilassen. Die Frau sollte das Recht zu erben erhalten und eigenen Besitz haben dürfen. Muhammad ermutigte die Menschen, Sklaven freizulassen. Männer durften nicht mehr eine unbegrenzte Anzahl von Frauen heiraten. Er bestand darauf, den Frauen ihre Rechte, eine Aussteuer, Erbe und Eigentum zu geben. Er erklärte den zum Besten, der seine Frau am besten behandelte.[75]

Frauen wurden damals verachtet – nicht nur im vorislamischen Arabien, sondern auch bei den Römern und Persern. Die Mekkaner machten sich lustig über Muhammad, wenn er sich für die Rechte der Schwachen einsetzte und Tränen über Mädchen vergoss, die lebendig begraben wurden.

Der Koran[76] verkündete offen, dass diejenigen, die solches tun, sich dafür einst verantworten werden müssen. „Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, für welche Schuld es getötet wurde.“[77]

Eines Tages erzählte einer seiner Gefährten dem Propheten, was er vor der Annahme des Islams getan hatte.

„O Gesandter Allahs, in der vorislamischen Unwissenheit haben wir unsere Kinder getötet! Auch ich hatte eine Tochter, die ich eines Tages im Sand begrub.“

Als der Prophet dies hörte, traf es ihn so sehr, als habe er eines seiner eigenen Kinder verloren. Er weinte, bis sein Bart von den Tränen nass wurde; und doch konnte er den Mann für seine Tat nicht bestrafen. Er hatte sie ja bereut und dies nur erzählt, um zum Ausdruck zu bringen, wie schrecklich sich die Menschen vor dem Islam verhalten hatten.[78]

Viele begriffen bald, dass der Prophet, der so ungewöhnliche Dinge sagte und tat, nur das Beste für sie wollte, sie vom Aberglauben befreien und ihnen zeigen, dass die Götzen nur Steine waren, die weder nützen noch schaden. Die Quraisch aber betrachteten die neue Religion, die durch Muhammad verkündet wurde, als Verunglimpfung ihrer Götter und Beleidigung ihrer Vorfahren.

Außerdem war der Kult um die Götzen, die vor der Kaaba standen, für sie die Grundlage ihres Wohlstands und ihrer Macht. Dass sich die Kaaba und die Götzen in ihrer Obhut befanden, war der Grund für ihre Vormachtstellung in Arabien. Der Handel, der während der Pilgerzeit getrieben wurde, war die Quelle ihres Reichtums.

Nach Chadidscha waren Ali, Zaid und Abu Bakr die Ersten, die den Islam annahmen. Abu Bakr war bekannt für seine große Weisheit und brauchte keine Bedenkzeit, um sich dem Propheten anzuschließen. Er kannte ihn besser als jeder andere und wusste, wie ehrlich und aufrecht sein Freund war. Er begann, die Leute aufzufordern, dem Propheten zu folgen. Durch ihn wurden Abu Ubayda Bin Al-Dscharrah, Abdurrahman[79] Bin Awf und später noch viele andere Muslime...

Chalid war der Sohn des mächtigen Anführers der Bani Abd Schams[80], Said Bin Al-As. Einmal träumte er, er stehe am Rande eines Abgrunds, in dem ein verzehrendes Feuer wütete. Plötzlich kam sein Vater und versuchte, ihn ins Feuer zu stoßen. Während sie noch miteinander rangen, spürte er den Griff zweier Hände, die ihn zurückhielten. Er schaute sich um: Sein Retter war Al-Amin – der Vertrauenswürdige, Muhammad. Da erwachte er und ging sogleich zu Abu Bakr.

„Freue dich!“, rief Abu Bakr, „Der Mann, der dich gerettet hat, ist der Gesandte Allahs! Folge ihm! Bestimmt wirst du ihm folgen, den Islam annehmen und so vor dem Feuer gerettet werden!“

Chalid begab sich zum Propheten, erzählte ihm seinen Traum und fragte ihn nach seiner Botschaft. Der Prophet lehrte ihn, was er wissen wollte. Chalid nahm den Islam an, hielt dies aber zunächst vor seiner Familie geheim.[81]

Zu jener Zeit war der Händler Uthman Bin Affan in der Wüste von Syrien nach Mekka unterwegs, als er von einer Stimme geweckt wurde: „Wache auf, in Mekka ist bereits Ahmad[82], der Hochgepriese-ne, erschienen!“[83]

Bevor er Mekka erreichte, begegnete er Talha, einem Cousin Abu Bakrs. Uthman erzählte ihm von der Stimme in der Wüste, während Talha von einem Erlebnis mit einem Mönch berichtete, der ihn gefragt hatte, ob der Prophet Ahmad erschienen sei.

Beide machten sich auf den Weg zu Abu Bakr, der sie, nachdem er sie angehört hatte, sogleich zu Muhammad brachte, damit sie den Islam annehmen könnten.

Noch wurde der Islam im Verborgenen verkündet und der Prophet hatte sich bislang nicht öffentlich zu den Götzen geäußert. Daher sahen die Quraisch in der Botschaft keine direkte Bedrohung und ihre Reaktion war entsprechend schwach. Das sollte sich aber nun ändern.

 Anfeindungen

D

en reichen Herrschern von Mekka war die soziale Gleichheit, die Muhammad predigte, ein Dorn im Auge. Deshalb wollten sie unbedingt verhindern, dass er Anhänger um sich sammelte. Es hätte auch ihre Geschäfte ruiniert – denn einen einzigen, anbetungswürdigen Gott als unsichtbaren Schöpfer anzuerkennen und diesem allein zu dienen, bedeutete so viel, wie allen Götzen abzuschwören. Viele Menschen hatten Steine als Götzen um die Kaaba herum aufgestellt und beteten diese als Götter an, wobei sie glaubten, dass sie für Glück, Reichtum und Ehre sorgten.

In Mekka herrschte damals das Recht des Stärkeren: Wer reich und stark war, konnte sich alles erlauben. Frauen und Sklaven wurden ausgebeutet.

Drei Jahre war die Botschaft vom Propheten im Verborgenen ver-breitet worden, doch nun wurde ihm von Allah der Befehl erteilt, sie öffentlich zu verkünden.

Zuerst sprach der Prophet mit seinem Clan, den Bani Haschim. Es bekannten sich zwar nur wenige von ihnen zum Islam, aber Abu Talib sicherte ihm den Schutz der Bani Haschim zu und sagte ihm, dass er mit der Verkündung seiner Botschaft fortfahren könne. Nur einer der Bani Haschim stellte sich gegen ihn: Muhammads eigener Onkel Abu Lahab.

Am folgenden Tag stieg der Prophet auf den Hügel Safa in der Nähe der Kaaba und rief: „O Bani Machzum, o Bani Zuhra, o Bani …“ So rief er alle Stämme der Quraisch.

Als sie hörten, dass es Muhammad war, der rief, eilten sie zu ihm. Nachdem die Stämme der Quraisch sich nun alle versammelt hatten, fragte der Prophet: „Wenn ich euch berichten würde, dass sich hinter diesem Berg Reiter befinden, die euch angreifen wollen, würdet ihr mir glauben?“ Sie antworteten: „Ja sicher, wir haben von Dir noch nie eine Lüge gehört und kennen dich als jemanden, der immer die Wahrheit spricht.“ Da sagte der Prophet: „Ich bin für euch ein Warner vor einer schlimmen Strafe. Ich bin wie jemand, der einen Feind erspäht hat und nun seine Stammesangehörigen warnt.“ Er erzählte ihnen von seiner Botschaft und dem Auftrag, den Allah ihm gegeben hatte. Er schloss mit den Worten: „O Quraisch, glaubt an Allah, rettet euch vor dem Feuer der Hölle, denn ich kann euch nach dem Tode weder nützen noch schaden!“[84] Damit wollte er ihnen erklären, dass vor Allah jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist. Vor Allah gibt es keinen Schutz durch Stämme oder durch Reichtum. Alle Menschen sind gleich.

Die Leute der Quraisch hatten zugehört, äußerten sich aber nicht dazu. Sie waren gerade dabei zu gehen, als Abu Lahab rief: „Wehe dir, hast du uns dafür versammelt?“[85]

Dies sollte der Beginn einer tiefen Feindschaft Abu Lahabs gegenüber seinem Neffen und den Muslimen sein.

Auch bei vielen der Anführer der Quraisch wuchs eine Gegnerschaft zum Islam. Sie versuchten einerseits, den Islam und den Propheten zu verleumden und andererseits, die Vorteile des alten Glaubens hervorzuheben, was ihnen jedoch beides misslang. Nachdem es den Quraisch mit Argumenten und Worten nicht gelungen war, dem Islam etwas entgegenzusetzen, wandten sie Gewalt an. Ihre Aggressionen trafen als Erstes die Schwachen und Schutzlosen. So begannen die Mächtigen der Quraisch, ihre Sklaven und Diener, die den Islam angenommen hatten, zu foltern, um sie dazu zu zwingen, zum Götzendienst zurückzukehren.

Der Gesandte Allahs prangerte die Misshandlung und Ausbeutung der Schwachen und Schutzlosen mit scharfen Worten an. Er verlangte ein Ende der betrügerischen Verträge und des Zinswuchers, der die Armen zu Sklaven machte. Er sprach eindringlich von den Rechten der Unterdrückten und Schwachen.

Er warnte jeden, der gegen andere Gewalt anwandte, und sagte, dass jeder dereinst für seine Taten von Allah zur Rechenschaft gezogen werden würde. Er erklärte aber auch, dass er persönlich weder für seinen Onkel Hamza, noch für seine Tante Safiya oder für seine Tochter Fatima – sein eigen Fleisch und Blut – etwas tun könne, sollten sich diese etwas zuschulden kommen lassen.[86] Jeder sei also für sich selbst verantwortlich. Er sprach von den Wundern der Natur, die von der Einheit und Allmacht ihres Schöpfers zeugen. Er berichtete auch von der Gnade, Güte und Weisheit Allahs. Er rezitierte die bewegenden Verse des Korans, die seine Anhänger schnell aufnahmen und eilends weitergaben.

Die Freundlichkeit der Muslime war bald in aller Munde: Ob arm oder reich, Diener oder Herr, sie alle begrüßten sich mit dem Friedensgruß „As-Salamu alaikum – Der Friede sei mit euch“. Es waren die Worte, die Gabriel den Propheten gelehrt hatte. Je mehr Offenbarungen gesandt wurden, umso klarer wurde den Menschen, was für ein ungerechtes und würdeloses Leben sie bislang geführt hatten. Wer ernsthaft nachdachte, begriff, dass die Worte und Werte des Korans nicht von Muhammad stammen konnten, sondern aus einer den Men-schen überlegenen Quelle.

Das einzige Argument der Götzendiener war, dass ja auch ihre Väter schon so gelebt hätten, wie sie es jetzt taten. Ganz gleich, was der Islam den Menschen brachte und wie ehrlich der Prophet Muhammad war – sie wollten ihre Lebensweise nicht ändern! Sein Onkel Abu Lahab erklärte ihn für verrückt. Andere nannten ihn einen Dichter, der die Herzen der Menschen schon bei der ersten Begegnung veränderte – obwohl er vor der Sendung gar kein Talent zur Dichtkunst gezeigt hatte und des Lesens und Schreibens unkundig war. Die Quraisch fragten sich, wer ihm von heute auf morgen Poesie und Weisheit beigebracht haben könnte.

Schließlich gingen sie zu Abu Talib, der selbst kein Muslim geworden war. Aufgebracht forderten sie von ihm, dass der Prophet aufhören solle, die Religion ihrer Väter des Irrtums zu bezichtigen, was ja auch ihn selbst, Abu Talib, betreffe. Sie boten sogar an, Muhammad zu ihrem König zu machen, ihm so viele Frauen zu geben, wie er nur wollte, oder so viel Geld, dass er der Reichste unter ihnen würde. Er solle nur endlich mit der Verkündung der Offenbarungen und dem Fordern von Rechten für die Frauen, die Kinder, die Armen und die Schwachen aufhören! Das würde ihre Geschäfte ruinieren.

Abu Talib ließ den Propheten zu sich rufen. Er berichtete ihm, was die Vertreter des Stammes ihm angeboten hatten. Dann bat er seinen Neffen: „Belaste mich nicht mit etwas, was ich nicht verkraften kann!“

Da befürchtete der Prophet, die Unterstützung seines Onkels zu ver-lieren.

Doch sein Volk tat ihm leid und er wünschte sehr, dass es sich vom Licht des Islam rechtleiten ließe.

So machte er deutlich, dass er nie aufhören würde, Allahs Botschaft zu verkünden, selbst wenn er dafür sterben müsse. Dann stand er auf. Als er gehen wollte, rief Abu Talib ihn zurück und versprach: „Verbreite, was du möchtest, bei Allah, für nichts werde ich dich preisgeben!“[87]

Nach den ersten acht Muslimen erreichte die Zahl der Männer und Frauen, die den Islam annahmen, schnell einhundertdreißig. Unter ihnen waren einige Verwandte des Propheten, seine beiden Cousins Dschaafar und Az-Zubair, sowie dessen Mutter Safiya. Umm Al Fadl, die Frau des noch unsicheren Abbas, brachte ihre Schwestern Salma, Asma’ und Maymuna zum Propheten. Dschaafar heiratete Asma’, während Hamza ihre Schwester Salma heiratete.[88] Sie alle waren Quraischiten.

Chadidscha war weiterhin eine große Stütze für den Propheten. Er liebte sie sehr und heiratete zu ihren Lebzeiten keine weitere Frau. Sie war bekannt als „At-Tahira“, die Reine – sogar schon vor dem Islam. Deshalb wurden ihre Töchter „Banatut-Tahira“, die Töchter der Reinen, genannt. Ihre Tugenden und Vorzüge waren in ganz Mekka bekannt.

Um sich vor ihren Stämmen zu verstecken, gingen die Gefährten des Propheten zum Verrichten der Gebete in die Schluchten außerhalb Mekkas.

Als Saad Bin Abi Waqqas einmal mit einigen Gefährten dort beim Gebet war, kam eine Gruppe Mekkaner bei ihnen vorbei. Sie störten ihr Gebet, beschimpften sie und wurden gewalttätig. Als sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, schlug Saad einen der Angreifer mit dem Kieferknochen eines Kamels und verletzte ihn am Kopf. Dies war das erste Mal, dass zur Verteidigung der Muslime Blut vergossen wurde.

Auch Abu Talib sah seinen Sohn Ali mit dem Propheten beten und fragte sie, was sie da täten. Die beiden erklärten ihm den Sinn und die Wichtigkeit des Gebetes. Er hörte es sich an und ermutigte sie, weiterzumachen.[89]

Die Quraisch merkten, dass Abu Talib Muhammad seine Unterstützung nicht entziehen würde. Deshalb dachten sie sich etwas Neues aus: Sie gingen mit ‘Umara, dem Sohn des Al-Walid, zu ihm.

„Abu Talib! Das ist ‘Umara. Er ist der stärkste Junge unter den Quraisch und der schönste! Nimm ihn! Sein Verstand und seine Kraft gehören dir. Als deinen Sohn sollst du ihn haben, wenn du uns dafür deinen Neffen Muhammad übergibst, der sich von unserer und deiner Religion abgewendet hat, der die Gemeinschaft deines Volkes spaltet und behauptet, wir hätten keinen Verstand.[90] (...) damit wir ihn töten. Dann steht es Mann für Mann!“

„Bei Allah, was für einen unfairen Handel schlagt ihr mir da vor! Ihr wollt mir euren Sohn geben, damit ich ihn versorge, und ich soll euch meinen Sohn geben, damit ihr ihn tötet? Bei Allah, das wird niemals geschehen!“

Mut‘im Bin Uday sagte: „Bei Allah, Abu Talib, was sie dir vorschlagen, ist fair. Sie bemühen sich nur, dich von dem zu befreien, was du ja selbst nicht magst. Aber du willst nichts von ihnen annehmen!“

„Bei Allah, es ist nicht fair. Vielmehr habt ihr euch gegen mich verbündet und wollt mein Volk gegen mich aufhetzen. So macht doch, was ihr wollt!“[91]

Die Lage wurde immer schlimmer. Die einzelnen Sippen hetzten nun gegen die Gefährten des Propheten, die sich zum Islam bekannten. Jede Sippe peinigte die Muslime, die unter ihnen lebten und versuchte, sie mit Gewalt wieder von ihrem Glauben abzubringen.

Als Abu Talib sah, was die Quraisch taten, rief er seine beiden Sippen, die Bani Haschim und die Bani Abdul-Muttalib, auf, ihm dabei zu helfen, den Propheten zu schützen. Denn als Oberhaupt des Stammes besaß er das Recht, dem Propheten Schutz zu gewähren, was er als Ehre empfand. Alle, mit Ausnahme Abu Lahabs, kamen seinem Wunsch nach und stellten sich auf seine Seite.

Obwohl die Repressalien der Quraisch immer mehr zunahmen, begann der Islam nun, sich in Mekka auch unter den Männern und Frauen der quraischitischen Stämme auszubreiten.

So kam es wieder zu einem Treffen der Quraisch mit dem Propheten. Sie sagten: „Muhammad, wenn du Besitz brauchst, geben wir dir von unserem Geld so viel, bis du der Reichste von uns bist! Wenn du möchtest, ernennen wir dich zu unserem König. Solltest du aber von einem Geist besessen sein, werden wir unser ganzes Geld für dich ausgeben, um dir ein Heilmittel zu besorgen.“

Der Prophet antwortete freundlich: „Es fehlt mir nichts von dem, wovon ihr sprecht! Ich brauche weder euren Besitz noch die Ehre und auch kein Königreich. Allah beauftragte mich als Propheten und hat mir ein Buch offenbart, und ich habe den Befehl, euch Freudenbote und Warner zu sein. Ich bringe euch die Botschaften meines Herrn und gebe euch guten Rat. Nehmt ihr es von mir an, wird das euer Vorteil im Diesseits und im Jenseits sein. Weist ihr mich jedoch zurück, so werde ich Allahs Urteil abwarten, bis Er zwischen mir und euch entscheidet.“

Sie verspotteten ihn und verlangten von ihm, er solle ihnen die Berge versetzen, Flüsse wie im Irak und in Syrien fließen lassen und ihre verstorbenen Vorfahren wie Qusai Bin Kilab wieder lebendig machen, damit sie diese fragen könnten, ob es stimme, was er sage.

Muhammad sagte ihnen nichts von sich aus, sondern war bemüht, ihnen klar zu machen, dass er einen bestimmten Auftrag habe, den er getreu weitergeben wolle.

Als er erkannte, dass die Quraisch nur auf Streit aus waren, stand er auf, um zu gehen.

Sein Cousin Abdullah Bin Abi Umayya stand auch auf und rief: „Ich werde nicht an dich glauben, bevor ich gesehen habe, wie du auf einer Leiter zum Himmel steigst und mit vier Engeln zu uns kommst, die deine Worte bestätigen! Bei Allah, und selbst wenn das geschieht, werde ich nicht an dich glauben!“[92]

Da ging Muhammad zu seiner Familie zurück – traurig und enttäuscht.

Als der Prophet sie verlassen hatte, fragte Abu Dschahl die Anwesenden: „Männer der Quraisch, ist es wahr, dass Muhammad sein Gesicht mit Staub bedeckt[93], während er sich unter euch allen befindet?“ Die Leute bejahten. Da schwor Abu Dschahl: „Bei Al-Lat und Al-Uzza, wenn ich sehe, dass er das tut, werde ich ihm mit meinem Fuß auf den Nacken stampfen und sein Gesicht in den Staub drücken.“

Am nächsten Morgen wartete er auf Muhammad in der Nähe der Kaaba, wo die Quraisch schon zusammensaßen, gespannt was nun geschehen würde. Der Prophet kam und begann, wie gewöhnlich zu beten. Als er sich niederwarf, sah Abu Dschahl seine Chance gekommen und ging auf ihn zu. Doch kaum war er losgegangen, als er erschreckt zurückwich, wobei er mit beiden Händen etwas abzuwehren schien.

„Was ist mit dir, Abul Hakam?“, riefen die Quraisch ihm verwundert zu.

„Zwischen mir und ihm ist ein Feuergraben“, war seine entsetzte Antwort, „gewaltig, furchtbar … und riesige Flügel!“

Der Prophet erklärte später: „Wäre er noch einen Schritt näher gekommen, hätten ihn die Engel gepackt und in Stücke gerissen.“[94]

Nadr Bin Al-Harith[95] sprach: „Ihr Männer der Quraisch! Bei Allah, ihr habt keine Lösung für euer Problem! Muhammad lebte unter euch als ein junger Mann, mit dem ihr vollkommen zufrieden wart, er war der Ehrlichste und Zuverlässigste unter euch. Erst nachdem er langsam älter wurde und mit seiner Botschaft kam, habt ihr ihn einen Zauberer genannt; ein Zauberer aber kann er nicht sein, denn wir haben die Zauberer gesehen und wie sie auf ihre Knoten spucken. Dann nanntet ihr ihn einen Hellseher, was er auch nicht sein kann, und dann einen Dichter. Doch auch das ist er nicht, denn wir kennen alle Dichtkünste. Schließlich habt ihr ihn als verrückt bezeichnet, was ebenso wenig stimmen kann, denn man sieht an ihm keinerlei Zeichen für Verrücktheit und keine geistige Verwirrung. Männer der Quraisch, nehmt diese Sache ernst! Bei Allah, es ist eine große Sache!“

Nadr war einer von den Quraisch, die den Propheten immer wieder kränkten, verspotteten und anfeindeten. Ihn beauftragten die Quraisch nun, in Begleitung eines weiteren Mannes zu den jüdischen Rabbis nach Medina zu gehen, um ihnen den Propheten zu beschreiben. Sie sprachen zu ihnen: „Ihr seid die Leute der Thora, und wir brauchen euren Rat, was wir mit Muhammad tun sollen!“

Die Rabbis antworteten: „Fragt ihn nach drei Sachen! Wenn er darüber berichten kann, dann ist er ein Gesandter, ein Prophet Allahs. Stellt die erste Frage über die jungen Männer, die in alter Zeit fortgingen; fragt nach einem Wunder, das mit ihnen passierte. Dann fragt ihn nach einem Reisenden, der das Ende der Welt, den Osten und den Westen, erreichte. Und schließlich fragt ihn nach der Seele. Wenn er euch eine Antwort geben kann, so ist er wirklich ein Prophet Allahs. Dann gehorcht ihm!“

Die Männer beeilten sich, nach Mekka zurückzukehren und berichteten den Quraisch, dass sie mit einer wichtigen Sache gekommen seien, die zwischen ihnen und Muhammad entscheiden würde. Dann gingen sie zu ihm und stellten ihm die drei Fragen.

Der Prophet sagte ihnen: „Morgen werde ich sie euch beantworten“, vergaß jedoch, „in scha’Allah – so Allah will“, hinzuzufügen.

Fünfzehn Nächte vergingen, doch Allah offenbarte ihm keine Antwort, und Gabriel kam auch nicht. Die Mekkaner stellten fest: „Muhammad versprach uns, am nächsten Tag zu antworten, und inzwischen sind fünfzehn Nächte vergangen. Nicht einmal eine einzige Frage kann er beantworten!“

Das Ausbleiben der Offenbarungen und das Gerede der Mekkaner machten Muhammad sehr traurig.

Als er schon fast keine Hoffnung mehr hatte, brachte Gabriel die Antwort – die berühmte Sure Die Höhle[96], in der Allah den Propheten wegen seiner Vergesslichkeit tadelt: „Und sprich nie von einer Sache: ‚Ich werde dies morgen tun‘, es sei denn (du fügst hinzu): ‚So Allah will.‘“[97]

Erleichtert ging der Prophet zu den Mekkanern und berichtete ihnen, was Allah ihm durch Gabriel offenbart hatte. Als er den Männern ihre Fragen beantwortete, begriffen sie, dass diese kraftvollen Worte richtig waren und er wirklich ein Prophet Allahs sein musste. Die neue Offenbarung stärkte Muhammad und die Gläubigen, und für manchen unsicheren Mekkaner bedeutete sie eine eindrucksvolle Bestätigung, dass die Offenbarungen vom Himmel kamen und nicht von Muhammad. Er, der nicht lesen und schreiben konnte, war ja nicht in der Lage, sich selbst ein derartig schönes, aber auch verborgenes Wissen anzueignen – ganz gleich, wie lange er es versucht hätte.

Die erste Frage betraf die Geschichte von den jungen Schläfern von Ephesus, die dem reinen Glauben an Allah treu blieben und dafür von ihrem Volk, das Götzen verehrte, verfolgt wurden. Die jungen Gläubigen flüchteten in eine Höhle, in der Allah sie in einen tiefen Schlaf versetzte. Erst dreihundertneun Jahre später erweckte Er sie wieder. Die Genauigkeit und dazu noch die Schönheit, mit der der Koran diese Geschichte wiedergibt, verwunderte die Juden.[98]

Die zweite Frage betraf einen großen Reisenden, nämlich Dhul-Qarnain.[99] Auch hier fiel die Antwort des Korans durchaus klar und ausführlich aus.[100]

Über die dritte Frage – nach dem Wesen der menschlichen Seele – wurde offenbart, dass die Seele den menschlichen Verstand über-fordere.[101]

Nach der Beantwortung der drei Fragen wurden weitere Offenbarun-gen über die Worte Allahs herabgesandt.[102] Diese waren Anlass für viele noch unsichere Mekkaner und auch für einige Juden, zum Islam zu konvertieren. Je größer die Zahl der Muslime wurde, desto größer wurden auch der Neid und die Verfolgung, die ihnen entgegenschlu-gen.[103]

Auch in Medina gab es immer wieder Streit zwischen den Juden und den Götzendienern, die nicht an die Einzigartigkeit des Einen Gottes und die Auferstehung der Toten glauben wollten. Die Rabbis erwähnten oft, dass in Mekka bald ein Prophet erscheinen würde. Manchmal drohten sie auch, wenn dieser Prophet käme, würden sie, die Juden, die Götzendiener ausrotten. Dazu kam noch das Bekenntnis eines jüdischen Gelehrten namens Ibn Alhayaban, der einst zu den jüdischen Stämmen gesagt hatte: „Was wohl könnte der Grund dafür sein, dass jemand das Land von Wein und Brot verlässt und in das Land der Anstrengung und des Hungers zieht? Ich bin in dieses Land gekommen, weil ich auf einen Propheten warte, der bald erscheinen und in diese Stadt auswandern wird. Ich hatte die Hoffnung, ihn zu erleben und ihm zu folgen. Doch ihr werdet ihn erleben, also folgt ihm!“[104]

Es gab genügend Menschen, die all dies hörten.

 Verleumdung, Unterdrückung und Hoffnung

I

mmer mehr Besucher und Pilger, die aus ganz Arabien nach Mekka kamen, um hier die Götzen zu verherrlichen, hörten von dem neuen Propheten. Die Mekkaner sahen, wie schnell dieser die Menschen von den einfachen und praktischen Lehren seiner Religion überzeugen konnte.

Um das zu verhindern, versuchten die Quraisch, den Propheten der Zauberei zu bezichtigen. An allen Straßen wurden Männer postiert, die die Besucher schon außerhalb der Stadt davor warnen sollten, mit Muhammad zu sprechen. So wollten die Quraisch verhindern, dass die Besucher Mekkas die Lehre des Islam zu hören bekamen.

Als Tufayl vom Stamm Bani Daws[105] Mekka besuchen wollte, hielt man auch ihn auf und warnte ihn, er solle Muhammad nur nicht zuhören, denn dieser sei gefährlich und würde jeden, der mit ihm spreche, für immer verzaubern und von seinem Stamm trennen. Tufayl war klug, ein Dichter und ein wichtiger Mann in seinem Stamm. Man redete so lange auf ihn ein, bis er Angst bekam, verzaubert zu werden. Als er die Moschee[106] betrat, stopfte er sich deshalb Watte in die Ohren.

In der Moschee sah Tufayl den Propheten, der aus dem Koran rezitierte. Er sagte später: „Allah wollte, dass ich etwas von den wunderbaren Worten höre und ich sagte zu mir: ‚Ich bin doch ein kluger Mann und ein Dichter, der selbst unterscheiden kann, ob etwas gut ist oder nicht. Wenn es gut ist, werde ich es befolgen, und wenn es nicht gut ist, dann ignoriere ich es einfach.‘ Ich ging also dem Propheten nach, bis er zu seinem Haus kam und rief ihn: ‚Muhammad, die Leute haben mir so viel Angst vor dir gemacht, dass ich meine Ohren mit Watte zustopfte, damit ich dich nicht hören konnte. Aber Allah wollte, dass ich dich doch höre! Sprich zu mir von deiner Wahrheit!‘“

Der Prophet rezitierte Koranverse und begann vom Islam zu berichten. Bis dahin hatte Tufayl von den Gegnern Muhammads nur Unwahrhei-ten gehört. Was er jetzt aber aus dem Mund des Propheten vernahm, überzeugte und begeisterte ihn so, dass er sich ihm anschloss.

Hierauf reiste er nach Hause, berichtete seiner Frau und seinem Vater von seiner Begegnung mit dem Propheten und überzeugte auch sie, sich dem Islam anzuschließen. Als er jedoch andere Mitglieder seines Stammes gewinnen wollte, lehnten diese ab. Daraufhin wurde er so traurig und wütend, dass er zum Propheten zurückkehrte und ihn aufforderte, sein Volk zu verfluchen. Dies tat der Prophet jedoch nicht. Im Gegenteil – er sprach für sie ein Bittgebet, schickte Tufayl wieder nach Hause und bat ihn, sein Volk freundlich zu behandeln. Darauf wurden nach und nach viele Familien seines Stammes Muslime.[107]

Auch ein Mann vom Stamm der Bani Ghifar[108] hielt sich zur Pilgerzeit in Mekka auf. Nach seiner Rückkehr erzählte er seinem Bruder Abu Dharr, dass dort ein Prophet erschienen sei, und dass dieser von seinem Volk verfolgt werde, nur weil er sage, dass es „keinen Anbetungswürdigen außer Allah“ gebe und er den Götzendienst zurückweise.[109]

Abu Dharr, der fest an Allah glaubte und sich ebenfalls weigerte, Götzen zu verehren, machte sich sofort auf den Weg nach Mekka. Schon bevor er in die Stadt kam, erzählten ihm die an den Straßen wartenden Quraisch, was für ein gefährlicher Mann Muhammad sei. Dennoch gelang es Abu Dharr, unbehelligt zum Haus des Propheten zu kommen. Er begrüßte ihn ehrfürchtig und bat: „Erzähle mir von deinem Werk“.

„Ich bin kein Dichter und es sind nicht meine Worte, die ich vortrage, es ist der Koran, von Allah.“

Der Prophet trug aus dem Koran vor.

Schon bald war Abu Dharr davon überzeugt, dass er wirklich einen Propheten vor sich hatte. Daraufhin sprach er das Glaubensbekenntnis, durch das man Muslim wird. Als Abu Dharr berichtete, aus welchem Stamm er war, sagte der Prophet überrascht: „Allah leitet recht, wen er will.“[110] In Mekka war bekannt, dass viele Männer vom Stamm der Bani Ghifar Straßenräuber waren.

Als Abu Dharr zu seinem Stamm zurückkehrte, konnte er viele von seinen Leuten überzeugen, zum Islam zu konvertieren und damit das Straßenräuberleben aufzugeben, das mit dem Islam nicht vereinbar ist.

Da der Prophet Muhammad unter dem Schutz Abu Talibs, des Oberhauptes der Bani Haschim, stand, konnten die Quraisch ihren Plan, ihn zu ermorden, nicht so einfach ausführen. Deshalb begnügten sie sich vorerst damit, die Schwachen unter den Muslimen zu verfolgen, vor allem die Sklaven, die in ihrer Gewalt waren.

Um sie vom Islam abzubringen, sperrten sie sie ein, folterten sie mit Schlägen, ließen sie hungern und dursten und setzten sie der Sonnenhitze aus, wenn diese mittags am stärksten war. Einige wurden so schwer misshandelt, dass sie ihren Folterern sagten, was diese hören wollten, während sie aber innerlich Muslime blieben; andere jedoch ertrugen die Qualen und blieben standhaft. Suhaib „der Römer“ wurde unter der Folter so oft bewusstlos, dass er am Ende nicht mehr wusste, was er sprach. Chabbab, ein Schmied, wurde mit einer glühenden Eisenstange gefoltert, damit er Muhammad abschwor. Er ertrug jedoch die Qualen, und sein Glaube wurde umso stärker. Ein Mann namens Abu Fukayha wurde in Ketten gelegt, man riss ihm die Kleider vom Leib und legte einen gewaltigen Stein auf seinen Rücken, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Einmal band man sogar einen Strick um ihn und zog ihn bis zur Ramda[111], wo man ihn für tot erklärte. Abu Bakr kam weinend hinzu und rettete ihn, indem er ihn von seinen Peinigern loskaufte; dann ließ er ihn frei.[112]

Zunayra, eine römische Sklavin, hatte durch furchtbare Folter ihr Augenlicht verloren. Man sagte ihr, die Götzen Al-Lat und Al-Uzza hätten sie blind gemacht. Sie erwiderte: „Bei Allah, das stimmt nicht, und Allah wird es wieder in Ordnung bringen!“ Am nächsten Tag konnte sie wieder sehen. Nun behaupteten die Quraisch, dies sei etwas vom Zauberwerk Muhammads.[113]

Umayya folterte Bilal, wenn die Mittagshitze nicht zu ertragen war. Im Tal von Mekka warf er ihn auf den Rücken, befahl seinen Männern, ihm einen großen Stein auf die Brust zu wälzen und erklärte: „Du wirst so lange hier liegen bleiben, bis du stirbst oder Muhammad verleugnest und zu den Göttinnen Al-Lat und Al-Uzza betest!“

„Ahadun Ahad – Einer! Einer!“, rief Bilal und bekannte sich trotz seiner Bedrängnis zu Allah, dem Einen und Einzigen.

Waraqa Bin Naufal ging vorüber und hörte, wie der gequälte Bilal seine beschwörenden Worte rief. Er bekräftigte ihn in seinem mutigen Glauben: „Bei Allah, so ist es Bilal, Er ist Einer, Einer!“

Dann rief er Umayya und die anderen vom Stamm Dschuma[114], die Bilal folterten: „Ich schwöre bei Allah, wenn ihr ihn dafür tötet, dass er standhaft bleibt, werde ich sein Grab zu einer Pilgerstätte machen!“

Abu Bakr wohnte in dem Viertel und kam eines Tages vorbei, als die Bani Dschuma wieder einmal Bilal folterten. Er fragte Umayya: „Hast du keine Furcht vor Allah, wegen dem, was du diesem Armen antust? Wie lange noch?“

„Du hast ihn verdorben, also rette ihn doch“, zischte Umayya wütend.

Daraufhin bot Abu Bakr an, Bilal zu kaufen, und Umayya willigte ein.

Abu Bakr nahm Bilal mit und schenkte ihm die Freiheit, so wie er es schon mit vielen anderen Sklaven getan hatte.

Unter denen, die Abu Bakr befreit hatte, waren auch ‘Amir Bin Fuhayra und An-Nahdiya mit ihrer Tochter, die unter schlimmer Folter zu leiden gehabt hatten, sowie Zunayra, die römische Sklavin, die ihr Augenlicht vorübergehend verloren hatte.

Weil Abu Bakr so viele Sklaven befreite, wurde er von seinem Vater Abu Quhafa getadelt. Er fragte ihn, warum er nur die Schwächsten freikaufe, die ihm keinen Nutzen brächten. Abu Bakr antwortete, dass er es für Allah tue und nicht zu seinem eigenen Vorteil. Das Lob für diese Taten Abu Bakrs findet sich in einem Koranvers, welcher die Menschen motiviert, solange diese Erde existiert, Gutes zu tun, ohne deswegen im Diesseits einen Nutzen zu erwarten.[115]

Es war vor allem Abu Dschahl, der die Quraisch gegen die schwachen Muslime aufhetzte. Wenn er hörte, dass jemand von einer adligen Sippe den Islam angenommen hatte, dem seine Angehörigen Schutz gewährten, dann machte er ihn lächerlich und sagte zu ihm: „Du verlässt die Religion deines Vaters, dabei ist er besser als du. Wir werden dich für wahnsinnig erklären und deinen Ruf ruinieren!“ Wenn es sich um einen Händler handelte, sagte er zu ihm: „Wir boykottieren deine Geschäfte und vernichten dein Vermögen!“ Und wenn es ein Schwacher war, folterte er ihn, hetzte die anderen gegen ihn auf, und gemeinsam verspotteten sie ihn und seinen Glauben.

Durch Offenbarungen sprach Allah zu Muhammad: „Schon vor dir wurden Gesandte verspottet, doch das, worüber sie spotteten, erfasste die Spötter unter ihnen.”[116] „Und sprich: ‚Gekommen ist die Wahrheit und dahin geschwunden ist die Falschheit; wahrlich, das Falsche verschwindet bestimmt.‘“[117] „Und verkünde den Gläubigen die frohe Botschaft, dass ihnen von Allah große Huld zuteil werde.“[118]

Yassir war als junger Mann mit seiner Frau Sumayya nach Mekka gezogen. Da er ein Fremder war, begab er sich unter den Schutz der Bani Machzum. Sie lebten fortan in Mekka und bekamen einen Sohn, den sie Ammar nannten. Als dieser herangewachsen war, gehörte er zu den Ersten, die den Islam annahmen. Er überzeugte auch seine Eltern, Muslime zu werden. Nun traf die drei der Zorn der Bani Machzum; da sie unter deren Schutz standen, waren sie ihnen ausgeliefert. Alle drei wurden auf einem Platz der Mittagshitze ausgesetzt und gefoltert. Doch sie ertrugen die Demütigungen und Qualen voller Geduld. Der Prophet Muhammad sagte zu ihnen: „Habt Geduld, Familie von Yassir, euer Treffpunkt wird das Paradies sein.“[119]

Eines Tages kam Abu Dschahl an Sumayya vorbei, während sie gefoltert wurde. Er beschimpfte sie auf die übelste Weise. Als sie ihm keine Beachtung schenkte, stach er seinen Speer in ihren Schoß. Die schwache, magere, alte Frau war die Erste, die für ihren Glauben starb. Ihr Mann Yassir starb ebenfalls kurze Zeit später unter der Folter. Ihr Sohn Ammar wurde von Abu Dschahl weiter gefoltert, um ihn zu zwingen, den Propheten zu beschimpfen und die Götzen zu preisen. Nachdem er seine Eltern hatte sterben sehen und die Folter nicht nachließ, sagte er, was Abu Dschahl hören wollte.

Nach seiner Freilassung ging er weinend zum Propheten und berichtete, was er getan hatte. Muhammad beruhigte ihn, und kurz darauf wurde ein Koranvers offenbart, in dem den Muslimen mitgeteilt wurde, dass sie nicht für Dinge getadelt oder bestraft werden, zu denen sie gezwungen werden.[120]

Eines Tages, als der Prophet sich in der Nähe des Hügels Safa aufhielt, kam Abu Dschahl vorbei und begann, ihn schrecklich zu beschimpfen. Der Prophet wurde nie ausfallend oder stritt sich gar mit anderen – ganz gleich, wie schwer er beleidigt wurde. Er schwieg, sah Abu Dschahl nur an, und als dieser fertig war, wandte er sich von ihm ab und ging. Da warf er einen Stein auf den Propheten und verletzte ihn. Danach setzte er sich zu einer Gruppe von Männern der Quraisch, welche sich gewöhnlich in der Nähe der Kaaba trafen.

Kurz darauf kehrte Hamza, mit seinem Bogen in der Hand, von der Jagd zurück. Er pflegte, immer wenn er von der Jagd nach Mekka heimkehrte, die Kaaba zu umrunden und anschließend die Männer der Quraisch, welche sich dort trafen, zu begrüßen und mit ihnen zu sprechen.

Als er nun auf dem Weg zur Kaaba war, hielt eine Frau ihn auf und erzählte ihm, was Abu Dschahl dem Propheten angetan hatte. Bebend vor Zorn ging er zu dem Treffpunkt der Quraisch. Ohne zu grüßen oder sonst etwas zu sagen, lief Hamza auf Abu Dschahl zu. „Du beschimpfst meinen Neffen, obwohl ich seiner Religion angehöre“, rief er und schlug Abu Dschahl so fest mit seinem Bogen ins Gesicht, dass er ihm eine tiefe Wunde zufügte. „Schlag zurück, wenn du kannst!“ Die anwesenden Bani Machzum – Abu Dschahls Sippe – wollten Hamza angreifen, doch da sprach Abu Dschahl: „Lasst ihn, denn ich habe seinen Neffen wirklich schlimm beschimpft.“[121]

Mit Hamza war ein starker und gefürchteter Held der Quraisch Muslim geworden, was ihre Position natürlich verbesserte.

Dass die Muslime immer zahlreicher wurden, ärgerte die Quraisch. Deshalb schickten sie Utba Bin Rabi‘a, das mächtige Oberhaupt des Stammes Abdu Schams, zum Propheten, um mit ihm zu sprechen. Nachdem ihm dieser, wie es seine Art war, höflich zugehört hatte, bat er Utba darum, auch ihm zuzuhören, denn er wollte erklären, was er tat und warum. Utba hörte mit großen Augen zu. Dann kehrte er zu der Versammlung der Quraisch zurück.

Als sie ihn kommen sahen, waren sie über den veränderten Ausdruck seines Gesichts überrascht. Sie riefen: „Was ist mit dir geschehen, Utba?“

Er antwortete: „Noch nie habe ich solch wunderbare Worte gehört! Bei Allah, sie sind weder Dichtung noch Zauberei. Ihr Männer der Quraisch, hört, was ich euch sage: Lasst diesen Mann tun, was er tut. Lasst ihn! Denn bei Allah, was ich von ihm hörte, wird eine große Sache werden. Wenn die anderen Araber ihn niederschlagen, dann habt ihr ihn durch andere erledigen lassen, wenn er sie aber unterwirft, dann ist seine Herrschaft eure Herrschaft und seine Macht eure Macht und ihr werdet durch ihn die glücklichsten aller Menschen sein!“

Die Männer verspotteten Utba und riefen zornig: „Mit seiner Zunge, o Abu Walid, hat er dich verzaubert!“[122]

Obwohl immer wieder das eine oder andere Wunder die Botschaft des Propheten bestätigte, blieben die Offenbarungen der Verse des Korans selbst doch das deutlichste aller Zeichen. Wenn die Quraisch vom Propheten eigennützige Wunder verlangten, machte er ihnen klar, dass es ihm nicht möglich war, seinen Herrn um so etwas zu bitten. Ohnehin wurden alle Wunder, die er mit Allahs Hilfe bewirkte, als Zauberei bezeichnet, ganz gleich, welcher Art sie waren. Die Quraisch verhielten sich in diesem Punkt nicht anders als die Völker der anderen im Koran erwähnten Propheten, die ihre Gesandten als Zau-berer verleumdeten.

Sie wollten einfach nicht wahrhaben, dass Muhammad ein Prophet war, daher bedrängten sie ihn immer wieder, ihnen ein Wunder zu zeigen.

In einer Vollmondnacht gingen einige Götzendiener zum Propheten und forderten ihn auf, den Mond zu spalten. Da geschah dieses Wunder tatsächlich: Der Mond spaltete sich vor den Augen der Mekkaner in zwei Teile; jede Hälfte erhellte einen Teil des Berges. Der Prophet sprach: „Ihr seid meine Zeugen!“[123]

Dieses Wunder stärkte den Glauben der Muslime; auch nahmen weitere Männer und Frauen dadurch den Islam an. An jene aber, die dieses Zeichen gesehen hatten und das Prophetentum Muhammads dennoch leugneten, wandte sich die folgende Offenbarung: „Näher ist die Stunde (der Auferstehung) gekommen, und gespalten hat sich der Mond. Doch wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: ‚Fortdauernde Zauberei.‘“[124]

Die Offenbarungen ermahnten den Propheten und die Muslime weiter-hin zur Geduld. [125]

 Vor dem Negus

ﷻ‬

m den ständigen Verfolgungen und Demütigungen durch die Mekkaner zu entgehen, fasste der Prophet einen Plan. „Wenn ihr in das Land der Abessinier geht, findet ihr dort einen König, bei dem euch kein Unrecht zustoßen wird“, sprach er zu den Muslimen.

So wurden also Vorbereitungen für die Flucht getroffen.

Um nicht abgefangen zu werden, verließen die ersten Muslime Mekka heimlich im Schutze der Nacht. Jedoch bemerkten die Quraisch ihr Entkommen schon bald, und entsandten eine Truppe, um die Auswan-derer zurückzuholen.

Zu jener Zeit – man schrieb das Jahr 615 – wurde Abessinien[126] von einem christlichen Negus[127] regiert, der, wie der Prophet ihn beschrieb, ein gerechter König von aufrichtigem Glauben war. Unter den Auswanderern war auch Muhammads Tochter Ruqayya mit ihrem Mann Uthman.[128]

Die Auswanderer eilten zum Hafen Schuayba. Als ihre Verfolger von den Quraisch dort ankamen, waren sie jedoch schon mit zwei Handelsschiffen in See gestochen und somit gerettet.[129]

Vom Negus wurden die Muslime freundlich aufgenommen. Fortan konnten sie in Freiheit leben und ihre Religion ungestört ausüben. Einige Zeit später folgte ihnen eine größere Gruppe nach. Für diejenigen, die in Mekka zurückblieben, wurde das Leben nun immer schwieriger.

Abessinien war ein wichtiger Handelspartner Mekkas. Die Quraisch pflegten gute Kontakte zum Negus und seinem Hof. Daher waren sie sehr verärgert darüber, dass die Muslime in Abessinien Zuflucht gesucht hatten. Sie dachten: „Nun genügt es Muhammad nicht mehr, bei uns zu Hause für Unruhe zu sorgen, jetzt stört er auch noch unsere Außenbeziehungen!“ Also fassten sie einen Plan: Sie wollten den Abessiniern Geschenke machen, um sie dazu zu bewegen, die Muslime auszuliefern. Mit diesem Auftrag schickten die Mekkaner eine Delegation, zu der auch der angesehene ‘Amr Bin Al-As gehörte, nach Abessinien.

Umm Salama berichtet: „Als wir in das Land der Abessinier kamen, bereiteten uns die Leute den besten Empfang. Unter dem Negus erhielten wir die Sicherheit, unseren Glauben zu praktizieren, und wir dienten Allah, ohne Unrecht zu erleben oder etwas Verletzendes zu hören.

Als diese Nachricht die Quraisch erreichte, beschlossen sie, unseretwegen zwei Männer zum Negus zu entsenden. Aus Mekka sollten sie für ihn wertvolle Geschenke mitnehmen. Was man in Abessinien besonders hoch schätzte, war Leder. Sie packten nun für den Negus viel schönes Leder ein, ebenso für die Geistlichen an seinem Hof. Abdullah Bin Abi Rabi‘a und ‘Amr Bin Al-As wurden von den Quraisch nach Abessinien geschickt mit dem Befehl, zuerst die Geistlichen zu beschenken und sie darum zu bitten, ihnen die Auswanderer auszuliefern, bevor diese mit dem König sprechen würden. Danach erst sollten sie dem Negus seine Geschenke geben. Sie machten sich also auf den Weg.

In Abessinien angekommen, gaben sie zuerst den Geistlichen ihre Geschenke und sprachen: „Einige unserer jungen Besessenen sind in euer Land gekommen. Sie haben die Religion ihres Volkes verlassen und auch eure Religion nicht angenommen. Sie sind mit einer neuen Religion gekommen, die weder ihr noch wir kennen. Die Edlen ihres Volkes schicken uns zu eurem König, damit er sie abschiebt. Wenn wir nun mit dem König gesprochen haben, sagt ihm, er soll sie uns überlassen, ohne mit ihnen zu reden. Denn ihr Volk weiß ja am besten über sie Bescheid!“

Die Geistlichen waren einverstanden. Nun überreichten die Mekkaner auch dem Negus die Geschenke und begannen, das Thema der Auswanderer zur Sprache zu bringen. Sie wollten auf jeden Fall verhindern, dass er sich mit ihnen unterhielt. Auch die Geistlichen versuchten, ihn zu überreden. Das Ganze machte den Negus jedoch wütend, und er sagte zu seinen Gefolgsleuten: „Nein, bei Allah, ich werde sie nicht übergeben! Leute, die mich wählten und mein Land aussuchten, werde ich nie ausliefern, ohne sie vorher angehört zu haben. Wenn es stimmt, was man ihnen vorwirft, werde ich sie zu ihrem Volk zurückschicken. Wenn es aber nicht stimmt, werde ich sie vor den Quraisch beschützen, solange sie mich brauchen.“

Dann ließ er die Gefährten des Propheten rufen. Auch seine Bischöfe ließ er mit ihren heiligen Schriften kommen.

Die beiden Mekkaner hatten gehofft, dieses Treffen würde nicht stattfinden und die Muslime würden nicht zu Wort kommen.

Als die muslimischen Männer und Frauen zum Thronsaal geführt wurden, merkten die Abessinier, dass diese ihnen viel sympathischer waren als die Quraischiten. Schon bevor sie zu sprechen begannen, waren der König und die Anwesenden bewegt.[130]

Der Negus fragte die Muslime: „Welche Religion ist es, wegen der ihr euer Volk verlassen habt, während ihr weder meine noch eine andere uns bekannte Religion angenommen habt?“

Dschaafar, der Sohn Abu Talibs, sprach für die Muslime: „O König, wir waren ein Volk der Dschahiliya – der Unwissenheit; wir beteten Götzen an, aßen Kadaver, begingen Freveltaten, behandelten die Nachbarn schlecht, und die Starken unter uns nutzten die Schwachen aus. So lebten wir, bis Allah uns aus uns selber einen Propheten schick-te. Wir kennen seine Abstammung, seine Ehrlichkeit, Vertrauens-würdigkeit und Keuschheit. Er lehrte uns, die Einzigkeit Allahs anzuerkennen, Ihm alleine zu dienen und nicht Steinen und Götzen. Er lehrte uns, stets die Wahrheit zu sprechen, Treue zu wahren, Versprechen zu halten, die Rechte der Familie und Nachbarn zu achten und kein Blut zu vergießen. Er verbot uns, falsche Zeugenaussagen zu machen, den Besitz der Waisen zu veruntreuen oder unschuldige Frauen zu verleumden. Er befahl uns, nur Allah anzubeten und Ihm keine Götter beizugesellen, den Armen Almosen zu geben und zu fasten. Wir glauben ihm und der Offenbarung, mit der er von Allah gesandt wurde. Wir beten Allah alleine an, ohne Ihm Partner beizu-gesellen. Was Allah uns verboten hat, betrachten wir als verboten, und was Er uns erlaubt hat, betrachten wir als erlaubt. Aber unser Volk fing an, uns zu foltern, damit wir unseren Glauben aufgeben und anstelle Allahs Götzen anbeten und diese schrecklichen Sachen der Vergangenheit wieder als erlaubt anerkennen. Nachdem sie uns unterdrückten, und uns das Leben und das Praktizieren unseres Glaubens erschwerten, wählten wir dein Land. Wir sind überzeugt, o König, dass wir bei dir kein Unrecht erleiden werden!“

Der Negus fragte: „Ist etwas von dem, was von Allah offenbart wurde, bei dir?“

„Ja.“

„Dann trage es mir vor!“

Dschaafar rezitierte aus der Sure Maryam (Maria). In dieser Sure wird die Geschichte von der Geburt Jesu erzählt:

„Und gedenke im Buch Maryams, als sie sich von ihren Ange-hörigen an einen östlichen[131] Ort zurückzog. Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr. Er stellte sich ihr als wohlgestaltetes[132] menschliches Wesen dar. Sie sagte: ‚Ich suche beim Allerbarmer Schutz vor dir, wenn du gottesfürchtig bist.‘

Er sagte: ‚Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.‘ Sie sagte: ‚Wie soll mir ein Junge gegeben werden, wo mich doch kein menschliches Wesen berührt hat und ich keine Hure bin.‘ Er sagte: ‚So wird es sein. Dein Herr sagt: „Das ist Mir ein leichtes, und damit Wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Angelegenheit.“‘ So empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen fernen Ort zurück. Die Wehen ließen sie zum Palmenstamm gehen. Sie sagte: ‚O wäre ich doch zuvor gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!‘ Da rief er ihr von unten her zu: ‚Sei nicht traurig; dein Herr hat ja unter dir ein Bächlein geschaffen. Und schüttle zu dir den Palmenstamm, so lässt er frische, reife Datteln auf dich herabfallen. So iss und trink und sei frohen Mutes. Und wenn du nun jemanden von den Menschen sehen solltest, dann sag:

„Ich habe dem Allerbarmer zu fasten gelobt, so werde ich heute mit keinem Menschenwesen sprechen.“‘ Dann kam sie mit ihm zu ihrem Volk, ihn (mit sich) tragend. Sie sagten: ‚O Maryam, du hast da ja etwas Unerhörtes begangen. O Schwester Haruns, dein Vater war doch kein sündiger Mann, noch war deine Mutter eine Hure.‘ Da zeigte sie auf ihn. Sie sagten: ‚Wie können wir mit jemandem sprechen, der noch ein Kind in der Wiege ist?‘ Er sagte: ‚Ich bin wahrlich Allahs Diener; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und gesegnet hat Er mich gemacht, wo immer ich bin, und angeordnet hat Er mir, das Gebet (zu verrichten) und die Abgabe (zu entrichten), solange ich lebe und gütig gegen meine Mutter zu sein. Und Er hat mich weder gewalttätig noch unselig gemacht. Und der Friede sei auf mir am Tag, da ich geboren wurde, und am Tag, da ich sterbe, und am Tag da ich wieder zum Leben auferweckt werde.‘ Das ist ’Isa, der Sohn Maryams: (Es ist) das Wort der Wahrheit[133], woran sie zweifeln. Es steht Allah nicht an, Sich ein Kind zu nehmen. Preis sei Ihm! Wenn Er eine Angelegenheit bestimmt, so sagt Er dazu nur: ‚Sei!‘, und so ist es. (’Isa sagte:) ‚Und gewiss, Allah ist mein Herr und euer Herr; so dient Ihm. Das ist ein gerader Weg.‘“[134]

Als der Negus diese Worte hörte, weinte er, bis sein Bart nass wurde. Auch seine Bischöfe weinten, als sie die Rezitation aus dem Koran hörten, bis die Tränen ihre Bücher befeuchteten, die sie in den Händen hielten.

Als der König sich wieder gefasst hatte, wandte er sich an die Mekkaner. „Diese und die Offenbarung Jesu sind Strahlen desselben Lichtes. Bei Allah, ich gebe sie euch nicht und werde sie nicht verraten!“ [135]

So wies der König die Delegation Mekkas zurück.

‘Amr sagte zu Abdullah, er werde am nächsten Tag noch einmal zum König gehen und ihn mit einer anderen Geschichte überraschen. „Tu das nicht! Sie sind immer noch unsere Verwandten!“ sagte Abdullah.

„Bei Allah, ich werde dem König erzählen, dass sie sagen, Jesus, der Sohn Marias, sei nur ein Diener Allahs.“

Am nächsten Tag erschien ‘Amr zum zweiten Mal beim König und sagte: „O König, sie sagen etwas Schlimmes über Jesus. Lass sie kommen und frage sie nach dem, was sie sagen!“

Der Negus ließ sie erneut kommen und fragte, was sie von Jesus hielten. Sie überlegten, was sie sagen sollten. „Bei Allah, wir sagen, was Allah sagt und was dem Propheten offenbart wurde; ganz gleich, was passiert, werden wir nur die Wahrheit sagen.“

Wieder ergriff Dschaafar das Wort: „Über Jesus sagen wir, was unserem Propheten offenbart wurde: Er ist ein Diener und Prophet Allahs, Sein Geist und Sein Wort, das Er der Jungfrau Maria eingab.“

Der Negus bestätigte, was Dschaafar über Jesus sagte.

„In meinem Land seid ihr in Sicherheit.“ Dreimal sagte er: „Wer euch beschimpft, wird bestraft!“, und fuhr fort: „Selbst für einen Berg Gold würde ich euch nicht hintergehen. Wir brauchen ihre Geschenke nicht, gebt sie zurück! Bei Allah, auch Allah nahm keine Bestechung, als Er mir mein Königreich zurückgab; weshalb sollte ich es tun? Er gehorchte nicht den Leuten gegen mich, wie kann ich ihnen gegen Ihn gehorchen?“

Gedemütigt machten sich die Quraisch mit ihren Geschenken auf den Heimweg.[136]

Sie kamen mit der Nachricht zurück, dass sie mit ihrem Vorhaben gescheitert waren und ihre Beziehungen zu Abessinien nun gestört seien.

 Verbannung

E

iner der Gegner des Islams, unter dem die Muslime viel zu leiden hatten, war Umar Bin Al-Chattab. Er war ein Neffe Abu Dschahls und ein gefürchteter Mann in Mekka, bekannt für seinen Mut, aber auch für sein heftiges Temperament. Außerdem war er ein gebildeter Mann, der des Lesens und Schreibens kundig war.

Umar empfand das Verhalten der Muslime als Verrat an den Vorvätern. So kam es, dass er sich entschied, die Quelle des Problems zu beseitigen. Er fasste den Entschluss, Muhammad zu töten. Unterwegs, mit dem Schwert in der Hand, begegnete er Nu‘aym, der ihn fragte, wohin er denn gehe.

Als Umar ihm von seiner Absicht erzählte, wandte Nu‘aym ein: „Wie willst du dich vor der Rache der Bani Haschim schützen, wenn du Muhammad tötest? Du solltest dich besser um deine eigene Familie kümmern, denn deine Schwester Fatima und ihr Mann sind längst Muslime geworden und folgen Muhammad.“

Sofort machte sich Umar auf den Weg zum Haus seiner Schwester und seines Schwagers.

Als er schon ganz nahe war, hörte er, wie jemand etwas vorlas. Wütend pochte er an die Tür und verlangte Einlass. Bei seiner Schwester war gerade Chabbab, einer der Gefährten des Propheten, der sie und ihren Mann Koranverse lehrte, die auf Pergament geschrieben waren. Als sie hörten, wer an der Tür war, erschraken sie. Schnell versteckten sie Chabbab und das Pergament mit den Koranversen; dann ließen sie ihn herein. Umar herrschte sie an: „Was war das, was ich da eben gehört habe?“

„Du hast nichts gehört!“, erwiderten die beiden. „Doch“, beharrte Umar, „und ich habe auch erfahren, dass ihr Muhammads Religion folgt!“ Nun griff er Said an. Fatima wollte ihrem Mann zu Hilfe eilen, aber Umar schlug ihr so heftig ins Gesicht, dass sie blutete. Da bekannte sie mutig: „Ja, wir glauben an Allah und an Seinen Gesandten, so mach doch mit uns, was du willst.“ Als Umar seine Schwester blutend vor sich stehen sah, tat ihm sein Verhalten leid und er schämte sich für das, was er ihr angetan hatte.

„Würdest du mich einen Blick in den Koran werfen lassen?“, fragte er. Nach langem Zögern gab ihm Fatima das Pergament mit den Koranversen, welches sie verborgen hatte. Es enthielt die ersten acht Verse der Sure 57. Als Umar zu Ende gelesen hatte, rief er: „Wie schön und edel sind diese Worte!“

Chabbab, der dies gehört hatte, kam aus seinem Versteck hervor und sagte: „Umar, ich hoffe, Allah hat dich durch das Gebet Seines Propheten auserwählt, denn ich hörte ihn gestern beten: „O Allah, stärke den Islam mit ‘Amr Bin Hischam, Abu Dschahl, oder mit Umar Bin Al-Chattab!“

Umar nahm sein Schwert und fragte, wo er den Propheten finden könne. Dieser saß gerade mit einigen Gefährten und Gefährtinnen in einem Haus am Hügel Safa zusammen.

Umar klopfte an die Tür. Einer der Gefährten sah durch einen Spalt, dass es Umar war, mit gezogenem Schwert, und sagte es angsterfüllt den anderen.

Hamza rief: „Macht ihm die Tür auf! Wenn er Gutes will, werden wir ihm mit Gutem begegnen; wenn er aber Böses will, dann töten wir ihn mit seinem eigenen Schwert!“

Als die Türe aufging, ergriff ihn der Prophet sogleich an seinem Gürtel und seinem Gewand, zog ihn kräftig zu sich und fragte: „Was führt dich hierher, o Sohn des Chattab?“

„O Gesandter Allahs, ich komme, um an Allah und an Seinen Gesandten zu glauben und an das, was er von seinem Herrn gebracht hat“, erklärte Umar.

Die Freude des Propheten und seiner Anhänger war groß. „Allahu akbar! – Allah ist der Größte!“, schallte es durch ganz Mekka.[137]

Bislang hatten die Muslime ihren Glauben vor den Mekkanern verheimlichen müssen und konnten ihre Gebete nicht in der Öffentlichkeit verrichten.

Umar jedoch wollte jedem seinen Islam bekanntgeben. Er erzählte: „Als ich Muslim wurde, überlegte ich mir, wer in Mekka dem Gesandten Allahs am meisten wehgetan hatte, um zu ihm zu gehen und ihm zu sagen, dass ich Muslim geworden war. Ich sagte mir: ‚Abu Dschahl!‘ Also ging ich am nächsten Morgen, gleich nachdem ich aufgewacht war, zu Abu Dschahl und klopfte an seine Tür. Er kam heraus und sagte: ‚Willkommen, Sohn meiner Schwester! Was hat dich zu mir geführt?‘ Ich sagte: ‚Ich komme, um dir zu sagen, dass ich an Allah und an Seinen Gesandten Muhammad glaube, und dass ich an das glaube, was er brachte!‘ Er schlug mir die Tür ins Gesicht und schrie: ‚Allah verfluche dich, und verflucht sei das, womit du ge-kommen bist!‘“[138]

Nun erkundigte sich Umar, wer von den Quraisch am schnellsten Nachrichten verbreite. Es wurde ihm Jamil Al-Jumahi genannt. So ging er zu ihm und sprach ihn an: „O Jamil, hast du nicht gehört, dass ich Muslim geworden und in die Religion von Muhammad eingetreten bin?” Kaum hatte er seinen Satz beendet, als Jamil auch schon losrannte. Er lief so schnell er konnte, bis er die Kaaba erreichte und dort lauthals schrie: „O ihr Quraisch! Umar ist abtrünnig geworden!” Umar rief: „Nein, ich bin Muslim geworden, und ich bezeuge, dass niemand das Recht hat, angebetet zu werden, außer Allah, und dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist!”[139] Bald wusste jeder, dass Umar den Götzendienst aufgegeben hatte.

Umar bat den Propheten, bei der Kaaba beten zu dürfen, denn es erschien ihm unerträglich, dass die Quraisch öffentlich Steine anbete-ten, während die Gläubigen Allah im Geheimen verehren mussten. Er selbst führte einen Teil der Muslime dorthin, und ein zweiter Teil wurde von Hamza geführt. Als alle beisammen waren, wurde das Gebet unter der Leitung des Propheten gemeinsam verrichtet. Es war das erste Gebet dieser Art bei der Kaaba.

Nachdem Umar und Hamza den Islam angenommen hatten, gewann dieser unter den arabischen Stämmen an Beliebtheit. Die Quraisch sahen das Wachsen des Islams mit großem Unbehagen und waren nun zu immer härteren Schritten bereit. Sie beschlossen einen Boykott gegen die Bani Haschim und die Bani Abdul-Muttalib, die beiden Stämme, die Muhammad schützten, und schrieben eine Urkunde, „dass niemand eine Ehe mit den Frauen und Männern dieser beiden Sippen eingehen dürfe, und nichts mehr an sie verkauft oder von ihnen gekauft werden dürfe.“ Es wurden also alle Angehörigen dieser Sippen kollektiv bestraft, die Muslime wie auch die Götzendiener, außer Abu Lahab, der den Quraisch gegen seine eigene Sippe half.

Die auf ein Pergament geschriebenen Bedingungen wurden in der Kaaba aufgehängt.[140]

Gegen den Boykott konnten nicht einmal Hamza und Umar etwas tun, da der Prophet ihnen die Anwendung von Gewalt untersagte.

Der Boykott währte drei Jahre. Die beiden Sippen hatten sich auf Abu Talibs Rat hin in ein Tal außerhalb Mekkas zurückgezogen. Sie waren Hunger und Entbehrungen ausgesetzt, da sie durch die Bedingungen des Boykotts nicht mehr in der Lage waren, sich mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Kam eine fremde Karawane mit Waren in die Stadt, trieben die Quraisch die Preise in die Höhe, um zu verhindern, dass die Bani Haschim deren Waren kaufen konnten. Es kam so weit, dass sie sich von Blättern ernähren mussten.

Abu Dschahls Hass war so groß, dass er den Hungertod von Menschen – Muslimen und Götzendienern – in Kauf nahm. Eines Tages hielt er Chadidschas Neffen Hakim an, als dieser mit einem Sklaven, der einen Sack Mehl trug, an ihm vorbeiging. Abu Dschahl beschuldigte die beiden, den Bani Haschim Nahrung zu liefern. Es kam zu einem Streit, zu dem auch Abul Bachtari[141] stieß. Dieser hob einen Kamelknochen auf und schlug ihn auf Abu Dschahls Schädel, so dass dieser zu Boden stürzte. Dann traten sie ihn mit den Füßen, was Hamza, der in der Nähe war, auch sah. Weder Abul Bachtari noch Hakim waren Muslime, aber es schien ihnen eine Schande, ihre Solidarität mit den Unterdrückten nicht zu zeigen.

Auch andere Mitglieder der Quraisch schämten sich für das, was sie ihren eigenen Stammesangehörigen antaten.

Einer von ihnen war Hischam Bin ‘Amr, ein edler Mann und einer derer, die sich entschlossen, etwas dagegen zu unternehmen.

Oft ging er nachts mit seinem Kamel zur Einmündung der Schlucht, in welcher sich die beiden boykottierten Stämme aufhielten, und ließ dann den Zügel seines Tieres, das er mit Nahrung oder Kleidung beladen hatte, los, damit es zu den Hungernden lief. [142]

Eines Tages machte Hischam sich auf den Weg zu Zuhair, einem jungen Mann, dessen Mutter Atika eine Tante des Propheten war. Er fragte ihn: „Zuhair, wie kannst du ruhig schlafen, wenn deine Verwandten arm und rechtlos sind und kaum noch das Nötigste zum Leben haben?“

„Wehe dir, Hischam, was soll ich machen?“, antwortete Zuhair, „Ich bin nur ein einzelner Mann! Hätte ich einen anderen Mann mit mir, wäre ich bereit, mich für die Aufhebung des Boykotts einzusetzen!“

„Du hast bereits einen zweiten Mann gefunden!“

„Wer ist es?“

„Ich!“

„Dann finde noch einen dritten!“

Er ging zu Mut‘im Bin Uday[143] und sagte zu ihm: „O Mut‘im, wie kannst du beim Untergang der zwei Sippen Abd Manafs ruhig und zufrieden sein? Bei Allah, wenn ihr tatenlos zuseht, werdet ihr selbst schneller drankommen als ihr glaubt!“

„Wehe dir, was soll ich alleine machen? Ich bin ein einziger Mann! Hätte ich einen anderen Mann mit mir…“

„Du hast bereits einen anderen Mann gefunden!“

„Wer ist es?“

„Ich!“

„Dann finde noch einen dritten!“

„Einen dritten Mann habe ich schon!“

„Wen hast du gefunden?“

„Zuhair Bin Abi Umayya“, antwortete Hischam.

„Dann suche einen vierten Mann!“

Hischam lief gleich zu Abul Bachtari und – nachdem auch dieser überzeugt war – zu Zama‘a Bin Aswad.[144] Zama‘a war immer gegen den Boykott gewesen, weil er es nicht dulden konnte, den eigenen Stammesbrüdern so etwas anzutun. Nun waren sie fünf wichtige Männer, die nur noch eine Idee brauchten, wie sie es am besten anfingen.

Sie trafen sich in der Nacht außerhalb Mekkas. Dort einigten sie sich für den nächsten Morgen auf einen Plan.

Als der Morgen anbrach und die Quraisch in ihren Versammlungen erschienen, ging auch Zuhair in festlicher Kleidung zur Kaaba und umschritt sie siebenmal. Sodann stellte er sich vor die Leute und rief: „Ihr Bewohner von Mekka! Wollen wir noch länger mit ansehen, wie unsere Verwandten vom Stamm der Bani Haschim hungern? Wie könnt ihr noch essen und euch kleiden angesichts dieser Ungerechtig-keit? Ich sage euch, wir werden nicht nach Hause gehen, bevor nicht diese ungerechte Boykotturkunde zerrissen wird!“

„Du lügst, wir werden sie nicht zerreißen!“, schrie Abu Dschahl zornig. „Bei Allah, du bist ein größerer Lügner, denn wir waren nie damit einverstanden, dass diese Urkunde geschrieben wurde!“, fiel Zama‘a ihm ins Wort.

Jetzt stand Abul Bachtari auf und rief: „Zama‘a sagt die Wahrheit, wir sind nicht einverstanden mit dem, was geschrieben wurde und wir erkennen es nicht an!“

Auch Mut‘im bestätigte: „Die beiden sprechen die Wahrheit, und wer etwas anderes behauptet, der lügt! Wir sind, was diese Urkunde angeht und was darin steht, Allah gegenüber unschuldig!“

Hischam Bin ‘Amr sprach ähnlich wie seine Vorredner. Abu Dschahl kochte vor Wut und schrie: „Diese Sache ist eine Verschwörung, die ihr in der Nacht ausgeheckt habt!“ Doch als er sich umschaute, begriff er, dass die meisten Leute auf dem Platz gegen ihn und gegen den Boykott waren.

Dem Propheten Muhammad wurde inzwischen offenbart, dass Termiten die Urkunde gefressen hätten – nur die Worte „In Deinem Namen, o Allah!“ seien erhalten geblieben.

Er erzählte dies seinem Onkel Abu Talib, der sich sofort auf den Weg machte, um die Nachricht zu überbringen. Als der Streit anfing, hatte er neben der Kaaba gesessen. Nun richtete er den Streitenden aus, was sein Neffe gesagt hatte. Wenn es stimmte, dann dürfte die Urkunde keine Gültigkeit mehr haben! Die meisten waren der Ansicht, dass dies nur gerecht wäre.

Während die Männer noch mit Abu Dschahl stritten, machte sich Mut‘im auf, die Urkunde aus der Kaaba zu holen, um sie zu zerreißen.

Als er sah, dass die Urkunde tatsächlich zerfressen worden war, außer den Worten „Bismikallahumma – In Deinem Namen, o Allah!“, staun-te er.

Der Unterdrückungsvertrag wurde nichtig, und der Prophet und seine Anhänger kehrten in ihre Häuser zurück.[145] Für die Götzendiener war dies ein weiteres Zeichen für das Prophetentum Muhammads, doch: „Wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: ‚Fortdauernde Zauberei.‘“[146]

Die Quraisch sahen mit Besorgnis die wachsende Sympathie für die Werte des Islam.[147] Sie begriffen, dass es nichts nützte, den Gesandten der Zauberei zu bezichtigen. Auch ihre Embargopolitik und andere Versuche, ihn unbeliebt zu machen, fruchteten nicht. So beschlossen sie, Muhammad umzubringen.

Aber wie sollten sie das anstellen? Wie ein Lauffeuer hatte es sich überall herumgesprochen: Allah hat einen neuen Gesandten geschickt! Muhammad ist der lang ersehnte Prophet Allahs!

Immer mehr Menschen wollten wissen, was der neue Prophet zu sagen hatte; aus allen Teilen Arabiens strömten Besucher zu ihm nach Mekka. Er nahm sich Zeit für jeden von ihnen – so auch für die etwa zwanzig Christen, die aus Nadschran zu ihm kamen.[148]

Sie stellten dem Propheten viele Fragen. Er antwortete ihnen ausführlich, lud sie zum Islam ein und rezitierte aus dem Koran. Als sie die berührenden Worte hörten, liefen Tränen über ihre Wangen und sie erkannten, dass Muhammad der von Allah gesandte Prophet war, über den sie schon in ihren Schriften gelesen hatten.

Als sie gehen wollten, hielten Abu Dschahl und einige andere Männer der Quraisch sie auf und sagten: „Euer Volk hat euch entsandt, um für sie Informationen über diesen Mann zu sammeln! Doch kaum habt ihr euch zu ihm gesetzt, da habt ihr ihm schon geglaubt und eure Religion verlassen. Wie kann man nur so dumm sein!“

Diese Delegation bestand aber aus gebildeten Leuten, die nicht bereit waren zu streiten, und sie erwiderten: „Salamun alaikum – Friede sei mit euch; wir möchten kein niveauloses Gespräch führen. Wir haben unsere Taten zu verantworten und ihr die euren.“ Damit wandten sie sich von ihnen ab.[149]

Inzwischen erreichte eine übereilte Nachricht Abessinien, dass nämlich alle Mekkaner rechtgeleitet seien und ihre Götzenbilder und ihren Aberglauben aufgegeben hätten. Viele der Auswanderer kehrten daraufhin erleichtert zurück. Dschaafar und einige andere hingegen wollten noch abwarten.

Die drei Jahre des Boykotts waren überstanden und die Muslime begannen, sich zu erholen. Bald aber folgten zwei traurige Ereignisse aufeinander.

Zuerst wurde Abu Talib krank. Seine Krankheit kam nicht überraschend, denn er hatte in den letzten Jahren, wie die meisten, sehr unter dem Boykott gelitten.

Die Quraisch sahen hierin eine mögliche Gefährdung ihres Planes, den Propheten zu töten. Sie fürchteten um ihren Ruf unter den arabischen Stämmen, falls sie den Tod des alten Mannes ausnutzten, um Muhammad zu schaden. Deshalb gingen die Führer der Quraisch, Utba, Schayba, Abu Dschahl, Umayya und Abu Sufyan[150] zu Abu Talib, der in seinem Bett lag, und sprachen: „Abu Talib! Du weißt, welche Stellung du bei uns hast, und du siehst, in welcher Lage du dich befindest. Wir haben Angst, dass du stirbst! Und du weißt auch, was zwischen uns und deinem Neffen ist. Vermittle doch zwischen uns!“

Abu Talib schickte nach Muhammad. Als dieser erschien, richtete er sich auf und sagte zu ihm: „O mein Neffe! Dies sind die Edlen deines Volkes, die versammelt sind, um dir zu geben und von dir zu nehmen!“

Der Prophet sagte: „Ja, ihr sollt mir nur ein einziges Wort geben, womit ihr die Araber und die Nichtaraber beherrschen werdet!“

Abu Dschahl antwortete: „Ja, sogar zehn Worte!“

Der Prophet sagte: „Sprecht: ‚Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt, außer Allah‘ und hört auf, etwas anderes neben Ihm anzubeten!“

Sie klatschten in die Hände und sagten: „Machst du, o Muhammad, die Götter zu einem einzigen Gott? Das ist fürwahr etwas sehr Verwunderliches!“ Dann gingen sie wieder und sagten zueinander: „Dieser Mann wird euch nichts von dem geben, was ihr erreichen wollt. Deshalb geht und haltet beharrlich an der Religion eurer Väter fest, bis Allah zwischen euch und ihm richtet!“ Dann zerstreuten sie sich.

„Bei Allah! Mein Neffe, ich sehe nicht, dass du das Maß überschritten hast bei dem, was du fordertest“,[151] sprach Abu Talib zum Propheten und ließ sich wieder auf sein Lager fallen. Der Prophet verabschiedete sich.

Nicht lange danach starb Abu Talib. Nun war der Rückhalt des Propheten in seinem Stamm sehr schwach geworden.

Doch das Unglück sollte noch größer werden. Kurze Zeit nach Abu Talib starb Chadidscha, die Frau des Propheten. Sie war ihm nicht nur eine treue Ehefrau, sondern auch eine aufrichtige Stütze und geduldige Freundin gewesen, mit der er fünfundzwanzig glückliche Jahre verbracht hatte. Muhammad, dem verheißenen Propheten, war sie eine Beschützerin, Muhammad, dem Tapferen, eine Inspiratorin, und Muhammad, dem Auserwählten, eine Quelle der Gewissheit, der Geborgenheit, des Friedens und des Vertrauens. Chadidscha war seine erste Frau, und solange sie lebte, heiratete er keine andere. Vier Töchter hatten die beiden miteinander: Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima. Als ihre Mutter starb, waren die Mädchen erschüttert und von Trauer erfüllt. Der Prophet tröstete sie, indem er sie daran erinnerte, was der Engel Gabriel ihm einst gesagt hatte: „Richte Chadidscha von Allah, unserem Herrn, den Friedensgruß aus! Und sage ihr, dass für sie eine Wohnstatt im Paradies vorbereitet ist.“[152] Schon zu ihren Lebzeiten hatte er manches Mal den Finger zum Himmel gerichtet und gesagt: „Mariam, die Mutter Jesu, ist dort die Beste“, und – den Finger zur Erde – „Chadidscha ist hier die Beste.“[153]

Das Jahr, in dem Chadidscha und Abu Talib starben, nannten die Muslime fortan „Das Jahr der Trauer“. Chadidscha erhielt den Titel „Die erste Muslima“ und „Die erste Mutter der Gläubigen“, wodurch sie vor allen muslimischen Frauen und den anderen Müttern der Gläubigen ausgezeichnet ist. Sie war die erste Frau im Islam, der das Paradies versprochen wurde.

Nachdem Chadidscha und Abu Talib gestorben waren, begann für den Propheten eine Zeit voller Schwierigkeiten und Härten. Abu Talib hatte ihn stets geschützt. Jetzt aber war er tot, und die Quraisch fingen an, ihm so viel Leid anzutun, wie sie es zuvor nie gewagt hätten. Er wurde mit Gemeinheiten, die an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit gingen, auf die Probe gestellt.

Ein frecher Bursche von den Quraisch lauerte ihm in der Stadt auf und warf Dreck auf seinen Kopf. Als er zu Hause ankam, weinte seine Tochter darüber und wusch ihm die Haare. All diese Demütigungen aber führten nur dazu, dass er sich mit seinem Herzen noch mehr Allah zuwandte, in der Gewissheit, dass Seine Hilfe kommen würde. Er sagte zu seiner Tochter: „Weine nicht, o meine Tochter! Allah wird deinen Vater schützen!“ Aber er sagte zwischendurch auch: „Die Quraisch taten mir so etwas Hassenswertes nicht an, bis Abu Talib starb.“[154]

Der Verlust Chadidschas hinterließ bei Muhammad tiefe Trauer. Er trug nun allein die Last der Verantwortung für seine Botschaft und seine Gemeinde sowie für die Betreuung und Erziehung seiner Töchter.

In der ersten Zeit nach ihrem Tod versuchte niemand, ihm eine neue Heirat vorzuschlagen. Es war auch fraglich, ob er überhaupt noch einmal heiraten würde. Seine glücklichen Jahre als Ehemann hatte er mit Chadidscha verbracht. Außerdem – wenn er überhaupt noch einmal heiratete – wer sollte die Ehre haben, die Frau des Gesandten zu werden?

Eine mitfühlende Gefährtin namens Chaula Bint Hakim war es, die sich schließlich bemühte, den Propheten von der Notwendigkeit einer neuen Ehe zu überzeugen, die nicht nur um seinet- und seiner Töchter willen, sondern auch zum Wohle der Gemeinde wichtig war. Sie schlug ihm Sauda, die Tochter des Zama‘a, vor und der Prophet war damit einverstanden.

Sauda war eine fröhliche und gutherzige Frau. Sie lebte in Mekka und war mit ihrem Cousin As-Sakran, dem Sohn des ‘Amr, verheiratet gewesen. Sie und ihr Mann gehörten zu den ersten Muslimen. Zusammen mit den anderen Anhängern des Propheten Muhammads waren sie in Mekka wegen ihres Glaubens gequält und geschlagen worden. Beide waren unter den Auswanderern, die nach Abessinien flüchteten. Bei ihrer Rückkehr nach Mekka starb ihr Mann. Sie war einige Jahre älter als Chadidscha.

Chaula kam nun als Vermittlerin zum Hause Saudas und begrüßte sie mit den Worten: „Welche Güte und welchen Segen dir Allah gewährte, Sauda!“

Sauda fragte erstaunt: „Und welche Güte soll das sein, Chaula?“

Chaula antwortete: „Der Gesandte Allahs schickt mich, um für ihn um deine Hand anzuhalten!“

Sauda reagierte erfreut, aber zugleich beherrscht. Sie bat Chaula, zunächst ihren Vater davon zu unterrichten und wies zu dem Zimmer, in dem dieser sich aufhielt.

Saudas Vater Zama‘a war ein betagter Mann, der an seinem alten Glauben hing.

Als Chaula ihm Muhammads Antrag überbrachte, äußerte er sich nur ganz knapp über ihn: „Edel und fähig.“ Dann fragte er: „Und was sagt deine Gefährtin Sauda dazu?“

Sie erwiderte: „Sie mag es.“

Daraufhin rief Zama‘a seine Tochter zu sich und fragte sie: „O Sauda, diese hier behauptet, dass Muhammad Bin Abdullah sie zu dir geschickt hat, um dich um die Ehe mit ihm zu bitten. Er ist ein fähiger Mann, willst du, dass ich dich mit ihm verheirate?“

Sauda war sehr zufrieden damit und die Heirat wurde bald vollzogen.

Zwar konnte sich niemand in der islamischen Gemeinschaft vorstellen, dass sie je die Stellung Chadidschas einnehmen könnte, da sie bereits in fortgeschrittenem Alter war, doch ihr Glaube verband sie aufs Innigste mit dem Propheten.

Sauda war sich wohl bewusst, dass Muhammad sie aus Güte und Barmherzigkeit geheiratet hatte, doch dies bedeutete für sie auch eine zweifache Auszeichnung: Zum einen war es eine Belohnung, da sie eine der ersten Musliminnen war, die dem Druck der Mekkaner nicht nachgegeben hatte und der Botschaft stets treu geblieben war, und zum anderen war es eine Aufnahme in den Schutz des Propheten.

Sauda wurde Muhammad eine freundliche, gütige, bescheidene und fröhliche Ehefrau. Oft erzählte sie ihm lustige Dinge, mit denen sie ihn zum Lachen brachte. So berichtete sie ihm eines Tages: „Ich habe hinter dir die Nacht hindurch gebetet, o du Gesandter Allahs, und fiel nieder mit dir, bis ich meine Nase festhalten musste, da ich befürchtete, dass Blut aus ihr tropfen würde!“

Darüber musste er herzlich lachen und verstand ihren Wink, für sie die freiwilligen Nachtgebete, die sie so gerne mit ihm gemeinsam verrichtete, etwas zu erleichtern.

Nun versuchte der Prophet bei den Thaqif, den Bewohnern der Stadt Taif[155], seine Botschaft zu verbreiten – möglicherweise auch mit dem Gedanken, für seine verfolgte Gemeinde einen Zufluchtsort zu finden. Unwissenheit und Götzendienst waren dort aber noch stärker verbreitet als in Mekka. Sie schmähten und beschimpften den Propheten, dann hetzten die Anführer der Thaqif die Bewohner der Stadt auf ihn, die ihn mit Steinen bewarfen und ihn zwangen, Taif zu verlassen. Mit blutigen Füßen, aber geduldig, kehrte er nach Mekka zurück.

Unterwegs ließ er sich im Schatten eines Rebstockes nieder und betete sein heute noch bekanntes Gebet: „O Allah, zu Dir klage ich über meine Kraftlosigkeit, meine Hilflosigkeit und meine Armseligkeit unter den Leuten. O Barmherzigster der Barmherzigen, Du bist der Herr der Schwachen und Du bist mein Herr. Wem wirst Du mich überlassen? Einem Fremden, der mich misshandelt? Oder einem Feind, dem Du mich übergibst? Wenn Du mir nicht zürnst, bekümmert mich das nicht ...“[156]

Utba Bin Rabi‘a und sein Bruder Schayba, denen in Taif ein Weinberg gehörte, befanden sich zu jener Zeit dort und hatten gesehen, was dem Propheten widerfahren war. Obwohl sie Gegner des Propheten waren, schmerzte es sie, dass einer ihrer Stammesbrüder so von den Thaqif behandelt wurde. Sie riefen ihren Sklaven, einen Christen namens Addas: „Nimm diese Trauben und bring sie zu ihm!“

Als der Prophet danach griff, sprach er:

„Bismillah – Im Namen Allahs.“ Dann aß er davon.

Addas sagte: „Die Menschen dieses Landes sprechen solche Worte nicht!“

Darauf fragte der Prophet: „Aus welchem Land bist du, o Addas und was ist deine Religion?“ „Ein Christ aus Ninive“, antwortete er.

„Aus der Stadt des rechtschaffenen Propheten Jonas, dem Sohn des Matta“, fügte der Prophet hinzu.

„Woher weißt du, wer Jonas, der Sohn Mattas, ist?“ fragte Addas.

Der Prophet sagte: „Er ist mein Bruder, denn er war ein Prophet und ich bin ein Prophet.“ Addas beugte sich über ihn und küsste seinen Kopf, seine Hände und seine Füße.

Als er wieder zu den zwei Brüdern ging, beschimpften sie ihn: „Wehe dir, was war das?“

„O mein Herr, auf dieser Erde gibt es keinen Besseren als diesen! Er hat mir von einer Sache berichtet, von der kein anderer wissen kann, außer einem Propheten!“[157]

Auf dem Rückweg nach Mekka machte der Prophet halt in Nachla.[158] Während er dort betete, kam eine Gruppe von Dschinn[159] und hörte seiner Koranrezitation zu. Durch eine Offenbarung erfuhr der Prophet davon.[160] Das sollte ein weiteres Zeichen für die Universalität seiner Botschaft werden. Er war nicht nur ein Prophet für die Menschen, sondern auch für die Dschinn.

In Mekka wurde die Situation für die Muslime immer schlimmer. Niemand blieb verschont, selbst Abu Bakr nicht. Er wurde so lange bedrängt und gequält, bis er sich gezwungen sah, auszuwandern und Mekka verließ. Doch noch bevor er das Rote Meer erreichte, traf er einen edlen Mann aus Mekka namens Ibn Ad-Dughunna.[161] Als dieser hörte, was die Quraisch mit Abu Bakr gemacht hatten, sagte er zu ihm: „Bei Allah, du bist der Schmuck deines Stammes und ein Helfer im Kummer, du tust das Gute und hilfst den Bedürftigen.“

Er gewährte Abu Bakr Schutz, damit er nach Mekka zurückkehren konnte. Die Quraisch aber wollten ihm diesen Schutz nur unter einer Bedingung erlauben: Er dürfe nicht öffentlich beten und aus dem Koran rezitieren. Denn wenn er dies täte und dabei weine, würde es die Söhne und Frauen der Quraisch überzeugen. Da er die Bedingun-gen der Quraisch nicht akzeptierte, entließ Abu Bakr Ibn Ad-Dughunna von seinem Schutz und sagte: „Ich gebe dir deinen Schutz zurück, mir ist der Schutz Allahs genug.“ Abu Bakr blieb in Mekka und ertrug weiterhin geduldig die Schikanen der Quraisch.[162]

 Die Nachtreise

N

ach all den Prüfungen und Rückschlägen wurde der Prophet von Allah mit einer Auszeichnung belohnt, die ihm neue Kraft und Mut auf seinem Weg geben sollte: die Nachtreise.

Sie war ein Wendepunkt für den Propheten und die Muslime.

In einer Nacht im dreizehnten Jahr seiner Sendung kam Gabriel mit einem Reittier[163] zu ihm.

Sie reisten zuerst nach Jerusalem, wo Muhammad vorher noch nie gewesen war. Dort betete er in der Aqsa-Moschee, gemeinsam mit den anderen Propheten, seinen Vorgängern. Nach dem Gebet stieg er mit Gabriel in den Himmel auf. Der Aufstieg führte ihn durch sieben Himmel. In jedem der Himmel traf er einen der Propheten wieder; er begrüßte sie und sie hießen ihn willkommen. Vom siebten Himmel ging der Weg zum Allmächtigen, der ihm die fünf täglichen Gebete befahl, die seit diesem Zeitpunkt von den Muslimen verrichtet werden. Sie sind der wichtigste Gottesdienst im Islam. Der Prophet sah auch das Paradies und die Hölle. Diese Reise stärkte ihn und gab ihm Gewissheit. Als er nach Mekka zurückkehrte, war seine Schlafstelle noch warm. Er hatte für die Reise nicht einmal eine Nacht gebraucht.

Als der Prophet den Quraisch von seinem Erlebnis erzählte, bezichtigten sie ihn der Lüge und machten sich über ihn lustig. Sie forderten ihn auf, ihnen doch die Moschee in Jerusalem zu beschreiben. Er beschrieb sie so genau, dass alle staunten.

Als Abu Bakr gefragt wurde, was er von der Schilderung des Propheten Muhammad halte, antwortete er: „Wenn der Prophet es gesagt hat, dann ist es wahr!“ Deswegen wurde er „As-Siddiq“, der Glaubende, genannt, da er dem Propheten glaubte, als die meisten anderen es nicht taten.[164]

Die Zeit der Pilgerfahrt kam und der Prophet nutzte jede Gelegenheit, mit den Angehörigen der arabischen Stämme, die Mekka besuchten, zu sprechen, um sie für den Islam zu gewinnen. Abu Lahab folgte ihm dabei ständig, und immer, wenn der Prophet sich einem Stamm vorgestellt hatte, lobte er den alten Götzendienst und sprach herab-würdigend von seinem Neffen. Dies machte er wieder und wieder. Doch es gab einen Lichtblick, der zeigte, dass Allah der Wahrheit zum Sieg verhilft, egal wie ihre Gegner sich anstrengen. Bei Al-Aqaba, einem Ort nahe Mekka, ging der Prophet zu einigen Männern aus Medina vom Stamm der Chazradsch.

Der Prophet fragte: „Darf ich mit euch sprechen?“ Sie sagten: „Ja!“ Sie saßen mit ihm zusammen und er lud sie zum Glauben an Allah ein, erklärte ihnen den Islam und rezitierte aus dem Koran. In Medina lebten sie mit Juden zusammen, die als Volk der Schrift den Götzendienst verachteten. Immer wenn es einen Zwischenfall gab, drohten ihnen die Juden: „Die Zeit der Erscheinung eines Propheten ist gekommen. Wir werden ihm folgen und euch töten, so wie Ad und Iram[165] getötet wurden.“ Jedem von ihnen war diese jüdische Drohung bekannt, sowie auch andere Einzelheiten über das Erscheinen des neuen Gesandten.

Nach diesem Gespräch sagten sie sich: „Muhammad ist ganz gewiss der Prophet, mit dem die Juden uns ständig drohen! Wir dürfen nicht zulassen, dass sie ihm vor uns folgen!“

Nachdem ihre Zweifel an seinem Prophetentum ausgeräumt waren, bezeugten sie alle die Wahrheit der Botschaft des Islam und verpflichteten sich, nach ihr zu leben. Sie erwähnten dem Propheten gegenüber auch: „Es gibt kein Volk, das zerstrittener ist als das unsere. Möge Allah es durch dich vereinigen! Sobald wir in Medina sind, versuchen wir, unseren Stammesbrüdern diesen Glauben nahezubrin-gen.“[166] Sie hofften, durch diese neue, friedliche Religion die Feind-schaft und Gewalt zwischen ihren Stämmen Aws und Chazradsch beenden zu können.

In Medina angekommen, erzählten sie ihren Familien ganz begeistert vom Propheten, dessen Ankunft die Juden und Christen prophezeit hatten. Bald gab es kein Haus mehr, in dem nicht vom Propheten Muhammad und seiner Botschaft gesprochen wurde.

In der Pilgerzeit des nächsten Jahres kamen zwölf Leute aus Medina und verabredeten sich mit dem Propheten in Al-Aqaba. Zwei von ihnen waren aus dem Stamm der Aws. Durch den Treueid verpflichte-ten sie sich, Allah nichts beizugesellen, keinen Diebstahl und keinen Ehebruch zu begehen, ihre Kinder nicht zu töten[167], niemanden zu verleumden und dem Propheten im Guten nicht zu widersprechen.

„Wenn ihr euch daran haltet“, versprach ihnen der Prophet, „ist euch das Paradies bestimmt. Wenn ihr eines dieser Verbote übertretet, ist eure Sache bei Allah, ob Er euch strafen oder euch verzeihen will!“ [168]

Der junge Mus‘ab Bin Umayr ging mit ihnen als erster Botschafter des Islam nach Medina, um aus dem Koran zu rezitieren und die Menschen den Islam zu lehren. Deshalb wurde Mus‘ab in Medina auch „der Lesende“ genannt.

Mus‘ab gehörte zu den Bani Abdu Manaf. Er wurde in eine der wohlhabendsten Familien Mekkas geboren und lebte verwöhnt in Luxus und Überfluss. Man sagte von ihm: „Es gibt niemanden, der besser gekleidet ist und besser speist als Mus‘ab.“ Er gehörte zu den ersten Muslimen, verheimlichte seinen Glauben aber aus Furcht vor seiner Mutter, die ihn zwar liebte, aber einen Glaubenswechsel nicht akzeptieren würde. Sie erfuhr dennoch davon und ließ ihren Sohn einsperren, um ihn zu zwingen, den Islam zu verlassen. Doch Mus‘ab blieb standhaft. Da verstieß ihn seine Mutter und enterbte ihn. Beim Abschied bat er sie noch, die Wahrheit zu erkennen und den Islam anzunehmen, doch sie beschimpfte ihn nur. Er lebte fortan in großer Armut, trug die rauesten Kleider, hatte an einem Tag zu essen und hungerte am nächsten. Er war unter den Gefährten für sein Wissen, seine Redegewandtheit und seine feine, angenehme Art bekannt.

In Medina angekommen, begann er sofort, den Auftrag, mit dem ihn der Prophet betraut hatte, auszuführen.

Saad Bin Mu‘adh[169] und sein Freund Usayd, zwei edle Männer aus Medina, störten sich an den friedlichen Gesprächen, die Mus‘ab mit einigen neu konvertierten Muslimen in einem der Gärten am Rande der Stadt führte. Usayd ging zu ihnen, mit der Absicht, sie zu verjagen. Doch Mus‘ab sprach zu ihm: „Wie wäre es, wenn du dich zu uns setztest, um zu sehen, wie es dir gefällt!“

Usayd gefielen diese Worte. „Das finde ich gerecht“, sagte er und setzte sich zu ihnen.

Er hörte Mus‘ab über die Werte des Islam sprechen und Verse aus dem Koran rezitieren. Usayd war fasziniert: „Wie edel sind diese Worte und wie wahr! Was macht man, um dieser Religion beizutreten?“

Mus‘ab erklärte ihm, wie einfach es ist, den Islam anzunehmen. Usayd wusch sich, säuberte sein Gewand und erklärte: „Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt, außer Allah, und Muhammad ist sein Prophet!“[170] Nachdem er gebetet hatte, sprach er: „Hinter mir steht ein Mann, Saad Bin Mu‘adh. Wenn er euch folgt, wird niemand aus seinem Volk zurückbleiben! Ich schicke ihn gleich zu euch!“

Als Usayd zu Saad zurückkam, schilderte er ihm, dass er nichts Böses an diesen Männern fand. Saad war verblüfft und wunderte sich. Nun ging auch er zu den beisammensitzenden Muslimen. Er nahm sich vor, sich von ihrem Gerede nicht einfangen zu lassen. Aber es erging ihm wie Usayd – die Worte der Offenbarung rührten sein Herz. Zurück in Medina berief er eine Versammlung ein und fragte: „O Volk von Bani Abdul Aschhal[171], welchen Rang besitze ich unter euch?“

Sie antworteten: „Du bist unser Herr und unser Anführer, der unsere Interessen am besten vertritt!“

„Dann verspreche ich, dass ich mit keinem Mann und mit keiner Frau von euch mehr spreche, bis ihr alle Allah und Seinem Propheten folgt!“

Bis es Abend wurde, hatten alle Mitglieder seines Stammes den Islam angenommen.[172]

Mus‘ab blieb in Medina und rief die Menschen zum Islam auf, bis es dort kein Haus mehr gab, in dem nicht einige muslimische Männer und Frauen lebten.

Zu Anfang musste er selbst die Muslime im Gebet leiten, da die beiden verfeindeten Stämme Aws und Chazradsch auf keinen Fall einem Mann des jeweils anderen Stammes den Vorrang geben wollten – vor kurzem erst hatten die Sippen sich gegenseitig ihre Häuser und Paläste zerstört, und sie waren immer noch bereit, zu töten und zu vernichten, bis nichts mehr übrigbliebe.

Doch in dem gleichen Maße, in dem nun der Glaube in den Herzen der Menschen Wurzeln schlug, wuchs auch ihre Bereitschaft zum Frieden.

Schließlich konnte Mus‘ab nach Mekka zurückkehren.

In der Pilgerzeit des nächsten Jahres erschienen dort zahlreiche neue Muslime aus Medina, aber auch viele, die immer noch Götzendiener waren. Wieder trafen sie sich mit dem Propheten bei Al-Aqaba.

Diesem war inzwischen klar geworden, dass das wasserreiche Land, das er einst im Traum gesehen hatte, Medina sein musste. In scha’ Allah würden er und seine Gefährten dorthin auswandern! Seinem Onkel Abbas, der kein Muslim war, und dessen Frau Umm Al Fadl, die schon sehr früh zusammen mit ihren drei Schwestern den Islam angenommen hatte, vertraute er an, dass er die Hoffnung habe, nach Medina zu gehen, dass jedoch viel von der Delegation abhänge, die er von dort zur Pilgerfahrt erwartete. Er war sich sicher, dass die beiden ihn nicht verraten würden.

Ka‘b Bin Malik[173] berichtet: „Nachdem wir die Pilgerfahrt angetreten hatten und die Nacht kam, in der wir uns mit dem Propheten treffen wollten, sprachen wir mit Abu Dschabir, der einer unserer Führer der Bani Salimah[174] war. Er war ein Götzendiener. Wir sprachen zu ihm: ‚O Abu Dschabir, du bist ein Führer von unseren Führern und ein Edler von unseren Edlen! Wir wollen nicht, dass du morgen Brennholz für das Feuer wirst.‘ Wir berichteten ihm vom Islam und von unserem Treffen mit dem Gesandten Allahs. Er nahm den Islam an, beteiligte sich an dem Treffen bei Al-Aqaba und trat als ein Vertreter seines Volkes auf.[175]

Mit unseren Gefährten schliefen wir das erste Drittel der Nacht. Dann krochen wir zwischen den Schlafenden hervor und verließen heimlich den Platz, bis wir alle in der Schlucht von Al-Aqaba ankamen. Wir waren dreiundsiebzig Männer und zwei Frauen. Die Frauen waren Nasiba, die Tochter des Ka’b und Asma’, die Tochter des ‘Amr. In der Schlucht warteten wir auf den Propheten, der bald mit seinem Onkel Abbas erschien. Obwohl Abbas damals noch Götzendiener war, wollte er dennoch bei der Sache seines Neffen anwesend sein, ihn begleiten und auf seiner Seite stehen. Er begann als Erster zu sprechen: ‚O Volk der Chazradsch[176], ihr wisst, wie hoch wir Muhammad schätzen! Wir haben ihm vor unseren eigenen Leuten Schutz gewährt. Er aber hat beschlossen, sich euch anzuschließen und zu euch zu kommen. Wenn ihr der Meinung seid, ihr könnt ihm die Sicherheit bieten, die ihr ihm versprochen habt, übernehmt es! Wenn ihr ihn jedoch, nachdem er zu euch gekommen ist, im Stich lasst, dann lasst ihn schon jetzt. Denn hier unter seinem Volk genießt er Ansehen und Schutz!‘

Wir sagten: ‚Wir haben gehört, was du gesagt hast. Sprich nun du, o Gesandter Allahs und fordere für dich und deinen Herrn, was du möchtest!‘ Der Prophet rezitierte aus dem Koran, lud zum Glauben an Allah ein und stärkte unser Interesse am Islam. Schließlich sagte er: ‚Ich nehme euren Treueid, auf dass ihr mich schützt wie eure Familienmitglieder!‘ Bara’ Bin Ma‘rur[177] nahm seine Hand und sagte: ‚Ja, bei Dem, Der dich mit der Wahrheit sandte, wir schützen dich, genau wie wir unsere Familienmitglieder schützen!‘ Abu Haitham Bin Altayyihan fragte: ‚Wirst du dann vielleicht zu deinem Volk zurückkehren und uns verlassen, nachdem Allah dir zum Sieg verholfen hat?‘ Da lächelte der Prophet und versicherte ihnen, dass er einer von ihnen sei und sie nie verlassen werde. Dann bat er sie: ‚Wählt zwölf Vertreter unter euch aus, an die euer Volk sich wenden kann.‘

Sie wählten neun Männer von den Chazradsch und drei von den Aws.

Die Vertreter waren einverstanden und alle versammelten sich, um dem Propheten den Treueid zu schwören. Hier hielt Abbas Bin Ubada[178] sie auf und rief: ‚O Männer von Chazradsch, wisst ihr, was es bedeutet, diesem Mann den Treueid zu schwören?‘

‚Ja, wir wissen es‘, antworteten sie.

Abbas Bin Ubada erklärte ihnen die Bedeutung und die möglichen Gefahren, wenn sie die Verantwortung des noch umkämpften Glaubens auf sich nähmen. Sie würden sich viele Stämme zu Feinden machen. Sie würden für die Unterstützung des Propheten mit ihrem Vermögen und sogar mit ihrem Leben einstehen müssen.

‚Wir nehmen alles auf uns‘, sagten sie und fragten den Propheten: ‚O Gesandter Allahs, was wird es für uns geben, wenn wir unser Versprechen halten?‘

‚Das Paradies!‘, sagte der Prophet.

‚Dann strecke deine Hand aus!‘ Er streckte seine Hand aus und nahm den Treueid von allen an.“[179]

Kaum war der Morgen angebrochen, als die Quraisch von dem Treffen erfuhren. Äußerst beunruhigt suchten sie die Lager der beiden Stämme auf und fragten, was ihnen einfiele, sich mit Muhammad zu verbünden, um die Muslime zu verteidigen.

Die Götzendiener von den Chazradsch begannen zu schwören, dass derartiges nie geschehen sei. Die Muslime ihrerseits beobachteten schweigend, wie die Quraisch bereit waren, ihren heidnischen Religionsgenossen zu glauben und wieder umkehrten.

Sie verließen Mina[180], bevor die Quraisch über das Geschehene Gewissheit erhielten. Als diese endlich erfuhren, dass die Nachricht doch stimmte, und daraufhin auszogen, um die Gläubigen zu verfolgen, trafen sie niemanden mehr außer Saad Bin Ubada, den sie festnahmen. Sie brachten ihn nach Mekka und misshandelten ihn, unter anderem, indem sie ihn an seinen langen Haaren zogen und schlugen. Zwei mekkanische Händler, Dschubair Bin Mut‘im und Al Harith Bin Harb, hörten von der Gefangennahme Saads. Sie befreiten ihn und nahmen ihn in Schutz, denn er war ihr Beschützer, wenn sie in Medina Handel trieben.[181]

In Medina konnten die Muslime ihren Glauben öffentlich zeigen. Tag für Tag nahmen der Götzendienst, der Aberglaube und der Hass zwischen den Stämmen ab. Die Hoffnung auf Frieden wuchs.

Unter den Aws und den Chazradsch gab es einige alte Leute, die sich sehr schwer damit taten, sich vom Götzendienst zu befreien. ‘Amr Bin Al-Dschamuh, einer der Führer der Bani Salimah, war einer von ihnen. Mu‘adh, der bei Al-Aqaba dabei gewesen war und dem Propheten den Treueid geschworen hatte, war sein Sohn. ‘Amr hatte in seinem Haus ein Götzenbild aus Holz, das Manat[182] genannt wurde und das er verehrte und immer gut pflegte. Als alle jungen Männer der Bani Salimah Muslime geworden waren, schlichen sie eines Nachts zu dem Götzenbild, trugen es zur Mistgrube des Stammes und schleuder-ten es hinein. Als ‘Amr am folgenden Morgen erwachte und sein geliebtes Götzenbild nicht fand, rief er: „Wehe euch! Wer hat in dieser Nacht unseren Göttern etwas angetan?“

Er machte sich auf die Suche nach dem Götzenbild. Als er es endlich in der Mistgrube fand, holte er es heraus, reinigte und parfümierte es. „Wenn ich herausfinde, wer das gemacht hat, bringe ich Schande über ihn!“, drohte er verärgert.

In der nächsten Nacht machten die jungen Muslime, unter ihnen sein eigener Sohn Mu‘adh, mit dem Götzen noch einmal das Gleiche. Am Morgen fand ‘Amr ihn in der gleichen Situation. Beim dritten Mal hielt er es nicht mehr aus. Nachdem er den Götzen gereinigt hatte, befestigte er sein Schwert an ihm und sagte: „Ich weiß wirklich nicht, wer so etwas mit dir macht! Wer auch immer sich dir nähert – verteidige dich! Du hast das Schwert bei dir!“

Nachdem ‘Amr eingeschlafen war, kamen die jungen Männer, entfernten das Schwert von dem Götzen, befestigten mit einer Schnur einen toten Hund an ihm und stießen ihn wieder in die Mistgrube.

Als ‘Amr morgens aufstand und das Götzenbild nicht an seinem Platz fand, suchte er, bis er es in der Mistgrube mit dem toten Hund am Hals fand.

Er sah, dass sein Götze sich nicht helfen konnte, und die Muslime seines Stammes begannen, mit ihm darüber zu sprechen. Schließlich nahm er den Islam an und wurde ein überzeugter Muslim. Er schrieb ein rührendes Gedicht, in dem er seinen Götzen mit dem Hund erwähnt und Allah dankt, Der ihn am Ende doch rechtgeleitet hat.[183]

Nachdem der Prophet in Medina für die Gläubigen eine sichere Heimat gefunden hatte, erlaubte er ihnen, dorthin auszuwandern. Er selbst blieb jedoch weiterhin in Mekka.

Um die Aufmerksamkeit der Quraisch nicht auf sich zu lenken, begannen die Muslime, einzeln oder in kleinen Gruppen fortzugehen. Dies blieb den Quraisch aber trotzdem nicht verborgen, und so versuchten sie, die übrigen Muslime mit Gewalt zum Bleiben zu veranlassen. Wen sie zu fassen bekamen, den peinigten und misshandelten sie, um ihn von seinem Glauben abzubringen. Auch scheuten sie nicht davor zurück, Zwietracht zwischen Eheleuten zu säen und Familien auseinanderzureißen. Wer ihnen nicht gehorchte, wurde gefangen genommen.

Schon ein Jahr vor dem Treueid von Al-Aqaba hatte Umm Salama mit ihrem Mann und ihrem noch kleinen Sohn Salama zu fliehen versucht. Sie wurden jedoch von ihrem Cousin Abu Dschahl und seinen Männern verfolgt und aufgehalten. Diese rissen Abu Salama den Zügel des Kamels aus der Hand und trennten die Familie. Als Abu Salamas Angehörige davon erfuhren, nahmen sie Umm Salama auch noch das Kind weg.

Umm Salama fiel wegen des Verlustes ihres Sohnes in tiefe Trauer. Jeden Tag ging sie nach Abtah und weinte bis zum Abend. Sie gab jedoch nicht auf, bis sie ihren Sohn nach einem Jahr wieder an sich drücken konnte. Und wieder verließ sie Mekka, allein mit ihm auf einem Kamel reitend.

Unterwegs traf sie Uthman Bin Talha[184], der noch kein Muslim war. Er nahm die Zügel des Kamels und begleitete Mutter und Kind, bis die kleine Familie wieder vereint war.

Als sie in der Nähe des Dorfes Quba, nicht weit von Medina, ankamen, sagte er: „Dein Mann ist in diesem Dorf!“

Dann kehrte er nach Mekka zurück. Umm Salama erwähnte stets: „Bei Allah, ich kenne keine Familie im Islam, der geschehen ist, was der Familie Abu Salamas geschah, und ich habe noch keinen Begleiter gesehen, der edleren Charakters war, als Uthman Bin Talha.“[185]

Sie war nicht die Einzige, die grausam von ihren Lieben getrennt wurde. Ayyash war mit Umar Bin Al-Chattab nach Medina ausgewan-dert. Seine zwei Halbbrüder Abu Dschahl und Harith folgten ihm. Sie verabredeten sich mit ihm, um mit ihm zu sprechen. Als sie ihn trafen, behaupteten sie, seine Mutter hätte geschworen, sich die Haare nicht zu kämmen und sich vor der Sonne nicht zu schützen, bis sie ihn wiedergesehen hätte. Ayyash machte sich Sorgen um seine Mutter; auch wollte er sein Geld retten, das er in Mekka zurückgelassen hatte.

Umar riet ihm davon ab, er dürfe dies nicht glauben und die Leute wollten nichts anderes von ihm, als dass er seine Religion aufgebe: „Bei Allah, wenn die Läuse deiner Mutter zu viel werden, wird sie bestimmt einen Kamm benutzen, und wenn die Hitze in Mekka sie belastet, wird sie in den Schatten gehen. Außerdem weißt du, dass ich einer der reichsten unter den Quraisch bin, also gehe nicht, und die Hälfte meines Besitzes ist dein!“ Ayyash aber hörte nicht auf ihn. Umar gab ihm sein Kamel, damit er es zumindest leichter hätte, wenn er fliehen wollte. Unterwegs fragte ihn Abu Dschahl, ob Ayyash ihm sein Kamel leihen würde. Ayyash war freundlich und tat es. Als er abstieg, fielen Abu Dschahl und Harith über ihn her, fesselten ihn an Händen und Füßen und brachten ihn wie einen Gefangenen nach Mekka. In Mekka sagten sie: „O ihr Leute von Mekka, macht doch das Gleiche mit euren Narren, was wir mit unserem gemacht haben!“[186]

Hischam Bin Al-As war der Bruder jenes ‘Amr Bin Al-As, der seinerzeit von Mekka abgeordnet worden war, um den Negus von Abessinien gegen die Flüchtlinge aufzuhetzen. Hischam war damals Zeuge des Versagens seines Bruders. Als Hischam, der inzwischen Muslim geworden war, nun auswandern wollte und seine Familie davon erfuhr, hielten sein Vater und sein Bruder ‘Amr ihn mit Gewalt auf und sperrten ihn ein.[187] Beide, Ayyash und Hischam, wurden so lange gefoltert und unter Druck gesetzt, bis sie den Islam zum Schein aufgaben. Obwohl sie innerlich noch Muslime waren, ließ ihr Gewissen ihnen keine Ruhe.

Während dieser Zeit des Zweifels und der Gewissensnot wurden die folgenden Verse offenbart: „O meine Diener, die ihr gegen euch selber maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und der Barmherzige. Und wendet euch eurem Herrn reuig zu und seid Ihm ergeben, bevor die Strafe über euch kommt, worauf euch keine Hilfe zuteil werden wird. Und folgt dem Besten von dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt worden ist, bevor die Strafe plötzlich über euch kommt, ohne dass ihr es merkt.“[188]

Umar schrieb diese Verse mit eigener Hand auf und sandte sie Hischam, der später erzählte: „Als ich diese Verse bekam, hielt ich sie nah und weit vor meine Augen und konnte sie nicht verstehen, bis ich betete: ‚O Allah, lass mich sie verstehen!‘ Da legte Allah in mein Herz, dass sie über uns offenbart wurden und über das, was wir selbst und andere über uns dachten.“

Hischam zeigte die Verse Ayyash, die auch ihn darin bestärkten, den Glauben wieder aufzunehmen und fliehen zu wollen. Das war nicht einfach, denn die Quraisch unternahmen alles, um die Auswanderung der Gläubigen zu verhindern.

Umar war mit seiner Frau Zainab, seiner Tochter Hafsa und seinem kleinen klugen Sohn Abdullah ausgewandert. Hamza, Zaid und Suhaib „dem Römer“[189] gelang die Auswanderung ebenfalls.

Als die Quraisch erfuhren, dass Suhaib auswandern wollte, warfen sie ihm vor: „Du bist arm und schwach zu uns gekommen und mit unserer Hilfe reich und zu dem geworden, was du jetzt bist, und nun willst du mit deinem Besitz und Leben weggehen. Bei Allah, dies wird nicht geschehen!“ Suhaib bot ihnen an: „Und wenn ich euch meinen ganzen Besitz überlasse, kann ich dann gehen?“ Damit waren die Götzen-diener einverstanden. Suhaib sagte: „Dann lasse ich euch meinen Besitz!“ Als diese Nachricht den Propheten erreichte, rief er hoch-erfreut: „Suhaib hat gewonnen, Suhaib hat gewonnen!“ [190]

Bald hatten die meisten Gläubigen Mekka verlassen – außer Ali, Abu Bakr und Muhammad selbst. Abu Bakr bat den Propheten immer wieder um Erlaubnis, auswandern zu dürfen. Doch Muhammad sagte zu ihm: „Beeile dich nicht, vielleicht wird dir Allah einen Gefährten geben!“ Mehr sagte er nicht. Abu Bakr wünschte, der Prophet wäre dieser Gefährte und kaufte zwei Kamele, die er zur Vorbereitung gut fütterte.[191]

 Die Auswanderung

A

ls die Mekkaner hörten, dass die Muslime in Medina Gefährten gefunden hatten und dort in Sicherheit und Frieden lebten, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Sie kannten diesen Mann, der unbeirrt an der Botschaft des Einzigen Gottes festhielt, der weder nachgab noch sich verstellte und dabei weder Schaden noch Tod fürchtete. Sie hatten auch erlebt, dass seine Geduld und Nachsicht beispiellos waren.

Den Quraisch wurde bewusst, welche Tragweite ihre Verbrechen der letzten dreizehn Jahre hatten. Durch die Auswanderungen nach Medina bestand nun die Möglichkeit, dass die Muslime sich irgendwann rächen würden. Ihnen war in Medina eine Tür der Hoffnung auf Freiheit geöffnet worden, und die Herrscher von Mekka hatten in ganz Arabien ihr Gesicht verloren.

Nach einer längeren, streng geheimen Beratung im Haus der Ratsversammlung[192] erneuerten die Quraisch ihren Entschluss, den Propheten umzubringen. Nur über die Art und Weise, wie dies geschehen sollte, waren sie sich noch uneinig. Ein Vorschlag war, ihn einzusperren, bis er starb. Andere fanden es ausreichend, ihn zu vertreiben.

Einigen reichten diese Vorschläge nicht, denn wenn man Muhammad einsperrte, würden seine Gefährten ihn gewiss befreien, und wenn man ihn vertriebe, würde seine Botschaft bald ganz Arabien erreichen. „Habt ihr denn die Süße seiner Worte vergessen, und wie schnell er die Herzen der Menschen von seiner Botschaft überzeugt?“, fragte einer.

Schließlich hatte Abu Dschahl die Idee, aus jedem Stamm einen kräftigen jungen Mann zu wählen und jedem von ihnen ein Schwert zu geben, damit sie den Propheten gemeinsam töteten. So würde sein Blut sich auf alle Sippen verteilen, und die Abd Manaf, Muhammads Sippe, könnten nicht alle zugleich bekämpfen; sie müssten dann ein Blutgeld akzeptieren, und die Sache wäre erledigt. Der grausame Mordplan fand Zustimmung. Wenn er früh am Morgen, so wie er es immer tat, sein Haus verließ, sollten die Männer ihn mit ihren Schwertern erschlagen.[193]

Eigentlich besuchte der Prophet immer vormittags oder nachmittags seinen Freund Abu Bakr, aber nicht um die Mittagszeit so wie heute, während auch seine Töchter Aischa und Asma’ bei ihm waren. Da ahnte Abu Bakr, dass etwas passiert sein musste.

„Allah hat mir erlaubt, auszuwandern“, sagte er.

„In Begleitung?“, fragte Abu Bakr schnell.

„In Begleitung“, antwortete der Prophet. Aischa erzählte später immer wieder: „Bei Allah, ich hatte nicht gewusst, dass jemand auch vor Freude weinen kann, bis ich an diesem Tag meinen Vater weinen sah!“

„O Prophet Allahs, ich habe dafür zwei Kamele vorbereitet.“

Der Prophet war wieder zu Hause, wo er Ali bat, so lange in Mekka zu bleiben, bis alle Wertsachen, die er für die Leute aufbewahrte, an ihre Besitzer zurückgegeben worden seien. Da Muhammad von allen als vertrauenswürdig angesehen wurde, hatten auch Götzendiener ihm immer wieder Wertsachen zur Aufbewahrung gebracht.

Die Männer, die von den Quraisch mit der Ermordung des Propheten beauftragt worden waren, umschlichen in jener Nacht sein Haus. Sie fürchteten, dass er nach Medina entfliehen könnte und damit in Sicherheit wäre.

Abu Dschahl war sich sicher, dass er ihn nun endlich töten würde. Spöttisch rief er: „Muhammad behauptet, wenn ihr ihm folgt, werdet ihr die Könige der Araber und Nichtaraber werden, und nach eurem Tod werdet ihr wiedererweckt werden und in Gärten leben, so schön wie die Gärten am Jordan! Weiter sagt er, dass es ein Blutvergießen unter euch geben wird, und wenn ihr dann nach dem Tod wieder-erweckt werdet, brennt ihr im Höllenfeuer!“[194]

In diesem Moment trat der Prophet vor sein Haus und sprach: „Ja, das sage ich und du bist einer von ihnen!“ Dann begann er, die ersten neun Verse der Sure Ya-Sin[195] zu rezitieren, nahm eine Handvoll Sand vom Boden und warf ihn auf die Männer. Als er dies tat, verdunkelte Allah ihre Blicke, so dass sie ihn nicht sehen konnten – obwohl er direkt vor ihnen stand.

Ein Mann kam vorüber und fragte: „Worauf wartet ihr hier?“

„Auf Muhammad“, antworteten die Männer.

„Aber Muhammad ist doch schon an euch vorbeigegangen! Er hat Sand auf euch geworfen, und dann ist er weggegangen!“

Die Männer fassten sich an den Kopf, fühlten den Sand und waren ratlos. Was sollten sie nun machen? Sie warteten weiter bis zum Morgen.

Als Ali bei Tagesanbruch aufstand und aus dem Haus kam, stellten sie verblüfft und enttäuscht fest, dass der Unbekannte recht gehabt hatte. Sie fuhren Ali an, ob er wisse, wo Muhammad sei. Doch Ali wusste es nicht. Damit war der Anschlag fehlgeschlagen.[196]

Dem Propheten wurde später offenbart, dass Allah die Intrigen der Ungläubigen niemals gelingen lässt.[197]

Abu Bakr hatte bereits vor Einbruch der Nacht Vorbereitungen für den Aufbruch getroffen. Sobald der Prophet ankam, kletterten beide durch ein Fenster auf der Rückseite des Hauses.

Als sie Mekka verließen, drehte er sich noch einmal um und warf einen letzten Blick auf seine geliebte Stadt. Dabei sprach er: „Auf Allahs Erde bist du Allah und mir der am meisten geliebte Ort. Hätte mein Volk mich nicht verbannt, hätte ich dich nicht verlassen!“[198]

Inzwischen hatten Abu Dschahl und seine Männer Abu Bakrs Haus erreicht. Als Asma’ ihnen die Tür öffnete, fragten sie, wo ihr Vater sei.

Sie antwortete, dass sie es nicht wisse. Da versetzte Abu Dschahl ihr eine solch starke Ohrfeige, dass ihr Ohrring sich löste und zu Boden fiel.[199]

‘Amir war ein Schäfer, der für die Mekkaner Schafe hütete. Er war ein ehemaliger Sklave, der, wie viele andere Sklaven auch, von Abu Bakr gekauft und freigelassen worden war. Er folgte ihnen mit seinen Schafen und verwischte so ihre Spuren, bis der Prophet und Abu Bakr eine Höhle im Berg Thaur, südlich von Mekka, erreicht hatten.

Nachdem Abu Dschahl wieder gegangen war, machte sich Asma’ mit ihrem Bruder Abdullah auf den Weg zur Höhle, um ihrem Vater und dem Propheten Essen zu bringen, und um ihnen zu berichten, dass die Quraisch eine Belohnung von hundert Kamelen für denjenigen ausgesetzt hätten, der den Propheten tot oder lebendig fände und nach Mekka zurückbrächte.[200] Die meisten Verfolger suchten im Norden nach ihm, weil das die Richtung war, in der Medina lag. Einige wenige kamen aber auch auf die Idee, dass er einen Umweg genommen haben könnte, und suchten im Süden.

Abu Bakr und der Prophet versteckten sich in der Höhle, wo sie drei Tage blieben. Einmal während dieser Zeit drangen Stimmen zu ihnen, die immer näher kamen. Es waren Männer aus Mekka. Sie blieben vor der Höhle stehen und unterhielten sich miteinander. Abu Bakr machte sich Sorgen und flüsterte: „Wenn einer von ihnen zu seinen Füßen blickt, dann sieht er uns!“ Der Prophet beruhigte ihn: „Was, Abu Bakr, hältst du von Zweien, bei denen Allah der Dritte ist?“ Er meinte Abu Bakr und sich selbst.[201]

Die Verfolger waren erschöpft und hatten die Hoffnung, den Propheten zu finden, längst aufgegeben. Sie entdeckten ihn und Abu Bakr nicht.

Zur vereinbarten Zeit erschien Asma’ mit ihrem Bruder Abdullah. ‘Amir war auch gekommen, diesmal aber ohne seine Schafe, denn er sollte den Propheten und Abu Bakr auf ihrer Hidschra – ihrer Auswanderung nach Medina – begleiten. Er brachte Abdullah Bin Arqat mit, dem Abu Bakr zuvor die zwei Kamele anvertraut hatte, welcher dieser für die lange Reise gut gefüttert hatte.

Asma’ nahm ihren Gürtel ab und schnitt ihn in zwei Teile. Den einen behielt sie für sich, und mit dem anderen befestigte sie das Essen am Sattel ihres Vaters. Deshalb wird sie auch „Dhat An-Nitaqain – die mit den zwei Gürteln“ genannt. Ibn Arqat führte die kleine Gruppe nach Westen bis zum Roten Meer, an dessen Ufer sie eine Weile entlangritten, um dann den Weg nach Norden einzuschlagen.

Über die weitere Verfolgung des Propheten berichtet Suraqa Bin Malik: „Die Boten der Quraisch kamen zu uns und gaben den Preis bekannt, der demjenigen gezahlt werden sollte, der den Gesandten Allahs und Abu Bakr tötete oder gefangen nahm. Ich war gerade in einer der Versammlungen meines Stammes, der Bani Mudladsch, als einer unserer Männer hereinkam, sich vor uns stellte und sagte: ‚O Suraqa, ich habe soeben ein paar Leute gesehen, die an der Küste entlangzogen. Ich glaube bestimmt, dass es Muhammad und seine Gefährten sind!‘

Ich dachte zwar dasselbe, aber gab ihm ein Zeichen zu schweigen und sagte: ‚Nein, das sind sie nicht; du sahst nur den Soundso und den von der Sippe Soundso. Wir haben gesehen, dass sie losgezogen sind.‘

Ich blieb noch eine Weile in der Versammlung, stand dann aber auf und ging nach Haus. Ich befahl meiner Sklavin, meine Stute zu holen, die hinter einem Hügel stand, und sie für mich bereitzuhalten. Dann nahm ich meinen Speer und verließ das Haus durch die Hintertür. Als ich mein Pferd erreichte, stieg ich auf und setzte es in Galopp. Ich ritt sehr schnell, bis ich ihnen immer näher kam. Da strauchelte die Stute, und ich fiel hinunter. Schnell stand ich wieder auf und zog aus meinem Köcher Lospfeile, die ich auslegte, um eine Weisung von ihnen zu erhalten, ob ich dem Propheten und seinem Begleiter Schaden zufügen sollte oder nicht. Das Zeichen, das ich erhielt, stimmte ganz und gar nicht mit meinem Wunsch überein. Deshalb handelte ich entgegen dem Vorzeichen der Lospfeile und verfolgte sie weiter.

Abu Bakr schien etwas zu hören, denn er sah sich häufig um. Plötzlich sanken die Vorderbeine meiner Stute bis zu den Knien ein und ich fiel wieder runter. Ich schimpfte sie aus und sie erhob sich, konnte aber ihre Beine kaum aus dem Sand befreien. Als sie dann endlich aufrecht stand, sah ich aus den Löchern, in denen ihre Vorderbeine gesteckt hatten, eine Staubwolke wie eine Rauchsäule bis zum Himmel hinaufsteigen. Ich nahm die Lospfeile wieder zu Hilfe, und das Zeichen, welches sie mir gaben, entsprach wieder nicht meinem Wunsch. So rief ich den Männern, die ich verfolgte, zu, sie mögen anhalten, ich sei für sie keine Gefahr mehr. Sie blieben stehen, und ich ritt zu ihnen. Aufgrund der Hindernisse, die zwischen mir und ihnen überwunden worden waren, hegte ich inzwischen die Vermutung, dass die Botschaft des Gesandten Allahs doch wahr war und seine Sache Erfolg haben würde. Ich sagte zu ihm: ‚Deine Leute haben ein Blutgeld für dich ausgesetzt!‘

Ich erzählte, was die Mekkaner mit ihnen vorhatten. Auch bot ich ihnen Reiseproviant und andere Gegenstände an, die sie jedoch nicht annahmen. Sie baten nur: ‚Halte unsere Sache geheim!‘

Darauf fragte ich den Propheten, ob er mir ein Schriftstück mit der Zusage über meine Sicherheit schreiben könne, und er ließ es für mich von ‘Amir auf ein Stück Leder schreiben.[202]

Während seiner Flucht empfing der Prophet eine Offenbarung, in der Allah ihm versprach: „Siehe! Er, der dir den Koran auferlegte, wird dich wieder zurückbringen!“[203]

Unterwegs trafen sie auf Abu Bakrs Cousin Talha. Dieser war in Medina und hatte die Ruhelosigkeit und Freude der Leute erlebt, die dort auf den Propheten warteten. Denn sie hatten gehört, dass er von Mekka aufgebrochen sei. Sie pflegten täglich vormittags ins Freie zu gehen und auf ihn zu warten. Sie blieben so lange, bis die Mittagshitze sie in ihre Häuser zwang. Eines Tages waren sie schon wieder in ihre Häuser gegangen, als ein Jude auf das Dach eines hohen Gebäudes stieg, um Ausschau zu halten. Da erblickte er in der Ferne den Gesandten Allahs und seine Gefährten. Er rief so laut er konnte: „Ihr Araber! Da kommt euer Oberhaupt, auf das ihr wartet!“[204]

Auf diesen Ruf hin strömten die Männer, Frauen und Kinder jubelnd hinaus. Sie empfingen den Gesandten Allahs, als er noch weit entfernt war. Er hielt zuerst beim Stamm der Bani ‘Amr Bin Awf im Dorf Quba an.

Die neuen Muslime aus Medina hatten weder den Propheten noch Abu Bakr je zuvor gesehen. Da Muhammad sehr viel jünger aussah als Abu Bakr, verwechselten sie die beiden und begrüßten zuerst Abu Bakr, den sie für den Propheten hielten.

Erst als die Sonne höher stieg und Abu Bakr sich zu Muhammad begab, um ihn mit seinem Gewand zu schützen, klärte sich der Irrtum auf und alle erkannten den Gesandten Allahs.[205]

Er erhob sich und sprach zu ihnen: „Ihr Leute, grüßt einander mit dem Friedensgruß, gebt den Hungernden zu essen, ehrt eure Familien und betet in der Nacht, wenn die Menschen schlafen! Dann werdet ihr das Paradies in Frieden betreten!“[206]

Auch der Rabbi Husayn war zu der Menge gekommen und hatte die Worte Muhammads gehört. Später sagte er: „Als ich das Gesicht des Propheten sah, wusste ich, dass dies nicht das Gesicht eines Lügners ist.“[207]

Viele Menschen kamen nach Quba, um den Propheten zu begrüßen; unter ihnen auch ein Perser namens Salman. Dieser war schon als junger Mann nach Syrien und in den Irak gereist, wo er bei christlichen Gelehrten studiert und den christlichen Glauben angenommen hatte. Sein letzter Lehrer hatte auf dem Sterbebett zu ihm gesagt, dass die Zeit des erwarteten Propheten nahe sei, der mit der Religion Abrahams kommen und in Arabien aus seiner Heimat vertrieben werden würde. Seine Zeichen seien nicht zu übersehen: Von Geschenken würde er essen, aber nicht von Almosen, und zwischen seinen Schultern sei das Siegel der Prophetenschaft.

Salman erzählt seine Geschichte weiter: „Ich hatte Händler mit meinen Kühen und meinem restlichen Geld dafür bezahlt, dass sie mich nach Arabien bringen. Doch sie betrogen mich und verkauften mich als Sklaven an einen jüdischen Händler. Nach einer Weile wurde ich an den jüdischen Stamm der Bani Quraida verkauft, die in Medina lebten. So kam ich am Ende doch noch nach Arabien. Mein Besitzer hatte einen Verwandten in Quba. Dieser kam nach Medina und berichtete, dass der Prophet in Quba angekommen sei. Bei Allah, ich war gerade oben auf einer Palme und arbeitete für meinen Besitzer, während dieser darunter saß. Ich hörte, dass sie sich über die Chazradsch wunderten, weil diese sich um einen Propheten scharten, der aus Mekka gekommen war und sich gerade in Quba befand.

Als ich das hörte, begann ich am ganzen Körper zu zittern, so dass ich fürchtete, ich würde vom Baum fallen. Ich stieg von der Palme hinab und ging zu dem Mann, um ihn zu befragen.

Darüber ärgerte sich mein Besitzer, schlug mir heftig ins Gesicht und schickte mich wieder an die Arbeit. Es gelang mir aber, noch am selben Abend mit etwas Essen, das ich aufgespart hatte, zum Propheten nach Quba zu laufen.

Als ich bei ihm ankam, sagte ich ihm, ich hätte gehört, dass er ein rechtschaffener Mensch sei und auch mittellose Gefährten bei sich habe, die mit ihm von dem, was ich als Almosen anbot, essen sollten. Der Prophet sagte zu seinen Gefährten: ‚Esst davon‘; er selber aber nahm nichts.“

Nun war Salman gespannt, ob er auch die anderen Zeichen zu sehen bekommen würde. Er stellte einige Dinge zusammen, die er später, als der Prophet in Medina war, zu ihm brachte. Er sagte: „Ich habe gesehen, dass du nicht von Almosen isst, dies ist aber etwas, das ich dir schenken möchte!“ Als der Prophet Muhammad davon aß und zugleich seinen Gefährten etwas abgab, hatte Salman ein weiteres Zeichen. Schließlich sah er ihn auf dem Friedhof von Baqi‘ in Medina bei einer Beerdigung. Er grüßte ihn und beugte sich neugierig nach hinten, um seinen Rücken zu sehen.

Da der Prophet wusste, was Salman so interessierte, nahm er sein Obergewand ab, und Salman erblickte das Siegel der Prophetenschaft, das ihm sein Lehrer einst beschrieben hatte. Betroffen und weinend küsste er das Siegel auf Muhammads Rücken und verkündete seinen Islam.

Der Prophet blieb einige Tage beim Stamm der Bani ‘Amr Bin Awf. Während dieser Zeit legte er in Quba das Fundament der ersten islamischen Moschee.

Auch Ali, der drei Tage gebraucht hatte, um alle Wertsachen, die dem Propheten anvertraut worden waren, an ihre Besitzer zurückzugeben, war inzwischen aus Mekka eingetroffen.

Salman blieb zunächst in seinem Status als Sklave des Juden. Wie er davon freikam, berichtet er selbst: „Schließlich teilte der Gesandte mir mit, dass ich mit meinem Herrn einen Freilassungsvertrag abschließen solle! So forderte ich dies so oft von meinem Herrn, bis er endlich einwilligte und mit mir einen Vertrag auf Freilassung unter der Bedingung abschloss, dass ich ihm als Gegenleistung dreihundert junge Dattelpalmen pflanze und vierzig Unzen Silber zahle.

Als der Gesandte von diesen schweren Bedingungen erfuhr, sagte er zu seinen Gefährten: ‚Helft eurem Bruder beim Beschaffen der jungen Palmen!‘ So half jeder nach seinen Kräften mit. Darauf sagte der Prophet: ‚Salman, geh hin und grabe Löcher für die Palmen! Und wenn du fertig bist, benachrichtige mich, so werde ich sie dann mit meinen eigenen Händen einsetzen.‘ Da machte ich mich also an die Arbeit, wobei mir einige Gefährten des Propheten halfen, bis wir dreihundert Löcher vorbereitet hatten. Der Gesandte begann dann, die Palmen mit seiner Hand einzusetzen, die Erde über den Wurzeln zu glätten und für sie den Segenswunsch zu sprechen, bis er mit allen fertig war. Danach blieben nur noch die vierzig Unzen Silber zu zahlen. Als der Gesandte eines Tages mit seinen Gefährten zusammen war, brachte ihm jemand ein Goldstück in der Größe eines Hühnereis, das er dem Propheten als Almosen gab. Der Prophet sagte: ‚Was macht eigentlich der arme Perser mit seinem Freilassungsvertrag? Er soll zu mir kommen!‘ Als ich mich bei ihm einfand, sagte er zu mir: ‚Geh mit diesem Goldstück und bezahle damit, was du an Schulden noch zu zahlen hast!‘“[208]

 Eine neue Gesellschaft

L

angsam ritt der Prophet auf seiner Kamelstute Qaswa inmitten einer großen Menschenmenge durch Medina.[209] Viele der Muslime näherten sich ihm, berührten Qaswas Zügel und baten: „O Gesandter Allahs, bleibe bei uns, wir haben für dich Reichtum und Schutz!“

„Lasst sie weiterziehen, denn sie steht unter dem Befehl Allahs“, erklärte der Prophet. Nach einer Weile verließ die Kamelstute die Straße und kniete auf einem Platz nieder, der zum Trocknen der Datteln genutzt wurde.

Der Prophet stieg ab und fragte, wessen Haus diesem Ort am nächsten sei. Abu Ayyub sagte: „Meines, o Gesandter Allahs“. So hatte er die Ehre, der Gastgeber des Propheten zu sein. Abu Ayyub[210] band das Gepäck los und brachte es in sein Haus. Die Bewohner Medinas berichteten später, dass es nie einen fröhlicheren Tag in Medina gegeben habe als diesen.

Der Prophet wollte nun wissen, wem der Platz gehörte, auf dem die Kamelstute sich niedergelassen hatte.

Schnell waren die Besitzer, Sahl und Suhail, zwei Waisen, ausfindig gemacht. Der Prophet fragte, ob sie dieses Grundstück verkaufen möchten. Sie wollten es ihm jedoch schenken.

Den Besitz der Waisen wollte der Prophet aber nicht als Geschenk annehmen, deshalb kaufte er ihnen den Platz ab.

„Hier, so Allah will, ist die Niederlassung“, erklärte er dann.

Umgehend wurde mit dem Bau einer Moschee begonnen. Sie sollte ein Ort des Gebetes und eine Versammlungsstätte für die Muslime werden. An einer Seite der Moschee wurden einfache Räume als Wohnung für den Propheten angefügt.

Abu Bakrs Frau Umm Ruman und ihre Kinder kamen bald nach. Mit der Auswanderung verlor Abu Bakr seinen gesamten Besitz in Mekka.

Bald war das bescheidene Haus des Propheten fertig. Er schickte Zaid, um Sauda, seine Töchter Umm Kulthum und Fatima, sowie auch Zaids Frau Baraka und ihren kleinen Sohn Usamah aus Mekka zu holen.

Sauda stand dem Haushalt des Propheten vor, als dieser kurz nach ihrer Ankunft in Medina Abu Bakrs Tochter Aischa heiratete. Aischa kannte Muhammad seit ihrer Kindheit und wusste, dass er der Gesandte Allahs war. Sie hörte immer wieder Gutes über ihn und mochte ihn auch selbst sehr gerne. Seine Eheschließung mit Aischa machte nicht nur die Braut glücklich, sondern auch ihre Eltern, die diese Ehre wohl zu schätzen wussten.

Die Ehe des Propheten mit der jungen Aischa belastete auch Sauda nicht. Ihr wurde bald klar, wie wissensdurstig dieses Mädchen war, das von Allah eine große Aufnahmefähigkeit geschenkt bekommen hatte und ihr Wissen den Muslimen und der ganzen Menschheit einst weitergeben sollte. Aischa war die Tochter des ersten und wichtigsten Helfers des Propheten, des Mannes, der ihm am liebsten war und ihm am nächsten stand.

Wegen Aischas Herkunft und der Liebe des Propheten zu ihr räumte Sauda ihr bald die erste Stelle im Haus des Propheten und in der Gemeinde ein. Nach Berichten der Muslime war Sauda zur Zeit ihrer Heirat mit dem Propheten schon recht alt, und damit wollte er seiner Gemeinde ein gütiges Vorbild sein. Sauda war klar, dass Muhammad sie nicht weltlicher Dinge wegen geheiratet hatte. So sagte sie eines Tages: „Bei Allah, ich lege keinen Wert mehr auf die eheliche Beziehung, jedoch wünsche ich mir, dass Allah mich am Jüngsten Tag als Ehefrau des Gesandten wiederauferstehen lässt. Ich werde meine Nacht Aischa schenken!“

Der Prophet war tief beeindruckt von ihrer Bescheidenheit und Großzügigkeit. Aischa war Sauda sehr dankbar für die zusätzliche Nacht. Der Verzicht stärkte die Bindung zwischen den beiden Frauen, und Sauda führte weiterhin ein ruhiges Leben im Hause des Propheten.[211] Wie die anderen Gläubigen war auch Aischa der Überzeugung, dass der Gesandte Allahs seine Ehen, deren Sinn und Zweck der Gemeinschaft offenbar waren, im Rahmen der Ausübung und Förderung seiner Botschaft schloss – nicht zur Befriedigung persönlicher Begierden.[212]

Die islamische Gemeinde wurde begründet und fortan sollte niemand mehr seines Glaubens wegen benachteiligt werden.

Der Prophet Muhammad verurteilte die Unterdrückung von Frauen, Kindern und Sklaven und erklärte Medina zu einer offenen Stadt der Toleranz und Verständigung. Seine Güte und Barmherzigkeit, die sich nicht nur auf die Menschen, sondern ebenso auf alle anderen Geschöpfe, die Tiere und die Pflanzen, bezog, machte er zu Stützen der Brüderlichkeit, welche das Fundament der neuen Gesellschaft bildete.[213]

Die Frauen in Medina bekamen Rechte, von denen sie vorher nicht einmal geträumt hatten. Sie durften Besitz haben, hatten ein Recht auf das Erbe ihrer Verwandten und Ehemänner und durften nicht mehr ohne ihre Zustimmung verheiratet werden.

Der Prophet kümmerte sich auch um das Wohlergehen der Kinder. Er wies die Muslime an, alle Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen, Lesen und Schreiben zu lehren. Er war bekannt für seine Freundlichkeit den Kindern gegenüber.

Schwache und Starke wurden gleichbehandelt. Der Prophet lehrte die Muslime, dass es gottgefällig sei, Sklaven die Freiheit zu schenken. So kamen viele Sklaven frei.

Die Offenbarungen schrieben den Muslimen vor, dass jeder Wohl-habende pro Jahr 2,5% seines Besitzes an die Armen abzugeben habe – die sogenannte Zakat. Der Armut wurde der Kampf erklärt.

In Medina, der Stadt des Propheten, waren bald fast alle Menschen Muslime. Allmählich lebten sich die Auswanderer aus Mekka ein und bekamen den Namen Muhadschirun, Auswanderer. Die Muslime aus Medina wurden vom Propheten Ansar genannt, Helfer – denn sie halfen ihren Brüdern und Schwestern aus Mekka. Sie nahmen sie in ihren Häusern auf und teilten mit ihnen alles, was sie besaßen, da die Auswanderer ihre gesamte Habe in Mekka hatten zurücklassen müssen.

Die Muslime richteten ihr tägliches Leben und ihre gemeinsamen Angelegenheiten nach den Lehren des Islam aus, die jeder leicht praktizieren konnte. Der Prophet achtete darauf, dass die Menschen in der Religion nicht übertrieben und sich damit ihr Leben nicht unnütz erschwerten.[214]

Er gab der neuen Gesellschaft eine Ordnung, stellte Regeln für das Zusammenleben auf und definierte das Erlaubte und Verbotene, all dies basierend auf dem Koran. Er schaffte die Blutrache ab und stellte Frieden zwischen den einzelnen Stämmen her.

Es wurde auch das Verhältnis zu den Nichtmuslimen, vor allem zu den jüdischen Stämmen, geregelt, welche ein Teil der neuen Gesellschaft bleiben sollten.

Der Prophet schloss ein Abkommen mit ihnen, in dem Muslimen und Juden ähnliche Rechte und Pflichten gegeben wurden, auf dass Gerechtigkeit herrsche.[215]

Dieses Abkommen wurde „Der Vertrag von Medina“ genannt. In Verbindung mit den Aussagen des Korans wurde er die Basis für das Zusammenleben von Juden und Christen in muslimischen Gesell-schaften.[216]

Viele Juden schätzten die Toleranz und die Großzügigkeit des Propheten und seiner Lehre. Aber unter einigen ihrer Oberhäupter und Gelehrten regte sich auch Widerstand, aus Neid, weil Allah Seinen letzten Propheten unter den Arabern erwählt hatte, denn nun war das Prophetentum von den Kindern Isaaks auf die Kinder Ismaels übergegangen. Ein weiterer Grund war, dass sich durch die neuen Verhältnisse in Medina der Einfluss der jüdischen Stämme verringerte.

Einige der Angehörigen der jüdischen Stämme wurden aber auch Muslime. Dieser Schritt war für sie nicht immer einfach. Einer von ihnen war der angesehene und gelehrte Rabbi Husayn Ibn Salam. Er hatte keinen Zweifel daran, dass Muhammad der Gesandte Allahs war, da über ihn in den Schriften der Juden und Christen schon berichtet worden war.

Ibn Salam ging heimlich zum Propheten, um ihm mitzuteilen, dass er Muslim geworden war. Er schlug vor, dass der Prophet die jüdischen Gelehrten befragen sollte, was sie über ihn, Ibn Salam, dachten, ehe sie von seinem Beitritt zum Islam erfuhren.

Dies tat der Prophet. Während der Rabbi sich in seinem Haus verbarg, fragte Muhammad die Juden, was sie über Ibn Salam dachten.

Einstimmig antworteten sie: „Er ist unser Gelehrter, Sohn unseres Gelehrten, unser Oberhaupt und der Sohn unseres Oberhauptes!“

Der Prophet sagte: „Was ist, wenn er Muslim wird?“ Sie antworteten: „Allah bewahre ihn davor, das würde er nie tun!“

Nun kam Ibn Salam hervor und sprach das Glaubensbekenntnis. Als die Gelehrten dies hörten, sagten sie: „Ibn Salam ist der Boshafteste unter uns und der Sohn eines Boshaften!“ Ibn Salam sagte: „Ihr Juden, ihr wisst, dass dieser Mann der Prophet Allahs ist, der in der Thora mit seinem Namen und seinen Eigenschaften erwähnt wird, also fürchtet Allah und nehmt an, was Er euch gesandt hat!“ Dann erklärte er, dass er selbst und seine gesamte Familie den Islam angenommen hatten. Sie beschimpften ihn und gingen davon.[217]

Auch unter den Aws und den Chazradsch hatte der Prophet einige Gegner; diese waren entweder beim Götzendienst geblieben oder hatten den Islam nur zum Schein angenommen, um Vorteile zu erlangen. Diese Gruppe der Heuchler verbündete sich mit den Gegnern aus den jüdischen Stämmen. Ihr Oberhaupt war ein bedeutender Mann – Abdullah Ibn Ubay Ibn Salul[218] – eines der Stammesoberhäupter der Chazradsch, der nicht nur an Macht verloren hatte, sondern auch mit ansehen musste, wie sein Sohn, der ebenfalls Abdullah hieß, und seine Tochter Dschamila Muslime wurden.

Die Spaltung der Aws und Chazradsch und der Bürgerkrieg hatten bislang den jüdischen Stämmen gewisse Vorteile gebracht, denn sie hatten sich auf beiden Seiten daran beteiligt. Die Bani Qaynuqa und die Bani An-Nadir waren mit den Chazradsch verbündet, die Bani Qurayda mit den Aws. So kam es auch, dass bei der Schlacht von Bu‘ath[219] jüdische Stämme auf der Seite ihrer jeweiligen Verbündeten gegeneinander kämpften.

Inzwischen war der Islam gekommen, der das Zusammenleben der Stämme und Religionen in Frieden und Gerechtigkeit gebot. Ibn Salul und seine Leute, sowie ihre Verbündeten von den jüdischen Stämmen hatten indes großes Interesse daran, die alte, vorislamische Ordnung beizubehalten.

Es gab auch jüdische Rabbiner, die sich, um Zweifel unter den Muslimen zu säen, in heuchlerischer Weise zum Islam bekannten. Einer von ihnen war Zaid Bin Al-Lusayt. Als sich einmal das Kamel des Propheten verlaufen hatte, spottete er: „Muhammad soll Botschaften aus dem Himmel empfangen, und er weiß nicht einmal, wo sein Kamel gerade ist!“

Nachdem Allah es ihn wissen ließ, sagte der Prophet: „Bei Allah, ich weiß nur Dinge, die Er mich wissen lässt, und Er hat es mir gezeigt. Es ist in jenem Tal, und es verfing sich mit seinem Zügel an einem Baum.“ Sogleich machten sich einige Muslime auf den Weg und fanden das Kamel an der Stelle, die der Prophet ihnen genannt hatte, und in dem Zustand, den er beschrieben hatte.[220]

Eines der einflussreichsten und ältesten Oberhäupter der Bani Qaynuqa war Shas Bin Qays. Die neue friedliche Ordnung und die Verbrüderung zwischen den beiden großen Stämmen Medinas, sowie zwischen den Muhadschirun und den Ansar, also den Auswanderern und den Helfern, ärgerten ihn.

Deshalb beauftragte er einen jungen Sänger, sich zwischen die Männer zu setzen, wenn Angehörige der Aws und der Chazradsch zusammensaßen, und alte Gedichte vorzutragen, die während des Krieges von Dichtern beider Stämme verfasst worden waren. Es handelte sich um Verse, in denen die Stämme sich selbst als tapfer und ehrbar beschrieben, während der jeweilige Feind verhöhnt wurde; auch vielfältige Erinnerungen an die Gefallenen wurden geweckt und Rache geschworen.

Als also die Aws und die Chazradsch wieder einmal friedlich beieinandersaßen, tat der Sänger, was Shas Bin Qays ihm gesagt hatte. Er trug Gedichte über die Schlacht von Bu‘ath vor. Mit seiner schönen Stimme gelang es ihm tatsächlich, die Männer an die schreckliche vorislamische Vergangenheit zu erinnern und alte Wunden aufzureißen.

Zwei Angehörige der beiden Stämme begannen, sich zu streiten. Schon erklang der Ruf: „Greift zu den Waffen!“

Schnell wurde der Prophet benachrichtigt. Er eilte mit einigen Auswanderern zu dem Platz, wo die beiden Gruppen sich gerade voller Wut aufeinander stürzen wollten und rief: „O Ihr Muslime, Allah, Allah! Wollt ihr euch so verhalten wie in den Tagen der Unwissenheit, jetzt, wo ich unter euch bin? Nachdem Allah euch rechtgeleitet und euch mit dem Islam geehrt hat, euch von euren Sitten aus der Zeit der Unwissenheit befreit, euch vor dem Unglauben gerettet und eure Herzen vereint hat?“

Die tadelnden Worte aus dem Mund des Propheten brachten die Zornigen wieder zur Vernunft und erinnerten sie daran, dass der Islam ihre Herzen längst versöhnt und sie zu einander liebenden Geschwistern gemacht hatte. Sie schämten sich ihres Verhaltens und erkannten, dass sie hereingelegt worden waren. Weinend umarmten sie sich und gingen mit dem Propheten zur Moschee.[221]

Nachdem nun die meisten Bewohner Medinas Muslime geworden waren, wurde es notwendig, einen Weg zu finden, sie zum gemeinsamen Gebet in die Moschee zu rufen. Anfangs waren sie ohne Aufforderung zur richtigen Zeit zum Propheten gekommen; das war nun nicht mehr so einfach. Der Prophet überlegte mit ihnen, was man machen könne. Sie dachten an ein Horn oder eine Glocke, um zum Gebet zu rufen.

Abdullah Bin Zaid hatte einen Traum. Gleich nachdem er wach wurde, ging er zum Propheten und sprach: „O Gesandter Allahs, in der letzten Nacht sah ich im Traum, wie ein grün gekleideter Mann mit einer Glocke in der Hand an mir vorbeilief. Ich habe ihn gefragt: ‚Du Diener Allahs, würdest du mir diese Glocke verkaufen?’

‚Was hast du damit vor?‘, fragte er mich.

‚Zum Gebet rufen‘, antwortete ich ihm.

‚Soll ich dir etwas Besseres zeigen?‘, entgegnete er.

‚Was wäre das denn?‘, fragte ich.

Da sagte er: ‚Rufe viermal: „Allahu akbar, Allah ist größer!“ und jeweils zweimal: „Aschhadu an la ilaha illa Allah – ich bezeuge: Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah! Aschhadu anna Muhammadan Rasulullah – ich bezeuge: Muhammad ist der Gesandte Allahs! Hayya ‘alas Salah – kommt zum Gebet! Hayya ‘alal Falah – kommt zum Heil! Allahu akbar – Allah ist größer!“ Und dann zuletzt einmal: „La ilaha illa Allah – es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah.“‘

Als der Prophet dies hörte, rief er: „Ein wahrer Traum, so Allah will! Geh zu Bilal und bring es ihm bei. Er soll damit zum Gebet rufen; denn seine Stimme ist kräftiger als deine!“[222]

Gewiss war die Stimme Bilals – auf dessen Körper Umayya einst den schweren Stein gelegt hatte und der in der Hitze Mekkas so grausam gefoltert worden war – diejenige, die es verdiente, den Ruf der Einzigkeit Allahs laut und herrlich zu verkünden, so dass er die Weiten des Himmels durchdrang und alle Menschen ehrfürchtig erschauern ließ. Ein Ruf, der seitdem fünfmal am Tag die Einheit und Großartigkeit Allahs in arabischer Sprache verkündet, ohne dass je eine einzige Silbe geändert wurde.

Umar war in seinem Haus, als er Bilals Stimme hörte, die zum Gebet rief. Er rannte so schnell er konnte zum Propheten und sprach: „O Prophet Allahs! Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit sandte, ich hatte den gleichen Traum!“

„Allah sei gelobt dafür!“, rief der Prophet.

In der Nähe der Moschee stand das höchste Haus der Stadt. Es gehörte einer Frau von der Sippe der Nadschar. Von hier aus rief Bilal nun jeden Tag zum Morgengebet. Bevor es dämmerte, war er immer schon da und wartete, bis er das Frühlicht erblickte. Dann sprach er ein Bittgebet: „O Allah, ich lobpreise Dich und erbitte Deine Hilfe, dass die Quraisch Deiner Religion folgen!“

Es gab keine Nacht, in der er diese Worte auch nur einmal vor seinem Gebetsruf ausließ.[223]

 Atikas Traum

D

er Islam hatte sich in Mekka, ganz Medina und in vielen anderen Orten Arabiens verbreitet.

Die Anführer der Quraisch aber wiesen seine Botschaft weiterhin zurück, nahmen alle gefangen, die dem Propheten folgten, und folterten sie. Bisher war es den Muslimen untersagt gewesen, sich zu wehren. Als sich nun jedoch auch Angriffe auf die Muslime in Medina ankündigten – die Verschleppung Ayyashs war nur ein Fall von vielen – empfing der Prophet die himmlische Erlaubnis, sich aktiv zu verteidigen. Die Verse lauteten: „Die Erlaubnis, (sich zu verteidigen), ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht zugefügt wurde – und Allah hat wahrlich die Macht, sie zum Sieg zu führen. Jene, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagen: ‚Unser Herr ist Allah.‘ Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Mönchsklausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs häufig genannt wird, niedergerissen worden. Und Allah wird ganz gewiss denjenigen zum Sieg verhelfen, die Ihm helfen. Allah ist wahrlich Stark und Allmächtig.“[224]

Um aber die Grenzen und Regeln dieser Verteidigung zu bestimmen, offenbarte Allah: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und bis aller Glaube Allah gehört. Wenn sie aber aufhören, dann darf es keine Gewalttätigkeit geben außer gegen diejenigen, die Unrecht tun.“[225] Und weiter: „Überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht.“[226]

Offensichtlich waren die Götzendiener davon ausgegangen, dass die Muslime sich nie verteidigen würden und dass man sie auch in Medina verfolgen und ausplündern konnte. Aber eine Offenbarung verhieß: „So lasse den Ungläubigen noch Zeit; lasse ihnen nur eine Weile Zeit.“[227]

Die Muslime wussten, dass es ohne Verteidigung keinen Frieden und keine Freiheit geben würde. Doch ohne einen Befehl von Allah durften sie nichts unternehmen – ganz gleich, wie gern sich manche von ihnen von Anfang an verteidigt hätten, um der Tyrannei und dem Morden ein Ende zu setzen.

Die Quraisch schickten einen Brief an Ibn Salul, der als Kopf der Heuchler bekannt war, und verlangten von ihm, er solle den Gesandten ermorden oder wenigstens verfolgen. Täte er das nicht, würden sie sich versammeln, Medina angreifen, alle Männer töten und die Frauen verschleppen. Ibn Salul kam dieser Brief sehr gelegen, denn er sicherte ihm Unterstützung aus Mekka zu. Er versuchte, alle Götzendiener und Heuchler zu vereinen, um die Muslime zu bekämpfen. Doch schon bald erfuhr Muhammad davon. Er ließ seine Gegner zu sich kommen, stellte sie zur Rede und konnte das Feuer ihres Hasses durch seine Weisheit löschen.[228]

Die Gefahr durch die Quraisch war jedoch so groß, dass der Prophet eines Nachts zu Aischa sagte: „O wäre doch jemand von meinen Gefährten da, der mich heute Nacht bewachen würde!“ Bald schon hörten sie das klappernde Geräusch von Waffen.

„Wer ist da?“, rief der Prophet.

„Ich bin es, Saad Bin Abi Waqqas! Ich habe Angst um dich. Deshalb bin ich gekommen, um dich zu bewachen!“

Der Prophet sprach Bittgebete für ihn. Dann schlief er ruhig ein.[229]

Die Muslime bewachten den Propheten nun nachts so lange, bis ihnen offenbart wurde, dass „Allah dich vor den Menschen schützen wird.“[230] Da kam der Prophet zu ihnen heraus und sagte: „O ihr Menschen, ihr könnt gehen, Allah der Erhabene wird mich schützen!“

Die Situation für die Muslime in Medina war also ernst. Das hinderte sie jedoch nicht daran, fleißig zu arbeiten und nach den Gesetzen des Korans zu leben. Sie begannen, um Medina herum Friedensabkommen mit den Stämmen zu schließen, Gerechtigkeit herzustellen und die Wege vor Straßenräubern und ähnlichem sicher zu machen. Dies wurde durch bewaffnete Expeditionen gewährleistet, die der Prophet immer wieder von Medina aus sandte.

Auf einem dieser Streifzüge gewann der Prophet die Freundschaft der Bani Mudladsch und ihrer Verbündeten von den Bani Damra.

Die Bildung des islamischen Staates war den Mekkanern ein Dorn im Auge, und sie sammelten Kräfte, um ihn zu vernichten. Auch versuchten sie, die gesamte arabische Halbinsel gegen Muhammad und seine Gefährten aufzubringen. Das Hab und Gut, das die Muslime in Mekka zurückgelassen hatten, wurde von den Götzendienern entwendet und auf Kamele geladen, um es zu verkaufen.

Eine dieser Karawanen wurde von Abu Sufyan nach Syrien geführt. Auf dem Weg zurück nach Mekka musste er nahe an Medina vorbei. Die Muslime, die von der Karawane erfahren hatten, wollten sie abfangen, um einen Teil der Güter als Ersatz für ihre gestohlene Habe von den Quraisch zurückzuerobern. Die Nachricht von der militärischen Bewegung der Muslime erreichte Abu Sufyan. Er verstärkte seine Wachsamkeit und bereitete einen Boten vor, den Damdam Bin ‘Amr, den er eilends mit der Weisung nach Mekka schickte, die Quraisch von der Verteidigung ihrer Güter zu überzeu-gen, da die Karawane in Gefahr sei.

Drei Nächte vor der Ankunft des Boten in Mekka hatte Atika, die Tante des Propheten, einen Traum, der sie erbeben ließ. Sie rief nach ihrem Bruder Abbas und erzählte ihm davon, bat ihn jedoch, niemand Weiterem von dem Traum zu berichten.

„Was hast du im Traum gesehen?“, fragte Abbas gespannt.

„Ich sah einen Mann auf einem Kamel reiten, im Tal hielt er an. Dann rief er mit schrecklicher Stimme: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!‘ Ich sah, wie die Leute sich um ihn scharten. Dann betrat er die Moschee und die Menschen folgten ihm. Währenddessen sprang er mit seinem Kamel auf das Dach der Kaaba und rief wieder: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!‘ Dann gelangte er mit seinem Kamel auf den Gipfel des Abu Qubays und rief: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!‘ Kurz darauf nahm er einen Felsbrocken und schleuderte ihn hinunter. Als der Stein unten aufschlug, zerbrach er in tausend Stücke und seine Splitter trafen jedes Haus in Mekka.“[231]

Abbas wunderte sich über den Traum und sagte zu seiner Schwester: „Bei Allah, das ist ein wahrer Traum, den du geheim halten solltest!“ Dann ging er in die Stadt. Auf dem Weg traf er seinen Freund Walid Bin Utba.

Er erzählte ihm den Traum der Schwester und bat ihn, nicht mit anderen darüber zu sprechen. Walid aber erzählte ihn seinem Vater Utba, und es dauerte nicht lange, bis ganz Mekka darüber redete.

Am Tage darauf ging Abbas, um einen Tawaf zu verrichten, also die Kaaba zu umschreiten. Währenddessen saß Abu Dschahl mit einigen Leuten der Quraisch beisammen; sie sprachen über Atikas Traum.

Abu Dschahl rief Abbas zu: „O Abul Fadl, wenn du mit deinem Tawaf fertig bist, komm zu uns!“

Als Abbas fertig war, ging er zu ihnen. Abu Dschahl fragte ihn bös-artig: „O ihr Söhne Abdul-Muttalibs, seit wann sieht diese Prophetin unter euch Dinge voraus? Seid ihr nicht damit zufrieden, dass eure Männer prophezeien, tun das nun auch eure Frauen?“

Abbas fragte, was er damit meinte.

Abu Dschahl erwiderte: „Atikas Traum, in dem jemand gesagt haben soll: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!‘ Wir werden drei Tage warten! Wenn es stimmt, was sie sagt, wird es so sein; wenn aber die drei Tage um sind und nichts geschehen ist, werden wir ein Schreiben über euch veröffentlichen, dass ihr die größte Lügnerfamilie unter allen Arabern seid!“

Abbas, dem nichts einfiel, was er Abu Dschahl erwidern konnte, schwieg und ging nach Hause.

Die Frauen der Sippe Abdul-Muttalib tadelten ihn: „Bist du damit zufrieden, dass der bösartige Abu Dschahl zuerst über die Männer herfällt und nun auf diese Weise auch noch die Frauen verhöhnt? Und du hörst einfach zu?“

„Bei Allah, ich habe keine passende Antwort gefunden. Ich werde ihn aber morgen herausfordern, und wenn er es wiederholt, werde ich mit ihm etwas machen, was euch zufriedenstellt!“

Am nächsten, also am dritten Tag nach Atikas Traum, ging Abbas wütend zur Kaaba und wollte tun, was er am Tag zuvor versäumt hatte. Er sah Abu Dschahl. Er näherte sich ihm, um ihn zu provozie-ren, damit er das, was er am Tag zuvor gesagt hatte, wiederholte.

Abu Dschahl war ein lebhafter Mann mit harten Gesichtszügen, scharfer Zunge und scharfem Blick. Doch bevor Abbas ihm etwas sagen konnte, erhielt Abu Dschahl seine Antwort – so heftig, dass die Felsen des Abu Qubays von der lauten Stimme des Boten Abu Sufyans widerhallten: Das war Damdam!

Als er das Innere des Tals von Mekka erreichte, verstümmelte er seinem Kamel die Nase, so dass es blutete, drehte den Sattel herum, zerriss sein Hemd von vorn und hinten und schrie: „O ihr Quraisch! Das Geld und der Handel! Euer Vermögen, das Abu Sufyan verwaltet! Es ist in Gefahr, Muhammad und seinen Gefährten in die Hände zu fallen. Ich weiß nicht, ob ihr es noch zu fassen bekommt! Zu Hilfe! Zu Hilfe!“

Das ganze Theater machte er als Zeichen eines drohenden Unheils. Abu Sufyan hatte ihn reichlich bezahlt, damit er seine Rolle so glaubwürdig spielte wie nur möglich.

Abu Dschahl und seine Männer machten sich bereit. Kein Sippen-führer oder Kampffähiger blieb zurück – nur Abu Lahab, der an seiner Stelle einen Mann namens Al-Asi Bin Hischam schickte, der ihm viertausend Dirham[232] schuldete und seine Schulden nicht bezahlen konnte. Als Gegenleistung für das Erlassen der Schuld sollte Al-Asi in den Krieg ziehen.

Von den Oberhäuptern der Quraisch wollte auch Bilals ehemaliger Besitzer Umayya Bin Chalaf, ein dicker, hochnäsiger alter Mann, zurückbleiben, worauf Uqba mit einer Weihrauchschale zu ihm zur Kaaba ging. Er hielt sie ihm unter die Nase, beräucherte ihn und spottete: „Parfümiere dich damit, du gehörst ja zu den Frauen!“

„Allah verfluche dich und das, womit du gekommen bist!“, schimpfte Umayya und nahm die Herausforderung an, indem er sich vorbereitete, mit den anderen in den Kampf zu ziehen.[233]

 Die Schlacht von Badr

D

er Prophet hatte erfahren, dass die Quraisch eine Armee mobilisiert hatten, die sich in Richtung der Muslime bewegte. Er beriet sich mit seinen Gefährten, wie nun vorzugehen sei.

Die Truppe, die von Medina ausgezogen war, um die Karawane abzufangen, war als Expedition gedacht, daher waren nicht alle kampffähigen Männer dabei. Sie hatten nicht damit gerechnet, gegen eine Armee antreten zu müssen.

Dem Propheten und seinen Anhängern war bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs der mekkanischen Truppen auf Medina groß war.

Nun standen sie vor der Entscheidung, sich dem Feind zu stellen oder nach Medina zurückzukehren und die Quraisch dort zu erwarten. Der Prophet zog seine Gefährten zu Rate.

Abu Bakr, Umar und Al-Miqdad[234] sprachen für die Auswanderer. Sie waren der Ansicht, dass der Angriff der Mekkaner außerhalb Medinas abgewehrt werden müsse. Al-Miqdad sagte: „O Gesandter Allahs! Gehe dorthin, wohin Allah dir den Weg zeigt. Und wir sind mit dir. Wir werden nie sagen, wie die Kinder Israels zu Moses sprachen: ‚Gehe doch du hin und dein Herr, und kämpft ihr beide! Wir bleiben hier sitzen.‘[235] Nein, wir sagen dir: ‚Gehe doch, du mit deinem Herrn, und kämpft ihr beide! Wir werden zusammen mit euch kämpfen!‘“

Der Prophet segnete ihn. Dann sagte er zu den Helfern: „Ihr Leute, gebt mir einen Rat!“ Saad Bin Mu‘adh, ihr Anführer, fragte: „Bei Allah, das klingt so, als ob du uns meintest, o Gesandter Allahs?“

Der Prophet sagte: „Ja!“ Saad sagte: „Wahrlich, wir glauben an dich und bezeugen, dass das, womit du gesandt bist, die Wahrheit ist. Darauf haben wir den Treueid geschworen, um dir zu gehorchen. Also tue, was du möchtest, und wir sind mit dir! Ich schwöre bei Dem, Der dich mit der Wahrheit sandte, auch wenn du uns den Befehl geben würdest, das Meer zu durchqueren, würden wir dir folgen, und kein einziger Mann von uns würde zurückbleiben. So führe uns mit Allahs Segen!“[236]

Diese Worte erfreuten den Propheten. Er rief: „Dann zieht weiter! Und seid frohen Mutes, denn Allah, der Höchste, hat mir versprochen, dass wir eines von beiden bekommen: die Karawane oder den Sieg über das Heer der Quraisch. Und bei Allah, mir ist so, als würde ich schon das besiegte Volk sehen!“

Sie rüsteten sich und brachen auf. Der Prophet und seine Gefährten hatten nur siebzig Kamele, auf denen sie abwechselnd ritten. Muhammad teilte den Rücken seines Kamels mit Ali und Marthad. Er wollte nicht die ganze Zeit reiten und andere zu Fuß gehen lassen.[237]

Als sie in der Nähe von Badr[238] lagerten, sandte der Prophet am Abend Az-Zubair und Saad Bin Abi Waqqas[239] mit anderen Männern zum Brunnen von Badr, um Ausschau zu halten. Dort trafen sie zwei Sklaven, die Wasser für die Quraisch holen wollten. Sie nahmen die beiden mit und begannen sie zu befragen, während der Prophet noch sein Gebet verrichtete.

Az-Zubair und Saad hofften aber, dass die beiden zur Karawane Abu Sufyans gehörten, deshalb schlugen sie die Männer, bis sie sagten, sie seien für Abu Sufyan unterwegs. Erst dann ließen sie die beiden in Ruhe.

Nachdem er sein Gebet beendet hatte, tadelte sie der Prophet: „Als sie euch die Wahrheit sagten, habt ihr sie geschlagen und als sie dann logen, habt ihr sie in Ruhe gelassen. Bei Allah, sie sagten die Wahrheit, sie gehören zu den Quraisch.“ Dann fragte er die beiden freundlich, wo die Quraisch seien.

„Bei Allah, sie sind hinter jenem Hügel, den du dort neben dem Tal siehst.“

Der Prophet fragte: „Wie viele?“

„Viele.“

Da sie mit Zahlen offenbar wenig anfangen konnten, fragte er: „Wie viele Kamele schlachten sie jeden Tag?“

„Manchmal neun, manchmal zehn“, antworteten sie.

„Dann sind es zwischen neunhundert und tausend Menschen“, schätzte der Prophet. „Welche Edlen der Quraisch sind dabei?“

„Abu Dschahl, Umayya, ‘Amr Bin Abd Wudd, Nadir, Utba, Schayba, Abul Bachtari, Hakim, Naufal, Harith …“

Als der Prophet diese bedeutenden Namen hörte, wandte er sich zu seinen Gefährten und sprach: „Mekka hat seine besten Männer geschickt!“[240]

Die beiden Armeen marschierten zu den Brunnen von Badr.

Die Muslime erreichten sie zuerst und begannen, ihr Lager vor den Brunnen aufzuschlagen, so dass diese zwischen ihnen und dem Feind lagen. Einer der Gefährten, Hubab Bin Al-Mundhir, fragte den Propheten: „Ist dies ein Lagerplatz, welcher dir von Allah befohlen wurde?“ Der Prophet verneinte. Daraufhin sagte Hubab: „Dann ist dies kein guter Lagerplatz. Lass das Lager hinter den Brunnen aufschlagen, so haben wir Wasser und die Quraisch nicht!“ Der Prophet folgte dem Rat Hubabs. Damit hatten sie sich einen Vorteil gesichert.

In der Nacht vor der Schlacht hatte Dschuhaym Bin As-Salt von der Sippe der Muttalib einen Traum: „Ich hatte einen Traum zwischen Schlafen und Wachen; ich sah, wie ein Mann, der auf einem Pferd ritt, sich näherte und stehenblieb. Er hatte ein Kamel bei sich und sagte: ‚Utba und Schayba, Abu Dschahl und Umayya sind getötet worden!‘“ Er nannte noch einige Männer und fuhr fort: „Dann stach er das Kamel mit seinem Dolch und ließ es durch das Heer laufen. Es gab kein Zelt im ganzen Lager, dass nicht mit Blut befleckt wurde!“

Als er seinen Traum Abu Dschahl erzählte, rief dieser: „Da haben wir also noch einen Propheten unter den Söhnen Muttalibs! Morgen, wenn wir aufeinandertreffen, wird er wissen, wer getötet wird!“[241]

Inzwischen hatte Abu Sufyan seine Karawane in Sicherheit gebracht. Er schickte einen Boten zu den Quraisch und ließ ihnen ausrichten: „Ihr seid unterwegs, um die Karawane, die Männer und eure Güter zu retten. Sie wurden bereits gerettet, nun kehrt wieder um!“

Abu Dschahl aber widersprach: „Nein! Wir werden nicht umkehren, bevor wir Badr erreicht haben! Wir wollen drei Tage dortbleiben, Kamele schlachten, essen, Wein trinken, und die Sklavinnen sollen für uns singen. Die Araber werden von unserer Versammlung hören. Danach werden sie uns für immer schätzen. Geht nur weiter!“

Achnas jedoch ermahnte seine Leute, nicht auf Abu Dschahl zu hören und kehrte mit ihnen zurück nach Mekka.[242] Gleich danach kehrte auch Talib mit den Bani Haschim zurück. Einige Männer der Quraisch stritten sich deshalb mit ihnen und beschuldigten sie: „Wir wissen, dass ihr Zuneigung für Muhammad empfindet, obwohl ihr mit uns hierhergekommen seid.“

Auch Utba Bin Rabi‘a, der zwar ein Gegner des Propheten war, einem Kampf aber dennoch kritisch gegenüberstand, machte noch einen Versuch, seine Leute zur Vernunft zu bringen: „In diesem Krieg wird es keinen Gewinner geben! Selbst wenn ihr Muhammad und seine Gefährten besiegt, so werdet ihr euch später nicht mehr ins Gesicht sehen können. Die Männer da drüben sind eure Verwandten! Nach dem Kampf werdet ihr euch gegenseitig dafür hassen, dass ihr eure Verwandten getötet habt. Kehrt lieber um!“

Aber Abu Dschahl beschimpfte Utba als Feigling: „Er hat es mit der Angst[243] bekommen, als er Muhammad und seine Gefährten gesehen hat. Aber nein, wir werden nicht zurückkehren, bis nicht Allah zwischen uns und Muhammad entschieden hat. Utba hat nur gesehen, dass Muhammad und seine Gefährten so wenige sind, dass sie von einem Kamel satt werden können.[244] Und weil sein eigener Sohn Abu Hudhayfa unter ihnen ist, hat er nun Angst um ihn.”

Als es Nacht wurde, „senkte Allah einen friedlichen Schlaf auf die Gläubigen“[245], aus welchem sie frohen Mutes erwachten.

Die Sonne stieg aus dem Dunst – der Morgen der Schlacht brach an. Die Quraisch rückten näher und begannen sich auf dem Hügel zu postieren. Als sie den Gipfel erreicht hatten und der Prophet die stark bewaffneten Truppen, die nach Blutvergießen riefen, zahlreich in Richtung Badr herabkommen sah, rief er aus: „O Allah, dies sind die Quraisch, die in ihrer Überheblichkeit und ihrem Hochmut gekommen sind und Dich und Deinen Propheten verleugnen. O Allah, gib uns Deine Hilfe, die Du mir versprochen hast! O Allah, vernichte sie am heutigen Morgen!“

Die Quraisch schlugen ihr Lager am Fuß des Hügels auf und sahen die wenigen Muslime, die ihnen gegenüber zahlenmäßig weit unterlegen wirkten. Sie schickten Umair Bin Wahb als Kundschafter, um herauszufinden, ob noch weitere Verstärkung da wäre. Er kehrte zurück und gab bekannt, dass in der ganzen Gegend keine anderen Muslime seien, außer denen, die man sah.

Der Prophet begann die Reihen der Gläubigen zu ordnen, wobei er einen Pfeil in der Hand trug. Einem Helfer namens Sawad, der von der Reihe abwich, tippte er mit dem Pfeil auf den Bauch.

„Steh gerade, Sawad!“

„O Gesandter Allahs, du hast mir wehgetan! Weil Allah dich mit Wahrheit und Gerechtigkeit gesandt hat, gib mir mein Recht zurück!“

Ohne zu zögern gab der Prophet Sawad seinen Pfeil, entblößte seinen Bauch und forderte ihn auf, er solle sich rächen.

Sawad umarmte den Propheten und küsste seinen Bauch.

Der Prophet fragte ihn nach dem Grund für sein Verhalten.

Sawad antwortete: „O Gesandter Allahs, du siehst, was uns erwartet. Ich will, dass bei meiner letzten Gelegenheit, mit dir zusammen zu sein, meine Haut die deine berührt.“ Da betete der Gesandte für ihn um Segen.[246]

Als die Mekkaner noch deutlicher sahen, wie klein die Zahl der nur leicht bewaffneten Muslime war, jubelten sie siegesgewiss. Muhammad war klar, dass die Zahl der Mekkaner um ein Vielfaches größer war als die seiner eigenen Leute. Er zog sich zurück, um Allah um die Hilfe zu bitten, die Er ihm versprochen hatte. Der Prophet fiel in einen leichten Schlaf und empfing die Kunde vom Sieg. Er sagte zu Abu Bakr: „Abu Bakr, dir ist der Sieg Allahs gekommen! Hier ist Gabriel, der die Zügel eines Pferdes hält, auf dessen Zähnen Staub ist!“[247]

Der Prophet wusste nun, dass die Muslime göttliche Hilfe bekommen würden. Allah hatte versprochen, ihnen Engel zu senden.[248]

Utba Bin Rabi‘a konnte die Schlacht jetzt nicht mehr verhindern. Seine Unsicherheit war immer noch so groß, dass er an Umkehr dachte. Die Quraisch jedoch beharrten auf ihren üblen Plänen. Al-Aswad Bin Asad von den Bani Machzum, ein berüchtigter Krieger, der sich bereits des Sieges sicher fühlte, trat als erster von den Quraisch hervor und rief: „Ich verspreche, aus ihrem Becken zu trinken oder es zu zerstören oder zu sterben!“

Doch bevor er sich dem Becken nähern konnte, traf ihn Hamza, der Onkel des Propheten, mit einem Schwerthieb am Bein. Blutend sank er auf den Rücken nieder. Er kroch zum Becken und warf sich hinein, um sein Gelübde zu erfüllen. Hamza folgte ihm und schlug ihn erneut, bis er ihn tötete.

Nach ihm rückte Utba mit seinem Bruder Schayba und seinem Sohn Walid vor und forderte die Muslime zum Duell auf. Drei junge Ansar, also Helfer aus Medina, sprangen vor. Die Quraisch aber riefen: „Wer seid ihr?“

„Männer von den Ansar!“

„Wir brauchen euch nicht! Muhammad! Schicke unseresgleichen aus unserem Stamm!“

Der Prophet rief: „Steh auf, Ubayda Bin Al-Harith[249], steh auf, Hamza, und steh auf, Ali!“ Die Quraisch riefen: „Ja! Sie sind uns ebenbürtig und edel.“ Ubayda – er war der Älteste – kämpfte gegen Utba, Hamza gegen Schayba und Ali gegen Walid.

Nach einem kurzen Kampf hatten Hamza und Ali ihre Gegner getötet. Ubayda und Utba schlugen sich gegenseitig und fielen verwundet zu Boden. Dann kamen Hamza und Ali hinzu und töteten Utba. Sie brachten Ubayda zu ihren Gefährten.

Jetzt griffen die Quraisch an. Der Prophet rief: „Erst wenn die Leute nah genug sind, überschüttet sie mit Pfeilen!“[250]

Beide Seiten beschossen sich mit Pfeilen; als erster Muslim wurde Mihdscha, ein ehemaliger Sklave, durch einen Pfeil getötet; ein weiterer traf Haritha, einen jungen Mann aus Medina, als er aus dem Becken Wasser trank.

Da rief der Prophet seinen Leuten zu:

„Bei Dem, in Dessen Hand Muhammads Seele ist, jeder Mann, der heute geduldig und im Streben nach Allahs Lohn stirbt, der vorwärtsschreitet und nicht rückwärts, den wird Allah ins Paradies eintreten lassen!“

Unter den Quraisch war auch Abul-As, der Schwiegersohn des Propheten, der Gatte seiner Tochter Zaynab. Aufgrund seiner Redlichkeit und Güte war er einer der geachtetsten Männer in Mekka. Er war ein Neffe Chadidschas, die ihn wie einen eigenen Sohn geliebt hatte.[251] Der Prophet klärte seine Gefährten auf: „Ich weiß, dass es einige unter den Bani Haschim und auch andere gibt, die nicht freiwillig gekommen sind und kein Interesse daran haben, uns zu bekämpfen!“ Er nannte viele Namen von Männern, die im Kampf nicht getötet werden sollten.

Der Prophet hob eine Handvoll Sand auf und rief: „Erniedrigt werden sollen diese Gesichter!“ Dann warf er mit dem Sand nach den Feinden und gab den Befehl zum Gegenangriff.

Als sie sich in den Kampf warfen, spürten die Gläubigen eine gewaltige Kraft, die sie vorantrug. Viele von ihnen erblickten weißgekleidete Männer, die auf himmlischen Pferden neben ihnen durch die Luft sprengten und mit ihnen gegen den Feind vorstießen. Es schien, als sei das Heer der Gläubigen auf wunderbare Weise verdoppelt, ja verdreifacht. Während Abu Dawud Almazny einen Götzendiener verfolgte, sah er, wie dessen Kopf abgetrennt wurde, durch eine andere Kraft, schon bevor er ihn erreichte.

Ibn Abbas berichtet, dass ein Mann aus dem Stamm Ghifar erzählte: „Ich kletterte mit meinem Cousin auf einen Hügel, um Badr zu beobachten und danach mit den Siegern an der Verteilung der Beute teilzunehmen. Als wir uns auf dem Hügel befanden, waren wir plötzlich von einer Wolke umgeben und hörten Pferdegewieher. Mein Cousin fiel zu Boden und sein Herz zersprang vor Angst, so dass er auf der Stelle tot war. Beinahe wäre auch ich gestorben.“ [252]

Die Quraisch wurden von Entsetzen gepackt. Eine grenzenlose Angst überfiel sie, so dass sie trotz ihrer zahlenmäßigen Übermacht zu fliehen begannen. Die Muslime, die spürten, dass sie in diesem Gefecht nicht allein waren, gewannen an Hoffnung und Mut. Etwa siebzig Männer der Quraisch wurden getötet und etwa ebenso viele gefangen genommen, unter ihnen Abul-As, der Schwiegersohn Muhammads. Mehr als achthundert Mekkaner flüchteten – sie konnten sich allerdings jederzeit neu ordnen und zurückkommen. Die Muslime verloren nur vierzehn Männer. Sie hatten den Kampf trotz der Übermacht des Feindes gewonnen!

Als der Sieg der Gläubigen sicher war und es danach aussah, dass die Quraisch sich nicht neu formieren würden, schickte der Prophet Abdullah Bin Rawaha und Zaid Bin Haritha mit der Botschaft des Sieges nach Medina.

Usamah Bin Zaid berichtet: „Wir hatten gerade Ruqayya, die Tochter des Propheten, die Frau Uthmans, beerdigt, als mein Vater Zaid in Medina ankam. Ich erreichte ihn, als er von Menschen umgeben auf dem Gebetsplatz stand und rief: ‚Getötet sind die Führer der Quraisch: Utba, Schayba, Abu Dschahl, Zama‘a, Umayya[253] und die beiden Söhne des Al-Hudschadsch, Nabih und Munabbih!‘“

Der Prophet beriet nun mit seinen Gefährten, was sie mit den Gefangenen machen sollten. Abu Bakr schlug vor, sie mit nach Medina zu nehmen und gegen ein Lösegeld freizulassen. Sie waren ja trotz all ihrer Verbrechen die Verwandten und Stammesangehörigen der Auswanderer. Umar hingegen war dafür, sie wegen ihrer Verbrechen hinzurichten, denn an ihren Händen klebte das Blut der gequälten und getöteten Muslime aus Mekka. Zwar hatten die Muslime eine Schlacht gewonnen, nicht aber den Krieg, welchen die Quraisch sicher noch weiter anheizen würden. Alle freigelassenen Mekkaner würden somit weiterhin eine Gefahr für die Muslime darstellen. Der Prophet aber stimmte Abu Bakr zu.

Die Einzigen, die nach diesem Beschluss noch ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden, waren Nadr Bin Al-Harith und Uqba Bin Abi Mu‘it, wegen ihrer schweren Verbrechen und ihrer Grausamkeit den Menschen gegenüber. [254]

Muhammad erreichte Medina wenige Tage später, kurz bevor man die Gefangenen brachte. Er verteilte sie an seine Gefährten und trug ihnen auf, sie gut zu behandeln. Die Muslime teilten ihr Essen und ihre Wohnungen mit ihnen.[255] Diejenigen von den Gefangenen, die das Lösegeld zahlten, wurden freigelassen, andere, die sich das Lösegeld nicht leisten aber lesen und schreiben konnten, bekamen die Aufgabe, stattdessen jeweils einige Kinder der Muslime das Lesen und Schreiben zu lehren.[256] Viele von ihnen wurden aber auch ohne Lösegeld freigelassen.

Gespannt saß Abu Lahab im großen Zamzam-Zelt in Mekka, als Abu Sufyan eintraf. Er rief: „Setz dich zu mir, mein Neffe, und berichte, was mit den Leuten passiert ist!“

Von den Ereignissen in Badr erschüttert, erwiderte Abu Sufyan: „Bei Allah, es gibt nichts zu sagen, außer dass wir, sobald wir auf die Leute trafen, ihnen sofort wieder den Rücken zuwandten, damit sie uns töteten und gefangen nahmen wie sie wollten. Deshalb würde ich keinen unserer Krieger tadeln, weil wir jenen weißgekleideten Männern auf den gescheckten Pferden, die zwischen Himmel und Erde ritten und keinen verschonten, nichts entgegenzusetzen hatten!“[257]

„Bei Allah, das waren die Engel!“, rief der Sklave Abu Rafi‘ jubelnd, der mit Umm Al Fadl in einer Ecke des Zeltes kauerte und Pfeile machte. Beide hatten ihren Glauben an den Islam bisher geheim gehalten.

Da wurde Abu Lahab wütend und fing an, ihm ins Gesicht zu schlagen. Als der magere und schwache Sklave sich zu wehren versuchte, warf Abu Lahab ihn zu Boden, kniete sich auf ihn und schlug ihn weiter. Umm Al Fadl konnte das nicht mit ansehen. Sie stand auf und nahm einen Pfahl. Mit ihrer ganzen Kraft schlug sie auf den Schädel von Abu Lahab. „Behandelst du ihn so, nur weil sein Herr gerade nicht da ist?“[258]

Als die besiegten Götzendiener nach und nach in die Stadt zurückkehrten, verboten Abu Sufyan und die anderen Oberhäupter den Quraisch, ihre Toten zu beklagen, damit Muhammad und seine Gefährten nicht triumphieren sollten. Es wurde auch beschlossen, dass niemand zu Muhammad gehen sollte, um ihn darum zu bitten, seine Angehörigen freizulassen.

Der berüchtigte und inzwischen erblindete Aswad, der seine Sklaven gefoltert hatte, verlor in der Schlacht drei Söhne und wollte um sie weinen, aber es war streng verboten. Als er in der Nacht heftiges Wehgeschrei hörte, befahl er seinem Sklaven: „Sieh nach, ob das Weinen wieder erlaubt ist und ob die Quraisch ihre Toten beklagen dürfen, damit ich auch um Zama‘a weinen kann! Denn es brennt in mir!“

Als der Sklave zurückkam, brachte er die Nachricht, dass es sich nur um eine Frau handelte, die um ihr verlorenes Kamel weinte.[259]

Die Wunde an Abu Lahabs Schädel heilte nicht und noch dazu bildeten sich Beulen, mit denen bald sein ganzer Körper übersät war. Sieben Tage nach dem Schlag von Umm Al Fadl starb er.

Man ließ ihn drei Tage unbeerdigt liegen, doch dann stank sein Leichnam so sehr, dass die ganze Stadt sich darüber beschwerte. Aus Angst vor Gerede schoben seine Söhne ihn schließlich mit langen Stöcken in eine Grube und warfen aus einiger Entfernung Sand und Steine auf ihn.[260]

Abu Sufyan, dessen Sohn auch gefangen genommen worden war, hielt sein Wort und bat nicht um dessen Freilassung gegen Lösegeld. Die meisten anderen jedoch waren unterwegs nach Medina, um mit den Siegern über die Freilassung ihrer Angehörigen zu verhandeln.

Abu Sufyan aber nahm bei der nächsten Gelegenheit einen alten schwachen Mann aus Medina, der zur Pilgerfahrt nach Mekka gekommen war, als Geisel und wollte ihn erst wieder freilassen, wenn man seinen Sohn freiließ.

Die Familie des Greises ging zum Propheten und bat ihn, ‘Amr, den Sohn Abu Sufyans, freizulassen, damit dafür der alte Mann freikäme. Der Prophet war sofort einverstanden.[261]

Zaynab, die Tochter des Propheten, deren Ehemann Abul-As bei der Schlacht von Badr gefangen genommen worden war, schickte für seine Freilassung ein Lösegeld, dem sie eine Kette beilegte, welche ihr ihre Mutter Chadidscha zur Hochzeit geschenkt hatte.

Als der Prophet die Kette erkannte, rührte ihn das so sehr, dass er die Gefährten bat, Abul-As freizulassen. Abul-As bat er, seiner Tochter Zaynab die Auswanderung nach Medina zu ermöglichen, was dieser ihm auch versprach.

Als er nach seiner Freilassung in Mekka ankam, sagte er seiner Frau, dass sie ihrem Vater nach Medina folgen dürfe. Ihre kleine Tochter Umama sollte sie mitnehmen.

Als Zaynab, die schwanger war, die lange Reise nach Medina antreten wollte, erklärte ihr Schwager Kinana sich bereit, sie zu begleiten. Er nahm Bogen und Köcher und verließ Mekka mit Zaynab und seiner kleinen Nichte Umama, die beide auf einem Kamel saßen, bei helllichtem Tag. Einige Männer der Quraisch bemerkten das, und unter ihnen gab es allerlei Gerede, bis einige ihr schließlich folgten. Der Erste, der sie erreichte, war Habbar, ein Sohn des blinden Al-Aswad. Er begann sie zu umkreisen und mit dem Speer auf sie und ihre Tochter zu zielen. Er erschreckte das Kamel so sehr, dass Zaynab aus der Sänfte stürzte und sich verletzte. Durch den Schreck und die Verletzung erlitt sie eine Fehlgeburt.[262]

Kinana, ihr Schwager, sprang von seinem Reittier ab, nahm seinen Bogen und leerte seinen Köcher vor sich in den Sand. Während er seinen Bogen spannte, schrie er: „Bei Allah, wenn einer von euch mir zu nahe kommt, werde ich ihn mit einem Pfeil durchbohren!“

Die Leute entfernten sich von ihm. Abu Sufyan bat ihn, den Bogen beiseite zu legen, damit er mit ihm sprechen könne.

Als Kinana ihm die Möglichkeit gab, sagte Abu Sufyan: „Du hast nicht richtig gehandelt, indem du die Frau vor den Augen der Menschen aus unserer Mitte wegbrachtest, wo du doch weißt, was für ein Leid uns durch Muhammad geschehen ist! Die Leute werden dies als unsere Schwäche sehen. Bei meinem Leben, wir haben kein Interesse, sie von ihrem Vater zu trennen oder uns damit zu rächen. Jetzt aber schaffe die Frau zurück nach Mekka, bis sich die Stimmen beruhigt haben und es sich herumgesprochen hat, dass wir sie zurückgebracht haben; dann bringe sie heimlich weg, und sie soll ihrem Vater folgen!“

Kinana willigte ein und brachte die blutende Zaynab nach Mekka zurück.[263]

Nachdem sie sich einige Tage lang von ihren Verletzungen erholt hatte, brachte Kinana sie und die kleine Umama nachts aus der Stadt heraus und übergab sie Zaid Bin Haritha, den der Prophet ihnen zusammen mit einem anderen Gefährten geschickt hatte. Als sie endlich in Medina ankamen, freuten Muhammad und seine anderen Töchter sich sehr.

Als auch Abbas wieder nach Mekka zurückgekehrt war, schickte er dem Propheten seinen Sklaven Abu Rafi‘ als Geschenk. Der Prophet ließ ihn sofort frei.

Er sagte: „Wenn einer einem Sklaven die Freiheit schenkt, dann rettet Allah für jedes Glied des Sklavenkörpers ein gleiches Glied seines eigenen Körpers vor dem Höllenfeuer.“ [264]

Aus allen Richtungen Arabiens kamen nun die Menschen herbei, um der Botschaft des Propheten zu folgen. Viele von ihnen wurden damit Flüchtlinge, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. Der Prophet und die Mitglieder seiner Familie kümmerten sich um sie und überließen ihnen einen Teil der Moschee. Muhammad sagte: „Das Essen von einem genügt für zwei, das Essen von zweien genügt für vier, und das Essen von vieren genügt für acht.“[265]

Er pflegte alles, was er bekam, noch am selben Tag an die Bedürftigen zu verteilen.

 Rache

D

ie besiegten Quraisch vermochten es nicht, ihre Niederlage zu ertragen, noch waren sie bereit, Frieden mit Muhammad zu schließen. Abu Sufyan rief die Götzendiener auf, ihre Toten zu rächen und forderte von den Quraisch, die Einnahmen der Karawane für den Krieg zu geben. Seine Frau Hind pflegte sich selbst nicht mehr, blieb dem Bett ihres Mannes fern und hetzte die Leute gegen Muhammad auf.

Abu Sufyan seinerseits schwor nach Badr, kein Wasser solle nach dieser Niederlage seinen Kopf berühren, bis sie gegen Muhammad einen Rachezug unternommen hätten.

Eines Abends saß Umair Bin Wahb[266] mit Safwan Bin Umayya[267] zusammen.

„Bei Allah, seitdem unsere Brüder nicht mehr da sind, hat das Leben seinen Sinn verloren“, jammerte Safwan. „Bei Allah, es ist wahr, und wenn ich keine Schulden hätte, die ich zahlen muss, und keine Familie, um derentwillen ich fürchte, dass sie nach mir verloren geht, würde ich zu Muhammad reiten und ihn töten!“, sagte sein Cousin Umair, dessen Sohn auch in Gefangenschaft war. Er erklärte sich bereit, für alle Götzendiener zu sterben.

Safwan nutzte diesen Augenblick seiner Schwäche und versprach ihm: „Deine Schulden werde ich übernehmen, und deine Familie werde ich wie meine behandeln und für sie sorgen, solange ich lebe!“

„Dann bewahre dies als mein und dein Geheimnis!“

Safwan schwor, es niemandem zu verraten. Sogleich begann Umair, sein Schwert zu schärfen und es mit Gift einzureiben und machte sich auf den Weg nach Medina.[268]

Die jüdischen Stämme, die Götzendiener und die Heuchler hatten in der Schlacht von Badr die zunehmende Stärke der Muslime erkannt. Sie sahen, wie der Fremde, der vor weniger als zwei Jahren als fliehender Auswanderer von Mekka zu ihnen gekommen war, an Macht und Einfluss gewonnen hatte und nicht nur zum Herrscher seiner Gefährten, sondern fast aller Einwohner Medinas geworden war.

Kaum waren die Muslime – froh über den Sieg von Badr – zurück-gekehrt, begannen die anderen Gruppierungen Medinas, vor allem die jüdischen Stämme, sich zu verschwören, gegen sie zu hetzen und sogar Gedichte zur Aufhetzung gegen sie zu verbreiten.

All das blieb dem Propheten nicht verborgen.

Eine Weile, nachdem Umair losgezogen war, sagte Safwan, der Sohn Umayyas, zu den Menschen in Mekka: „In einigen Tagen wird eine gute Nachricht zu euch kommen, durch die ihr eure Niederlage in Badr vergessen werdet!“

Jedes Mal, wenn ein Reiter aus Medina kam, ging Safwan zu ihm und fragte nach Umair.

Die Konflikte in Medina begannen mit Provokationen seitens der Heuchler und der jüdischen Stämme, die Medina bewohnten. Ihren traurigen Höhepunkt fanden die Auseinandersetzungen, als eine muslimische Frau mit etwas Schmuck zum Markt der jüdischen Bani Qaynuqa kam. Dort setzte sie sich zu einem Goldschmied. Dieser verlangte von ihr, dass sie ihr Gesicht entschleierte, doch sie weigerte sich. Da kam einer der Bani Qaynuqa heimlich von hinten und befestigte einen Zipfel ihres Gewandes mit einem Dorn an der Wand hinter ihrem Rücken. Als sie sich erhob, wurde sie entblößt. Alle lachten über sie, während sie weinend versuchte, sich zu bedecken. Als ein Muslim ihr zu Hilfe eilte, kam es zu einem heftigen Streit, bei dem der jüdische Goldschmied getötet wurde. Die Bani Qaynuqa stürzten sich daraufhin auf den Muslim und töteten ihn. Dann griffen sie auch die anderen Muslime an, die dort waren.

Muhammad eilte auf den Markt und forderte die Bani Qaynuqa auf, mit ihren Angriffen aufzuhören, das Freundschaftsabkommen einzu-halten und nicht den Fehler der Götzendiener zu wiederholen, damit ihnen kein solcher Gotteszorn widerfahre wie den Quraisch.

Doch sie achteten seine Warnung gering. „Du solltest dich nicht der Illusion hingeben, o Muhammad, dass du auf ein Volk gestoßen bist, das nichts vom Krieg versteht, so dass du bei ihm siegst! Bei Allah, wenn wir gegen dich kämpfen, dann wirst du wissen, was für Leute wir sind!“ Sie meinten, dass sie bessere Krieger seien als die Quraisch. Diese Aussage kam einer Kriegserklärung gleich.

Mit ihren schweren Waffen und ihren Reichtümern waren sie sich sicher, die Muslime besiegen zu können. Beide Seiten begannen, sich auf den Krieg vorzubereiten.

Es dauerte nicht lange; die Muslime belagerten die Bani Qaynuqa fünfzehn Tage, bis diese schließlich aufgeben und sich der Entschei-dung des Propheten unterwerfen mussten. Dieser überließ das Urteil den Chazradsch. Er folgte damit der Bitte einiger ihrer Anführer, da die Chazradsch früher die Verbündeten der Bani Qaynuqa gewesen waren. Es wurde beschlossen, dass sie zu den Grenzen von Ash-Sham zurückkehren sollten, woher sie ursprünglich gekommen waren, und ihr Vermögen mitnehmen durften. Vor etlichen Jahren hatten sie Ash-Sham verlassen und waren nach Medina ausgewandert, um den erwarteten Propheten in ihrer Mitte zu empfangen. Muhammad jedoch akzeptierten sie nicht als jenen Propheten.

Sie nahmen ihre Habe und zogen Richtung Norden – bis nach Adhriat an der Grenze von Ash-Sham.

Umar Bin Al-Chattab kam in die Moschee und rief: „O Prophet Allahs, hier ist der Feind Allahs Umair Bin Wahb, der sein Schwert gegürtet hat!“

„Lass ihn zu mir!“, sagte der Prophet.

Umair grüßte, wie sich die Götzendiener begrüßen, und wünschte einen guten Morgen.

„Allah gab uns einen besseren Gruß als deinen, Umair“, erwiderte der Prophet, „er heißt ‚Frieden’ und ist der Gruß, mit dem sich die Menschen im Paradies begrüßen.“ Danach fragte er: „Was führt dich zu uns, Umair?“ Umair erklärte, er sei wegen seines gefangenen Sohnes gekommen.

„Weshalb trägst du das Schwert?“

„Allah verdamme die Schwerter, was haben sie uns gebracht“, antwortete Umair ausweichend.

Umar gab einigen Helfern den Befehl: „Geht hinein zum Propheten Allahs, setzt euch zu ihm und gebt acht auf diesen Bösen, dem nicht zu trauen ist!“

„Sag mir die Wahrheit, wofür bist du gekommen?“ fragte der Prophet erneut.

Umair erwähnte seinen Sohn. Da gab der Prophet das Gespräch zwischen Umair und Safwan bei der Kaaba wieder. „Du und Safwan habt euch über die getöteten Quraisch unterhalten. Dann sagtest du: ‚Wenn ich keine Schulden hätte, die ich zahlen muss, und keine Familie, um derentwillen ich fürchte, dass sie nach mir verloren geht, würde ich zu Muhammad reiten und ihn töten.‘ Safwan übernahm deine Schuld und die Verantwortung für deine Familie, damit du mich für ihn tötest. Aber Allah ist dir dazwischengekommen!“

Umair sagte: „Bei Allah, da ist kein dritter Mann außer mir und Safwan gewesen! Wir nannten dich einen Lügner, o Gesandter Allahs, während du uns himmlische Botschaften brachtest. Bei Allah, ich weiß, dass niemand anderes als Allah dir dies offenbarte, Dem Lob sei, Der mich jetzt zum Islam rechtleitete. Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt außer Allah und du bist der Gesandte Allahs!“

Nun war er überzeugt, dass der Prophet Recht hatte und dass die Stein- und Holzidole keine Götter waren.

„Lehrt euren Bruder seine Religion, rezitiert ihm aus dem Koran und lasst seinen gefangenen Sohn frei!“, beauftragte der Prophet seine Gefährten.[269]

Als diese Nachricht Mekka erreichte, schwor sich Safwan, nie wieder mit Umair zu sprechen und ihm nie mehr behilflich zu sein.

Einige Tage später kam Umair zum Propheten und bat ihn: „O Gesandter Allahs, mein Vorhaben war es, das Licht Allahs auszu-löschen. Ich war streng gegen die, die auf der Seite der Religion des Erhabenen standen. Ich habe nun die Bitte, dass du mir erlaubst, nach Mekka zurückzukehren und zum Islam einzuladen!“

Der Prophet erlaubte es ihm.

Viele Menschen in Mekka hörten daraufhin mit dem Götzendienst auf und wurden durch ihn Muslime.

Ein Jahr war seit der Schlacht von Badr vergangen und langsam kehrte in Medina Ruhe ein. Aber Abu Sufyan ertrug es nicht, die Schande der Niederlage auf sich sitzen zu lassen. Er musste den Arabern der Halbinsel beweisen, dass die Quraisch die Macht und den Mut zum Kampf besaßen! Er sammelte eine Truppe Schwerbewaffneter um sich und zog insgeheim mit ihnen aus. In der Nähe Medinas brachen sie vor Tagesanbruch auf und gelangten zu einem Gebiet namens Al-Uraid.

Dort fanden sie einen Mann der Ansar und einen seiner Bundesgenossen auf ihrem Acker. Sie töteten beide und steckten Häuser und Dattelpalmen in Brand.

Nun glaubte Abu Sufyan, seinen Schwur, gegen Muhammad zu Felde zu ziehen, erfüllt zu haben und wandte sich zur Flucht.

Sobald der Prophet davon erfuhr, rief er seine Gefährten, und mit ihm an der Spitze verfolgten sie Abu Sufyans Spur bis zu einem Ort namens Karkarat Al-Chudr.

Abu Sufyan und seine Begleiter bekamen es mit der Angst zu tun. Sie trieben ihre Kamele heftig an. Damit sie leichter und schneller vorankamen, warfen sie ihr Essen, das aus Weizenbrei[270] bestand, weg. Diesen Brei fanden die Muslime.

Als der Prophet erkannte, dass die Flüchtigen außer Reichweite waren, kehrte er mit seinen Gefährten nach Medina zurück.

Abu Sufyans Flucht ruinierte seinen Ruf und den der Quraisch – hatte er doch damit gerechnet, dass dieser Feldzug der Quraisch nach dem Unglück von Badr den verlorenen Stolz wiederherstellen würde.

 Die Schlacht von Uhud

M

it dieser Niederlage wollten die Quraisch nicht leben, und bald darauf rüsteten sie erneut für einen Angriff auf Medina. Mit ihnen kamen der Dichter Abu Azza, den der Prophet unter den Gefan-genen Badrs begnadigt hatte, und die Kampftruppe der sogenannten Ahabisch.[271] Die Frauen sollten den Kriegszug ebenfalls begleiten. In diesem Punkt waren sich die Quraisch jedoch nicht einig, daher berieten sie sich untereinander. Einer der Befürworter sagte: „Sie eignen sich am besten, euch in Zorn zu versetzen und an die Gefallenen von Badr zu erinnern. Wir wollen nicht nach Hause zurückkehren, bevor wir nicht Rache genommen haben!“

Einer der Gegner meinte: „O ihr Quraisch! Ihr solltet eure Frauen dem Feind nicht ausliefern, zumal ihr nicht sicher seid, ob ihr vielleicht eine Niederlage erleidet und dann vor euren Frauen bloßgestellt werdet!“

Während sie sich noch beratschlagten, schrie Hind Bint Utba, die Frau von Abu Sufyan, der gegen den Auszug der Frauen war: „Bei Allah, du bist am Tag von Badr entkommen und zu deinen Frauen zurückgekehrt. Jawohl! Wir werden ausziehen und beim Kampf dabei sein, und niemand wird uns zurückhalten!“

Die Quraisch zogen aus, und ihre Frauen waren bei ihnen – an ihrer Spitze Hind, die heftig nach Rache verlangte, denn ihr Vater Utba, ihr Onkel Schayba sowie ihr Bruder Walid waren in der Schlacht von Badr getötet worden. Die Quraisch führten dreitausend Mann, zweihundert Pferde sowie dreitausend Kamele gegen Medina.

Abbas Bin Abdul-Muttalib, der Onkel des Propheten, war unter ihnen und über jede wichtige Einzelheit ihres Vorhabens unterrichtet. Als die Quraisch sich in großer Zahl zum Auszug sammelten, schrieb er einen Brief, in dem er ihr Tun, ihre Stärke, ihre Ausrüstung und ihre Anzahl genau beschrieb. Er übergab das Schreiben einem Boten, der mit seinem Pferd im Galopp lospreschte und drei Tage später Medina erreichte, wo er dem Propheten den Brief aushändigte.

Die Einwohner Medinas erkannten die Gefahr dieses Feldzugs, für den die Quraisch besser ausgerüstet sein würden denn je. Da sie um den Propheten fürchteten, verbrachten die Führer der Muslime die Nacht mit ihren Waffen in der Moschee. Ganz Medina war auf der Hut.

Der Prophet verließ die Stadt mit seiner tausend Mann zählenden Armee, um sich den auf Rache sinnenden Quraisch in den Weg zu stellen. In der medinensischen Armee befand sich auch der Anführer der Heuchler, Ibn Salul, mit seinen Leuten.

Bei Uhud überschritten die Truppen aus Medina die Bergpässe, wo sie übernachteten. Am nächsten Morgen bestieg Ibn Salul sein Pferd, sammelte seine Leute und zog mit ihnen ab. Seine Absicht war, Unruhe in die Reihen der Muslime zu bringen.

Ibn Salul zog mit dreihundert Männern ab. Nun bestand die Armee der Muslime nur noch aus siebenhundert Mann.

Der Prophet ordnete die Reihen seiner Gefährten. Er stellte fünfzig Bogenschützen an einen Berghang und sprach zu ihnen: „Deckt unseren Rücken, denn wir fürchten, dass sie mit ihrer Reiterei von hinten kommen. Bleibt an eurem Platz und verlasst ihn nicht, und passt auf, dass wir nicht von eurer Seite angegriffen werden! Wenn ihr seht, dass sie uns töten, kommt uns nicht zu Hilfe! Und wenn ihr seht, dass wir Beute machen, kommt nicht, um daran teilzuhaben!“[272]         

Da wurde zum Angriff gerufen. Beide Heere marschierten aufeinander zu. Talha Bin Abu Talha, der Bannerträger der Mekkaner, rief laut: „Wer misst sich mit mir im Duell?“ Az-Zubair nahm die Heraus-forderung zum Zweikampf an; zwischen den beiden Heeren trafen sie aufeinander. Az-Zubair sprang zu ihm auf sein Kamel, warf sich dann mit ihm zusammen auf den Boden, und fügte ihm einen tödlichen Schlag zu.[273] Die Muslime priesen Allah und stürmten los. Ein heftiger Kampf entbrannte; die Waffen krachten, die Männer schrien und Staub verdunkelte die Sonne.

Abu Dudschana, in seiner Hand das Schwert des Propheten und um seinen Kopf die Todesbinde[274], schlug jeden nieder, auf den er stieß, bis er in den Reihen der Götzendiener eine Person erblickte, welche die Feinde aufs Heftigste zum Kampf anspornte. Er erhob das Schwert gegen sie, worauf sie ein wildes Klagegeheul anstimmte – es war Hind Bint Utba. Er ließ von ihr ab. „Das Schwert des Gesandten ist zu edel, als dass ich damit eine Frau erschlüge“, sagte Abu Dudschana.[275]

Hamza war einer der tapfersten Helden der Araber, der in der Schlacht von Badr viele Männer, darunter auch Utba, den Vater von Hind, getötet und andere verwundet hatte. Am Tag von Uhud war er, wie schon am Tag von Badr, „Der Löwe Allahs und Sein scharfes Schwert“. Er tötete einige der Anführer und Helden der Quraisch.

Dschubair Bin Mut‘im[276] hatte dem Abessinier Wahschi, einem Sklaven aus Mekka, die Freiheit und reichen Lohn versprochen, sollte er Hamza töten.

Wahschi berichtete später von jenem Tag: „Ich zog mit den Leuten hinaus. Ich war ein Abessinier, der den Speer genau wirft und damit selten sein Ziel verfehlt. Als die Männer aufeinandertrafen, versuchte ich, Hamza zu finden, bis ich ihn erblickte, wie er mitten unter den Leuten sein Schwert vernichtend wüten ließ. Da bewegte ich meinen Speer, bis ich mit seiner Position zufrieden war, und schleuderte ihn auf Hamza. Er traf ihn in den Unterleib und ich ließ ihn und den Speer, bis er starb. Dann ging ich zu ihm, nahm meinen Speer und kehrte zum Lager zurück, wo ich mich niedersetzte; außer an ihm hatte ich an niemandem Interesse. Ich hatte ihn getötet, weil ich als Lohn die Freiheit erlangen würde; und als ich nach Mekka kam, wurde ich aus der Sklaverei der Götzendiener entlassen.“

Nachdem Ali den Talha Bin Abu Talha getötet hatte, trug Uthman Bin Abu Talha das Banner der Quraisch, bis er von Hamza getötet wurde. Dann übernahm Abu Saad Bin Abu Talha das Banner und rief: „Behauptet ihr, dass eure Gefallenen im Paradies sind und unsere Gefallenen im Höllenfeuer? Bei Allah, ihr lügt! Solltet ihr wirklich glauben, was ihr sagt, so soll einer von euch herauskommen, der mit mir kämpft!“

Kaum war er fertig, versetzte Ali ihm mit dem Schwert einen Schlag, der ihn niederstreckte.

Als die Bannerträger getötet waren, ergriffen die besiegten Götzen-diener die Flucht und kümmerten sich um nichts mehr – nicht einmal darum, dass ihre Frauen umzingelt wurden und ihr Götzenbild aus der Kamelsänfte fiel, in der es gelegen hatte.

Dreitausend Reiter der Quraisch wurden bei dieser Schlacht von siebenhundert Muslimen zersprengt. Schon begannen einige Muslime siegesgewiss nach der Beute zu greifen. Reich und verlockend war diese Beute, vor welcher der Prophet die Bogenschützen ausdrücklich gewarnt hatte. Aber vergeblich!

Vierzig von ihnen, denen der Gesandte doch eindringlich befohlen hatte, den Berghang unter keinen Umständen zu verlassen, wollten sich ebenfalls bereichern und verließen ihre Stellung.[277]

Chalid Bin Al-Walid[278], der an der Spitze der Reiter Mekkas stand, erkannte sofort die Schwachstelle in der Verteidigung der Muslime, stürmte mit seinen Männern von hinten gegen die letzten zehn der Bogenschützen, die noch standhaft geblieben waren, tötete sie und fiel der muslimischen Armee in den Rücken.

Die Quraisch sahen, dass ihre Reiterei die Verteidigung der Muslime durchbrochen hatte. Die flüchtenden Truppen formierten sich neu und griffen die Muslime wieder an, unter denen daraufhin Panik ausbrach.

Nun begannen für den Propheten schwere und gefährliche Stunden.

Die Truppen der Quraisch umzingelten ihn.

Einer der Männer schleuderte einen Stein, der ihn mit voller Wucht im Gesicht traf, seine Lippe verletzte und einen Zahn abbrach. Er fiel auf die Seite.

Einige der Muslime, die ihn blutend zu Boden gehen sahen, wandten sich in Richtung des Berges, setzten sich auf die Erde und weinten. So sah sie Anas Bin An Nadr und fragte: „Warum setzt ihr euch hin?“

Sie antworteten: „Der Gesandte Allahs wurde getötet!“

Er erwiderte: „Was wollt ihr denn nach ihm mit dem Leben anfangen? Erhebt euch und sterbt wie er!“

Dann wandte er sich dem Feind zu und kämpfte tapfer, bis er getötet wurde. Als sein Leichnam gefunden wurde, war er so von Schwerthieben übersät, dass ihn nur noch seine Schwester anhand seiner Fingerspitzen identifizieren konnte.

Doch der Prophet Muhammad war nicht tot. Und es waren jetzt nur sehr wenige Muslime in seiner Nähe. Die Quraisch sahen dies als ihre Chance, ihn zu töten und attackierten ihn immer wieder. Ein Schwerthieb verletzte ihn an der Stirn.

Nun ergriff Umm ‘Umara[279], eine Frau von den Helfern, ihrerseits ein Schwert und begann, den Propheten zu verteidigen. Auch Abu Bakr, Mus‘ab Bin Umayr und Abu Dudschana kämpften sich zu ihm vor, um ihn zu schützen. Einer der Männer der Quraisch namens Abdullah Bin Qami‘a griff den Propheten direkt an. Umm ‘Umara, die sich ihm in den Weg stellte, traf ihn mehrmals mit ihrem Schwert, konnte aber seine Panzerung nicht durchbrechen, und er verletzte sie schwer an der Schulter. Nun schlug er auf den Propheten ein. Sein erster Schlag traf ihn an der Schulter. Der Schlag war so stark, dass der Prophet trotz Panzerung große Schmerzen verspürte und taumelte, der zweite Schlag traf seinen Helm mit solch einer Wucht, dass zwei Glieder des Helmes in seine Wange eindrangen.

Die Gefährten drängten Ibn Qami‘a zurück, der immer wieder versuchte, den Propheten zu treffen.

Er erschlug Mus‘ab Bin Umayr, den er im Getümmel für den Propheten hielt und schrie: „Muhammad ist tot!“

Die Gefährten erkannten, dass nicht der Prophet getötet worden war und versuchten weiter, ihn zu schützen und die anderen Muslime zu Hilfe zu holen.

Unter ihnen sprach sich herum, dass Muhammad noch lebte. Währenddessen kämpfte der Prophet mit einer kleinen Gruppe von Gefährten verzweifelt gegen eine immer größer werdende Anzahl von Feinden, die sie umzingelten.

Saad Bin Abi Waqqas hielt sich an der Seite des Propheten und schoss Pfeile ab, die dieser ihm reichte. Dabei rief er: „Schieße, Saad! Für dich würde ich meinen Vater und meine Mutter opfern!“[280]

Der Prophet hatte zuvor selbst mit seinem Bogen geschossen; dieser war jedoch zerbrochen.

Es sammelten sich immer mehr Muslime um den Propheten, dem es endlich gelang, mit ihnen die Reihen der Quraisch zu durchbrechen und sich auf den Berg zurückzuziehen. Mit den Verletzten in ihrer Mitte kämpften sie sich den Weg zum Berg frei.

Die Quraisch trauten sich nicht, ihnen zu folgen – das Wagnis erschien ihnen zu groß.

Abu Sufyan stieg auf den Berg und rief so laut er konnte: „Im Krieg wird man einmal siegen und einmal besiegt werden. Unbesiegt sei Hubal[281]!“

Der Prophet ließ Umar antworten: „Allah ist Erhabener und Mächtiger. Wir sind nicht gleich. Unsere Gefallenen sind im Paradies, die euren in der Hölle!“

Abu Sufyan bat Umar, zu ihm herunterzukommen. Der Prophet sagte zu Umar: „Geh zu ihm und schau, was er will!“

„Haben wir wirklich Muhammad getötet?“

„Bei Allah, er kann dich gerade hören“, antwortete Umar

„Ich glaube dir mehr als Ibn Qami‘a!“ sagte Abu Sufyan. Denn Ibn Qami‘a hatte die Nachricht verbreitet, dass er Muhammad getötet hätte.

Abu Sufyan sprach erneut: „Es hat Verstümmelungen an euren Gefallenen gegeben. Bei Allah, ich bin damit weder zufrieden noch unzufrieden, und ich habe es weder verboten noch habe ich es befohlen.“

Und ganz zuletzt rief Abu Sufyan: „Im nächsten Jahr ist unser Treffpunkt bei Badr!“[282]

Die Quraisch zogen ab, nachdem sie ihre Gefallenen begraben und die Leichen der gefallenen Muslime verstümmelt hatten.

Auch an Hamza, dem Onkel des Propheten, den Wahschi in Ibn Mut’ims Auftrag getötet hatte, rächten sie sich auf übelste Weise.

Der Prophet machte sich auf, seinen Onkel Hamza zu suchen. Als er ihn so schrecklich zugerichtet daliegen sah, wurde er sehr traurig und sagte: „Nichts Vergleichbares wird mich je wieder treffen. Nie war ich in einer Situation, die mich mehr erzürnte als diese.“ Sodann sprach er: „Bei Allah, sollte Er uns eines Tages den Sieg über sie schenken, werde ich …“

Aus diesem Anlass offenbarte Allah einige Verse, die den Muslimen Geduld und Gerechtigkeit auch in den schlimmsten Fällen auferlegen: „Und wenn ihr bestraft, so bestraft im gleichen Maße, wie ihr bestraft wurdet; und wenn ihr Geduld zeigt, so ist dies besser für die Geduldigen. Und gedulde dich, und deine Geduld kommt nur von Allah; und betrübe dich nicht über sie und sei nicht bedrückt ob dessen, was sie aushecken.“[283]

Der Gesandte Allahs übte Nachsicht, geduldete sich und verbot die Vergeltung und das Verstümmeln von Leichen. Er bedeckte Hamza mit seinem Obergewand und betete für ihn. Seine Schwester Safiya Bint Abdul-Muttalib kam, betete für ihn und bat für ihn um Vergebung.

Als die Muslime Mus‘ab Bin Umayr mit seinem Obergewand bedecken wollten, reichte dieses nicht, und seine Füße wurden sichtbar, als man seinen Kopf bedeckte. So war Mus‘ab, der Lehrer von Medina, der im Luxus aufgewachsen war, von dieser Welt gegangen. Er starb, als er versuchte, den Propheten zu schützen. Er wusste, dass er seine Belohnung nicht im Diesseits, sondern im Jenseits bekommen würde.

Die Muslime begruben ihre Toten.[284]

 Hafsas Hochzeit

F

atima, die damals etwa zwanzig Jahre alt war, war über den Tod ihrer Schwester Ruqayya sehr unglücklich; sie weinte und weinte. Der Prophet versuchte, sie zu trösten und trocknete ihre Tränen.

Schon bald darauf heiratete Fatima Ali. Ali verdiente Geld als Wasserträger und Fatima mit dem Mahlen von Korn. Nach ihrer Heirat erfuhr Haritha, der ein Haus direkt neben der Moschee besaß, dass der Prophet seine Tochter gerne in seiner Nähe hätte. Deshalb schenkte er ihm sein Haus.

Nicht lange danach starb Hafsas Mann Chunais Bin Hadhafa aus dem Stamme der Quraisch. Chunais hatte an beiden Auswanderungen der Muslime nach Abessinien und Medina teilgenommen und wurde zu den engen Gefährten des Propheten gezählt. Nachdem er in der Schlacht von Uhud verwundet worden war, starb er in Medina. Er hinterließ Hafsa, die Tochter des Umar Bin Al-Chattab, als Witwe.

Nach dem Tod ihres Mannes kehrte Hafsa in das Haus ihres Vaters zurück. Dort verbrachte sie traurig ihre Tage – bekümmert, dass ihre Jugend einsam und abgeschieden verrann.

Dies bereitete ihrem Vater große Sorge. Nachdem er ihre Trauer über sechs Monate mit angesehen hatte, entschloss er sich, ihr einen Ehemann zu suchen. Dabei dachte er an seinen Freund Abu Bakr, der zugleich der erste Gefährte des Propheten und dessen Schwiegervater war. Abu Bakr war ein erfahrener Mann von gütigem Charakter, ruhig und zuverlässig; er würde Hafsa ohne Zweifel gut behandeln und die Trauer der Witwenschaft von ihr nehmen.

Auch meinte Umar, dass eine Ehe mit Abu Bakr ihn dem Propheten näherbringen würde. Nachdem er dies alles überdacht hatte, gab es für ihn kein Zögern mehr. Er ging zu Abu Bakr und sprach mit ihm über seine Hoffnungen für Hafsa.

Doch Abu Bakr, der ihm schweigend zuhörte, kam dem Vorschlag mit keinem Wort entgegen. Die Ablehnung Abu Bakrs, Hafsa zu heiraten, traf Umar sehr. In Zorn und tiefer Sorge verließ er das Haus Abu Bakrs.

Doch brachte ihn dies nicht von seinem Vorhaben ab; er ging zum Hause Uthman Bin Affans. Uthman Bin Affan war mit Ruqayya, der Tochter des Propheten, verheiratet gewesen. Doch war Ruqayya gleich nach der Schlacht von Badr, kurz nach ihrer Rückkehr von der Auswanderung nach Abessinien, in Medina gestorben. Uthman war daher schon längere Zeit Witwer. Wegen seines guten Charakters, seiner Frömmigkeit und seiner Stellung zu Muhammad als dessen Schwiegersohn war er hochangesehen; auch war er bekannt für seine Schamhaftigkeit.[285] Nachdem Umar dies alles überdacht hatte, bot er Uthman Hafsa zur Ehe an. Uthman zögerte mit seiner Antwort und bat Umar um einige Tage Bedenkzeit. Danach zog er sich mit den Worten zurück: „Ich will jetzt nicht heiraten.“

Diese erneute Kränkung seiner Ehre und die Sorgen um seine Tochter verletzten Umar umso mehr, als er die Ablehnung durch Abu Bakr noch nicht verwunden hatte.

Umar war zornig und konnte nicht verstehen, wie gläubige und gute Freunde seine Tochter Hafsa, die jung, gläubig und von gutem Charakter war, ablehnen konnten, zumal er selbst als ihr Vater eine Stütze des Islams war und aus edlem Geschlecht stammte.

Umar wollte wissen, warum Abu Bakr und Uthman seine Tochter zurückgewiesen hatten. Er ging zum Propheten, um ihm seine Sorge vorzubringen. Der Prophet merkte sogleich, dass Umar aufgebracht war und fragte, was ihn so getroffen habe. Umar rügte das Verhalten Abu Bakrs und Uthmans.

Der Prophet lächelte und antwortete ihm: „Hafsa wird den heiraten, der besser als Abu Bakr und Uthman ist, und Uthman wird die heiraten, die besser als Hafsa ist“, womit er seine eigene Tochter Umm Kulthum meinte.

Diese Worte erstaunten Umar, denn wer anders als der Prophet konnte besser als Abu Bakr und Uthman sein? Er verstand das Angebot des Propheten, seine Tochter zu heiraten. Dies war eine Ehre, die Umar selbst nie zu wünschen gewagt hätte. Voller Freude und befreit von seiner Sorge gratulierte er dem Propheten zu dessen Entschluss. Er eilte hinaus, um allen Leuten seine Freude über die Verlobung zu verkünden und ihre Glückwünsche entgegenzunehmen. Dann stürmte er nach Hause, um seiner Tochter die frohe Botschaft zu übermitteln, und sie freute sich mehr als alle anderen darüber.

Auf dem Weg begegnete ihm Abu Bakr, der seine Freude bemerkte und erriet, was die Ursache war. Entschuldigend und zugleich gratu-lierend streckte Abu Bakr ihm die Hand entgegen und sprach: „O Umar, sei nicht traurig meinetwegen, denn der Prophet hatte bereits zuvor von einer Heirat mit Hafsa gesprochen, und ich konnte das Geheimnis des Propheten nicht verraten!“[286]

Aischa brachte der Beteiligung der anderen Ehefrauen am Leben Muhammads Verständnis entgegen, denn sie war, wie die anderen Gläubigen, der Überzeugung, dass der Gesandte Allahs seine Ehen im Rahmen der Ausübung und Förderung seiner Botschaft schloss.

 Die Grabenschlacht

E

ines Tages begab sich der Prophet zu dem jüdischen Stamm der Bani An-Nadir, da diese ihn gebeten hatten, einen Streit zwischen ihnen zu schlichten. Als er bei ihnen war, zogen sie sich zur Beratung zurück und sprachen zueinander: „In eine so günstige Lage bekommen wir diesen Mann nie wieder. Wer also steigt auf das Haus, wirft einen Stein auf ihn und tötet ihn?“

Einer von ihnen, ‘Amr Bin Dschihas, erklärte sich dazu bereit und stieg auf das Dach, um einen Stein auf den Propheten zu werfen. Dieser saß mit einigen seiner Gefährten, die ihn begleitet hatten, zusammen, darunter Abu Bakr, Umar und Ali. Der Engel Gabriel offenbarte ihm das üble Vorhaben. Er stand auf und ging, bevor ‘Amr den Stein herunterwerfen konnte, und ohne seinen Gefährten ein Wort zu sagen.

Diese warteten bei den Bani An-Nadir auf seine Rückkehr. Als es ihnen zu lange dauerte, begannen sie, nach ihm zu suchen. Ein Mann, der gerade aus Medina kam, erzählte ihnen schließlich, er habe den Propheten in die Stadt kommen sehen. Sie folgten ihm dorthin, und als sie ihn erreichten, berichtete er ihnen von dem Verrat, den die Bani An-Nadir gegen ihn geplant hatten.

Muhammad forderte die Bani An-Nadir auf, Medina mit ihrem Vermögen zu verlassen. Diese wollten nach ihrem gescheiterten Plan der Aufforderung Folge leisten, doch Ibn Salul versprach ihnen Unterstützung, falls sie sich dem Propheten widersetzten. So verweigerten sie den Abzug. Infolgedessen belagerten die Muslime die Bani An-Nadir. Als die Unterstützung Ibn Saluls jedoch ausblieb, gaben sie auf und ergaben sich dem Urteil des Propheten. Wie bei den Bani Qaynuqa baten auch ihre ehemaligen Verbündeten den Propheten, ihnen das Urteil zu überlassen. Obwohl der Anschlag seiner Person gegolten hatte, stimmte er zu. Die Bani An-Nadir durften Medina verlassen und ihr Vermögen mitnehmen. Sie gingen nach Chaibar[287], wo sie sich niederließen.[288] Doch sie und ihre Verbündeten wollten sich immer noch nicht geschlagen geben.

Die Oberhäupter der Bani An-Nadir begannen, von Chaibar aus ein Bündnis gegen den Propheten zu schmieden, um Verbündete für einen Angriff auf Medina zu gewinnen. Eine Delegation von den Bani An-Nadir und den Bani Wa’il[289], darunter Hujai Bin Achtab, das Oberhaupt der Bani An-Nadir, zog zu den Quraisch nach Mekka. Sie hetzten sie zum Krieg gegen den Propheten auf und sprachen: „Wir werden euch im Kampf gegen ihn unterstützen, bis wir ihn erledigt haben!“

„O ihr Männer der Juden!“, fragte Abu Sufyan, „Ihr seid das Volk mit dem ersten Buch und habt Wissen über unseren Streit mit Muhammad! Ist unsere Religion besser oder seine?“

„Eure Religion ist besser als seine Religion, und ihr seid im Recht!“, antworteten sie, obwohl sie genau wussten, dass die Quraisch Götzendiener waren, die gegen die Prinzipien der Juden, Christen und Muslime handelten.[290]

Das freute diese und ermutigte sie, sich auf einen weiteren Krieg vorzubereiten.

Nun begab sich die Delegation aus Chaibar zu den Stämmen des Nadschd[291], den Bani Ghatafan[292], und zu vielen anderen Götzen-dienern und warben sie zum Kampf gegen den Propheten. Sie versprachen ihnen Unterstützung und erzählten, dass die Quraisch ihrem Aufruf bereits nachgekommen seien. Andere Stämme, die sie nicht anstacheln konnten, gegen die Muslime zu kämpfen, versuchten sie mit Bestechung und dem Versprechen von reicher Beute zum Kampf zu bewegen.

Innerhalb kürzester Zeit bewegte sich eine gewaltige Streitmacht, wie sie Arabien bis dahin noch nicht gesehen hatte, in Richtung Medina.[293]

Als der Prophet dies alles durch einen Brief von seinem Onkel Abbas erfuhr, blieb ihm nur noch eine Woche Zeit. Er versammelte seine Gefährten, um sich mit ihnen zu beraten. Vielfältige Meinungen darüber, wie man sich am besten verteidigen könnte, kamen zur Sprache. Salman der Perser hatte einen besonderen Plan. Er erzählte, was er bei seinem Volk gesehen hatte, wenn dessen Städte angegriffen wurden: Sie gruben tiefe Gräben rund um ihre Städte, die es dem Feind unmöglich machten, diese einzunehmen. Alle waren von diesem Plan begeistert. Zum Glück mussten die Muslime nicht um die ganze Stadt herum graben, denn es gab bereits hohe Mauern und Felsen, die nicht passierbar waren und nur noch miteinander verbunden werden mussten, um die Lücken zu schließen. Jede Familie übernahm ein Stück des Grabens.

Die Tage vergingen, aber die Arbeit schien nicht fertig zu werden. Angst und Hunger nahmen zu; der Prophet hungerte und arbeitete jeden Tag mit.[294] Sie gruben unermüdlich.

Ein großer Fels wurde ein Hindernis, worüber sie beim Propheten klagten. Er ließ etwas Wasser bringen, spuckte hinein, sprach ein Bittgebet und besprengte den Felsen mit dem Wasser. Die Zeugen dieses Wunders sprachen später: „Bei Dem, Der ihn als Propheten sandte, der Fels brach zusammen.“

Auch Salman hatte beim Graben Schwierigkeiten. Der Prophet, der in seiner Nähe war, sah, wie schwer er es mit einem Felsen hatte. Nun schlug er selbst dreimal mit der Hacke auf diesen Felsen, wobei jedes Mal ein Lichtstrahl aufblitzte.

„O Gesandter Allahs, was war das?“, fragte Salman erstaunt.

„Hast du es wirklich gesehen, o Salman?“, fragte der Prophet. Salman bejahte es.

„Das erste Aufblitzen bedeutet, dass Allah mir den Jemen eröffnet, durch das zweite Ash-Sham und den Westen und durch das dritte eröffnete Er mir den Osten.“[295]

Die Quraisch rückten mit zehntausend Kriegern heran, in der Hoffnung, die ganze Stadt schnell zu vernichten.

Der Graben war schon vollendet und der Prophet richtete mit dreitausend Muslimen ein Lager vor der Stadt ein, so dass der Graben zwischen ihnen und den Quraisch lag. Er befahl, Kinder und Frauen in die Festungen zu bringen, damit sie in Sicherheit wären.

Überrascht mussten die Götzendiener feststellen, dass die Felder um Medina herum schon abgeerntet waren, weshalb ihr Heer gleich in Richtung Stadt weitermarschierte.

Abu Sufyan, Chalid, Ikrima, ‘Amr und viele andere Häupter der Quraisch gingen an der Spitze und freuten sich, als sie die Lager der Muslime vor den Toren der Stadt und nicht hinter ihnen erblickten. Da es ihnen nicht an Männern und Waffen fehlte, waren sie überzeugt, den Feind rasch vernichten zu können. Als sie aber näher kamen, erblickten sie den breiten Graben.[296] Von der anderen Seite begannen nun die Bogenschützen der Muslime, einen Hagel von Pfeilen auf sie zu schießen und zwangen sie, zurückzuweichen. Dieser Graben war ein Kniff in der Kriegskunst, den die Araber noch nicht kannten!

An einer Stelle blockierten die Festungen des jüdischen Stammes Bani Qurayda den Eingang in die Stadt. Hujai Bin Achtab vom Stamm der Bani An-Nadir war sich sicher, dass es ihm gelingen würde, den jüdischen Stamm Bani Qurayda zu überreden, sein Versprechen Muhammad gegenüber zu brechen, und damit den Vertrag von Medina zu verletzen. Hujai ging sogleich zu Ka‘b Bin Asad von den Bani Qurayda, der für seinen Stamm mit dem Propheten das Bündnis geschlossen hatte.

Als Ka‘b die Stimme Hujais vor der Burg hörte, verschloss er das Tor, denn Hujai war den Bani Qurayda als Unglücksbringer bekannt, der seinem Stamm Verrat und Leid brachte.

„Wehe dir, Ka‘b! Mach auf!“

„Wehe dir, Hujai, du bist ein Unheilbringer! Ich habe einen Vertrag mit Muhammad und ich habe an ihm nur Treue und Ehrlichkeit erlebt!“

„Wehe dir, öffne mir, damit wir reden!“

„Das tue ich nicht!“

„Du hast also Angst, dass ich von deinem Weizenbrei esse!“

Dies beleidigte Ka‘b und machte ihn so wütend, dass er das Tor öffnete. Hujai trat ein und sprach: „Wehe dir, Ka‘b! Ich komme zu dir mit ewigem Ruhm und einem Meer von entschlossenen Kämpfern. Mit den Quraisch und ihren Führern bin ich gekommen und ebenso mit den Bani Ghatafan und ihren Führern. Sie haben mir versprochen und mit mir einen Vertrag geschlossen, dass sie keine Ruhe geben, bis wir Muhammad und alle, die mit ihm sind, ganz und gar aufgerieben haben!“

„Bei Allah, Hujai, du bringst mir vielmehr ewige Erniedrigung und eine Wolke, die ihr Wasser schon vergossen hat und die nur blitzt und donnert, aber nichts bringt. Lass mich in Frieden; denn Muhammad war mir gegenüber stets treu und ehrlich.“

Hujai sprach von der Beute und den vielen Vorteilen, die auf sie warteten, wenn sie die Muslime vernichteten. Er redete auf Ka‘b ein, bis er ihn schließlich zum Verrat bewegen konnte. Hujai schwor: „Wenn die Quraisch und die Bani Ghatafan zurückkehren, ohne Muhammad vernichtet zu haben, werde ich in deine Festung kommen, damit auch mich trifft, was dich trifft!“

Das überzeugte Ka‘b; er brach seinen Vertrag mit dem Propheten und beging Verrat. Nun war die ganze Mühe der Stadtbewohner umsonst gewesen. Die Bani Qurayda würden den Götzendienern Eintritt in die Stadt gewähren; diese würden sie dann plündern, zerstören und jeden töten, der ihnen in die Hände fiel.

Einige der Bani Qurayda waren zuerst dagegen, den Bund mit Muhammad zu verletzen und ihn zu verraten, denn sie hatten von ihm nur Gutes gesehen. Als jedoch die Heuchler um Ibn Salul hinzukamen und bestätigten, was Hujai ihnen gesagt hatte, waren sie vom Erfolg überzeugt, denn sie sahen, was für ein grauenvolles Heer der Quraisch da aufmarschiert war, das die Ebene vor ihren Augen füllte.

Der Prophet wurde benachrichtigt, woraufhin er den Führer des Stammes Aws, Saad Bin Mu‘adh, und den der Chazradsch, Saad Bin Ubada, mit zwei weiteren Gefährten beauftragte: „Schaut nach, ob es stimmt! Wenn es wahr ist, sagt es mir auf verschleierte Weise, damit die Leute nicht mutlos werden. Wenn sie aber Treue bewahren, dann sagt es klar und deutlich!“

Die Delegation der Muslime ging zu den Bani Qurayda. Sie merkten schnell, dass diese den Vertrag gebrochen hatten. Ihre Bitte, diese Entscheidung zu widerrufen, bevor eine Katastrophe geschähe, wurde zurückgewiesen. „Wer ist der Gesandte Allahs? Wir haben kein Abkommen und keinen Vertrag mit Muhammad!“ Ka‘b war sich sicher, dass die Quraisch die Muslime vernichten würden und sie mit ihnen zusammen die Beute machen würden. Saad Bin Mu‘adh beschimpfte sie, doch Saad Bin Ubada hielt ihn zurück: „Lass das Schimpfen! Die Sache ist schlimm genug!“ Die beiden Saads kehrten mit den anderen Gefährten zum Propheten zurück und gaben ihm ein Zeichen.[297] Der Prophet verstand. Er wandte sich seinen Leuten zu und rief: „Allahu akbar! Seid frohen Mutes, o ihr Muslime!“

Trotz allem gab er die Hoffnung nicht auf, obwohl die Lage für die Muslime nie ernster gewesen war. Die Feinde bedrängten sie, bis die Prüfung so hart wurde, dass die Gläubigen zu zweifeln begannen und einige Heuchler vor Angst und Zweifel das Gefühl hatten, ihre Leiber stünden in Flammen. [298]

Der Prophet und seine Gefährten hielten fast einen Monat am Graben durch. Außer einigen Pfeilschüssen kam es zu keinem richtigen Kampf. Eines Tages jedoch legten Ikrima und einige Reiter der Quraisch ihre Waffen an, ritten mit ihren Pferden zum Lager der Kinana und riefen: „Zum Krieg, ihr Bani Kinana! Heute werden wir sehen, wer von uns die richtigen Reiter sind!“

Als sie den Graben erreichten und sahen, wie mächtig er war, sagten sie erstaunt: „Wahrlich, die Araber sind bisher nicht auf diese Kriegslist gekommen!“ Sie suchten sich eine enge Stelle und schlugen auf ihre Pferde ein, bis diese den Graben mühsam überwanden.

Als Ali sie sah, ritt er sofort mit einigen Männern dorthin. ‘Amr Bin Abd Wudd, einer der stärksten und berühmtesten Kämpfer der Quraisch, der schon in Badr von einem Gefährten des Propheten verletzt worden war und sich daher nicht an der Schlacht von Uhud beteiligen konnte, war unter ihnen und wollte sich nun deutlich zeigen, damit jeder sah, was für ein hervorragender Krieger er war. Er und die anderen Reiter wurden von den Muslimen angehalten. Er rief: „Wer ist zum Duell bereit?“

Ali meldete sich. Die beiden gingen aufeinander los und umkreisten sich, bis sie in einer Staubwolke verschwanden. Ihre Schwerter prallten aufeinander, und ihre erregten Stimmen drangen aus dem Getümmel. Schließlich hörte man den Ruf „Allahu akbar!“ Jeder wusste, dass es Alis Stimme war, der die Größe Allahs pries, und dass ‘Amr besiegt war. Ikrima ließ seinen Speer fallen und floh mit den anderen Reitern zurück über den Graben.

Nun musste der Graben pausenlos bewacht werden und die Muslime mussten die Angriffsversuche mit Pfeilen abwehren.

Hujai versuchte weiterhin, die Quraisch davon zu überzeugen, eine Abteilung ihrer Männer zu den Burgen der Qurayda zu entsenden, um von dort aus die Festungen, in denen sich die Frauen und Kinder der Muslime befanden, anzugreifen. Die Bani Qurayda schickten zunächst einige Leute vor, um herauszufinden, ob Männer bei den Frauen waren. Wenn keine Männer da wären, wollten sie angreifen.

In einer der Festungen befand sich die Tante des Propheten, Safiya, eine Schwester von Hamza. Bereits früher hatte sie mit ihrem Speer an der Schlacht von Uhud teilgenommen. Als sie nun einen Mann der Bani Qurayda herankommen sah, nahm sie einen Zeltpfahl, stieg von der Festung herab, tötete ihn mit einem Schlag auf den Kopf und entledigte ihn seiner Waffen.

Als die Bani Qurayda ihn so fanden, erschraken sie sehr und riefen: „Wir hatten uns schon gewundert, dass Muhammad Frauen und Kinder allein in den Festungen lässt! Jetzt wissen wir, dass auch Männer dort sind, um sie zu beschützen!“[299]

Viele Muslime, die den Zwischenfall bemerkten, bekamen nun Angst um ihre Familien.

Die meisten Männer waren sehr erschöpft; ihnen fehlten Schlaf und Nahrung, weil sie am Tag und in den kalten Nächten ununterbrochen Wache hielten. Einige, die schwach im Glauben waren, dachten, dass der Sieg, den der Prophet ihnen versprochen hatte, nicht mehr kommen würde. Für die übrigen Gläubigen jedoch war dies lediglich eine Prüfung, die ihren Glauben stärkte, und sie übten sich täglich in Geduld.

Bei den Ghatafan war auch Nu‘aim Bin Mas‘ud. Abu Sufyan hatte ihm zwanzig Kamele versprochen, wenn er die Muslime dazu überreden könne, es nicht zu dem von ihm selbst in Uhud ange-kündigten zweiten Gefecht in Badr kommen zu lassen. Nu‘aims Reise damals nach Medina war für ihn nicht umsonst gewesen, denn als er dort war, beeinflusste ihn der Islam so sehr, dass „dies die Zeit war, in der Allah mein Herz für den Islam öffnete“, wie er später sagte.

Nu‘aim schlich also in die Stadt und verlangte, den Propheten zu sprechen. Man brachte ihn zu ihm, und Muhammad fragte, weshalb er gekommen sei.

„O Gesandter Allahs, ich bin Muslim geworden, ohne dass meine Leute etwas davon wissen. Ich stehe unter deinem Befehl!“

„Du bist nur ein einzelner Mann, so geh und versuche Zwietracht unter unseren Gegnern zu säen. Denn Krieg ist List.“[300]

Nu‘aim ging sogleich zu den Bani Qurayda, mit denen er in der Zeit der Unwissenheit, vor dem Islam, verbündet gewesen war und sprach: „Ihr Bani Qurayda! Ihr kennt meine Freundschaft euch gegenüber!“

„Du hast recht, wir misstrauen dir nicht“, antworteten sie.

„Die Quraisch und die Bani Ghatafan sind nicht wie ihr. Hier ist eure Heimat, in der ihr euren Besitz, eure Kinder und eure Frauen habt. Ihr könnt sie nicht so einfach verlassen. Die Quraisch und die Bani Ghatafan aber sind nur hierhergekommen, um Muhammad und seine Gefährten zu bekämpfen und ihr habt sie dabei gegen Muhammad unterstützt. Hier ist für sie aber keine Heimat, sie haben ihren Besitz und ihre Frauen nicht hier, und wenn es ihnen nicht gelingen sollte, ihren Feind zu schlagen, dann werden sie einfach dahin zurückreiten, woher sie gekommen sind und euch Muhammad und seinen Gefährten überlassen. Ihr habt dann keine Macht gegen ihn. Verlangt deshalb einige der Edlen der Quraisch als Geiseln, damit sie bei euch bleiben, bis ihr gemeinsam gegen Muhammad gekämpft und ihn vernichtet habt!“

„Du hast uns einen vollkommenen Rat gegeben“, bestätigten ihm die Bani Qurayda. Denn genau diese Bedenken hatten auch sie schon oft untereinander erwogen. Sie entschlossen sich, seinem Vorschlag zu folgen und versprachen, niemandem zu verraten, dass er ihnen diesen Rat gegeben hatte.

Anschließend ging Nu‘aim zu den Quraisch und sprach zu Abu Sufyan und einigen Männern der Quraisch: „Ihr kennt meine Freund-schaft zu euch, im Gegensatz zu Muhammad. Ich erfuhr etwas, und bin verpflichtet, es euch mitzuteilen. Es soll aber ein Geheimnis bleiben!“

Die Quraisch versprachen ihm, nichts zu verraten. Nu‘aim sagte weiter: „Die Bani Qurayda haben inzwischen ihr Verhalten gegenüber Muhammad bereut und ihm die folgende Nachricht zukommen lassen: ‚Wir bereuen unsere Tat. Würdest du zufrieden sein, wenn wir dir aus den beiden Stämmen Quraisch und Bani Ghatafan einige Edle übergäben, damit du ihre Köpfe abschlägst? Danach werden wir mit dir gegen die restlichen Männer kämpfen, um alle zu vernichten.‘ Muhammad ist damit zufrieden. Sollten also die Bani Qurayda euch nun nach Geiseln fragen, liefert ihnen niemanden von euren Männern aus!“

Danach ging Nu‘aim zu seinen eignen Leuten, den Bani Ghatafan, und sagte: „O ihr Männer der Bani Ghatafan! Ihr seid meine Herkunft und meine Sippe, und die Menschen, die mir am liebsten sind.“ Und er warnte seinen eigenen Stamm, so wie er vorher die Quraisch gewarnt hatte.

Es war an einem Freitagabend, als Abu Sufyan und die Häupter der Bani Ghatafan einige Männer aus ihren Stämmen zu den Bani Qurayda schickten, ohne dass Hujai es erfuhr. Dort ließen sie Folgendes ausrichten: „Hier ist nicht unsere Heimat und wir können nicht länger warten. Macht euch morgen früh zum Kampf bereit, damit wir Muhammad vernichten!“

Die Bani Qurayda antworteten: „Morgen ist Sabbat – und wir kämpfen auch nicht gegen Muhammad, ohne dass ihr uns Geiseln gebt, die bei uns bleiben, bis wir ihn erledigt haben. Wir haben Angst, dass ihr im Falle der Niederlage in eure Heimat flüchtet und uns ihm überlasst, während wir hier zu Hause sind und nicht in der Lage, ihn zu besiegen.“

Mit dieser Antwort kehrten die Boten zu den Quraisch zurück. Die Quraisch und die Bani Ghatafan stellten fest: „Was Nu‘aim uns erzählte, ist die Wahrheit!“ Sie ließen die Bani Qurayda wissen, dass sie nicht bereit seien, auch nur eine einzige Geisel zu übergeben, und wenn sie bereit seien zu kämpfen, so sollten sie dies tun.

Als die Bani Qurayda diese Antwort erhielten, sagten auch sie: „Was Nu‘aim uns erzählte, ist die Wahrheit! Sie verlangen nur, dass wir kämpfen, und wenn sie eine Gelegenheit sehen, werden sie sie ausnutzen. Andernfalls werden sie in ihre Heimat zurückkehren und uns im Stich lassen.“ Deshalb ließen sie die Quraisch und Bani Ghatafan wissen, dass sie ohne Geiseln nicht kämpfen würden. Die Quraisch bestanden ebenfalls auf ihrer Ablehnung.

Nun bekam Hujai Angst um sein Leben, denn Abu Sufyan, der ihm nicht mehr traute, begann, sich mit ihm zu streiten. Deshalb verließ er das Lager und ging zu den Bani Qurayda.

Auf der anderen Seite des Grabens betete der Prophet. Er war sich genau wie am Anfang des Sieges sicher und hoffte, dieser käme bald.

Er fragte seine Gefährten, ob einer von ihnen auf die Seite der Feinde schleichen könne, um herauszufinden, was diese taten. Es war aber schon spät, und vor Erschöpfung, Kälte, Hunger und Angst traute sich keiner von ihnen, aufzustehen. Außerdem heulten die Sturmböen wie wütende Wölfe. Als Hudhayfa[301] seinen Namen hörte, wusste er, dass ihm nichts anderes übrigblieb und er stand trotz seiner Erschöpfung auf. Der Prophet sagte zu ihm: „O Hudhayfa, geh und schau, was die Leute tun, ohne jedoch selbst irgendetwas zu unternehmen.“ Er sprach ein Bittgebet für ihn, wodurch die Angst aus seinem Herzen wich. Beruhigt machte Hudhayfa sich in der stockfinsteren Nacht auf den Weg und erreichte bald die Lager der Quraisch.

Allah hatte in jener Winternacht einen eiskalten Wind geschickt, der die Gefäße der Quraisch mit erbarmungsloser Wucht umwarf, ihre Feuer auslöschte und ihre Zelte hinwegfegte.

Kurz nachdem Hudhayfa sich unter die Leute gemischt hatte, wollte Abu Sufyan eine Ankündigung machen, von der die Muslime auf keinen Fall etwas erfahren sollten. Da man kaum etwas sehen konnte und er fürchtete, es könnte ein Fremder unter ihnen sein, wandte er sich an die Quraisch und verlangte, dass jeder sich vergewissern sollte, wer neben ihm saß. Sofort drehte sich Hudhayfa zu seinem Nachbarn und fragte ihn nach seinem Namen – wodurch er verhindern konnte, dass er selbst gefragt wurde.

Nun sprach Abu Sufyan, während ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief: „Ihr Männer der Quraisch! Wir sind hier an keinem sicheren Aufenthaltsort! Unsere Pferde und Kamele sterben, und die Bani Qurayda haben ihr Wort nicht gehalten. Schreckliches haben sie uns angetan! Ihr seht den furchtbaren Wind, der uns kein Kochgeschirr, kein Feuer und kein Zelt lässt. Brecht also auf, denn auch ich breche auf!“[302]

Hudhayfa erzählte später: „Abu Sufyan war so verwirrt und in Eile, dass er vergaß, die Beinfessel seines Kameles zu lösen, ehe er aufstieg, so dass es mit ihm stolperte. Bei Allah, wenn der Prophet mir nicht gesagt hätte, ich solle nichts machen, bis ich wieder bei ihm sei, hätte ich ihn mit einem Pfeil getötet!“

Als Hudhayfa das Lager der Bani Ghatafan erreichte, war es bereits verlassen.

„Ich kehrte zügig zum Propheten zurück, der sich, in den Umhang seiner Frau gehüllt, gerade im Gebet befand. Als er mich bemerkte, ließ er mich an seiner Seite sitzen, legte einen Teil des Umhangs über mich und betete weiter. Sobald er sein Gebet beendet hatte, berichtete ich ihm alles.“[303]

Am nächsten Morgen, als auf der anderen Seite des Grabens nur noch eine leere Ebene zu sehen war, sagte der Prophet: „Die Quraisch werden ab diesem Jahr nie wieder gegen uns ziehen, aber wir werden gegen sie ziehen.“[304] Er gab bekannt, dass jeder nach Hause gehen könne. Erleichtert kehrten alle in die Stadt zurück und legten ihre Waffen ab.

Kaum war der Prophet von der Grabenschlacht nach Hause zurückgekehrt, als der Engel Gabriel zu ihm kam und fragte: „Hast du die Waffen schon abgelegt, o Gesandter Allahs?“

„Ja“, antwortete der Prophet.

„Die Engel aber haben ihre Waffen noch nicht abgelegt, sie sind dabei, die Feinde zu verfolgen. Allah befiehlt dir, o Muhammad, zu den Bani Qurayda zu marschieren! Ich gehe schon hin und lasse sie erzittern.“

Der Prophet beauftragte sogleich einen Rufer: „Wer hört, soll sein Nachmittagsgebet nicht verrichten, bevor er nicht bei den Bani Qurayda angekommen ist.“ Er schickte Ali mit der Fahne und die Muslime folgten ihm.

Ali zog weiter, bis er sich den Häusern der Bani Qurayda näherte und hörte, wie sie über den Propheten schimpften. Er ritt zu ihm zurück und sagte: „Gesandter Allahs! Du solltest dich diesen Abscheulichen nicht nähern!“

Als der Prophet bei den Bani Qurayda ankam, ließ er sich in ihrer Nähe an einem Brunnen namens Anna nieder und belagerte sie fünfundzwanzig Tage, bis sie geschwächt waren und ihre Herzen vor Furcht bebten.

Drei Jungen von der jüdischen Sippe Bani Hadl erinnerten die Bani Qurayda an das Wort Ibn Alhayabans, der nach Medina gekommen war, um den erwarteten Propheten zu sehen: „Seine Stunde ist gekommen. Ihr Juden, versucht die Ersten zu sein, die ihm folgen.“

Doch ihre Mahnung war vergeblich. Deshalb verließen sie in der Nacht heimlich die Bani Qurayda und schlossen sich den Muslimen an. Das Gleiche tat auch ein weiterer Mann der Bani Qurayda, ‘Amr Bin Suda. Über ‘Amr sagte der Prophet: „Allah rettete diesen Mann wegen seiner Treue.“ ‘Amr war immer dagegen gewesen, Verrat zu begehen, den Vertrag von Medina zu verletzen und ihre Bewohner in Gefahr zu bringen.

Hujai war schon vor dem Abzug der Quraisch und der Bani Ghatafan in die Festung der Bani Qurayda geflüchtet, um sich dort zu verstecken, da Abu Sufyan angefangen hatte, ihm zu misstrauen.

Als die Bani Qurayda sich bewusst wurden, welch schweren Verrat sie begangen hatten, sprach Ka‘b: „Ihr seht, in welcher Lage ihr euch befindet! Deshalb mache ich euch drei Vorschläge. Der erste ist: Wir folgen diesem Mann. Es ist wahrlich klar, dass er ein gesandter Prophet ist, über den ihr in eurer Schrift gelesen habt. Mein zweiter Vorschlag ist, dass wir unsere Frauen und Kinder töten. Dann sind wir frei und können mit dem Schwert gegen Muhammad und seine Gefährten kämpfen. Wenn wir nicht siegen, lassen wir zumindest keine Familien zurück. Wenn uns die Flucht gelingt, werden wir andere Frauen und Kinder finden. Der dritte Vorschlag ist, anzugreifen, obwohl Sabbat ist und Muhammad und seine Gefährten sich deshalb sicher sind, dass wir nichts unternehmen werden.“[305]

Alle drei Vorschläge lehnten sie ab. Vielleicht waren sie daran gewöhnt, dass Muhammad alles verzieh? Aber diesmal hatten sie wenig Hoffnung, davonzukommen, da die Kämpfer der Bani An-Nadir und der Quraisch, die nach früheren Schlachten freigelassen worden waren, im Grabenkrieg erneut gegen die Muslime gekämpft hatten. Hätte man damals die Kriegsverbrecher hingerichtet, wäre das Heer der Quraisch nicht so mächtig gewesen und die Bani Qurayda hätten sich nicht getraut, die Stadt und den Vertrag zu verraten und so viele Menschenleben zu gefährden.

Die Muslime jedoch hielten stand, kämpften und besiegten die Bani Qurayda. Hujai wusste, dass seine Verhaftung bevorstand. Gewiss hatte er sich auf diese Stunde vorbereitet und war sicher, dass er nicht entkommen würde. Er wurde zusammen mit den Männern der Bani Qurayda festgenommen.

Saad Bin Mu‘adh, der Anführer der Aws, sollte das Urteil fällen. Ihm war die Schwere der Schuld der Bani Qurayda bewusst und er urteilte: „Ihre Männer sollen hingerichtet werden!“[306]

Mit der Bestrafung der Bani Qurayda endete die Grabenschlacht.

Vom Norden her aber waren die Muslime weiterhin durch die Juden aus Chaibar gefährdet, die in jedem Augenblick Medina angreifen konnten, um den Propheten umzubringen. Denn sie strebten danach, durch Gewalt und Ausbeutung ihre Macht in Arabien auszudehnen.

 Thumama

S

afiya, die Tochter Hujais, hatte einen Traum, in dem sie sah, dass ein leuchtender Mond über Medina stand. Dann wanderte das Gestirn langsam nach Chaibar, wo es in ihren Schoß fiel. Als sie erwachte, erzählte sie ihrem Mann Kinana, was sie im Traum gesehen hatte. Er schlug ihr ins Gesicht, so dass sie beinahe ein Auge verlor, und brüllte: „Das kann nur heißen, dass du an Muhammad, dem König der arabischen Halbinsel, interessiert bist!“[307] Anscheinend war ihm bekannt, dass sie mit Muhammad sympathisierte.

Inzwischen ließen sich die Muslime nicht mehr so einfach von ihren Feinden überraschen. Sie waren nunmehr auf Angriffe vorbereitet und hatten gelernt, die Gegend um Medina sicher zu bewachen.

Eines Tages war eine Reitertruppe zum Nadschd unterwegs und brachte auf ihrem Heimweg einen Götzendiener zum Propheten. „Wisst ihr, wen ihr da erwischt habt?“, fragte er seine Gefährten. „Das ist Thumama Bin Athal Alhanafi. Seid nett zu eurem Gefangenen!“[308]

Der Prophet war ständig dem Widerstand von Götzendienern ausgesetzt, die sich mit den Quraisch verbündeten. Allah wies ihn über Offenbarungen an, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern das Böse mit Gutem abzuwehren, denn dann „wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund.“[309]

Muhammad ging also nach Hause und bat seine Familie, dem Gefangenen etwas zu essen zu bringen. Dann besuchte er ihn und fragte: „Womit rechnest du bei mir, Thumama?“

Thumama antwortete: „Nur mit Gutem! Wenn du mich tötest, so tötest du einen Menschen, dessen Blut geschützt ist, aber wenn du mir Gnade erweist, so erweist du sie einem Dankbaren. Möchtest du jedoch ein Lösegeld, so verlange, was du willst.“

Der Prophet ging fort, ohne ihm zu antworten. Am nächsten Tag fragte er ihn wieder: „Womit rechnest du bei mir, Thumama?“ Thumama wiederholte seine Antwort vom Vortag.

Auch am dritten Tag ging der Prophet zu ihm und fragte nochmals: „Womit rechnest du bei mir, Thumama?“

Wieder gab Thumama dieselbe Antwort. Daraufhin befahl der Prophet: „Lasst Thumama frei!“

Thumama konnte es kaum glauben. Er war hocherfreut, ging zu einer Palme in der Nähe der Moschee, vollzog dort eine Ganzkörper-waschung und kam wieder zurück. Er betrat die Moschee und sprach: „Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist! O Muhammad, ich schwöre bei Allah, dass es kein Gesicht auf dieser Erde gab, das ich mehr hasste als dein Gesicht. Heute ist dein Gesicht für mich dasjenige geworden, das ich am meisten liebe. Ich schwöre bei Allah, dass es keine Religion gab, die ich mehr hasste als deine Religion. Heute ist deine Religion für mich diejenige geworden, die ich unter allen Religionen am meisten liebe. Ich schwöre bei Allah, dass es keine Stadt gab, die ich mehr hasste als deine Stadt. Heute ist deine Stadt für mich diejenige geworden, die ich unter allen Städten am meisten liebe. Deine Truppen nahmen mich fest, als ich gerade die kleine Pilgerfahrt, die Umra, nach Mekka vollziehen wollte. Ich möchte sie gerne vollenden. Was hältst du davon?“

Der Gesandte lächelte und ermutigte ihn, die Umra fortzusetzen.

Als Thumama in Mekka ankam, begann er die Talbiya[310] des Islam zu rufen. Sofort nahmen ihn die Quraisch fest und drohten, ihn zu enthaupten. Sie waren davon ausgegangen, dass Thumama ihr Freund sei. Ein Mann sagte: „Lasst ihn, sonst bekommt ihr kein Getreide mehr aus Yamama!“ Sie beschimpften ihn: „Ungläubig bist du geworden!“

„Nein, bei Allah“, erwiderte er, „vielmehr bin ich ein Muslim geworden, durch Muhammad. Nein, bei Allah! Eines Tages werdet ihr kein einziges Weizenkorn mehr aus Yamama erhalten, ohne dass der Prophet seine Erlaubnis dazu gibt!“

Schließlich sahen die Quraisch sich gezwungen, ihn freizulassen. Als er wieder zu Hause in Yamama war, gab er seinem Volk den Befehl, den Quraisch kein einziges Körnchen Getreide mehr zu schicken.

Würde Muhammad sich jetzt für all die Jahre rächen, in welchen die Quraisch ihn und die Muslime hatten hungern lassen?

Den Quraisch war der Ernst der Lage klar. Unverzüglich schrieben sie einen Brief an den Propheten und erinnerten ihn an die Verwandtschaft zwischen ihnen und ihm, sowie an die Werte, welche Freundlichkeit gegenüber der Verwandtschaft gebieten. Sie flehten ihn an, er solle zulassen, dass sie wieder Getreide bekämen. Anscheinend hatten sie in diesem Moment ganz vergessen, was sie den Muslimen angetan hatten, oder sie wagten es, ihm diese Bitte zu schicken, weil sie blind seiner Güte vertrauten.

Nicht lange nach dem Grabenkrieg zog der Schwiegersohn des Propheten, Abul-As, Zaynabs Mann, mit Handelsgütern der Quraisch nach Ash-Sham.

In der Nähe Medinas stieß er auf eine Truppe von Muslimen, die beschlagnahmten, was die Karawane bei sich trug, und die meisten Männer gefangen nahmen. Abul-As gelang die Flucht, und er wollte an Medina vorbei nach Mekka in den Süden. Als er aber in der Nähe von Medina war, in der Stadt, wo seine geliebte Frau Zaynab und seine kleine Tochter Umama waren, konnte er nicht anders, als einfach in die Stadt zu Zaynabs Wohnung zu gehen.

Abul-As blieb bei seiner Tochter Umama, während Zaynab in die Moschee ging, um mit den Frauen das Morgengebet zu verrichten. Kurz bevor sie mit dem Gebet begannen, rief Zaynab: „O ihr Menschen, ich habe dem Abul-As Bin Rabi Schutz gewährt!“

Nachdem der Prophet das Gebet beendet hatte, machte er den Muslimen klar, dass er davon nichts gewusst habe, dass aber nicht nur seine Tochter, sondern jeder Muslim ein Schutzversprechen geben könne, das für alle Muslime bindend sei. Dann ging er zu Zaynab und sagte ihr: „Mein Töchterchen, du sollst freundlich zu ihm sein, aber als Ehemann ist er dir nicht erlaubt.“

Zaynab stimmte zu und setzte sich weiter für Abul-As ein.

„Ich würde mich freuen, wenn ihr diesem Mann Güte zeigt und ihm seine Waren zurückgebt“, sagte der Prophet zu seinen Männern – worauf sie ihm alles zurückgaben.

Einige Muslime schlugen vor, ihm die Handelsgüter der Quraisch zu schenken, wenn er Muslim würde. Doch er wollte sein Versprechen gegenüber den Quraisch nicht brechen, damit er seinen Glauben an den Islam nicht mit Veruntreuung begänne. So ließen sie ihn ziehen.

Er gelangte sicher nach Mekka. Als er seinen Gefährten von den Quraisch alles, was ihm anvertraut worden war, zurückgegeben hatte, rief er: „O ihr Quraisch! Hat irgendjemand von euch etwas von dem, was er mir gegeben hatte, nicht zurückerhalten?“

Sie antworteten: „Nein! Allah möge es dir mit Gutem vergelten! Wir haben dich vertrauenswürdig und edel gefunden.“

Darauf sprach er: „So bezeuge ich, dass es außer Allah keinen Anbetungswürdigen gibt und dass Muhammad sein Diener und sein Gesandter ist. Bei Allah, nichts hinderte mich daran, als ich bei ihm war, Muslim zu werden, außer der Furcht, ihr könntet sagen, ich hätte mir eure Güter aneignen wollen; doch da Allah sie euch nun zukommen ließ und ich sie los bin, werde ich jetzt Muslim!“[311]

Alle im Haus des Propheten freuten sich über die Rückkehr von Abul-As, und besonders Zaynab und ihre kleine Tochter waren sehr froh, dass sie nun endlich wieder mit ihm zusammen waren.

Der Prophet hatte Umama sehr gern. Wenn er betete, trug er sie auf dem Arm. Wenn er sich niederwarf, setzte er sie hin, und wenn er aufstand, nahm er sie wieder. Je öfter die Frauen sahen, wie gut der Prophet Kinder und Frauen behandelte, desto wohler und selbst-bewusster fühlten sie sich und wagten, nach ihren Rechten zu fragen. Ehen von Frauen, die ohne ihr Einverständnis hatten heiraten müssen – auch wenn diese Zwangsehen aus vorislamischen Zeiten stammten – erklärte Muhammad für ungültig, und er gab den Frauen das Recht, sich scheiden zu lassen. Chansa’ war eine dieser Frauen; der Prophet erklärte ihre Ehe für nichtig, weil ihr Vater sie gegen ihren Willen verheiratet hatte.[312] Danach heiratete sie Abu Lubaba und verbrachte mit ihm ein glückliches Leben.

Es wurde zur Voraussetzung für eine Heirat, dass der Ehevertrag in beiderseitigem Einverständnis geschlossen werden musste. Immer mehr lernten die neuen Muslime über ihre Religion, und auch die Frauen kamen zum Propheten und beklagten sich: „Die Männer sind im Vergleich zu uns im Vorteil, so gib uns einen Tag, an dem wir teilhaben an dir, um von dir zu lernen!“

Da setzte er für sie einen bestimmten Tag fest, an dem er mit ihnen zusammentraf, sie unterrichtete und ihnen Anweisungen gab.[313]

 Aischas Kette

A

us Mitleid hatte der Prophet den Yamama erlaubt, Mekka wieder mit Getreide zu versorgen – während die Quraisch ihre Ver-bündeten von der Sippe der Bani Al-Mustaliq drängten, einen Angriff auf Medina zu starten.

Als Muhammad dies hörte, zögerte er nicht lange und stand mit seinen Männern plötzlich vor dem Lager der Bani Al-Mustaliq. Ohne viel Widerstand ergaben sie sich.

Auf dem Rückweg gab es im Lager der Muslime an einer Wasser-quelle eine kleine Auseinandersetzung zwischen einem Mann von den Helfern und einem von den Auswanderern. Als der Prophet davon erfuhr, erinnerte er sie daran, dass derlei Zwietracht in die Zeit der Unwissenheit gehöre, die jetzt überwunden sein sollte.[314]

Einigen Männern, welche Muhammad als Heuchler bekannt waren, allen voran Ibn Salul, kam jedoch diese Situation sehr gelegen und sie versuchten, noch mehr Zwietracht zwischen den Helfern und den Auswanderern zu säen. Als der Prophet durch Zaid davon erfuhr und sah, wie die Stimmung sich verschlechterte, gab er den Befehl, sofort aufzubrechen und weiterzumarschieren. Er ließ nur ab und zu noch kurz anhalten, um die Gebete zu verrichten.

Aischa und Umm Salama sowie einige andere Frauen begleiteten diese Expedition. Als Aischa unterwegs ihre Kette verlor und zurückblieb, um sie zu suchen, begannen Ibn Salul und die anderen Heuchler, daraus eine Geschichte zu spinnen, die den Propheten dort traf, wo es ihn am meisten schmerzte. Sie begannen, Lügen auszustreuen und zu erzählen, Aischa sei mit einem fremden Mann zurückgeblieben. Umar beobachtete diese Sache aufmerksam und es wurde ihm sehr klar, welch schlimme Folgen Lügen haben können. Er schlug vor, Ibn Salul zu bestrafen. Doch der Prophet ließ dies nicht zu. Er übte sich in Geduld und sprach: „O Umar, die Leute würden sagen: ‚Muhammad tötet seine Gefährten!’“

Ibn Saluls Sohn Abdullah, der gemeinsam mit seiner Schwester Dschamila Muslim geworden war, erfuhr davon und fragte sich verzweifelt, was er machen sollte, denn er liebte den Propheten über alles.

Unterwegs wehte ein starker Wind, der ihnen das Weiterziehen erschwerte und schließlich zum Sturm wurde. Alle fürchteten sich. Der Prophet aber beruhigte seine Gefährten: „Habt keine Angst! Dieser Wind weht wegen des Todes eines großen Verbrechers!“[315]

Als sie in Medina ankamen, erfuhren sie, dass am selben Tag ein übler Verbrecher namens Rifa‘a gestorben war, der ein Unterstützer der Heuchler gewesen war.

Abdullah, der Sohn Ibn Saluls, ging zum Propheten. „O Gesandter Allahs, ich erfuhr, dass du meinen Vater Ibn Salul möglicherweise töten lassen willst wegen dem, was er getan hat. Wenn dem so ist, beauftrage bitte mich damit. In meinem Stamm, den Chazradsch, wissen alle, dass es keinen Mann unter ihnen gibt, der seinem Vater mehr Güte zeigt als ich. Ich fürchte, dass jemand anders damit beauftragt wird und ich es nicht ertragen kann, den Mörder meines Vaters zu sehen und ihn dann töten werde. Doch dafür würde ich ins Höllenfeuer kommen!“

Der Prophet jedoch verzieh Ibn Salul und antwortete: „Im Gegenteil, wir werden deinen Vater mit Sanftmut behandeln, solange er unter uns ist.“ Ab diesem Zeitpunkt wurde Ibn Salul immer wieder von seinen eigenen Verwandten wegen seiner Taten getadelt.[316]

Erst viel später erfuhr auch Aischa, dass die Heuchler Gerüchte über sie in die Welt gesetzt hatten. Das tat ihr sehr weh, denn ihr Charakter und ihre Liebe zum Propheten waren in ganz Medina bekannt. Sie war zu der Zeit krank, im Hause ihrer Mutter, und hatte erwartet, dass der Prophet zu ihr käme, denn er kannte ja ihre Liebe zu ihm, die so groß war, dass sie das, dessen man sie beschuldigte, nie hätte tun können. Dass er sie öffentlich von der Kanzel herab verteidigte, wusste sie nicht. Weinend bemühte sie sich um Geduld. Sie erzählte später: „Ich suchte nach dem Namen Jakobs, konnte ihn mir aber nicht ins Gedächtnis rufen, weshalb ich sagte: ‚Aber ich will wie Josephs Vater sagen: „Mein ist die schöne Geduld und Anrufung Allahs um Hilfe gegen euren Bericht.“‘[317] Der Prophet saß noch bei uns, als eine himmlische Botschaft zu ihm kam und er, wie üblich, von den Schmerzen dieser Offenbarung ergriffen wurde. Trotz der Kälte des Winters perlten Schweißtropfen von seiner Stirn. Als der Druck, den er empfand, nachließ, wischte er mit Freude den Schweiß von seiner Stirn und sprach: ‚O Aischa, Allah hat den Beweis deiner Unschuld herabgesandt.‘“

Aischa pries Allah, und der Prophet ging zu den Gläubigen und rezitierte ihnen die herabgesandten Koranverse.[318]

Mistah war einer von denen, die nachplapperten, was die anderen Übles über Aischa gesagt hatten. Abu Bakr, der Mistah regelmäßig unterstützte, sagte: „Bei Allah, ich werde ihm nie wieder etwas geben und ihm nie wieder einen Gefallen tun, nachdem er uns und Aischa so etwas angetan hat!“ Darüber wurden die folgenden Koranverse offenbart: „Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluss und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es nicht, dass Allah euch vergibt? Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“[319]

Abu Bakr sagte dazu: „Bestimmt liebe ich es, dass Allah mir vergibt!“ Schnell lief er zu Mistah, um ihm zu verzeihen und ihm zu geben, was er immer gab, und er versprach: „Bei Allah, ich werde es ihm nie mehr verweigern!“[320]

Damit kehrte in Medina wieder Ruhe ein.

 Friedensangebot

E

ines Nachts träumte der Prophet, dass er mit geschorenem Kopf vor der Kaaba stand, während er ihre Schlüssel in der Hand hielt. Er wusste, dass der Traum ein Hinweis von Allah war, und am nächsten Tag forderte er seine Gefährten auf, sich auf eine Besuchs-pilgerfahrt nach Mekka, eine Umra, vorzubereiten.[321]

Siebzig Kamele wurden gekauft, um diese für Allah zu opfern und das Fleisch an Arme zu verteilen. Vielleicht wollte Muhammad die Pilger-fahrt auch unternehmen, weil die derzeitige Schwäche der Quraisch dem Frieden dienen konnte.

Er wollte keine Gelegenheit ungenutzt lassen, die Menschen einander näherzubringen.

Die Gefährten wollten ihre Panzer und Schilde anlegen, weil sie befürchteten, dass die Quraisch sie trotz des heiligen Monats, in dem sie sich gerade befanden, angreifen könnten.[322] Der Prophet jedoch bestand darauf, dass sie unbewaffnet blieben. Er machte ihnen klar, dass er nur die Pilgerfahrt vollziehen und in Frieden reisen wollte. So trug er nur zwei ungenähte Tücher; mit dem einen bedeckte er den unteren Teil seines Körpers, das andere legte er um die Schultern, um die spirituelle und friedliche Reise bescheiden und demütig anzu-treten.

Der Anweisung des Propheten folgend, führten die Muslime nur die Waffen mit, welche für Handelskarawanen üblich waren. Diese Bewaffnung hätte einer Armee nicht standhalten können. Damit signalisierten sie ihre gute Absicht.

Die Mekkaner, die nicht von den friedlichen Absichten der Muslime überzeugt waren, machten sich große Sorgen und waren gespannt, wann sie von ihnen angegriffen würden, nachdem die Muslime nun stärker geworden waren und man in ganz Arabien von ihrer Gerechtig-keit, aber auch von ihrer Tapferkeit sprach.

Der Prophet hatte den Bischr Bin Sufyan Al-Kabi als Kundschafter vorausgeschickt. Bei Asfan[323] trafen sie ihn wieder und er berichtete: „O Gesandter Allahs! Die Quraisch haben von deinem Kommen erfahren. Bewaffnet haben sie Mekka verlassen und sich nach Dhi-Tuwa[324] begeben, um dir den Eintritt in die Stadt zu verweigern. Chalid Bin Al-Walid ist schon mit den Reitern der Quraisch nach Kura’l-Ghamim[325] unterwegs.“

„Wehe den Quraisch, sie denken nur noch an Krieg! Was würde es ihnen ausmachen, wenn sie mich und die übrigen Araber in Ruhe ließen! Wenn diese mir etwas antun, ist es ja genau das, was sie auch wollen ...“[326]

Dann fragte er, ob es jemanden gäbe, der sie nach Mekka bringen könnte, ohne dass sie unterwegs auf die Quraisch stoßen würden.

Ein Mann von den Bani Aslam[327] meldete sich. Er führte sie durch das sogenannte Salzgebiet – auf einem Weg, der sie über den Pass von Murar in die Niederung von Hudaibiya unterhalb Mekkas führte. Als die Reiter der Quraisch den aufgewirbelten Staub sahen, erkannten sie, dass die Muslime einen anderen Weg eingeschlagen hatten und ritten nach Mekka zurück.

Plötzlich kniete Qaswa, die Kamelstute des Propheten, auf dem Pass von Murar nieder. Die Muslime wunderten sich und sprachen: „Dein Kamel kniet nieder?“

„Das ist nicht typisch für sie“, erklärte der Prophet, „Aber Allah, Der auch den Elefanten[328] von Mekka abhielt, versperrt ihr den Weg. Deshalb werde ich heute kein Angebot der Quraisch ablehnen, das die Verwandtschaftsbande wiederherstellt.“[329] Zuversichtlich ließ er die Muslime absteigen, und als sie ihm erklärten, dass es hier kein Wasser gäbe um zu rasten, holte er aus seiner Satteltasche einen Pfeil und gab ihn einem Gefährten, der ihn in ein ausgetrocknetes Wasserloch steckte. Reichlich frisches, klares Wasser sprudelte hervor. Menschen und Tiere löschten ihren Durst.

Nach einer Weile kam Budail Bin Warqa’ mit einigen Männern vom Stamm der Bani Chuza‘a aus Mekka zum Propheten und erkundigte sich nach seinem Vorhaben.

Er sagte, er wolle keinen Krieg und sei als Besucher der Kaaba gekommen. Die Männer waren sehr erstaunt, dass sie statt Rache ein Friedensangebot erwartete.

Sie ritten wieder zu den Quraisch zurück und erklärten ihnen: „Männer der Quraisch! Ihr beeilt euch gegen Muhammad, doch er ist nicht zum Kämpfen, sondern zum Besuch der Kaaba gekommen!“

„Selbst, wenn er nicht kämpfen will, wird er sie nicht betreten!“

Die Quraisch schickten nun Hulais.[330]

Als er ihn kommen sah, sagte der Prophet: „Dieser Mann verehrt den Herrn der Kaaba. Stellt die Opfertiere direkt vor ihn, damit er sie sehen kann!“

Hulais sah die vielen Opfertiere und den Zustand der Muslime, weshalb er aus Ehrfurcht nicht weiterging. Er erkannte, dass die Muslime wirklich als Pilger nach Mekka gekommen waren und kehrte zu den Quraisch zurück, um ihnen zu erzählen, was er gesehen hatte.

Diese aber sagten nur: „Setz dich! Du bist nur ein Beduine, der nichts versteht!“

Wütend antwortete Hulais: „Ihr Quraisch! Dafür haben wir uns nicht mit euch verbündet! Kann jemandem der Zutritt zum Hause Allahs verweigert werden, der gekommen ist, um es zu ehren? Bei Dem, in Dessen Hand Hulais’ Seele ist – ihr werdet Muhammad tun lassen, wofür er gekommen ist, oder ich werde alle Ahabisch abziehen lassen!“

„Lass uns, Hulais, bis wir erreicht haben, was wir erreichen wollen!“

Die Quraisch wollten nun Urwa Bin Mas‘ud zum Propheten schicken. Dieser zögerte zunächst, die Aufgabe zu übernehmen, nachdem er gesehen hatte, wie Hulais behandelt wurde.

Als er dann doch zum Propheten ging, erklärte dieser ihm das Gleiche, und auch Urwa konnte sich davon überzeugen, dass Muhammad ohne kriegerische Absichten gekommen war.

Beim Propheten sah Urwa auch, welche Stellung Muhammad unter seinen Gefährten hatte. „Wenn er seine Gebetswaschung vollziehen wollte, brachten sie ihm sogleich Wasser; wenn ihm ein Haar ausfiel, hoben sie es auf, noch bevor es den Boden erreichte“, erzählte er, als er wieder in Mekka war, und fügte hinzu: „O ihr Männer der Quraisch! Ich war schon als Abgesandter bei Chosrau in seinem Königreich, beim Kaiser von Byzanz und beim Negus. Bei Allah, ich habe niemals einen König gesehen, der mit so viel Liebe und Respekt von seinen Gefährten behandelt wurde wie Muhammad! Ich habe hier ein Volk gesehen, das ihn für nichts aufgeben würde. Er bittet euch um etwas Vernünftiges, so nehmt es an!“[331]

Als einige Kampfesdurstige der Quraisch merkten, dass der Friede allzu nah war, schlichen sie sich mit etwa siebzig bis achtzig Kriegern nachts in das Lager der Muslime, um das Feuer des Krieges erneut zu entfachen.

Muhammad Bin Maslama hatte die Führung der Wache übernommen, und es gelang ihm, alle Angreifer festzunehmen. Der hinterhältige Angriff schmälerte den Wunsch des Propheten nach Frieden nicht – er antwortete mit einer weiteren Vergebung und ließ alle wieder frei. Er schickte seinen Schwiegersohn Uthman und Charrasch zu den Führern der Quraisch, und auch diese beiden brachten ihnen die Friedensbot-schaft des Propheten.

Als Uthman seinen Auftrag erledigt hatte, boten die Quraisch ihm an, er dürfe die Kaaba umschreiten. Er lehnte das Angebot jedoch ab und sagte: „Ich werde dies nicht tun, bevor nicht der Gesandte Allahs die Kaaba umschritten hat!“[332]

Nun schickten die Quraisch Suhail Bin ‘Amr mit einer neuen Anweisung zum Propheten: „Geh zu Muhammad und schließe mit ihm einen Friedensvertrag, aber nur auf der Basis, dass er in diesem Jahr wieder umkehrt, damit die Araber nicht sagen können, er habe uns gezwungen, ihm den Eintritt zu gewähren.“

Als der Prophet Suhail kommen sah, sagte er: „Die Quraisch wollen Frieden, deshalb haben sie diesen Mann gesandt.“

Sie verhandelten lange; die Gefährten hörten von draußen, wie ihre Stimmen sich hoben und senkten. Endlich hatten sie sich geeinigt. Als nun nur noch eine Urkunde fehlte, sprang Umar auf und suchte nach Abu Bakr: „Abu Bakr! Ist er nicht der Gesandte Allahs?“

„Doch!“, sagte Abu Bakr

Umar fragte: „Sind wir nicht Muslime?“

„Doch!“

„Sind sie nicht Götzendiener?“

„Doch!“

„Warum müssen wir dann unseren Glauben durch diesen Vertrag mit den Götzendienern erniedrigen?“

„O Umar! Folge ihm einfach! Ich bezeuge, dass er der Gesandte Allahs ist“, entgegnete Abu Bakr.

„Ich bezeuge es auch, dass er der Gesandte Allahs ist“, sagte Umar. Er ging zum Propheten und fragte auch ihn: „O Gesandter Allahs! Bist du der Gesandte Allahs?“

„Ja“, sagte der Prophet.

„Sind wir Muslime?“

„Ja.“

„Sind sie Götzendiener?“

„Ja.“

„Warum müssen wir dann unseren Glauben durch diesen Vertrag mit den Götzendienern erniedrigen?“, fragte Umar.[333]

„Ich bin der Diener und der Gesandte Allahs und werde niemals Seinen Befehl übertreten, und Er wird mich nie im Stich lassen“, entgegnete der Prophet.

Er bat Ali, den Friedensvertrag zu schreiben:

„Auf Folgendes hat Muhammad Bin Abdullah mit Suhail Bin ‘Amr einen Friedensvertrag geschlossen: Sie vereinbaren, zehn Jahre auf Krieg zu verzichten, damit sich in dieser Zeit die Menschen sicher fühlen und einander keine Gewalt antun. Muhammad ist verpflichtet, jeden zu den Quraisch zurückzuschicken, der ohne Erlaubnis seines Vormundes zu ihm kommt. Die Quraisch aber sind nicht verpflichtet, solche, die Muhammad verlassen, zurückzuschicken. Keine Feindschaft und keinen Betrug darf es geben. Wer ein Bündnis mit Muhammad schließen möchte oder mit den Quraisch, ist frei, dies zu tun.“

Plötzlich meldeten sich die Stammesführer der Chuza‘a und erklärten, dass sie ein Bündnis mit dem Propheten eingehen wollten. Sie waren zum Lager gekommen, um die Pilger zu besuchen. Einige Vertreter der Bani Bakr, die mit Suhail gekommen waren, erklärten, dass sie mit den Quraisch in Vertrag stünden.

Am Ende des Vertrags stand:

„In diesem Jahr wirst du, Muhammad, zurückkehren und Mekka nicht besuchen dürfen. Im nächsten Jahr werden wir Mekka verlassen, so dass du, Muhammad, dort mit deinen Gefährten drei Tage verbringen kannst. Ihr werdet nur die Waffen der Reisenden bei euch tragen dürfen.“

Nachdem der Friedensvertrag abgeschlossen worden war, der als „Sulh al-Hudaibiya“ bekannt wurde, wollte der Prophet die Opfer-tiere schlachten. Doch die Muslime zögerten und waren sehr traurig darüber, dass sie Mekka nicht betreten durften. Der Prophet zog Umm Salama, die ihn begleitete, zu Rate. Sie riet ihm, er solle einfach mit dem Schlachten der Opfertiere und mit dem Rasieren der Haare beginnen, und so würde jeder Gefährte seinem Beispiel folgen. Der Prophet hörte auf seine Frau und tat dies; er begann die Opfertiere zu schlachten und setzte sich nieder, damit Charrasch ihm den Kopf schor. Als die Gefährten das sahen, sprangen sie gleich auf, schlachteten ihre Opfertiere und rasierten sich die Köpfe. Umm Salama[334] war mit einigen anderen Frauen dabei und sah, dass die Gefährten begannen, sich so energisch die Köpfe zu rasieren, dass sie befürchtete, sie könnten einander verletzen.[335]

Auf dem Rückweg wurde dem Propheten zwischen Mekka und Medina eine Sure offenbart, die er Umar rezitierte: „Gewiss, wir haben dir einen deutlichen Sieg verliehen.“[336] Umar fragte, ob die Verse die Befreiung Mekkas voraussagten. Der Prophet bejahte es. Umar war erleichtert, als er das zufriedene Gesicht des Propheten sah.

Nie zuvor war ein Sieg im Islam größer als bei diesem Friedensvertrag. Vorher waren sich die Menschen nur im Kampf begegnet. Die Götzendiener wollten nicht, dass man die Botschaft des Islam hörte, und sie waren es gewesen, die mit dem Kampf begonnen hatten. Nun aber, nachdem der Waffenstillstand besiegelt und der Krieg verhindert worden war, begegneten sich die Menschen offen und in Frieden. Deshalb nahm fast jeder, der angesprochen wurde, den Islam an. In den nächsten zwei Jahren erhöhte sich die Zahl der Muslime kontinuierlich[337] und eine Delegation nach der anderen kam nach Medina, um ihren Beitritt zum Islam zu verkünden oder Verträge und Friedensabkommen mit dem Propheten zu schließen.[338] Gerade weil es keinen Zwang gab, nahmen nun ganze Stämme und Dörfer die Lehren des Korans an, denn der neue islamische Staat konnte allen Menschen jene Freiheit des Glaubens bieten, wie sie in folgendem Koranvers offenbart ist: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. (Der Weg der) Besonnenheit ist nunmehr klar unterschieden von (dem der) Verirrung. Wer also falsche Götter ablehnt, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe, bei der es kein Zerreißen gibt.“[339]

Die neuen Muslime aus Mekka durften nicht zum Propheten nach Medina auswandern, deshalb wurden sie im Laufe der Zeit ein Problem für die Quraisch, denn sie bereiteten ihren Handelskarawanen Schwierigkeiten.

Einem Mann namens Abu Busair[340] gelang die Flucht aus der Gefangenschaft der Quraisch. Als er jedoch Medina erreichte, durfte ihn der Prophet, dem Abkommen von Hudaibiya folgend, nicht aufnehmen. Er sagte zu ihm: „O Abu Busair, wir haben mit ihnen vereinbart, was dir bekannt ist, und unsere Religion verbietet uns, Vereinbarungen zu brechen. Allah wird dir und den anderen Unterdrückten einen Ausweg und eine Rettung gewähren, nun geh zurück zu deinen Leuten!“

Abu Busair erwiderte „O Gesandter Allahs, schickst du mich zu ihnen zurück und gibst ihnen die Möglichkeit, mich von meiner Religion abzubringen?“

Der Prophet antwortete: „O Abu Busair, geh zurück. Allah wird dir und den anderen Unterdrückten einen Ausweg und eine Rettung gewähren!“

Zwei Mekkaner, die gekommen waren, um ihn zu holen, nahmen ihn mit.

Auf dem Rückweg nach Mekka gelang ihm die Flucht. Er ging wieder zum Propheten und sagte: „O Gesandter Allahs, du hast dein Abkommen eingehalten und mich zurückgeschickt. Doch Allah hat mich gerettet!“ Er verließ Medina, damit der Vertrag nicht gebrochen würde. An der Küste des Roten Meeres in der Nähe der Karawanenstraße nach Ash-Sham ließ er sich nieder.

Im Laufe der Zeit sammelten sich siebzig Muslime um Abu Busair, die alle das gleiche Schicksal erlitten hatten. Sie waren aus Mekka vor der Unterdrückung der Quraisch geflüchtet und konnten nicht zum Propheten nach Medina. Um sich zu versorgen, begannen sie, die Karawanen der Quraisch zu überfallen, denn da sie nicht nach Medina durften, galt die Waffenruhe für sie nicht.

Die Quraisch mussten feststellen, dass sie nicht nehmen konnten, was in den Herzen der Männer und Frauen heimisch geworden war. Ihnen wurde klar, dass sie keine Möglichkeit hatten, ihre Töchter und Söhne, die den Islam angenommen hatten, dazu zu zwingen, ihre neue Religion aufzugeben. Jeder der jungen Muslime wartete nur auf eine Gelegenheit, Mekka zu verlassen und sich Abu Busair anzuschließen.

Schließlich sahen sich die Quraisch gezwungen, eine Nachricht zum Propheten zu schicken und ihn darum zu bitten, Abu Busair und die anderen in seiner Gemeinde aufzunehmen, damit sie die Karawanen der Quraisch nicht länger überfallen würden; was Muhammad gerne tat.

Muhammad nahm Abu Busair und die anderen Muslime um ihn in Medina auf. Damit verzichteten die Quraisch auf das, worauf Suhail Bin ‘Amr im Vertrag von Hudaibiya bestanden hatte: das Zurück-schicken der quraischitischen Muslime nach Mekka, wenn diese ohne Einwilligung ihrer Familien und Clans zum Propheten überliefen.[341]

Diese neue Freiheit ermutigte nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Stämme, dem Propheten zu folgen. Das gefiel den Juden in Chaibar ganz und gar nicht ...

 Geheimnis für drei Tage

C

haibar war eine nördlich von Medina gelegene Oase, östlich der Karawanenstraße von Mekka nach Syrien. Nach dem Konflikt mit den Muslimen in Medina waren viele der Bani Qaynuqa und der Bani An-Nadir hierhergezogen.

Chaibar hatte den Angriff auf Medina bei der Grabenschlacht tatkräftig unterstützt. Dieses Vorhaben war jedoch misslungen und die Quraisch hatten nun ein Abkommen mit den Muslimen, durch welches die Kämpfe eingestellt worden waren. Jetzt versuchte Chaibar, auf eigene Faust Krieg gegen Medina zu führen, um der wachsenden Vormachtstellung der Muslime in der Region Einhalt zu gebieten.

Chaibar unternahm einen Mordanschlag auf den Propheten und versuchte, verschiedene Stämme, unter ihnen die Bani Ghatafan, gegen Medina zu mobilisieren. Im Jahre 628, sieben Jahre nach der Auswanderung, rüsteten sie zum Angriff auf die Muslime.

Diese kamen ihnen jedoch zuvor und zogen mit einer Armee von tausendfünfhundert Mann zu den Festungen von Chaibar. Als die Bani Ghatafan davon hörten, rüsteten sie sich und brachen auf, um ihre Verbündeten gegen die Muslime zu unterstützen.

Währenddessen warteten die Quraisch gespannt auf Nachrichten vom Kriegsgeschehen. Sie hatten erfahren, dass die Muslime nach Chaibar unterwegs waren. Jeden Tag versammelten sie sich und fragten alle Reisenden, die aus dem Norden kamen, ob es etwas Neues gebe. Sie wussten, dass die Festungen von Chaibar schwer zu bezwingen waren, und wie gut man sie mit Waffen und Männern ausgerüstet hatte.

Als Hadschadsch Bin ‘Ilatt As-Sulami in Mekka ankam, wurde er, noch bevor er von seinem Kamel absteigen konnte, gefragt, ob er etwas Neues wisse.

„Ich habe gute Nachrichten, die euch freuen werden“, begann Hadschadsch. Die Götzendiener umringten sein Kamel und fragten ihn aufgeregt, ob das wirklich wahr sei. „Eine Niederlage hat er erlitten, wie ihr sie euch nicht vorstellen könnt!

Viele seiner Gefährten sind getötet worden, und Muhammad ist in Gefangenschaft geraten, und sie haben gesagt, sie werden ihn nicht umbringen, sondern den Quraisch ausliefern, damit sie sich an ihm rächen und ihn töten können!“

Die Götzendiener verkündeten nun in ganz Mekka, dass sie Muhammad erwarteten, um ihn zu töten. Dann bat Hadschadsch die Mekkaner, ihm zu helfen, sein Geld zurückzubekommen, denn viele hätten ihre Schulden bei ihm noch nicht bezahlt. Er brauche das Geld, um die erbeuteten Gegenstände, die man Muhammad weggenommen habe, billig kaufen zu können, bevor andere Händler es täten. Dieser Bitte kamen die Quraisch mit Freude nach.

Während er sich im Zelt der Händler aufhielt, kam Abbas Bin Abdul-Muttalib, der Onkel des Propheten, stellte sich neben ihn und fragte: „O Hadschadsch, was ist das für eine Nachricht, mit der du gekommen bist?“

„Habe ich auch dir etwas von meinem Besitz anvertraut?“, fragte Hadschadsch.

Abbas bejahte es.

„Dann lass es noch bei dir, bis ich dich allein treffe, denn wie du siehst, bin ich beschäftigt.“

Als Hadschadsch alles, was er in Mekka besaß, an sich genommen hatte, ging er zu Abbas und bat ihn: „Bewahre mein Geheimnis drei Tage lang, o Abbas.“

Er fuhr fort: „Bei Allah, ich schwöre, dass Chaibar erobert ist und jetzt dem Propheten und seinen Gefährten gehört! Von dort droht keine Gefahr mehr.“

„Was sagst du, Hadschadsch?“, fragte Abbas.

„Ja, bei Allah, so ist es. Aber behalte mein Geheimnis für dich! Ich bin Muslim geworden und bin nur hier, um meinen Besitz zu holen, der hier verstreut war! Wenn drei Tage vergangen sind, mach es bekannt. Und was den Propheten angeht, bei Allah, es geht ihm so, wie du es wünschst!“ [342]

Als drei Tage vergangen waren, zog Abbas seine besten Kleider an, machte sich zurecht, nahm seinen Stock und ging zur Kaaba, um sie zu umschreiten.

Als man ihn so sah, fragte man ihn, ob er dies aus Trauer täte.

„Im Gegenteil“, antwortete Abbas, „Muhammad hat Chaibar besiegt; er und seine Gefährten haben Chaibar unter Kontrolle!“

„Wer hat dir diese Nachricht gebracht?“

„Der Gleiche, der euch die andere brachte! Er war schon Muslim, als er zu euch kam. Er nahm seinen Besitz und ist jetzt auf dem Weg, sich Muhammad und seinen Gefährten anzuschließen.“

„Wenn wir das nur gewusst hätten“, stöhnten die Quraisch, „wir hätten ihn nicht entkommen lassen!“

Nach kurzer Zeit schon wurde diese Nachricht bestätigt.[343]

 Eine Handvoll Steine

D

ie Bani Ghatafan waren schon einen Tag unterwegs, um Chaibar zu Hilfe zu kommen, als sie eine Stimme hörten, die ihnen sagte, dass ihren Herden und Familien etwas zugestoßen sei. Sie wussten nicht, ob die Stimme vom Himmel oder von der Erde kam, aber sie fürchteten, dass ihre Feinde sie in ihrer Abwesenheit angegriffen hatten und eilten deshalb nach Hause zurück. Damit gaben sie dem Propheten den Weg nach Chaibar frei.

Nach harten Kämpfen gelang es den Muslimen, die Festungen der jüdischen Stämme einzunehmen. Das Gebiet von Chaibar wurde unter muslimische Schutzherrschaft gestellt, und nun drohte von dort keine Gefahr mehr.

Während der Belagerung einer der Festungen kam ein Hirte namens Aswad mit seinen Schafen zum Propheten und sagte ihm, er sei der Hirte eines Juden. Er bat ihn, ihm den Islam zu erklären. Muhammad erklärte ihm geduldig, was er wissen wollte. Die Worte des Propheten berührten den Hirten so tief, dass er Muslim wurde. Daraufhin forderte der Prophet ihn auf, die Schafe, die ihm anvertraut worden waren, ihrem Besitzer zurückzuschicken, indem er eine Handvoll Steinchen nehmen und diese in Richtung der Tiere werfen solle. Als Aswad die Steine warf, sammelten sich die Tiere und gingen zusammen davon, als ob jemand sie führte.[344]

Die besiegten jüdischen Stämme von Chaibar baten den Propheten flehentlich, er möge sie ziehen lassen und sie begnadigen. Der Prophet erfüllte ihnen diesen Wunsch.

Kurz danach kam Safiya, die Tochter des Hujai, zu ihm. Als der Prophet die Wunde in ihrem Gesicht sah, fragte er, woher sie diese habe.

Safiya erzählte von ihrem Traum und den Schlägen ihres Mannes.[345] Der Prophet bot auch ihr die Freiheit an und ließ ihr die Wahl, ob sie zu ihren Leuten zurückkehren oder mit den Muslimen gehen wolle.

Sie hatte ihre Entscheidung längst getroffen. „Ich wähle Allah und seinen Gesandten“, antwortete sie.[346]

Safiya hegte schon länger Sympathie für den Islam und den Propheten. Sie war damals sehr enttäuscht gewesen, als sie von ihrem Vater und ihrem Onkel gehört hatte, dass Muhammad der erwartete Prophet sei, sie ihn aber dennoch bekämpfen wollten.

Der Prophet heiratete Safiya und sie wurde damit eine der Mütter der Gläubigen.

Nach der Befreiung Chaibars hatte Hadschadsch Bin ’Ilatt As-Sulami den Propheten um die Erlaubnis gebeten, nach Mekka zu reisen, um seinen Besitz, der sich bei den Händlern Mekkas befand, zu holen. Die Mekkaner hatten von seiner Bekehrung zum Islam nichts gewusst, ihm geglaubt, was er ihnen erzählt hatte, und ihm sogar dabei geholfen, seinen Besitz einzusammeln.[347]

Ein Jahr war seit dem Friedensvertrag von Hudaibiya vergangen, als die Mekkaner hörten, dass der Prophet und seine zweitausend Gefährten wieder unterwegs seien. Neugierig verließen sie die Stadt, um ihm beim Einzug in Mekka zuzusehen.

Die Oberhäupter der Quraisch versammelten sich auf dem Berg Abu Qubays, um von dort aus die Kaaba zu beobachten. Sie sahen die barhäuptigen, weißgewandeten Männer, und sie hörten die alten Pilgerrufe aus der Zeit des Propheten Abraham: „Labbayk Allahumma labbayk! – Hier bin ich, o Allah, zu Deinen Diensten!“

Die Quraisch hatten inzwischen Gerüchte verbreitet, dass der Prophet und seine Gefährten durch das Fieber von Medina sehr geschwächt seien.

Bald standen auch die anderen Mekkaner reihenweise oben auf dem Berg, um sie zu beobachten. Als der Prophet den geschützten Bezirk der Kaaba erreichte, legte er sein Ihram-Tuch über seine linke Schulter. Seine rechte Schulter bedeckte er nicht. Dann küsste er den Schwarzen Stein und lief mit seinen Gefährten siebenmal um die Kaaba. Danach gingen sie zum Fuße des Hügels Safa und begannen, insgesamt siebenmal, die Strecke zwischen Safa und Marwa zu durchlaufen, wie einst Hadschar, die Mutter Ismaels. Einen Teil der Etappen legten sie in schnellem Lauf zurück, so dass jeder sehen konnte, dass sie, entgegen der Behauptung der Quraisch, stark und gesund waren. Anschließend opferte der Prophet ein Kamel und ließ sich die Haare rasieren.

Abbas zeigte sich während der drei Tage öffentlich mit seinem Neffen, und fast alle Mekkaner, die im Geheimen Muslime geworden waren, begegneten in den Nächten ihren Brüdern und Schwestern aus Medina. Der Prophet blieb drei Tage in Mekka.

Auf dem Rückweg nach Medina fragte er nach Chalid Bin Al-Walid, weil er sich wunderte, dass dieser, trotz seiner Klugheit, noch immer nicht zum Islam gefunden hatte.

Als Walid, der jüngere Bruder von Chalid, dies hörte, schickte er einen Brief an seinen Bruder, in dem er schrieb, dass der Prophet ihn erwähnt habe. Seine Mutter und viele Verwandte waren bereits Muslime. Chalid selbst hatte, auch als er gegen den Propheten kämpfte, ihm gegenüber stets Liebe und Respekt verspürt.

Ein weiterer mächtiger Mann der Quraisch vom Range Chalids war ‘Amr Bin Al-As, der eine Weile nach der Grabenschlacht einige Männer der Quraisch um sich scharte, die seine Meinung teilten und ihn als Führer annahmen. Er erklärte ihnen, dass die Sache Muhammads inzwischen üble Ausmaße angenommen habe. Er hatte eine Idee und wollte wissen, was sie davon hielten.

„Was ist das für eine Idee?“

„Meine Idee ist, dass wir uns zum Negus nach Abessinien begeben. Wenn Muhammad über unser Volk siegt, bleiben wir dort, und wenn die Quraisch siegen, können wir jederzeit nach Mekka zurückkehren.“

„Das ist gut!“

„Dann bereitet Geschenke für den König vor!“

Als ‘Amr beim Negus ankam, sah er, wie ‘Amr Bin Umayya, ein Bote Muhammads, gerade das Schloss des Königs verließ. Nachdem er die Geschenke überreicht hatte, bat er den König, er möge ihnen den Boten Muhammads übergeben. Das machte den Negus sehr wütend. ‘Amr sagte: „O König, wenn ich gewusst hätte, dass dich dies so verärgert, hätte ich dich nicht darum gebeten.“ Der Negus sagte: „O ‘Amr, soll ich dir den Boten des Gesandten Allahs geben, damit du ihn tötest – den Boten des Gesandten, zu dem Gabriel kommt, wie er früher zu Moses und Jesus, dem Sohn der Maria, kam?“

In diesem Moment, so berichtete ‘Amr später, habe er sich gedacht: „Araber und Nichtaraber haben die Wahrheit akzeptiert und ich widersetze mich ihr.“ Überrascht fragte er den Negus: „O König, auch du bezeugst dies?“

„Ich bezeuge es vor Allah. Höre auf mich, ‘Amr, und folge ihm! Bei Allah, er ist im Recht und wird all diejenigen besiegen, die sich gegen ihn stellen, wie Moses den Pharao und sein Heer besiegte!“[348]

‘Amr fragte, ob der König ihm den Treueid auf den Islam abnehmen könne. Der Negus bejahte und streckte seine Hand aus. ‘Amr schwor den Treueid und ging dann zu seinen Gefährten, denen er jedoch noch verheimlichte, dass er den Islam angenommen hatte. Dann verließ er Abessinien auf einem Schiff.

Auf der anderen Seite des Meeres angelangt, kaufte er sich ein Pferd, um in Richtung Medina zu reiten. Auf einem der Rastplätze traf er Chalid und Uthman Bin Talha. ‘Amr fragte: „Wohin gehst du, Chalid?“

„Zu Muhammad!“, antwortete Chalid.

„Bei Allah, das habe ich auch vor!“

Zu dritt reisten sie weiter nach Medina. Chalid erzählte später über diese Begegnung: „Der Prophet wartete schon auf mich. Als ich ihn begrüßte, erwiderte er meinen Friedensgruß mit einem Lächeln.“

Chalid trat als Erster zu ihm und sprach: „Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt außer Allah, und du bist der Gesandte Allahs.“ Der Prophet antwortete: „Gepriesen sei Allah, der dich rechtgeleitet hat. Ich wusste, dass du einen Verstand hast, der dich nur zum Guten führen wird.“

Dann sagte ich: „O Gesandter Allahs, du hast meine Hartnäckigkeit gegen die Wahrheit gesehen. Bitte Allah, dass Er mir verzeiht!“

Der Prophet antwortete: „Die Annahme des Islams tilgt alle vorherigen Sünden.“ Dann betete er für Chalid, dass Allah ihm vergeben möge.[349]

Danach traten ‘Amr und Uthman zu ihm und schworen den Treueid. ‘Amr hatte den gleichen Wunsch wie Chalid; dass Allah ihm seine vergangenen Taten vergeben möge.

Der Prophet sagte ihm: „O ‘Amr, der Islam tilgt, was vorher war, und auch die Auswanderung tilgt, was vorher war.“[350]

Über diese Vergebung freuten sich die drei mächtigen Männer der Quraisch sehr. Später erzählte ‘Amr, dass er seine Augen aus Ehrfurcht kaum zum Antlitz des Propheten heben konnte und dass seitdem sein Rang und der von Chalid beim Propheten so hoch war wie der von Abu Bakr und Umar.[351]

 Friedensboten

D

er Prophet schickte Friedensboten in die Welt und lud die Völker ein, den Islam kennenzulernen. Um dem Auftrag Allahs gemäß alle Menschen zum Islam einzuladen, und um die Universalität seiner Sendung zu verdeutlichen, schickte Muhammad Briefe an den Muqauqis[352], das Oberhaupt Ägyptens, an Chosrau[353], den Kaiser von Persien, an den Negus, den König von Abessinien[354], an Herakleios[355], den Kaiser von Byzanz, an Al-Mundhir Bin Sawi, das Oberhaupt von Bahrain, an Hauda, den Statthalter von Yamama und an Al-Harith Bin Abi Samar vom Stamme der Ghassan, den Statthalter des römischen Kaisers in Syrien. In den Briefen lud er die mächtigen Herrscher ein, die neue Religion ohne Zwang kennenzulernen, getreu den Worten Allahs im Koran: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. (Der Weg der) Besonnenheit ist nunmehr klar unterschieden von (dem der) Verirrung. Wer also falsche Götter ablehnt, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe, bei der es kein Zerreißen gibt.“[356]

Der Bote an Al-Harith Bin Abi Samar, den Statthalter des römischen Kaisers, wurde von dessen Leuten überfallen und umgebracht. Weitere fünfzehn der Friedensboten des Propheten, die nach Syrien unterwegs waren, wurden ermordet. Ihre freundlichen Grüße wurden mit einem Hagel von Pfeilen beantwortet, in dem alle, bis auf einen, starben. Obwohl es klar war, dass der Stamm des Statthalters von den mächtigen Byzantinern unterstützt wurde, wollten die Muslime diese Morde nicht ungestraft lassen, denn das Überfallen oder Töten eines Boten kam einer Kriegserklärung gleich.[357] Nachdem die Byzantiner alle vom Propheten gemachten Vorschläge zur Wiedergutmachung zurückgewiesen hatten, zog eine dreitausend Mann starke Armee nach Syrien.

Bei Mu’ta an der syrischen Grenze kam es zum Kampf gegen eine mehr als dreißigfache Übermacht der Byzantiner und der Ghassan. Wie weiße Flecken auf der Haut eines schwarzen Kamels war die Größe der muslimischen Armee gegenüber jener der Byzantiner.

Über diese Schlacht wird berichtet: Der Prophet schickte ein Heer nach Mu’ta. Er hatte es unter den Befehl des Zaid Bin Haritha gestellt und sagte: „Wenn Zaid fällt, übernimmt Dschaafar Bin Abi Talib die Führung. Wenn auch er fällt, wird Abdullah Bin Rawaha der Befehlshaber!“

Der Prophet berichtete in Medina, was in Syrien während der Schlacht geschah, wobei ihm Tränen über das Gesicht liefen. Er schilderte, dass die drei Gefährten gefallen seien. „Dann wurde die Fahne von einem der Schwerter Allahs ergriffen, und Allah öffnete ihnen den Weg.“

Die Muslime, dreitausend an der Zahl, konnten das mehr als einhunderttausend Mann starke Heer von Byzanz und den Ghassan in Schach halten, und Chalid gelang durch einen klugen Plan der Rückzug. Er schaffte es, seine Männer mit nur geringen Verlusten nach Hause zu bringen, ohne dass die Feinde ihnen zu folgen wagten.

Nach der Schlacht von Mu’ta kehrten die Muslime unter Chalid Bin Al-Walid zurück – weder als Sieger noch als Besiegte. Ihr Abzug nach dem Tode von Zaid Bin Haritha, Dschaafar Bin Abu Talib und Abdullah Bin Rawaha war dennoch ein Achtungssieg, denn die Byzantiner waren erleichtert über den Abzug der Muslime und dankbar, dass sie nicht länger zu kämpfen brauchten – obwohl ihr Heer einer Überlieferung zufolge 100.000 Mann stark war, während die Zahl der Muslime nur 3.000 Mann betrug.[358] Entscheidend war die Entschlossenheit der Muslime beim Kampf, aber auch die Klugheit und List Chalids, der am zweiten Tag der Schlacht die kleine Armee so geschickt verteilte und sie solchen Lärm machen ließ, dass die Byzantiner dachten, Hilfstruppen aus Medina seien gekommen. In Chalids Hand zerbrachen an dem Tag von Mu’ta neun Schwerter. Nichts blieb in seiner Hand außer einem kleinen jemenitischen Schwert.[359]

Die arabischen Stämme, die an der Grenze von Ash-Sham lebten, blickten nun voller Bewunderung auf die Kampfkunst der Muslime.

Eine Folge der Schlacht war, dass der Islam sich unter den Stämmen des Nadschd in den Grenzgebieten von Irak und Ash-Sham, wo die Herrschaft der Byzantiner sich auf ihrem Höhepunkt befand, zunehmend verbreitete.

Die christlichen Araber in Syrien und Jordanien litten sehr unter den Byzantinern. Sie waren ihnen tributpflichtig, mussten hohe Steuern zahlen und standen politisch unter ihrem Einfluss. Die Byzantiner begannen nun, jeden zu verfolgen, der in ihrer Grenzregion die neue Religion, den Islam, angenommen hatte.

Nach dem Rückzug aus Mu’ta, erhielt man in Medina die Nachricht, dass auch die nördlichen Stämme der Bali und Qudaa den jungen islamischen Staat angreifen wollten. Der Prophet reagierte rasch und schickte ‘Amr Bin Al-As mit dreihundert Männern nach Norden.

Nach einem kurzen Pfeilwechsel gelang es ‘Amr, den Machtbereich des Islams im Norden bis zu den Grenzen von Syrien und Jordanien zu erweitern und zu festigen.

Nicht nur wegen der Einfachheit der Lehren des Islams, sondern auch wegen der Großzügigkeit, Treue und Zuverlässigkeit der Gläubigen wurden die Angehörigen vieler Stämme entweder Muslime oder Bündnispartner.[360] Außerdem hatten viele Menschen den Propheten inzwischen hautnah erlebt und somit jeden Zweifel an seiner Wahrhaftigkeit verloren.

Einige Jahre zuvor hatte Herakleios über die Perser gesiegt, wodurch eine Prophezeiung des Korans erfüllt worden war.[361] Um Gott für diesen Sieg zu danken, war er nach Jerusalem gepilgert. Während er noch dort weilte, bat ein Bote des Statthalters von Busra[362] um Einlass beim Kaiser. Er sprach zu ihm: „O Kaiser, ein Araber kam zu uns und berichtete vom Auftreten eines neuen Propheten in seinem Land!“

Herakleios befahl seinem Armeeoberhaupt, ihm jemanden zu bringen, der aus derselben Gegend stammte, wie der Prophet. [363]

Sie fanden Abu Sufyan, der zu dieser Zeit immer noch ein erbitterter Gegner Muhammads war.

Abu Sufyan berichtete später von seinem Treffen mit dem Kaiser: „Ich befand mich zu jener Zeit, als es zwischen mir und dem Gesandten Allahs noch Feindschaft gab, auf einer Reise. Während ich mich im Gebiet von Syrien aufhielt, kam ein Bote mit einem Schreiben vom Propheten, das an Herakleios, den römischen Kaiser, gerichtet war. Herakleios fragte: ‚Gibt es in dieser Gegend jemanden, der zu den Leuten dieses Mannes Muhammad gehört?‘ Dies wurde bejaht und ich wurde mit einigen Leuten aus dem Stamm Quraisch hergerufen. Wir traten bei Herakleios ein. Er ließ uns vor sich sitzen und sagte: ‚Wer von euch ist am nächsten verwandt mit jenem, der behauptet, er sei ein Prophet?‘ Ich sagte: ‚Ich‘. Da ließ er mich vor sich sitzen und meine Begleiter hinter mir.

Zu meinen Begleitern sprach Herakleios: ‚Ich will ihm einige Fragen stellen. Sollte er lügen, dann meldet euch!‘

Er sagte zu seinem Dolmetscher: ‚Frage ihn: Wie ist seine Herkunft unter euch?‘ Ich antwortete: ‚Muhammad ist unter uns von edler Abstammung.‘

Herakleios fragte: ‚War einer seiner Vorväter ein König?‘ Ich sagte: ‚Nein.‘ Er fragte weiter: ‚Habt ihr ihn der Lüge bezichtigt, bevor er das sagte, was er verkündet hat?‘ Ich sagte: ‚Nein.‘

Herakleios fragte: ‚Folgen ihm die Starken und Mächtigen oder die Schwachen?‘ Ich sagte: ‚Ihm folgen die Schwachen, die Armen, unterdrückte Sklaven und Frauen.‘ Er fragte: ‚Nimmt ihre Zahl zu oder ab?‘ Ich antwortete: ‚Sie nimmt ständig zu.‘ Er fragte: ‚Trat einer von ihnen von seinem Glauben zurück, nachdem er diesen angenommen hatte, weil er mit ihm unzufrieden war?‘ Ich sagte: ‚Nein.‘

Herakleios fragte weiter: ‚Habt ihr ihn bekämpft?‘ Ich sagte: ‚Ja.‘ Er fragte: ‚Wie war euer Kampf gegen ihn?‘ Ich erwiderte: ‚Der Erfolg war wechselnd – eine Runde gewannen wir, und die andere gewann er.‘ Er fragte: ‚Brach er je seine Abmachungen mit euch?‘ Ich sagte: ‚Nein! Wir wissen aber nicht, was er zurzeit macht. Wir stehen mit ihm unter einem Friedensvertrag.‘

Herakleios fragte: ‚Hat jemand vor ihm behauptet, ein Prophet zu sein?‘ Ich sagte: ‚Nein.‘

Da sprach Herakleios: ‚Ich habe dich über seine Abstammung unter euch befragt, und du gabst an, dass er unter euch von edler Abstammung ist. Genauso sind die Propheten: Diese werden gewöhn-lich aus den Edlen ihrer Völker auserwählt.

Ich fragte dich auch, ob es unter seinen Vorvätern einen König gab, und du hast dies verneint. Wäre unter seinen Vorvätern ein König gewesen, so würde ich annehmen, dass er ein Mann ist, der für die Rückgewinnung des Königreiches seiner Vorväter kämpft.

Ich fragte dich nach seinen Anhängern, ob sie zu der Elite oder zu den Schwachen gehören, und du sagtest, dass ihm die Schwachen folgen. Diese sind doch stets die Anhänger der Propheten.

Ich fragte dich, ob ihr ihn der Lüge bezichtigt habt, bevor er sagte, was er behauptet, und du hast dies verneint. Ich halte es nicht für möglich, dass er die Lüge vor den Menschen unterlässt, um dann eine Lüge gegen Allah zu erdichten.

Ich fragte dich, ob jemand von seinen Anhängern vom Glauben zurücktrat, nachdem er diesen angenommen hatte, weil er mit ihm nicht zufrieden war, und du hast auch dies verneint. Dies ist doch üblich für den Glauben, wenn er sich im Herzen eines Menschen einnistet.

Ich fragte dich, ob die Zahl seiner Anhänger zu- oder abnimmt, und du gabst an, dass diese zunehme.[364]

Dann fragte ich dich, ob ihr ihn bekämpft habt, und du gabst an, dass der Kampf zwischen euch wechselhaft war und dass ihr eine Runde gewonnen habt, und die andere gewann er. Dies ist genau der Fall mit den Gesandten: Sie werden zunächst geprüft; aber am Ende ist der Sieg auf ihrer Seite.

Ich fragte dich, ob er seine Abmachungen mit euch bricht und du gabst an, dass er dies nicht tue.

Es ist genauso mit den Gesandten: Sie brechen ihre Abmachungen nicht.

Ich fragte dich, ob jemand vor ihm die Behauptung gemacht hätte, ein Prophet zu sein, und du hast dies verneint. Hätte es vor ihm einen gegeben, der so etwas behauptete, so hätte ich angenommen, dass er es ihm nachmacht!‘

Herakleios fuhr fort: ‚Was befiehlt er euch?‘

Ich antwortete: ‚Er befiehlt uns, dass wir das Gebet verrichten, die Zakat[365] entrichten, die Verwandtschaftsbande pflegen und uns keusch verhalten.‘

Herakleios sagte: ‚Wenn das, was du über ihn sagst, die Wahrheit ist, so ist er ein Prophet. Ich wusste schon zuvor, dass noch ein Prophet kommen wird, nahm aber nicht an, dass er aus eurer Mitte hervorgehen würde. Wenn ich wüsste, dass ich ihm Folge leisten könnte, so würde ich mich gerne auf den langen Weg zu ihm machen. Wenn ich mich bei ihm befände, so würde ich seine Füße waschen. Wahrlich, sein Machtbereich wird den Boden erreichen, den ich hier unter meinen Füßen habe.‘

Danach ließ er das Schreiben des Propheten vorbringen und verlesen, in dem Folgendes stand:

‚Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

Dieses Schreiben ist von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an Herakleios, den Herrscher des Römischen Reiches! Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Sodann: Ich lade dich ein, den Weg des Islam zu befolgen. Werde Muslim, so rettest du dich, und wenn du Muslim geworden bist, so wird Allah deinen Lohn verdoppeln. Wendest du dich aber davon ab, so trägst du die Sünde doppelt, sowohl wegen deiner Herrschaft als auch wegen deiner Untertanen.‘

Dann folgten diese Worte aus dem Koran:

‚O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen, und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah.’[366]

Als das Verlesen des Schreibens beendet war, wurden Stimmen laut. Da wurde der Befehl erteilt, wir sollten hinausgehen. Draußen sagte ich zu meinen Gefährten: ‚Mir scheint, die Sache ist so weit gegangen, dass der Kaiser der Byzantiner Furcht davor empfindet.‘

Ich war davon überzeugt, dass die Angelegenheit des Gesandten Allahs doch eines Tages erfolgreich sein würde, so dass Allah mir den Islam in mein Herz eingab.“[367]

Den Brief des Propheten hatte Dihya Al-Kalbi in Busra dem Gouverneur gegeben, damit dieser ihn zum Kaiser nach Jerusalem schickte. Der Brief und jetzt noch das Gespräch mit Abu Sufyan waren für den Kaiser eine Bestätigung, dass es sich tatsächlich um den erwarteten Propheten handelte.[368]

 Zurück nach Mekka

D

ie Quraisch hatten im Geheimen oft zum Ausdruck gebracht, dass sie den Friedensvertrag von Hudaibiya, an den sie nun gebunden waren, ursprünglich nicht wollten. Unauffällig nutzten sie die Zeit, sich militärisch zu stärken, um erneut gegen die Muslime zu Felde zu ziehen.

Infolge des Abkommens von Hudaibiya waren verschiedene Bündnisse zwischen den arabischen Stämmen und den Muslimen beziehungs-weise den Quraisch entstanden; so hatten die Muslime ein Bündnis mit den Bani Chuza’a, während die Quraisch eines mit den Bani Bakr hatten.

Das Friedensabkommen von Hudaibiya galt für alle. Es gab unter den Bani Bakr aber einige, die entschlossen waren, ihre alte Fehde mit den Bani Chuza‘a trotzdem fortzuführen.

Mit Hilfe der Quraisch, unter ihnen auch Ikrima, Abu Dschahls Sohn, verübten sie einen nächtlichen Überfall auf die Bani Chuza‘a. Sie kämpften gemeinsam gegen sie, bis sie im geschützten Bezirk mehr als zwanzig Männer, die dort Zuflucht gesucht hatten, töteten und damit nicht nur den Friedensvertrag mit dem Propheten verletzten, sondern auch den geschützten Bezirk entehrten, der gemäß Allahs Bestimmung ein Ort des Friedens sein sollte, wo Blutvergießen ein noch größeres Verbrechen darstellt, als es ohnehin schon ist.

‘Amr Bin Salim von den Bani Chuza‘a ritt daraufhin in höchster Eile los und ruhte nicht, bis er bei Muhammad in Medina ankam, der in der Moschee unter seinen Leuten saß. In Gedichtform erzählte er ihm, was sich ereignet hatte und bat ihn um Hilfe.

Der Gesandte Allahs sagte: „Dir wird geholfen werden, o ‘Amr Bin Salim.“[369]

Kurz nach ‘Amr traf eine Delegation der Chuza‘a ein, die seine Schilderung bestätigte. Nachdem sie dem Propheten berichtet hatten, was geschehen war, kehrten sie nach Mekka zurück.

Jetzt wurde auch den Quraisch bewusst, dass sie mit diesem Überfall das Abkommen von Hudaibiya gebrochen hatten.

Der Prophet sprach zu den Muslimen: „Ich glaube, Abu Sufyan wird bald zu euch kommen, um den Vertrag zu bestätigen und zu verlängern.“

Tatsächlich traf die Delegation der Bani Chuza‘a auf ihrem Rückweg auf Abu Sufyan, der inzwischen aus Syrien zurückgekehrt war. Die Quraisch schickten ihn aus Furcht vor den Konsequenzen ihres Verhaltens zum Propheten, um das Abkommen zu festigen und eine Verlängerung der Vertragsdauer zu erwirken, bevor dieser von ihrem Verrat erfahren würde.

Als Abu Sufyan unterwegs die Delegation der Bani Chuza‘a sah, war er schockiert und sicher, dass sie bereits mit dem Propheten gesprochen hatten. Er zog trotzdem weiter, denn er wusste, dass die Muslime niemandem etwas antaten, der sie nicht bekämpfte und ihr Leben gefährdete – erst recht nicht, wenn es sich um einen Boten handelte.

In Medina angekommen, begab er sich zunächst zu seiner Tochter Umm Habiba, die eine der Ehefrauen des Propheten war. Er wollte sich auf die Schlafmatte des Propheten setzen, doch seine Tochter reagierte schnell und faltete die Matte zusammen. Abu Sufyan fragte sie erstaunt: „Mein Töchterchen! Ich weiß nicht, ob du mich oder diese Schlafmatte vorziehst?“

„Das ist die Schlafmatte des Gesandten Allahs, und du bist ein unreiner Götzendiener. Ich mag nicht, dass du auf der Schlafmatte des Propheten sitzt!“ Sie hatte ihren Vater schon seit Jahren nicht mehr gesehen, aber ihre Liebe zum Propheten und zum Islam war größer als alles andere auf der Welt.

Als er sah, dass seine eigene Tochter nicht bereit war, ihm zu helfen, begriff er, dass der Friedensvertrag von Hudaibiya durch die Ver-brechen der Quraisch aufgehoben war.

Ängstlich und unsicher begab sich der mächtigste Herr der Quraisch zum Propheten – von dem er keine Auskunft bekam. Dann bat er Abu Bakr, er möge sich für ihn beim Propheten einsetzen, und mit ihm reden. Doch Abu Bakr erwiderte, dass er dies nicht tun würde. Dann ging er zu Umar, der sagte: „Wie bitte? Ist es dein Ernst, dass ich mich für euch beim Gesandten Allahs einsetzen soll? Bei Allah, selbst wenn ich nichts als eine Ameise fände, womit ich gegen euch kämpfen könnte, würde ich euch bekämpfen!“

Schließlich versuchte Abu Sufyan es bei Ali und dessen Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Auch diese beiden konnten und wollten ihm nicht helfen. Niedergeschlagen und ängstlich bestieg er sein Kamel und verließ Medina. In Mekka tadelten ihn die Quraisch dafür, dass er nichts erreicht und sich dazu noch lächerlich gemacht hatte.[370]

Nach der Verletzung des Abkommens durch die Quraisch stand für den Propheten fest, dass nur noch die Einnahme von Mekka den Frieden garantieren könnte.

Abu Bakr besuchte seine Tochter Aischa, die damit beschäftigt war, die Rüstung des Propheten vorzubereiten. Er fragte sie: „Meine Tochter, hat der Gesandte Allahs dir gesagt, du sollst seine Rüstung vorbereiten?“

„Ja! Mach du es auch“, sagte Aischa.

„Wohin will er deiner Meinung nach ziehen?“, fragte ihr Vater.

Sie schwieg, um das Geheimnis ihres Mannes nicht zu verraten.

Der Prophet befahl den Leuten, sich gut vorzubereiten, verriet ihnen aber nicht das Ziel. Er wollte seine Absicht verbergen, damit die Mekkaner sich nicht auch vorbereiten konnten. Er betete: „O Allah, enthalte den Quraisch die Sicht und die Nachrichten vor, bis wir sie in ihrem Land überraschen!“

Nach diesem Bittgebet erfuhr der Prophet durch Gabriel, dass ein Muslim namens Hatib einer Frau, die nach Mekka reiste, einen Brief für die Quraisch mitgegeben hatte, um sie zu warnen. Der Prophet schickte ihr seine Gefährten Ali und Az-Zubair hinterher. Als sie ihr Gepäck durchsuchten und dort nichts fanden, schwor Ali bei Allah, dass der Prophet nie gelogen habe und drohte, sie zu durchsuchen, wenn sie den Brief nicht freiwillig übergebe. Als sie sah, wie sicher sich die beiden waren, holte sie den Brief, den sie in ihren Haaren versteckt hatte, heraus. Sie brachten Hatib und den Brief zum Propheten und fragten ihn nach seinem Beweggrund. Er sagte: „Weder habe ich meinen Glauben verlassen noch bin ich ein Heuchler geworden, o Gesandter Allahs. Aber bei den Mekkanern leben noch meine Frau und meine Kinder, die niemanden dort haben. Ich wollte für sie die Gunst der Quraisch gewinnen, damit diese ihnen nichts antun.“

Umar rief: „O Gesandter Allahs, lass mich den Kopf dieses Mannes abschlagen, denn er ist ein Heuchler geworden!“ Der Prophet erwiderte jedoch: „O Umar, was ist, wenn Allah auf die Kämpfer von Badr schaut und sagt: Tut, was ihr wollt, denn Ich vergebe euch.“ Er wollte die guten Seiten Hatibs nicht vergessen und verzieh ihm. Umars Augen wurden feucht, und er sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es besser.“[371]

Die Muslime brachen auf. Unterwegs trafen sie auf Abbas und seine Frau Umm Al Fadl mit ihren Kindern, die sich endlich entschieden hatten, nach Medina auszuwandern. Nun schlossen sie sich dem Propheten an.

Den Muslimen wurde schnell klar, in welche Richtung sie marschierten und es dauerte nicht lange, bis sie – fast zehntausend an der Zahl – vor Mekka standen.

Neben Abbas ritten die Vettern des Propheten, Abu Sufyan Bin Al Harith Bin Abdul-Muttalib[372] und der Halbbruder seiner Frau Umm Salama, Abdullah Bin Abu Umayya. Die beiden hatten das Heer der Muslime erreicht, als diese zwischen Medina und Mekka rasteten, und hatten Umm Salama um Erlaubnis gebeten, beim Propheten vorzu-sprechen. Sie bat den Gesandten, die beiden zu empfangen, aber wegen ihrer schlimmen Vergangenheit verweigerte er es ihnen zunächst.

Als Abu Sufyan Bin Al-Harith dies erfuhr, schwor er: „Bei Allah, entweder bekomme ich die Erlaubnis, ihn zu sehen, oder ich werde die Hand meines Sohnes nehmen und mit ihm in die Wüste ziehen, bis wir vor Durst und Hunger sterben!“ Da empfand Muhammad Mitleid und gab ihnen die Erlaubnis. Sie traten bei ihm ein und nahmen den Islam an.[373]

Unterwegs zwischen Ardsch und Tulub[374] sah der Prophet am Straßenrand eine Hündin liegen, die ihre Jungen säugte. Er befahl Dschuail Bin Suraqa, bei ihr zu bleiben und auf sie aufzupassen, bis alle Männer an ihr und ihren Jungen vorbeigezogen waren.[375]

Als der Prophet schließlich in Marr Adhahran nahe bei Mekka lagerte, ließ er die Muslime, sobald es dunkel wurde, überall Lagerfeuer anzünden.

Die Quraisch entdeckten diese schon bald und glaubten, es läge eine riesige Streitmacht vor der Stadt. Abu Sufyan, Hakim[376] und Budail[377] ritten vor die Tore Mekkas – es war überwältigender Anblick.

Abbas berichtete: „Ich ritt los und wollte einen Holzsammler oder Melker oder irgendjemanden, der nach Mekka unterwegs war, suchen und ihn beauftragen, den Mekkanern zu sagen, wo der Prophet sich jetzt befand, damit sie kämen und ihn um Sicherheit bäten, so dass er nicht mit Gewalt in die Stadt eindringen müsse.

Während ich mich umschaute, hörte ich Abu Sufyan, der mit Budail sprach. Er sagte gerade: ‚Solche Feuer und solche Streitkräfte, wie ich sie heute Nacht sehe, habe ich noch nie zuvor gesehen!‘ ‚Das sind ganz bestimmt die Feuer der Bani Chuza‘a, die sich nun im Kriegszustand befinden, um sich an uns zu rächen‘, meinte Budail. Abu Sufyan entgegnete: ‚Die Bani Chuza‘a sind viel weniger und zu gering, als dass dies ihre Feuer und ihre Armee sein könnten.‘ Da rief ich: ‚Abu Sufyan, dies ist der Gesandte Allahs.‘

Abu Sufyan fragte: ‚Was sollen wir tun?‘ Ich antwortete: ‚Wenn man dich hier findet, wird es dein Ende sein! Reite mit mir! Ich bringe dich zum Gesandten Allahs, damit ich ihn für dich um Schutz bitte!‘

Wir ritten, bis wir an Umars Lagerfeuer vorbeikamen. Er wollte wissen, wer wir waren. Als er Abu Sufyan erkannte, rief er: ‚Abu Sufyan, der Feind Allahs! Gepriesen sei Allah, Der dich ohne Vertrag und ohne Versprechen hierhergebracht hat!‘ Schnell lief er zum Propheten.“

Abbas setzte sein Tier in Galopp und kam gleichzeitig mit Umar beim Propheten an. Umar rief: „O Gesandter Allahs, Allah hat uns Abu Sufyan ohne Vertrag übergeben!“

Abbas bat den Propheten, Abu Sufyan schützen zu dürfen. Der Gesandte Allahs erlaubte ihm, Abu Sufyan zu seiner Lagerstelle mitzunehmen und am nächsten Morgen wieder zu ihm zu kommen.

Abu Sufyan übernachtete bei Abbas und nach Sonnenaufgang gingen beide zum Propheten. Der Prophet fragte freundlich: „Siehe, Abu Sufyan! Ist die Zeit nicht gekommen, zu bezeugen, dass es keinen Anbetungswürdigen außer Allah gibt?“

„Du, der du mir wertvoller bist als mein Vater und meine Mutter, wie milde, wie großzügig und wie liebenswürdig bist du! Wäre da ein anderer Gott außer Allah, hätte er mich nicht im Stich gelassen.“

Abbas bat den Propheten, etwas für Abu Sufyans Ansehen zu tun. Da sagte der Prophet: „Ja! Wer sich in das Haus Abu Sufyans begibt, ist sicher! Und jeder, der in seinem eigenen Haus bleibt, ist sicher! Und jeder, der sich bei der Kaaba aufhält, ist sicher!“

Als Abu Sufyan gehen wollte, bat der Gesandte seinen Onkel Abbas, ihn an jener engen Stelle des Tales aufzuhalten, durch welche die Armee ziehen würde, damit er die Streitmacht Allahs sähe. Er tat es, und als die Stämme mit ihren Bannern an ihnen vorbeizogen, fragte Abu Sufyan nach den jeweiligen Namen dieser Stämme.

Als der Prophet mit seiner grünen Abteilung vorbeiritt, fragte Abu Sufyan erneut: „Gepriesen sei Allah, o Abbas, wer sind diese?“ „Dies ist der Gesandte Allahs mit den Auswanderern und den Helfern“, antwortete Abbas.

„Niemand hat die Macht, diese zu besiegen! Bei Allah, o Abbas, das Königreich deines Neffen ist heute mächtig geworden!“

„Das ist die Prophetenschaft, o Abu Sufyan“, antwortete Abbas. Abu Sufyan sagte: „Das ist wahr!“[378] Der Anblick war atemberaubend.

Das Banner der Helfer wurde von Saad Bin Ubada getragen. Als er an Abu Sufyan vorbeiritt, rief er: „O Abu Sufyan, dies ist der Tag der Schlacht! An diesem Tag demütigt Allah die Quraisch!“ Als der Prophet Abu Sufyans Nähe erreichte, rief dieser: „O Gesandter Allahs, hast du befohlen, dein Volk zu töten?“ Und er wiederholte, was Saad gesagt hatte.

Auch Uthman und Abdurrahman Bin Awf waren besorgt: „O Gesandter Allahs, wir vertrauen Saad nicht!“

„Dies ist der Tag der Barmherzigkeit, der Tag, an dem Allah die Quraisch erhöht“, sagte der Prophet und schickte einen Boten zu Saad, um ihm zu sagen, er solle seinem Sohn Qays das Banner aushändi-gen.[379]

Nachdem der Prophet an Abu Sufyan vorbeigezogen war, riet ihm Abbas, nun schnell zu den Quraisch zu gehen.

Dort angekommen, rief Abu Sufyan ganz laut: „Ihr Quraisch! Muhammad ist mit einer Armee gekommen, gegen die ihr hilflos seid! Wer sich in Abu Sufyans Haus begibt, dem passiert nichts!“

Seine Frau Hind, die sich über ihn sehr aufregte, zog ihn am Schnurrbart und schrie: „Tötet ihn! Tötet diesen feigen, nichtsnutzigen Beschützer seines Volkes!“

„Wehe euch! Lasst euch nicht von dieser Frau anstiften, denn gegen Muhammads Armee habt ihr keine Macht. Wer sich in mein Haus begibt, dem passiert nichts!“

„Allah soll dich töten! Wem wird dein Haus reichen?“

Dann sagte er: „Wer in seinem Haus bleibt, ist sicher, und wer sich bei der Kaaba aufhält, ist auch sicher.“

Die Leute gingen in ihre Häuser oder zur Kaaba und die Muslime marschierten in Mekka ein.

Im Angesicht des Sieges, den Allah ihm geschenkt hatte, hielt der Prophet sein Reittier an und verbeugte sich dankbar. Er senkte seinen Kopf bescheiden und in Demut, bis sein Bart den Sattel berührte. [380]

Als er das Blitzen der Schwerter von Chalid und seiner Truppe sah, rief er: „Habe ich das Kämpfen nicht verboten?“[381] Denn er hatte seine Heerführer verpflichtet, beim Betreten Mekkas nicht zu kämpfen, außer sie würden angegriffen.

Da sagte man ihm, dass Ikrima, Safwan und Suhail einige Männer der Quraisch und ihrer Verbündeten um sich geschart und Chalid den Weg versperrt hatten. Chalid bat Ikrima, den Weg freizumachen, denn der Prophet habe ihm befohlen, nicht zu kämpfen. Trotzdem wurde er angegriffen. Nachdem dreißig Götzendiener getötet worden waren, flüchteten die Angreifer zur Küste.

Fatima, Umm Salama und Maymuna waren bereits vor dem Propheten in dem Zelt angekommen, das Abu Rafi‘ bei der Kaaba errichtet hatte.

Auch Umm Hani ging zu den Frauen, denn zwei von den Männern, die gegen Chalid gekämpft hatten, waren in ihr Haus geflüchtet und hatten sie um Schutz gebeten. Ihr Bruder Ali, der die beiden sah, als er seine Schwester besuchte, war damit nicht einverstanden.[382]

Als der Prophet das Zelt erreichte, begrüßte er seine Cousine freundlich. Sie berichtete ihm von denen, die sie schützte, und er antwortete: „Wem du Sicherheit gibst, dem geben wir Sicherheit.“[383] Damit bekräftigte er erneut die hohe Stellung der Frau im Islam. Denn in der Zeit der Unwissenheit wäre es für die meisten Frauen undenk-bar gewesen, einen solchen Schutz zu gewähren.

Nachdem die Lage in Mekka sich beruhigt hatte, begab der Prophet sich zur Kaaba, wobei er mit einem Stab in der Hand den Schwarzen Stein berührte. Während er die Kaaba umschritt, richtete er ihn auf die Götzen, worauf sie alle, einer nach dem anderen, zu Boden stürzten, dreihundertsechzig an der Zahl. Dabei sprach er den Vers der Offenbarung: „Die Wahrheit ist gekommen, und das Falsche geht dahin; das Falsche ist ja dazu bestimmt, dahinzugehen.“[384]

Anschließend vollzog er das übliche siebenmalige Umschreiten der Kaaba, den Tawaf, auf seinem Reittier.[385]

Die Götzendiener hatten ihr falsches Handeln oft mit dem Willen der Götzen gerechtfertigt, die das Töten ihrer Kinder, vor allem das lebendige Begraben ihrer Töchter, erlaubt haben sollten. Den Verzehr bestimmter Feldfrüchte und das Fleisch bestimmter Tiere hätten sie dagegen verboten.[386] Als die Mekkaner nun sahen, dass ihre Götzen hilflos zu Boden stürzten, gab es keinen mehr unter ihnen, der nicht begriff, dass Muhammad nur ihr Bestes wollte. Sie sollten ihre Frauen und Kinder lieben, statt lebloser Steine – Bildnisse, die weder nützen noch schaden – es waren keine Götter, sondern eben nur Steine. Allah ist der einzige wirkliche Gott, der Schöpfer und Bewahrer aller Dinge. Zuvor waren sie der Meinung gewesen, der Prophet habe die Religion ihrer Väter beleidigt. Hubal, der größte Götze und ein Symbol der Unterdrückung, war Bestandteil der alten Religion. Nun hatten sie gesehen, dass weder Hubal noch die anderen dreihundertneunund-fünfzig Götzen etwas ausrichten konnten.

Aber was sollte nun mit diesen Stein- und Holzfiguren geschehen? Der Prophet rief Uthman Bin Talha und ließ sich von ihm den Schlüssel zur Kaaba geben. Das Heiligtum wurde geöffnet und als er eintrat, fand er auch dort noch einige Statuen und Bilder, die er, wie all die anderen auch, zerstören oder auslöschen ließ.[387]

Die Menschen versammelten sich um ihn und er begann zu sprechen: „Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah allein. Er hat keinen Partner. Er hat Sein Versprechen verwirklicht und Seinem Diener zum Sieg verholfen. Er alleine besiegte die Verbündeten[388]. O ihr Quraisch, Allah entfernte von euch die Großtuerei der Zeit der Unwissenheit und den Stolz auf die Stammesväter! Alle Menschen stammen von Adam ab, und Adam wurde aus Staub erschaffen!“

Um die Gleichheit der Menschen zu bekräftigen, trug er den Koranvers vor, der die Gleichwertigkeit von Mann und Frau beschreibt: „O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Gewiss, Allah ist Allwissend, Allkundig.“[389]

Der Prophet rief: „Ihr Quraisch! Was glaubt ihr, was ich mit euch tun werde?“

Gespannt, aber hoffnungsvoll antworteten sie: „Gutes! Ein edler Bruder, der Sohn eines edlen Bruders bist du!“

Und er sprach mit den Worten der Verzeihung, die auch der Prophet Joseph schon zu seinen Brüdern gesagt hatte: „Siehe, ich spreche zu euch, wie mein Bruder Joseph: ‚Kein Tadel treffe euch heute! Allah möge euch verzeihen. Er ist ja der Barmherzigste der Barm-herzigen.‘“[390] Dann setzte sich der Gesandte Allahs in die Moschee.

Da kam Ali mit dem Schlüssel der Kaaba in der Hand und bat ihn: „O Gesandter Allahs! Übertrage uns die Aufgabe, die Kaaba zu bewachen und die Pilger mit Wasser und Getränken zu versorgen!“ Der Prophet aber fragte, wo Uthman Bin Talha sei, der bis dahin den Dienst an der Kaaba innegehabt hatte. Als Uthman kam, sagte der Prophet: „Dies ist dein Schlüssel, Uthman. Heute ist der Tag der Güte und Treue.“ Und er vergab ihm unter anderem, dass er ihm eines Tages den Eintritt in die Kaaba verweigert hatte.

Der Prophet hatte nun all seine Feinde und Gegner in seiner Gewalt. Die Quraisch und ihre Verbündeten hatten die Muslime enteignet, verstoßen, eingesperrt, gefoltert, gequält und getötet – doch er vergab ihnen, in dem Bewusstsein, dass Rache nie zu Frieden und Erfolg führen kann, und gab damit ein gutes Vorbild.

Nachdem Abu Bakr seinen blinden Vater besucht hatte, brachte er ihn in die Moschee zum Propheten. Als Muhammad dies sah, sagte er: „Du hättest den alten Mann zu Hause lassen sollen und ich hätte ihn besuchen können.“

„Gesandter Allahs, er soll zu dir kommen und nicht umgekehrt.“

Der Prophet ließ ihn vor sich Platz nehmen, strich ihm mit seiner Hand über die Brust und sagte: „Werde Muslim.“ Da nahm er den Islam an.[391]

Als es Mittag wurde, bat er Bilal, auf das Dach der Kaaba zu steigen.

Bilal kletterte hinauf und rief mit seiner klaren Stimme den Ruf des Islam, der die Einzigkeit Allahs bezeugt und Muhammad als Seinen Gesandten.

Der ehemalige, schwarze Sklave, der wegen seines Glaubens gefoltert worden war, stand nun auf dem Heiligtum, einem Platz, der sonst nur den Edelsten der Quraisch vorbehalten war. Es gab keine Unterschiede mehr aufgrund von Hautfarbe oder Abstammung. Fortan sollten allein gute Taten, Gottesfurcht und die Liebe zum Schöpfer zählen.

Männer und Frauen kamen zu Hunderten zu Muhammad, der sich auf dem nahegelegenen Hügel Safa befand – unter ihnen auch Hind, die Frau des Abu Sufyan, verschleiert, weil sie Angst hatte, der Prophet könne sie wegen dem, was sie getan hatte, zum Tode verurteilen. Sie sprach: „Gesandter Allahs, Preis sei Allah, Der die Religion siegen ließ, die ich nun für mich selbst gewählt habe.“ Danach zeigte sie ihr Gesicht und sagte: „Hind Bint Utba.“

„Du bist willkommen“, sagte der Prophet.

Sie lobte Muhammad für seine Verzeihung, und als sie wieder zu Hause war, zerstückelte sie die Götzenfiguren, die sie dort hatte. [392]

Nachdem Hind den Islam angenommen hatte, kam auch Umm Hakim, Ikrimas Ehefrau, zum Propheten und bat um Gnade für ihren Mann, der in Richtung Jemen auf der Flucht war. Der Prophet gab ihr die Sicherheit. Umm Hakim brach mit einem Begleiter auf, um Ikrima zurückzuholen, bevor er ein Schiff bestieg.

Auch Safwan Bin Umayya war geflüchtet und wollte in Dschidda ins Meer springen, um sich umzubringen. Sein Freund Umair Bin Wahb, mit dem er einst einen Anschlag auf den Propheten geplant hatte, ging zum Propheten und bat um Sicherheit für Safwan, die ihm auch gewährt wurde.

Safwan aber hatte noch Bedenken und konnte nicht glauben, dass der Prophet ihm verzeihen würde. Er bat Umair um ein Zeichen des Propheten.

Umair ritt zurück nach Mekka und erzählte von der Unsicherheit Safwans. Der Prophet gab ihm seinen Turban als Zeichen der Sicherheit, was Safwan beruhigte. Als er schließlich beim Propheten ankam fragte er, ob er ihm wirklich Sicherheit gewähre. Der Prophet bestätigte es, doch Safwan wurde erst drei Monate später Muslim, nachdem er genug Zeit gehabt hatte, es sich zu überlegen.[393]

Einer der drei größten Götzen, Al-Uzza, befand sich in Nachla. Als der Wächter des dortigen Tempels erfuhr, dass Chalid kam, um ihn zu zerstören, band er dem Götzen ein Schwert um und sprach: „Verteidige dich und töte Chalid, oder werde Muslim!“[394]

Umm Hakim beeilte sich, ihren Mann zu erreichen, bevor sie ihn für immer verlor. Doch er war schon an der Küste von Tihama angekommen und wollte gerade ein Schiff besteigen, als der Kapitän ihn aufforderte: „Sprich: ‚La ilaha illa Allah – es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah!‘“[395]

„Ich bin aber vor nichts anderem als ‚La ilaha illa Allah‘ geflüchtet!“, sagte Ikrima.[396] Gerade noch rechtzeitig traf seine Frau ein und flehte ihn an, nicht zu fliehen, denn sie komme von einem Mann, dessen Güte und Milde beispiellos sei und bei dem er sicher sein werde. Gemeinsam kehrten sie zurück ...

Chalid und seiner Truppe gelang es inzwischen, den Götzen Al-Uzza zu zerstören. Die Götzendiener wunderten sich, dass das Steinbild, dem sie im Laufe der Jahre so viel Geld und Opfertiere dargebracht hatten, sich nicht zu wehren vermochte. Chalid tat sein Vater leid, der früher so viele Tiere für diese Steinfiguren geopfert hatte, die weder hören noch sprechen konnten.[397]

Ikrima ging als Gläubiger zum Propheten. Als er in Mekka ankam, setzte er sich mit seiner Frau zu ihm. Der Prophet lächelte ihn freundlich an und sagte: „Heute werde ich dir keinen Wunsch abschlagen.“

„Dann bitte Allah, dass Er mir meine Feindschaft dir gegenüber vergibt und alles, was ich dir angetan und zu dir gesagt habe!“, bat Ikrima.

Der Prophet verzieh ihm und bat Allah um Verzeihung für ihn. Dann rief Ikrima aus: „Was das Geld angeht, das ich ausgegeben, und die Kriege, die ich geführt habe, um die Menschen davon abzuhalten, der Wahrheit und dem Licht zu folgen, so werde ich ab jetzt auf dem Wege Allahs das Doppelte ausgeben, und für all die Kämpfe, die ich geführt habe, um den Weg Allahs zu versperren, werde ich doppelt soviel auf dem Wege Allahs kämpfen!“[398]

Er hielt sein Wort und fing gleich damit an, die vielen Götzenbilder, die er zu Hause hatte, zu zerstören.[399]

 Aus Feinden werden Brüder

B

islang waren die Quraisch die Hüter der alten Götzenreligion gewesen. Nun aber, da sie den Islam angenommen hatten, fühlten andere sich dazu berufen, diese Aufgabe zu übernehmen. Der mächtige Stamm der Hawazin[400] rüstete sich, um Mekka anzugreifen.

Die Quraisch standen jetzt auf der Seite des Propheten, um mit ihm gemeinsam den Islam und Mekka zu verteidigen.

König der Hawazin war Malik Bin Awf.[401] Er zwang seine Soldaten, ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Vermögen auf den Feldzug mitzuneh-men. Das sollte ihren Kampfeswillen steigern und sie davon abhalten, vom Kampfplatz zu flüchten.

Die muslimische Armee zählte zwölftausend Mann; unter ihnen waren einige, die erst neu zum Islam konvertiert waren und die dachten, dass eine solch große Streitmacht nicht besiegt werden könne.

Dem Propheten missfiel diese Art zu denken. Er setzte seine Hoffnung auf die Unterstützung Allahs, denn er wusste, dass die Größe einer Armee allein nicht ausschlaggebend ist. Und er sollte recht behal-ten.[402]

Unter den neuen Konvertiten waren auch einige, die sich noch nicht vollständig von ihrem früheren Aberglauben befreit hatten. Als sie an einem Sidr-Baum[403] vorbeikamen, an welchen die Götzendiener ihre Waffen zu hängen pflegten, um auf diese Weise die Götter um Kraft und Segen zu bitten, schlug einer von ihnen dem Gesandten Allahs vor, so etwas auch für sie zu machen. Der Prophet entgegnete: „Du hast da genau das gesagt, was die Kinder Israels zu Moses gesagt haben!“, und er nutzte diese Gelegenheit, ihnen zu erklären, dass solche Praktiken – sich von Bäumen, Gegenständen, Gräbern oder gar verstorbenen Menschen irgendeine Hilfe zu erhoffen – nutzlos und mit dem Islam nicht zu vereinbaren seien, da alle Macht und alle Kraft nur bei Allah allein ist.[404]

Beide Armeen marschierten aufeinander zu, die Hawazin und Thaqif von Taif, die Muslime von Mekka kommend. Maliks Plan war es, die Truppen aus Mekka im Tal von Hunayn[405] in einen Hinterhalt zu locken. Er hatte vor, seine Truppen in den Schluchten und auf den Bergen um das Tal herum aufzustellen, bevor die Muslime ankamen, um sie so einkesseln zu können. Er trieb seine Truppen an, damit er das Tal als Erster erreichen würde, was ihm auch gelang. Nun warteten die Hawazin auf die Muslime, die sich in Richtung Hunayn bewegten.

Die muslimischen Truppen drangen in das Tal vor, ohne die Hawazin zu bemerken. Malik gab seinen Bogenschützen, die auf den Bergen postiert waren, den Befehl, zu schießen. Die Pfeile prasselten auf die Muslime nieder, es brach Panik aus. Malik befahl seinen Truppen, von allen Seiten anzugreifen. Von diesem Angriff überrascht, begann das Heer der Muslime zu fliehen. Eine Niederlage stand kurz bevor.

Muhammad jedoch flüchtete nicht. Er wich nicht zurück, sondern platzierte sich an der rechten Seite des Tales und rief seine Leute: „Schnell, kommt her zu mir, ich bin der Gesandte Allahs, ich bin Muhammad, der Sohn Abdullahs!“ An seiner Seite waren noch achtzig der Auswanderer und der Helfer. Für alle sichtbar ritt der Prophet vor die Truppen der Hawazin und rief: „Ich bin der Prophet, dies ist keine Lüge. Ich bin der Sohn Abdul-Muttalibs! O Allah, sende Deinen Sieg herab!“[406]

Die wenigen Männer waren ihm gefolgt und griffen nun mit ihm das ihnen zahlenmäßig überlegene Heer der Hawazin an.

Der Prophet wies Abbas an, die Gefährten zu rufen. Abbas rief so laut er konnte: „O ihr Auswanderer! O Ihr Helfer!“ Dieser Ruf blieb nicht ungehört, immer mehr der flüchtenden Muslime machten kehrt und schlossen sich der Truppe um den Propheten an, welche die Hawazin immer mehr unter Druck setzte, bis sie diese zurückschlug.[407]

Die Hawazin sahen sich den Muslimen nicht mehr gewachsen und flohen; die meisten von ihnen verschanzten sich bei ihren Stammesbrüdern von den Thaqif in Taif. Der Besitz der Hawazin und ihre Familien waren in die Hände der Muslime gefallen. Maliks Plan war gescheitert.

Einige der neuen Muslime von den Quraisch hatten schon am Propheten gezweifelt, doch nun sahen sie mit eigenen Augen seinen Mut und den seiner Anhänger.

Die muslimischen Truppen marschierten nach Taif und belagerten die Stadt. Die Hawazin und die Thaqif bewarfen sie von den Mauern Taifs aus mit Steinen und Feuer, was zu einigen Opfern unter den Muslimen führte. Daraufhin bauten diese Katapulte auf, mit denen sie die Stadt beschossen.[408]

Um den Druck auf Taif zu erhöhen, ließ der Prophet verkünden, dass jeder, der die Festung verließe, frei sein würde.

Es gelang dreiundzwanzig Sklaven[409] aus Taif, den Götzendienern zu entfliehen und zum Propheten zu gelangen. So erhielten sie ihre Freiheit. Die Hawazin und die Thaqif wurden sich der Aussichtslosigkeit ihrer Situation bewusst. Sie wussten, dass der Sieg des Propheten nun nicht mehr rückgängig zu machen war.

Um seine Gefährten vor den Angriffen aus der Stadt zu schützen, lockerte der Prophet die Belagerung, zog seine Truppen nach Dschirana[410] zurück und verweilte dort in Erwartung der Thaqif und Hawazin. Er wusste, sie würden auch ohne Belagerung aufgeben und kommen.

Einige Gefährten des Propheten baten ihn, er solle die Thaqif in Taif verfluchen. Doch dies tat er nicht, denn er wollte, dass sie freiwillig kämen. Er hob seine Hände gen Himmel und betete zu Allah, dass Er sie rechtleite.[411]

Als die Thaqif dann, wie er es von Allah erbeten hatte, freiwillig zu ihm kamen und ihren Beitritt zum Islam verkündeten, fragten einige von ihnen nach ihren Sklaven. Der Prophet gab sie ihnen nicht zurück, sondern sagte: „Nein, sie sind die Freigelassenen Allahs!“[412] Und er ermutigte die Muslime, ihre noch verbliebenen Sklaven freizugeben oder Sklaven zu kaufen, um ihnen die Freiheit zu schenken.

Inzwischen nahm auch Wahschi, der Mörder von Hamza, Kontakt mit dem Propheten auf, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass er ihm vergeben würde. Doch der Prophet vergab ihm und Wahschi wurde Muslim.

Auch Malik Bin Awf, der König der Hawazin, kam nach einigem Zögern zum Propheten nach Dschirana. Dieser gab ihm seine Familie und sein Vermögen zurück. Auch andere Familien, die in Gefangen-schaft geraten waren, ließ er frei und gab ihnen ihren Besitz zurück – bis auf das, was man schon an die Quraisch und die anderen Stämme verteilt hatte. Als er sich dann jedoch für die Hawazin einsetzte, gaben die meisten der Quraisch ihre Anteile wieder her.

Der Prophet hatte einigen neuen Muslimen, wie Abu Sufyan und Safwan, sowie auch manchen Beduinenstämmen viele Geschenke gemacht, um ihre Herzen für den Islam zu gewinnen.

Die Auswanderer und die Helfer aus Medina bekamen jedoch nichts. Einige von den Helfern flüsterten darüber und sagten: „Der Gesandte Allahs hat sich wieder mit seinem Volk vereint!“

Saad ging zum Propheten und erzählte ihm, was über ihn gesprochen wurde. Da beauftragte der Prophet ihn, alle Helfer zu versammeln. Als die Auswanderer auch dazukamen, ließ er dies zu, als aber andere sich an dieser Versammlung beteiligen wollten, erlaubte er es nicht.

Dann begab er sich zu ihnen, pries Allah und hielt eine kurze Rede: „O ihr Helfer! Welch ein Gerede höre ich von euch, und welche Abneigung, die ihr mir gegenüber empfindet? Bin ich nicht zu euch gekommen, als ihr irregeleitet wart, und Allah leitete euch auf den rechten Weg? Wart ihr nicht arm, und Allah machte euch reich? Seid ihr nicht miteinander verfeindet gewesen, und Allah vereinte eure Herzen?“

„Ja, in der Tat! Allah und Sein Gesandter sind gnädig und gütig!“

„Wollt ihr mir denn nichts entgegnen, o ihr Helfer?“, fragte der Prophet.

„Was könnten wir entgegnen? Bei Allah und Seinem Propheten sind Gnade und Güte!“

„Bei Allah, ihr könntet es mir vorhalten, und ihr hättet recht und jeder würde es glauben: ‚Du kamst zu uns, als man dich der Lüge bezichtigte, und wir haben dir geglaubt; du wurdest im Stich gelassen, und wir halfen dir; du wurdest vertrieben, und wir haben dich aufgenommen; du warst arm, und wir haben unseren Besitz mit dir geteilt.‘ Seid ihr mir wirklich böse, o ihr Helfer, wegen weltlicher Dinge, mit denen ich die Herzen der Menschen versöhne, damit sie sich Allah ergeben, während ich doch euch den Islam anvertraut habe? Seid ihr nicht zufrieden, o ihr Helfer, dass diese Leute mit Schafen und Kamelen nach Hause gehen, ihr aber mit dem Gesandten Allahs? Bei Dem, in Dessen Hand Muhammads Seele liegt – auch wenn es nicht wegen der Auswanderung wäre, bliebe ich einer von euch.

Wenn die Leute einen Weg einschlagen und die Helfer einen anderen, würde ich mir den Weg der Helfer wählen. O Allah, sei gnädig den Helfern sowie ihren Kindern und Kindeskindern!“

Die Helfer weinten so sehr, dass die Tränen ihre Gesichter hinunterliefen und riefen: „Wir sind glücklich und zufrieden, mit dem Gesandten Allahs als unserem Anteil!“ Erleichtert und beruhigt zerstreuten sie sich.[413]

Nachdem sich der Prophet von Dschirana aus zur Umra, der kleinen Pilgerfahrt, nach Mekka begeben hatte, kehrte er am Ende des Monats nach Medina zurück. Zwischen Mekka, Medina und den arabischen Stämmen herrschte nun Frieden, und alle konnten in Sicherheit leben. Aus den einstigen Feinden waren Brüder geworden.[414]

Der Prophet zog noch einmal gegen die Byzantiner und ihre Verbün-deten, nachdem er erfahren hatte, dass diese sich versammelten, um in den Norden der Arabischen Halbinsel einzufallen. Er selbst führte den Feldzug an. Dieser Feldzug, der im Sommer bei großer Hitze und unter schwierigen Bedingungen für die Muslime stattfand, wurde „Der Feldzug von Tabuk“[415] genannt.

Die Byzantiner und ihre Verbündeten verloren den Mut zum Kämpfen, als sie die muslimischen Truppen erblickten. So kam es, dass der Prophet verschiedene Abkommen mit den Verbündeten der Byzantiner schließen konnte, die den Frieden im Norden vorerst sicherten. Allah hatte den Muslimen den Kampf erspart und sie kehrten dankbar nach Medina zurück.[416]

 Der Abschied

I

m zehnten Jahr nach der Auswanderung, als das Fasten des Monats Ramadan zu Ende ging, vertraute der Prophet seiner Tochter Fatima etwas an, das sie niemandem erzählen sollte: „Jedes Jahr im Ramadan rezitiert Gabriel mir einmal den Koran, und jedes Jahr rezitiere ich ihn einmal. Aber in diesem Jahr hat er ihn mir zweimal rezitiert. Das lässt mich glauben, dass meine Zeit gekommen ist.“[417] Weiter sprach er zu Fatima: „Neben der Jungfrau Maria, der Tochter des Imran, gehörst du zu den am höchsten angesehenen Frauen des Paradieses.“[418]

Fatima war die letzte seiner Töchter, die noch am Leben war. Zaynab war zwei Jahre zuvor gestorben. Sie hatte sich nie ganz von den Verletzungen und der Fehlgeburt erholt, die sie erlitten hatte, als sie beim Verlassen Mekkas aufgehalten wurde, und so starb sie letztlich an den Folgen von Habbars Angriff. Nach ihrem Tod blieb Muhammad nur Fatima, da Ruqayya und Umm Kulthum schon vor Zaynab gestorben waren. Muhammad war sehr traurig darüber gewesen, auch Zaynab verloren zu haben.

Einen Monat später gab der Prophet bekannt, dass er selber die große Pilgerfahrt leiten werde. Mehr als dreißigtausend[419] Männer und Frauen mit ihren Familien freuten sich, ihn begleiten zu dürfen. Dieses Jahr waren alle Pilger endlich Verehrer des Einen Einzigen Gottes; Götzendiener gab es keine mehr unter ihnen.

Unterwegs bekam Aischa ihre Monatsblutung und war deshalb sehr betrübt, denn sie dachte, sie dürfe in diesem Zustand die Pilgerfahrt nicht vollziehen. Als der Prophet den Grund für ihr Weinen erfuhr, sagte er ihr, dass sie alle Pilgerriten verrichten dürfe, außer dem Umschreiten der Kaaba.

Nachdem der Prophet die Kaaba siebenmal umrundet und den Lauf zwischen den Hügeln Safa und Marwa vollendet hatte, begab er sich nach Mina, wo er einen Tag verbrachte.

Am nächsten Morgen ritt er zu der Ebene von Arafat. Als die Sonne am Mittag den Zenit überschritten hatte, ritt er das Tal hinab, wo die Menschen sich versammelt hatten, lobpreiste Allah und verkündete die Unantastbarkeit des Lebens und des Besitzes jedes Menschen.

„Ihr Menschen, hört mir gut zu, denn es kann sein, dass ich nicht noch einmal mit euch an diesen Ort zurückkomme! O ihr Menschen, euer Blut und euer Besitz sind für euch unantastbar, bis ihr eurem Herrn begegnet ...

Vergesst nicht, dass ihr eines Tages eurem Herrn gegenübertreten werdet, Der euch nach euren Taten befragen wird. Dann müsst ihr für alles, was ihr in eurem Leben getan habt, die Verantwortung tragen. Wenn einer von euch ein anvertrautes Gut hat, so soll er es dem zurückgeben, der es ihm anvertraut hat. O Allah, ich habe es ver-kündet! O Allah, sei mein Zeuge![420]

Alle Zinsen sind aufgehoben, aber euch gehört euer Vermögen. Ihr sollt nicht ungerecht behandelt werden und sollt auch selbst niemanden ungerecht behandeln. Allah hat beschlossen, dass es keinen Zins geben darf, und die Zinsen von Abbas Bin Abdul-Muttalib sind somit alle aufgehoben. Betrügt euch nicht gegenseitig und handelt nie ungerecht.[421] Nehmt nie etwas von einem anderen Menschen, das dieser euch nicht gerne gibt. Behandelt eure Frauen freundlich und kümmert euch gut um all diejenigen, die euch anvertraut sind. Ich hinterlasse euch eine klare Richtschnur, das Buch Allahs und die Sunna Seines Propheten, welche ich euch gelehrt habe. Wenn ihr danach handelt, werdet ihr nicht in die Irre gehen. Hört auf meine Worte und versteht! Allah ist mein Zeuge, dass ich euch die Botschaft des Islam überbracht habe.“[422]

Dann rezitierte er den zuletzt offenbarten Vers, der den Koran vervollständigte: „Heute habe Ich euren Glauben für euch vollendet und habe Meine Gnade an euch erfüllt und es ist Mein Wille, dass der Islam euer Glaube ist.“[423]

Diese Wallfahrt wurde zu Muhammads Abschiedswallfahrt, auf der er die islamischen Werte bekräftigte und die Gläubigen die richtige Art der Pilgerfahrt lehrte, so wie sie einst Abraham gelehrt hatte. Er zeigte ihnen, wie man den spirituellen Teil des Glaubens vollzog, der die Pilger zu friedlichen Menschen machte, die während der Pilgerfahrt nicht einmal eine Pflanze ausrissen. Nachdem er Satan symbolisch gesteinigt und Tiere geopfert hatte, ließ er sein Kopfhaar rasieren.

Chalid war heute ein ganz anderer als sonst; er trat an den Propheten heran und bat: „O Gesandter Allahs, deine Stirnlocke! Gib sie keinem außer mir! Du bist mir lieber als Vater und Mutter!“[424] Als er sie bekam, legte er sie an seine Augen und Lippen.

Zwei Monate nach der Abschiedswallfahrt erkrankte der Prophet. Die ersten elf Tage fühlte er sich noch kräftig genug, zu jedem Gebet in die Moschee zu gehen und es als Imam zu leiten. Er rief die Menschen noch einmal zu sich und legte ihnen die fünf täglichen Gebete und den Koran ans Herz. Er bat sie, sich zu melden, wenn er ihnen irgendetwas schuldete.

Einmal sprach er während dieser Tage von der Kanzel: „Unter den Dienern Allahs gibt es einen, den Allah zwischen dieser Welt und der Welt, die bei Ihm ist, wählen ließ, und dieser Diener hat die Welt, die bei Allah ist, gewählt.“

Wahrscheinlich wollte er die Menschen nicht beunruhigen. Abu Bakr aber verstand die Botschaft, und seine Augen füllten sich mit Tränen. Als der Prophet ihn weinen sah, bat er ihn aufzuhören und sagte: „Die Türen, die zur Moschee führen, sollen alle geschlossen werden, außer der Tür Abu Bakrs. Denn ich kenne keinen, mit dem ich eine bessere Freundschaft hatte als mit ihm.[425]

Hätte ich einen Freund unter allen Menschen der Welt auswählen müssen, von dem man sich nie trennt, hätte ich Abu Bakr gewählt. Aber wir sind Gefährten und Glaubensbrüder, bis Allah uns bei Sich wieder vereint.“[426]

In seinen letzten Tagen war der Prophet sehr schwach und musste viel liegen. Er bekam von seinen Frauen die Erlaubnis, diese Zeit bei Aischa zu verbringen, wo die anderen ihn besuchten. Seine Tochter Fatima kam ebenfalls oft zu ihm; einmal küsste sie ihn, und Aischa sah, wie er seiner Tochter etwas ins Ohr flüsterte und sie zu weinen begann. Dann flüsterte er ihr noch einmal etwas zu, und sie lächelte durch ihre Tränen. Als Aischa sie später danach fragte, antwortete sie: „Der Prophet hatte mir erklärt, dass er an dieser Krankheit sterben würde, und deshalb weinte ich. Dann jedoch sagte er mir, dass ich die Erste unter den Menschen seines Hauses sein werde, die ihm ins Jenseits folgen wird, deshalb lächelte ich.“[427]

Als sie ihren Vater wieder einmal besuchte, weinte sie und sagte: „O mein Vater, welch ein Schmerz!“

Er lächelte und sprach zu ihr: „Deinen Vater wird nach diesem Tag kein Schmerz mehr treffen.“

Er ließ seine Enkel Hassan und Hussain zu sich kommen und verabschiedete sich von ihnen.

Auch seine Frauen versammelte er noch einmal zum Abschied um sich.

Am Samstag sank sein Fieber, und er wollte trotz seiner Schwäche zur Moschee, wo er die Gläubigen im Mittagsgebet antraf. Diese waren froh und erleichtert, dass es ihm wieder besser ging. Die Freude, ihn zu sehen, hätte sie fast vom Gebet abgelenkt.

Auch das Gesicht des Propheten strahlte vor Freude, als er ihre friedliche und spirituelle Haltung sah. Von seinem Cousin Al Fadl und Thauban, einem freigelassenen Sklaven, gestützt setzte er seinen Weg fort.

Abu Bakr, der das Gebet leitete, hörte ihn kommen und trat einen Schritt zurück, ohne den Kopf zu wenden, aber der Prophet legte ihm die Hand auf die Schulter und schob ihn wieder vor die Versammelten, damit er mit dem Gebet fortfuhr, während er selbst sich zu seiner Rechten niederließ und sitzend betete.[428]

Nach dem Gebet half man ihm, in Aischas Wohnung zurückzukehren, wo er sie anwies, die einzigen sechs oder sieben Dirham, die sich in seinem Besitz befanden, den Armen zu spenden.

Am nächsten Tag, als er den Ruf zum Morgengebet hörte, ließ er sich zum letzten Mal zur Tür seiner Wohnung helfen, die nur durch einen Vorhang von der Moschee getrennt war. Er beobachtete die Gläubigen, die sich in der Verrichtung des Morgengebetes befanden, und lächelte glücklich. Die Gläubigen freuten sich, während er ihnen andeutete, fortzufahren. Anas erzählte später: „Noch nie hatte ich das Gesicht des Propheten so schön gesehen wie in jenem Moment.“ Dann ließ er den Vorhang wieder fallen.[429]

Er war sehr schwach, und sein Kopf lag an Aischas Brust, als ihr Bruder Abdurrahman mit einem Zahnholz in der Hand ins Zimmer trat. Aischa merkte, wie der Prophet das Zahnholz ansah, und sie wusste, dass er es gerne hätte. Sie nahm es von ihrem Bruder und begann es zu kauen, bis es weich war. Dann gab sie es dem Propheten, der sich damit die Zähne so energisch putzte wie nie zuvor.

Aischa hatte oft gehört, dass der Gesandte Allahs sagte: „Allah wird keinen Propheten zu Sich nehmen, bevor Er ihn nicht zwischen dem Leben und dem Tod hat wählen lassen“, und es war ihr bewusst, wie er sich entschieden hatte.

Sie sagte: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit sandte, du wurdest vor die Wahl gestellt und du hast gewählt!“

Dann hörte sie ihn sagen: „Mit denen Du gnädig warst, mit den Pro-pheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen.“

Und: „Oh Allah, (Du bist) der höchste Begleiter!“[430]

Diesen letzten Satz sagte er dreimal, während sein Blick zur Decke wanderte und seine Hand herabsank.[431]

Die anwesenden Frauen begannen zu weinen. Am Montag, dem 8. Juni 632 n. Chr., im dreiundzwanzigsten Jahr seiner Sendung, im elften Jahr nach der Auswanderung, dem Beginn der islamischen Zeitrechnung, starb der Prophet Muhammad.

Die ungeheure Nachricht drang nach draußen. Die Menschen konnten es nicht fassen und waren verzweifelt.

Selbst Umar, der sonst so stark war, schien von der Schwere der Kunde benommen zu sein. Er erklärte den Leuten in der Moschee, Muhammad sei zu seinem Herrn nur in der Weise gegangen, wie einst Moses auf den Berg gegangen war, und er werde wiederkommen und die Heuchler, die diese Nachricht verbreiteten, zur Rechenschaft ziehen.

Während er dies noch sprach, erschien Abu Bakr. Er betrat sofort das Zimmer seiner Tochter Aischa und sah die Wahrheit mit eigenen Augen. Weinend betrachtete er das Gesicht des Propheten und küsste ihn auf die Stirn. Er sprach: „Du bist mir lieber als mein Vater und meine Mutter, du hast den Tod erlebt, den Allah für dich geschrieben hat, aber danach wirst du nie mehr einen Tod erleben.“ Respektvoll legte er das Obergewand auf das Gesicht des Propheten und begab sich in die Moschee, wo Umar immer noch sprach.

„Beruhige dich, Umar, und höre zu!“, rief Abu Bakr. Doch Umar wollte nicht schweigen.

Erst als Abu Bakr zu sprechen begann und Allahs Einzigkeit pries, drehten sich die Menschen zu ihm und hörten ihm zu. Abu Bakr sagte: „O ihr Menschen, wer Muhammad verehrt hat: Muhammad ist nun gestorben; und wer auch immer Allah gedient hat, Allah ist lebendig und stirbt nicht!“

Dann zitierte er ihnen eine Stelle aus dem Koran: „Und Muhammad ist doch nur ein Gesandter, dem schon Gesandte vorausgegangen sind. Wenn er nun stirbt oder getötet wird, werdet ihr euch dann auf den Fersen umkehren? Und wer sich auf den Fersen umkehrt, wird Allah keinerlei Schaden zufügen. Aber Allah wird es den Dankbaren vergelten.“[432]

Den Menschen war, als hätten sie diesen Vers zum ersten Mal gehört. Umar berichtete später: „Bei Allah! Als Abu Bakr diesen Vers zitierte, war mir klar, dass es stimmte. Meine Beine wurden schwach, und ich ging zu Boden.“

Die Trauer unter den Frauen, Kindern und Männern war unbeschreib-lich.

Währenddessen lag der Körper des Propheten auf seinem Bett. Seine nahen Verwandten hatten sich um ihn versammelt und berieten, wo sie ihn bestatten sollten. Doch sie konnten sich nicht entscheiden. Auch die anderen Bewohner Medinas waren sich uneinig.

Nach einigen Vorschlägen kam Abu Bakr hinzu. Er sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: ‚Kein Prophet stirbt, ohne dass er an der Stelle bestattet wird, wo er gestorben ist!‘“[433]

Darauf wurde entschieden, dass an dem Ort der Lagerstatt, auf der er starb, ein Grab ausgehoben werden sollte. Die engsten Verwandten des Propheten übernahmen seine Waschung, darunter an erster Stelle Ali, Abbas und dessen Söhne Al Fadl und Qutham. Usamah und Schukran, der Freigelassene des Propheten, gossen das Wasser über ihn und Ali wusch ihn, wobei ihm sein knielanges Hemd belassen wurde. Währenddessen nahmen sie einen ganz besonderen Duft an ihm wahr, so dass Ali ausrief: „Du bist mir wie Vater und Mutter! Wie wohlriechend bist du, sowohl lebendig als auch tot!“

Als sie mit der Waschung fertig waren, hüllten sie ihn in drei weiße, baumwollene Tücher.

Dann wurde den anderen Muslimen die Tür geöffnet, um von der Moschee her einzutreten und einen letzten Blick auf ihn zu werfen, sowie für ihn um Segen zu bitten.

Nacheinander, in kleinen Gruppen, betraten sie das Zimmer und beteten für ihn das Totengebet – zuerst die Männer, unter ihnen auch Abu Bakr und Umar, danach die Frauen, und am Ende die Kinder.

Ihrer aller Herzen bebten, und die Trauer über das Hinscheiden des Gesandten Allahs, des Siegels der Propheten, schien sie zu zerreißen.

Die Bestattung fand in der Nacht zum Mittwoch statt, zwei Tage, nachdem er gestorben war.[434]

Anas Bin Malik sagte über den Todestag des Propheten Muhammad: „Ich habe keinen helleren und schöneren Tag erlebt, als den seiner Ankunft in Medina und keinen dunkleren und traurigeren, als den, an dem er starb.“[435]

Fatima folgte ihrem Vater, wie er es ihr gesagt hatte, wenige Monate später; sie war das einzige seiner Kinder, das ihn überlebte.

“Sprich: Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden, dass euer Gott ein Einziger Gott ist. Möge denn derjenige, der auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, gute Werke tun und keinen anderen einbeziehen in den Dienst an seinem Herrn.” Koran 18:110.

 Nachwort

Der Prophet Muhammad verbrachte die letzten dreiundzwanzig Jahre seines Lebens mit unermüdlicher Arbeit an der Aufgabe, mit der Allah ihn betraut hatte. Er kam in dieser Zeit nicht zur Ruhe und wurde von allem Leid geprüft, das ein Mensch tragen kann. Er wurde durch den Verlust derer geprüft, die er liebte – seiner Mutter, seiner Frau Chadidscha und der meisten seiner Kinder. Er musste Entbehrungen, Spott, Feindschaft und Bedrohungen ertragen. Er war mehr als einmal schwer verletzt und in Lebensgefahr. Er ertrug all dies mit Toleranz und Zuversicht, in der Hoffnung und dem Bewusstsein, der Mensch-heit die Rechtleitung ihres Schöpfers zu bringen. Dies gelang ihm mit Allahs Unterstützung auch. Als das Blatt sich wandte und der Sieg und die Macht auf seiner Seite waren, vergab er all jenen, die ihm so viel Leid zugefügt hatten. Er baute auf Versöhnung und Frieden mit seinen ehemaligen Feinden.

Allah rief ihn zu sich, als seine Aufgabe erfüllt war. So erlebte er nicht mehr, dass sich der Islam auf der ganzen Welt verbreitete. Es gibt heute keine Region auf der Erde, wo keine Muslime leben.

Wenn der Muslim heute die Pilgerfahrt nach Mekka vollzieht, trifft er auf Millionen von Menschen, die trotz der Vielfalt ihrer Hautfarben und Sprachen alle Brüder und Schwestern sind, durch die Liebe zu ihrem Schöpfer miteinander verbunden. Man sieht dort die vielen Gesichter aus allen Ländern der Erde friedlich, als Erben Abrahams, ihren Gottesdienst verrichten und erinnert sich, dass dies alles mit einem Mann begann: Muhammad.

 Über dieses Buch

Das vorliegende Buch möchte den deutschsprachigen Leser in das Leben und die Sendung des Propheten Muhammad einführen. Es stellt sich nicht in die Reihe trockener, rein wissenschaftlicher oder histori-scher Biografien, wie sie inzwischen in zahlreichen Ausführungen vorliegen, sondern wählt bewusst die populäre Form des Romans, der Erzählung. Dennoch stützt sich die Darstellung auf authentische Quellen und Überlieferungen, die sich der Autor in umfangreicher Recherchearbeit erschlossen hat. Dabei wurden vor allem die Arbeiten von Ibn Hischam, Ibn Kathir, Ibn Qayyim und Mubarakpuri verwendet.

Die Aussprüche des Propheten und die beschriebenen Ereignisse werden durch entsprechende Quellenangaben in den Fußnoten belegt.

In dem Text, wie er sich nun darstellt, sprechen das Leben und die Sendung Muhammads in direkter, persönlicher Form zu uns. Der nichtmuslimische Leser, dessen kulturelle Prägung vielleicht eine andere ist als die eines Muslims, kann den Islam hier als eine Religion der Toleranz, des Friedens und der verstehenden Menschenliebe kennenlernen. Ich wünsche dieser Arbeit, dass sie zahlreiche aufgeschlossene, interessierte und am Ende begeisterte Leser findet.

Jotiar Bamarni

 Namensverzeichnis

A

Abbas Bin Abdul-Muttalib, Onkel Muhammads, Vater von Abdallah (bekannt als Ibn Abbas), Al Fadl und Qutham. 33, 45, 82, 83, 108, 109, 117, 121, 128, 139, 166, 169, 180-183, 191, 197, 201

Abbas Bin Ubada, einer von den ersten Bewohnern Medinas, die Muslime wurden. Er war bei beiden Treueiden dabei. 83

Abdullah, Sohn von Abdullah Ibn Ubay Ibn Salul 102, 154, 155

Abdullah Bin Abdul-Muttalib, der Vater Muhammads, 14-16, 22, 27

Abdullah Bin Abi Rabi‘a 60, 63

Abdullah Bin Rawaha 118, 173

Abdullah, Sohn Abu Bakrs, Aischas Bruder 92

Abdullah, Sohn des Umar Bin Al-Chattab (bekannt als Ibn Umar) 88

Abdullah Bin Abu Umayya, Vetter des Propheten und Halbbruder seiner Frau Umm Salama 48, 181

Abdullah Bin Arqat 92

Abdullah Bin Qami’a, s. Ibn Qami’a, ein Kämpfer der Quraisch 132, 133

Abdullah Bin Zaid 104

Abdul-Muttalib Bin Haschim Bin Abd Manaf Bin Qusai, Großvater Muhammads 10-20, 22-23, 27, 28, 47, 67, 109, 113, 128, 134, 166, 181, 191, 197

Abdu Manaf, Muhammads Sippe 10, 41, 69, 80, 89

Abdurrahman, Sohn Abu Bakrs, Aischas Bruder 200

Abdurrahman Bin Awf, einer der ersten Muslime 41, 112, 183

Abraha 17-20, 22, 158, 212

Abraham 4-8, 15, 17, 30, 34, 35, 95, 169, 198, 204

Abu bedeutet: der Vater (von)

Abu Ayyub Chalid Bin Zaid, hat beim zweiten Treffen in Aqaba den Treueid geschworen. 98

Abu Azza, ein Dichter, den der Prophet unter den Gefangenen Badrs begnadigt hatte. 120, 128

Abu Aziz Bin Umayr, auch bekannt als Zurara, Bruder von Mus‘ab Bin Umayr. 118

Abu Bakr, „As-Siddiq“, der Glaubende, der engste Freund Muhammads und einer der ersten Muslime 41-42, 53-55, 77-78, 88-94, 98, 111-112, 115, 118, 132, 135-136, 138, 156, 166-161, 171, 178-181, 186, 198-202

Abu Busair, sein richtiger Name war Utba Bin Usayd Bin Dscharidscha, vom Stamme der Thaqif. Er war ein Verbündeter der Quraisch, die ihn jedoch einsperrten, nachdem er Muslim geworden war. 163-164

Abu Dharr 53

Abu Dschabir, einer der Führer Bani Salimah 82

Abu Dschahl, auch Abul Hakam ‘Amr Bin Hischam Bin Al-Mughira Al-Machzumi 48, 55-57, 65-66, 68-72, 86-87, 89-91, 107, 109-110, 112-114, 118, 160, 178

Abu Du‘aib, Vater von Halima, der Stillmutter Muhammads 24

Abu Fukayha 54

Abu Haitham Bin Altayyihan 83

Abu Hudhayfa, Sohn des Utba Bin Rabi‘a, Bruder von Hind, der zum Islam konvertierte und bei Badr auf der Seite der Muslime war. 114

Abu Lubaba 153

Abul-As Bin Rabi‘, Sohn von Hala, Ehemann von Zaynab, Muhammads ältester Tochter 36, 116-118, 120, 152-153

Abu Dawud Almazny 117

Abu Dudschana 129, 130, 132

Abu Kabscha 112

Abu Lahab, Onkel Muhammads, Vater von Utba und Utayba. Er wurde später einer seiner größten Feinde. 36, 43-45, 47, 67, 78, 110, 116, 119-120

Abul Bachtari 68-69, 112

Abu Rafi‘, Sklave von Abbas, dem Onkel Muhammads 119, 121, 184

Abu Rughal 18

Abu Saad Bin Abu Talha, trug als 3. das Banner der Quraisch in Uhud. 130

Abu Salama 86

Abu Sufyan Sachr Bin Harb Bin Umayya 72, 108-110, 112-113, 119-121, 123, 126-128, 132-133, 139, 141, 144-148, 175, 177-179, 181-183, 187, 193

Abu Sufyan Bin Al-Harith Bin Abdul-Muttalib, Vetter des Propheten 181

Abu Talib Bin Abdul-Muttalib, Muhammads Onkel und Pflegevater, Oberhaupt der Bani Haschim 28, 30, 33, 43, 45-47, 53, 61, 67, 70-73, 173

Abu Waqid Al-Laithi 191

Abu Qubays, ein Berg in Mekka 6, 108, 109, 169

Abu Quhafa, Vater Abu Bakrs 55, 186-187

Abu Ubayda Bin Al-Dscharrah, einer der ersten Muslime 41

Abu Umayya, Vater Umm Salamas, ein weiser alter Mann der Quraisch, der den guten Vorschlag für das Einsetzen des Schwarzen Steines hatte. 35

Achnas Bin Schariq Bin ‘Amr Bin Wahb Ath-Thaqafi war ein Verbündeter der Sippe Bani Zuhra. 113-114

Addas, christlicher Sklave von Utba und Schayba, aus Ninive 76

Ahmad, der Hochgepriesene, Prophet Ahmad, Name Muhammads 23, 32, 42, 94

Aischa, Tochter Abu Bakrs und Ehefrau Muhammads 39, 89, 90, 98-100, 107, 136-137, 154-156, 180, 196, 199-201

Al-Asi Bin Hischam 110

Al Fadl, Cousin Muhammads, Sohn des Abbas 199, 201

Ali Bin Abu Talib, wurde von Muhammad in sein Haus aufgenommen. 33, 41, 46, 90-91, 96, 111, 112, 116, 130, 135, 138, 143, 148, 161, 179-181, 184, 186, 201

Al-Harith Bin Abdul-Muttalib, erster Sohn Abdul-Muttalibs 10-12, 22, 181, 197

Al-Harith Bin Abi Samar Al-Ghassani, Statthalter des römischen Kaisers in Syrien 172

Al Harith Bin Harb 84

Al-Miqdad Bin ‘Amr, auch Ibn Al-Aswad. Er war ein mutiger Mann, der zu den Ersten gehörte, die gegenüber den Quraisch offen bekannten, dass sie Muslime geworden waren. Er war ein guter Freund Alis. 111

Al-Mundhir Bin Sawi, Oberhaupt von Bahrain 172

Ammar, Sohn von Sumayya und Yassir 56

Amena, die Tochter des Wahb, die Mutter Muhammads 15-16, 18, 22-26, 27

‘Amir Bin Fuhayra, ein ehemaliger, von Abu Bakr freigekaufter Sklave, der den Propheten und Abu Bakr auf ihrer Hidschra begleitete. 55, 91-93

‘Amr Bin Abd Wudd, einer von den Edlen der Quraisch 112, 143

‘Amr, Sohn des Abu Sufyan 120

‘Amr Bin Al-As 60, 63, 87, 141, 170-171, 174

‘Amr Bin Al-Dschamuh, einer der Führer der Bani Salimah 84-85

‘Amr Bin Dschihas 138

‘Amr Bin Hischam Al-Machzumi, bekannt als Abu Dschahl, s.o.

‘Amr Bin Salim, von den Bani Chuza’a 178

‘Amr Bin Suda, von den Bani Qurayda 148

‘Amr Bin Umayya, Bote Muhammads an den Negus 170

Anas Bin An Nadr 131

Anas Bin Malik, Diener Muhammads 200, 202

Anasa 112

An-Nahdiya 55

Ansar, Helfer 100, 103, 111, 115, 116, 118, 125, 132, 154, 182-183, 191-194

Asma’, Schwester von Umm Al Fadl, sie heiratete Dschaafar. 45, 61

Asma’, Tochter Abu Bakrs, „Dhat An-Nitaqain - die mit den zwei Gürteln“ 89, 91-92

Asma’, Tochter des ‘Amr 82

As-Sakran, Sohn des ‘Amr 74

Al-Aswad Bin Asad, Krieger der Bani Machzum 115

Al-Aswad, Vater von Zama‘a, er war blind. 119, 120, 121

Aswad, Hirte eines Juden in Chaibar 168

Atika, Tante des Propheten väterlicherseits, Ehefrau des Abi Umayya, Mutter von Zuhair (der sich für die Aufhebung des Boykotts einsetzte). 68, 106, 108-109

Atika Bint ‘Amir Bin Rabi‘a, Mutter Umm Salamas, andere Ehefrau des Abi Umayya

Aws und Chazradsch, zwei Stämme in Medina 22, 79-80, 81, 82-84, 95, 102-103, 124-125, 142, 149, 155

Awwam, Chadidschas Bruder, Ehemann von Safiya, Vater des Az-Zubair 32

Ayyash, Halbbrüder von Abu Dschahl und Harith 86-87, 106

Az-Zubair Ibn Awwam, Cousin Muhammads 45, 112, 129, 180, 213

B

Bahira, ein Mönch 28-30

Bagheed Bin ‘Amir bin Hashim, er schrieb die Boykotturkunde. 67

Bani Abdul Aschhal 81

Bani Abdu-Muttalib, einer der beiden Stämme, die Muhammad schützten. 47, 67

Bani Abdu Manaf, Muhammads Sippe 10, 41, 80

Bani Abd Schams 41, 57,

Bani ‘Amr Bin Awf 94, 96

Bani Aslam, ein Stamm aus Asfan 158

Bani Bakr 161, 178, 181, 182

Bani Chuza‘a 9, 158, 161, 178-179, 182

Bani Damra, verbündet mit den Bani Mudladsch 108

Bani Daws 52

Bani Dschuma 10, 54-55

Bani Ghatafan, ein großer Stammesverbund im Nadschd 139, 141-142, 144-148, 165, 168

Bani Ghazia 190

Bani Ghifar 53, 117

Bani Hadl, eine jüdische Sippe 148

Bani Haschim, einer der beiden Stämme, die Muhammad schützten. 10, 28, 43, 47, 53, 65, 67-69, 114, 117

Bani Machzum, Abu Dschahls Sippe 10, 14, 35, 43, 56-57, 115, 131

Bani Mudladsch, verbündet mit den Bani Damra 92, 108

Bani Al-Mustaliq, eine mit den Quraisch verbündete Sippe 154

Bani Kinana 17, 143, 159

Bani An-Nadir, jüdischer Stamm in Medina 22, 102, 138-139, 141, 149, 165

Bani Saad 23, 190

Bani Salimah 82, 84-85

Bani Thaqif 75-76, 163, 190-193

Bani Qurayda, jüdischer Stamm in Medina 22, 102, 141-142, 144-149

Bani Qaynuqa‘, jüdischer Stamm in Medina 22, 102-103, 124-125, 138, 165

Bani Wa’il, einer der Stämme, die Medina bewohnten, sie gehörten zu den Aws, stellten sich aber in der Grabenschlacht gegen ihre Stammesgenossen. 138/39

Bali und Qudaa, zwei nördlichen Stämme 174

Baraka, die auch Umm Aiman genannt wurde, die Frau von Zaid und Mutter von Usamah. Sie war in ihrer Jugend eine Sklavin von Muhammads Mutter Amena, und bekam später vom Propheten die Freiheit geschenkt. 27-28, 32, 98

Bara’ Bin Ma‘rur 83

Bilal 54-55, 104-105, 110, 118, 123, 187

Bischr Bin Sufyan Al-Kabi 157

Budail Bin Warqa’, Anführer der Bani Chuza‘a aus Mekka. Er gehörte zu der Delegation, die dem Propheten vom Angriff der Bani Bakr auf seinen Stamm berichtete. 158, 181

C

Chabbab Bin Al-Irt, ein Schmied 54, 65

Chadidscha, erste Ehefrau Muhammads, „At-Tahira“, die Reine 30-32, 36-41, 45, 68, 72-75, 116, 120, 181, 204

Chalid Bin Said Bin Al-As, der Sohn des mächtigen Anführers der Bani Abd Schams, er war einer der ersten Muslime. 41

Chalid Bin Al-Walid, Sohn des Gegners des Propheten Al-Walid Bin Al-Mughira 131, 141, 158, 169-171, 173, 184, 188, 198

Chansa’ Bint Chaddam Bin Chalid Al-Ansariya Al-Ausiyya 153

Charrasch Bin Umayya Al-Chuza‘i 160, 162

Chathaam, ein Stamm, der im Süden der arabischen Halbinsel ansässig war. 18-19

Chaula Bint Hakim 74

Chosrau, Kaiser von Persien 143, 159, 172

Chunais Bin Hadhafa, Hafsas erster Mann aus dem Stamme der Quraisch 135

D

Damdam Bin ’Amr 108, 109

Dihya Al-Kalbi 177

Dschaafar Bin Abi Talib, Cousin Muhammads, wurde von Abbas aufgenommen, war der Sprecher der Auswanderer in Abessinien. 33, 45, 61-63, 71, 173

Dschamila, Tochter von Abdullah Ibn Ubay Ibn Salul 102, 154

Dschuail Bin Suraqa 181

Dschuhaym Bin As-Salt, von der Sippe der Muttalib 113

Dschurhum, Stamm 5-9, 12

Dschubair Bin Mut’im, s. Ibn Mut’im, 84, 130, 133

F

Fatima, Ehefrau Abu Talibs, Pflegemutter Muhammads 28

Fatima, Schwester von Umar Bin Al-Chattab, Frau von Said Bin Zaid Bin ‘Amr Bin Nufail 65

Fatima, Tochter Muhammads 32, 44, 73, 98, 135, 179, 184, 196, 199, 202

G

Gabriel, der Engel, der die Offenbarung brachte, der große Namus, der auch Moses erschien. 6, 37-40, 44, 49-50, 73, 78, 115, 138, 147, 170, 180, 196

H

Habbar, Sohn des blinden Al-Aswad 121, 196

Hadschadsch Bin ’Ilatt As-Sulami 165-166, 169

Hadschar, Ehefrau Abrahams, Mutter Ismaels 4-8, 169

Hafsa, Tochter des Umar Bin Al-Chattab 88, 135-136

Hakim Bin Hizam, Chadidschas Neffe, der trotz des Boykotts den Bani Haschim Nahrung lieferte und später alles versuchte, die Quraisch davon zu überzeugen, nicht zu kämpfen, um die Schlacht von Badr zu verhindern. 68, 112-113, 181

Hala, Chadidschas Schwester 36

Hamza, gleichaltriger Onkel Muhammads, Safiyas Bruder 26, 32, 44-45, 56-57, 66-68, 88, 112, 115-116, 130, 133-134, 144, 193

Halima von den Bani Saad, Tochter des Abu Du’aib, die Stillmutter Muhammads 23-26

Hanifen, die Menschen, die an dem Glauben Abrahams festhielten. 15

Harith, Ehemann von Halima, der Stillmutter Muhammads 23, 25

Harith Bin ‘Amir Bin Naufal, ein Stammesführer der Quraisch 113

Haritha Bin Suraqa, ein Mann aus Medina; er wurde in Badr von einem Pfeil getötet, als er aus dem Becken trank. 116

Haritha Bin An-Nu’man; er schenkte dem Propheten sein Haus neben der Moschee in Medina. 135

Hassan und Hussain, Enkelsöhne Muhammads 199

Hassan Bin Thabit 23, 94

Hatib 180

Hauda, Statthalter von Yamama 172

Hawazin, ein Stammesverbund, zu dem unter anderen die Stämme Bani Thaqif, Bani Saad und Bani Ghazia gehörten. Die Hawazin waren ursprünglich aus dem Jemen gekommen und waren Nomaden. Sie bewohnten Taif und deren Umgebung. 190-193

Herakleios, Kaiser von Byzanz 172, 174-177

Hind Bint Utba, Frau des Abu Sufyan 123, 128-130, 183, 187

Hischam Bin ‘Amr 68-70

Hischam Bin Al-As, Bruder des ‘Amr Bin Al-As 87

Hubab Bin Al-Mundhir 113

Hudhayfa Bin Al-Yaman, enger Vertrauter des Propheten 146-147

Hulais Bin Alqama, Führer der Ahabisch 159, 160

Hujai Bin Achtab, Oberhaupt der Bani An-Nadir 139, 141-142, 144 -146,148-150

Husayn حصين Ibn Salam, ein gelehrter Rabbi. Nachdem er den Islam angenommen hatte, nannte der Prophet ihn Abdullah. 95, 101-102

I

Ibn Abbas, Abdullah, der Sohn Abbas’, ein Cousin des Propheten 117

Ibn Ad-Dughunna 77

Ibn Alhayaban, ein jüdischer Gelehrter 51, 148

Ibn Mut’im, s. Dschubair Bin Mut’im, 84, 130, 133

Ibn Qami’a, s. Abdullah Bin Qami’a, ein Kämpfer der Quraisch, 132-133

Ibn Rabi‘a Bin Al Harith Bin Abdul-Muttalib, ein Cousin Muhammads 197

Ibn Salul (Abdullah Ibn Ubay Ibn Salul), eines der Stammesoberhäupter der Chazradsch, Oberhaupt der Heuchler in Medina 102, 107, 129, 138, 142, 154-155

Ikrima, Sohn Abu Dschahls 141, 143, 160, 178, 184, 187-189

Isaak 101

Ismael 4, 5, 8, 10, 12, 15, 17, 34-35, 101, 169

J

Jamil Al-Jumahi 66

Jesus 5, 30, 34, 63, 170

Jonas, Prophet, der Sohn des Matta, aus Ninive 76

K

Kaaba, das Haus Allahs 5, 8-12, 15, 17-21, 23, 27, 29, 31, 33-35, 41, 43, 48, 52, 56-57, 67, 69-70, 86, 108-110, 125, 133, 157-160, 166, 169, 182-187, 196

Ka‘b Bin Asad, von den Bani Qurayda 140-141, 148

Ka‘b Bin Malik 82

Kinana, Schwager Zaynabs 121

Kinana, der Ehemann Safiyas, der Tochter des Hujais 150

M

Mahmud, der Elefant Abrahas 19-20

Maisara, Sklave Chadidschas 31-32

Malik Bin Awf, König der Hawazin 190-193

Maria, Jungfrau Maria, Mutter Jesu, Tochter des Imran 62-63, 73, 170, 196

Marthad 112

Maymuna, Ehefrau Muhammads, Schwester von Umm Al Fadl 45, 184

Mihdscha, ein ehemaliger Sklave, wurde in Badr von einem Pfeil getötet. 116

Mistah 156

Moses 5, 22, 30, 34, 38, 76, 111, 170, 190, 200

Mu‘attib Bin Quschayr vom Stamm der Bani ‘Amr 143

Mu‘adh, der Sohn des ‘Amr Bin Al-Dschamuh 84-85

Mudad Bin ‘Amr, vom Stamme der Dschurhum 9, 12

Mughira, das Oberhaupt der Sippe der Bani Machzum 14, 35

Muhadschirun, Auswanderer 100, 103

Muhammad Bin Maslama 160

Mus‘ab Bin Umayr, Bin Hashim Bin Abd Manaf, erster Botschafter des Islam in Medina 80-82, 132, 134

Mut‘im Bin Uday, Gegner der Repression und Gewalt gegenüber den Muslimen 46, 69-70

Muqauqis, Oberhaupt Ägyptens 172

N

Nabih und Munabbih, die beiden Söhne des Al-Hudschadsch 113, 118

Nadr Bin Al-Harith, einer der schlimmsten Feinde des Propheten. Er kannte die Geschichten der persischen Könige und Fürsten. Um die Menschen abzulenken, begann er jedes Mal, wenn der Prophet versuchte, vom Islam zu sprechen, Geschichten zu erzählen. Er war bekannt für seine Grausamkeit. 48, 118

Nadschar, eine Sippe in Medina 105

Naufal Bin Chuwaylid, einer der Stammesführer der Quraisch 113

Nasiba, die Tochter des Ka’b, s. Umm ‘Umara 82, 132

Negus, König von Abessinien 17, 59-61, 63, 87, 159, 170, 172

Nestor, Mönch 31

Noah 5, 30, 34

Nu‘aim Bin Mas‘ud Bin ‘Amir von den Ghatafan, der in der Grabenschlacht eine große Rolle spielte. 133, 144

Nu‘aym Bin Abdullah An Nuham 65

Nufail, Anführer des Stammes Chathaam 18-19

O

Oberhäupter der Quraisch:

Utba Bin Rabi‘a, Schayba Bin Rabi‘a, Abu Al-Bachtari Bin Hischam, Hakim Bin Hizam, Naufal Bin Chuwaylid, Harith Bin ‘Amir Bin Naufal, Tu‘ayma Bin ‘Adi Bin Naufal, Nadir Bin Harith, Zam‘a Bin Aswad, Abu Dschahl Bin Hischam, Umayya Bin Chalaf, Nabih und Munabbih, die zwei Söhne des Al-Hudschadsch, Suhail Bin ‘Amr und ‘Amr Bin Abd Wudd.

Q

Qasim, Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum, Fatima, Abdullah, Muhammads und Chadidschas Kinder 32

Qays, Sohn des Saad Bin Ubada 183

Qudaa, ein nördlicher Stamm 174

Qulays, Kirche des Abraha 17

Quraisch, Stammesverbund in Mekka

Qusai Bin Kilab, ein Nachkomme Ismaels, des Sohnes Abrahams 10, 47, 89

Qutham, Cousin Muhammads, Sohn des Abbas 201

R

Rabbi Husayn, s. Husayn Ibn Salam 95, 101-102

Radschi‘, ein Brunnen im Hidschaz, der Gegend um Mekka 142

Rifada, das Amt, die Pilger mit Essen zu versorgen 10

Rifa‘a, ein Unterstützer der Heuchler 155

S

Saad Bin Abi Waqqas, stammte aus einem angesehenen Hause des Stammes der Bani Zuhra. Er war schon in jungem Alter Muslim geworden. Saad war gut im Herstellen von Bögen und ein guter Pfeilschütze. 46, 107, 112, 132

Saad Bin Mu‘adh, Führer der Aws 80-81, 83, 111,142, 149

Saad Bin Ubada, Führer der Chazradsch 84, 142, 183, 193

Said Bin Al-As, Anführers der Bani Abd Schams 41

Said Bin Zaid Bin ‘Amr Bin Nufail, der Ehemann Fatimas, der Schwester von Umar Bin Al-Chattab 65

Safiya, Muhammads etwas jüngere Tante, Hamzas Schwester, Mutter des Az-Zubair 26, 32, 44, 45, 134, 144

Safiya, die Tochter Hujais, eine der Ehefrauen Muhammads 150, 168-169

Safwan Bin Umayya, der Sohn von Umayya, Bilals ehemaligem Herrn. Er und Umair gehörten zu den schlimmsten Gegnern des Propheten. Wegen der Schlacht von Badr sannen beide auf Rache. 123-126, 184, 187-188, 193

Sahl und Suhail, zwei Waisen 98

Salma, Schwester von Umm Al Fadl, sie heiratete Hamza. 45

Salman, ein Perser 95-96, 139-140

Sauda, Tochter des Zama‘a, erste Ehefrau Muhammads nach Chadidscha 74-75, 98-99

Sawad Bin Ghaziyya 115

Schayba, Bruder von Utba, Onkel von Hind 72, 75, 112-113, 116, 118, 128

Schukran, der Freigelassene des Propheten 201

Shas Bin Qays, Oberhaupt der Bani Qaynuqa 103

Siqaya, das Amt, die Pilger mit Getränken zu versorgen 10

Stammesführer der Quraisch, die nach Badr gekommen waren: Utba Bin Rabi‘a, Schayba Bin Rabi‘a, Abu Al-Bachtari Bin Hischam, Hakim Bin Hizam, Naufal Bin Chuwaylid, Harith Bin ‘Amir Bin Naufal, Tu‘ayma Bin ‘Adi Bin Naufal, Nadir Bin Harith, Zama‘a Bin Aswad, Abu Dschahl Bin Hischam, Umayya Bin Chalaf, Nabih und Munabbih, die zwei Söhne des Al-Hudschadsch, Suhail Bin ‘Amr und ‘Amr Bin Abd Wud.

Suhaib Ibn Sinan, auch Suhaib „Ar-Rumi - der Römer“ genannt 54, 88

Suhail Bin ‘Amr 113, 160-161, 164, 184

Suhail und Sahl, zwei Waisen 98

Sumayya, Yassirs Frau, die erste Märtyrerin 56

Suraqa Bin Malik 92,

T

Talha Bin Abu Talha, einer der größten Gegner des Propheten. Er war einer der drei Bannerträger der Mekkaner bei der Schlacht von Uhud. 86, 129-130

Talha, Cousin Abu Bakrs 42, 94

Talib, Anführer der Bani Haschim bei Badr 114

Thaqif, Stamm aus Taif 75-76, 163, 190-193

Thauban, ein freigelassener Sklave 199

Thumama Bin Athal Alhanafi, ein Stammesfürst aus Yamama 150-151

Tufayl, vom Stamm Bani Daws 52-53

ﷻ‬

Ubayda Bin Al-Harith, ein zehn Jahre älterer Vetter des Propheten 116

Umama, Tochter Zaynabs, Enkeltochter Muhammads 121, 152-153

Umar Bin Al-Chattab 65-67, 86-88, 104, 111, 112, 118, 125, 133, 135-136, 138, 140, 154-155, 160-163, 171, 179-180, 182, 200-202

‘Umara Bin Al-Walid Bin Al-Mughira, Bruder von Chalid Bin Al-Walid, er wurde Abu Talib zum Tausch gegen Muhammad angeboten. 46

Umair Bin Wahb Bin Chalaf, sein Sohn war einer der Gefangenen von Badr. 115, 123-126, 187

Umayya, einer der Stammesführer der Quraisch 54-55, 72, 104, 107, 110, 112-113, 118, 123-124, 187

Umm bedeutet: die Mutter (von)

Umm Al Fadl, Lubaba Bint Al-Harith, Ehefrau von Muhammads Onkel Abbas 45, 82, 119-120, 180

Umm ‘Umara, s. Nasiba Bint Ka’b Al-Chazradschiya 82, 132

Umm Habiba, Ehefrau Muhammads 179

Umm Hakim, Ikrimas Ehefrau 187, 188

Umm Hani, Tochter Abu Talibs, Schwester Alis, Cousine Muhammads 184

Umm Ruman, Abu Bakrs Frau 98

Umm Salama, Hind Bint Abu Umayya Al-Machzumiya Al-Qurashiya, Ehefrau Muhammads 60, 86, 154, 162, 181, 184

Unais, der Elefantenführer 18-20

Uqba Bin Abi Muit, war bekannt für seine Grausamkeit. 110, 118

Urwa Bin Mas‘ud 159

Usamah Bin Zaid, Zaids Sohn 98, 118, 201

Usayd Ibn Chudayr 80-81

Utayba Bin Abu Lahab, Verlobter von Muhammads Tochter Umm Kulthum 36, 116

Utba Bin Abu Lahab, Verlobter von Muhammads Tochter Ruqayya 36, 116-117

Utba Bin Rabi‘a, Abu Walid, das mächtige Oberhaupt des Stammes Abdu Schams, Vater von Hind, der Frau Abu Sufiyans 57, 72, 75, 109, 112-118, 128-130, 187

Uthman Bin Abu Talha, einer der drei Bannerträger der Quraisch in Uhud, Onkel von Uthman Bin Talha 130

Uthman Bin Talha, Sohn des Talha Bin Abi Talha, der einer der größten Gegner des Propheten war. Uthman war für seinen Edelmut und seine Tapferkeit bekannt. 86, 171, 185-186

Uthman Bin Affan, Händler, einer der ersten Muslime, heiratete Ruqayya, die Tochter Muhammads und später, nach deren Tod, ihre Schwester Umm Kulthum. 42, 59, 61, 117-118, 135-136, 140, 160, 183

W

Wahschi, ein abessinischer Sklave aus Mekka, der Mörder Hamzas 130, 133, 193

Al-Walid Bin Al-Mughira, Sippenoberhaupt der Bani Machzum, der die Kaaba abriss und wiederaufbaute. Vater von Chalid Bin Al-Walid 35, 46

Walid Bin Utba, Bruder von Hind, Freund von Abbas 108, 115, 127

Walid Bin Al-Walid Bin Al-Mughira, jüngerer Bruder von Chalid Bin Al-Walid 169-170

Waraqa Bin Naufal, Chadidschas Cousin 31-32, 38, 54-55

Y

Yassir Sumayyas Mann 56

Z

Zaid Bin Haritha, ein Sklavenjunge, den Muhammad freigelassen und auf eigenen Wunsch als Sohn angenommen hatte. 32-33, 41, 88, 98, 112, 118, 121, 154, 173

Zaid Bin Al-Lusayt, ein jüdischer Rabbiner 102

Zama‘a Bin Aswad 69, 113, 118, 119-120

Zama’a, Vater von Sauda 74

Zainab, die Frau des Umar Bin Al-Chattab 88

Zaynab, die Tochter Muhammads 32, 36, 73, 116, 120-121, 152-153, 196

Zuhair Bin Abi Umayya, Sohn Atikas, der Tante des Propheten 68-69

Zunayra, eine römische Sklavin, die ihr Augenlicht vorübergehend verlor. 54-55

 Quellen

– Der edle Qur’an, aus dem Arabischen übersetzt von A. As-Samit Frank Bubenheim und Dr. N. Elyas 2002, überprüfter Nachdruck 2006, König-Fahd-Komplex, Medina

– Sahih Buchari & Sahih Muslim, Muslim, Buchari, Darul Kitab Al-Arabi, Beirut 2007/2008

– Sahih Muslim, deutsche Übersetzung von Jotiar Bamarni

– Sunan Ad-Darimi, von M. A. Ibn Bahram Ad-Darimi, Al-Asriya Verlag, 2008

– Der Koran, aus dem Arabischen übersetzt von Max Henning, überarbeitet von Dr. Murad Hofmann, 1. Auflage, Çagri-Verlag, Istanbul

– As-Sira An-Nabawiya (die Biografie des Propheten), von Ibn Hischam: Sie basiert auf dem Werk von Ibn Ishaq (mehr als 1300 Jahre altes Werk) und wurde von Ibn Hischam ergänzt und neu veröffentlicht. Sie ist ein Standardwerk zum Leben des Propheten. Für dieses Buch wurden die folgenden arabischen Auflagen benutzt:

– Ausgabe des Dar-Ibn-Hazm-Verlags in einem Band, 1. Auflage 2001, Beirut

– Ausgabe des As-Safa-Verlags, 2 Bände, 1. Auflage 2006, Kairo, Ägypten

– Ausgabe des Dar-Al-Ma‘rifa-Verlags, 2 Bände, Auflage ohne Jahresangabe

– Der Islam als Alternative, von Murad Hofmann, 4. Auflage, München 1999

– As-Sira An-Nabawiya (die Biografie des Gesandten), von Ibn Kathir, Ausgabe des As-Safa-Verlags, 2 Bände, 1. Auflage 2006, Kairo, Ägypten

–Assadul Ghaba fi ma‘rifatis Sahaba, von Ibn Al-Athir, Darul Kitab Al´lmiya, Beirut, 1994

– Sahihus-Sira An-Nabawiya (Authentisches in der Biografie des Gesandten), von Ibn Kathir, überarbeitet von M. Nasraddin Albani, 1. Auflage, Islamische Bibliothek, Amman

– Addurra Almudhi’a, von Abdulghani Al-Maqdisi

– As-Sira An-Nabawiyya fi Dhaw‘ Al-Quran was-Sunna, Dr. Muhammad Ibn Muhammad Abu Schahba, Darul Qalam, Damaskus, 8. Auflage, 2006

– Qisas Al-Anbiya´ (Prophetengeschichten), von Ibn Kathir, Auflage des As-Safa-Verlags in einem Band, 1. Auflage 2005, Kairo, Ägypten

– Ar-Rahiq Al-Machtum, von Safi-ur-Rahman Al-Mubarakpuri, Dar-Al-Wafaa-Verlag, 17. Auflage 2005, Mansura, Ägypten

– Muhammad, Prophet der Barmherzigkeit, von M. Rassoul, IB, Köln 1999

– Die Leute des Elefanten, von M. Rassoul, Islamische Bibliothek, 1993

– At-Tabaqat Al-Kubra, von Ibn Saad aus der arabischen Internetseite www.al-eman.com bzw. Maktabat Al-Khanaji, Kairo 2001

– Tarikh Ar-Rusul wa-l-Muluk (Geschichte der Propheten und Könige), von Tabari, 15 Bände, aus der Internetseite www.majles.alukah.net

– Sunan At-Tirmidhi, von Abu Issa At-Tirmidhi, Al-Fikr Verlag Libanon 2005

– Kitabul Maghazi, von Al-Waqidi, Marsden Jones, Beirut, Alam Al-Kutub, Beirut, 1989

Geografische Angaben zur Arabischen Halbinsel und den Stämmen stammen von der arabischsprachigen Internetseite: www.al-islam.com/arb

– www.alhamdulillah.net (Koranzitate aus anderen Übersetzungen)

– Auszüge aus: Die Gärten der Rechtschaffenen, Imam An-Nawawi, Übersetzung: Jotiar Bamarni, Schreibfeder Verlag, Berlin, 2009

– Mukhtasar Zadul Ma‘ad, Ibn Qayyim, von der arabischsprachigen Internetseite: http://raqamiya.mediu.edu.my    

– Kitab Fadail As-Sahaba, von Imam Ahmed

Wörterbücher: – Lisanul ´Arab, Sadir Verlag, Beirut, Libanon, 1993

– Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart Arabisch – Deutsch, Hans Wehr, Wiesbaden, Harrassowitz; 1985

– Synchron-Wörterbuch der drei Sprachen, Jotiar Bamarni, Freiburg, 1. Auflage 2001

– DUDEN, die deutsche Rechtschreibung, 24. Auflage, 2006

 Dank

Vor allem danken möchte ich meiner Lektorin mit Familie und Freunden, sowie Dr. Nadim Mazarweh, Dr. Murad Hofmann, Sara Madani, Dr. Mohammed Osama Kahf, Aisha Chaouki, Neil Bin Radhan, Abu Bakr Salzmann, Ahmad von Denffer, Dr. Tobias Knust, Ingeborg Djouad und Melek Stevens, für ihre konstruktiven Bemerkungen und Verbesserungen. Ferner danke ich Ghassan El-Bathich, Nina Mühe, Ibrahim R. Gustafson, Rüstü Aslandur und Reza Begas. Meinen Testlesern Omar Maximilian Bentheim und Amr Younis sowie meiner Testleserin Bischang Maryam Bamarni danke ich sehr für ihre Korrekturen, auf die ich auf keinen Fall verzichten möchte.

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الترقيم الدولي: ISBN 978-3-9803633-3-4

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[1] Buchari 3364; Sahihus-Sira An-Nabawiya Ibn Kathir/Albani S. 19.

[2] Koran 14: 37.

[3] Das heutige Palästina.

[4] Die Verwendung des Begriffes „Allah“ darf nicht so verstanden werden, dass es sich dabei um einen eigenen Gott der Muslime handelt, der nicht auch Gott der Christen, Juden und aller Angehörigen der Offenbarungsreligionen ist. (Zitat aus dem Kommentar der Koranübersetzung: Bubenheim/Elyas).

In diesem Buch wird sowohl die Bezeichnung „Allah“ als auch „Gott“ für das absolut höchste Wesen verwendet, den einzigen Gott, den Schöpfer aller Dinge; den Gott von Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus, Muhammad (Friede sei mit ihnen allen), den Gott der ganzen Menschheit. Auch in der Muttersprache Jesu, dem Aramäischen, nennt man Gott „Allaha“. Arabische, chaldäische und assyrische Christen nennen Gott ebenfalls „Allah”.

[5] Dies gehört heute zu den Riten der Pilgerfahrt. Die Hügel heißen Safa und Marwa; vgl. Koran 2: 158: „Gewiss, As-Safa und Al-Marwa gehören zu den (Orten der) Kulthandlungen Allahs. Wenn einer die Pilgerfahrt zum Hause (Kaaba) oder die Besuchsfahrt (Umra) vollzieht, so ist es keine Sünde für ihn, wenn er zwischen ihnen (beiden) den Gang macht. Und wer (von sich aus) freiwillig Gutes tut, so ist Allah dankbar und allwissend.“

[6] Sahihus-Sira An-Nabawiya Ibn Kathir/Albani S. 20.

[7] Es war der Engel Gabriel, der bei dem Kind mit seiner Ferse den Boden aufgescharrt hatte, so dass dort eine Quelle entsprang, Stories of the Prophets, Ibn Kathir, S. 95.

[8] Koran 14: 37.

[9] At-Tabari I/S. 118, 120.

[10] Koran 2: 127.

[11] Ein Stamm, der den Süden der arabischen Halbinsel bewohnte. Die Chuza‘a gehörten zu den Stämmen, welche wegen der Hungersnöte und Dürren in Richtung Norden zogen.

[12] Ibn Hischam, S. 56–59.

[13] Die Quraisch waren ein mächtiger Stamm in Mekka, sie gehörten zu den Stämmen, die den Norden und Osten der arabischen Halbinsel bewohnten. Einer ihrer Stammväter war Ismael, der Sohn Abrahams. Ihre Macht manifestierte sich in der Zeit Qusais, der die Sippen der Quraisch unter seiner Herrschaft vereinte. Der Stamm bestand aus zahlreichen Clans, die sich wiederum in Unterclans teilten. Die Clans waren: Bani Abd-ad-Dar, Bani Abdu Manaf (zu diesem Clan gehörten die Bani Haschim), Bani Machzum, Bani Zuhra, Bani Taim, Bani Uday, Bani Asad, Bani Dschumah und die Bani Sahm. Der Begriff Bani oder Banu bedeutet „die Kinder von“ oder „die Söhne von“. Von den einzelnen Sippen wird an anderer Stelle die Rede sein.

[14] „Süße Reinheit“, einer von mehreren Namen Zamzams (Ibn Hischam, S. 70).

[15] „Reicher Überfluss“, einer von mehreren Namen Zamzams (Ibn Hischam, S. 70).

[16] „Verborgener Schatz“, ein weiterer Name Zamzams (Ibn Hischam, S. 70).

[17] Isaf und Nayila waren zwei der vielen Götzen, die auf der arabischen Halbinsel angebetet wurden.

[18] Ibn Hischam, S. 70–73.

[19] Ibn Hischam, S. 73.

[20] Zu dieser Zeit hieß die Stadt noch Yathrib.

[21] Ibn Hischam, S. 74.

[22] Ibn Hischam, S. 74–75; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 57.

[23] Nicht zu verwechseln mit dem Propheten Abraham.

[24] Ibn Kathir, S. 30; An-Nadwi, S. 80.

[25] Die Bani Kinana waren eine Art Überstamm, dem viele Stämme entsprangen, auch die Quraisch, sie bewohnten den Hidschaz, die Gegend um Mekka.

[26] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 57.

[27] Die Chathaam waren ein Stamm, der im Süden der arabischen Halbinsel ansässig war.

[28] Al-Lat war ein weiblicher Götze, der als Tochter Gottes verehrt wurde, ihr Heiligtum war ein weißer Fels, um den herum eine Kultstätte errichtet worden war.

[29] Abu Rughal starb in Maghmas kurz vor Mekka, wo man ihn begrub. Lange Zeit war es ein Brauch bei den Arabern, Steine gegen sein Grab zu schleudern, um ihre Wut wegen seines Verrates gegen die Kaaba zum Ausdruck zu bringen. (Ibn Hischam, S. 26).

[30] Ibn Hischam, S. 27; At-Tabari; Ibn Kathir, S. 33.

[31] Koran 105: 1–5.

[32] Gedichte, die bis heute die Weltliteratur bereichern. Einige dieser Gedichte sind bei Ibn Hischam auf Seite 28–33 zu lesen.

[33] Die Stadt Medina, die man zu jener Zeit noch Yathrib nannte, liegt ungefähr 450 Kilometer von Mekka entfernt. Anders als Mekka war ihr Boden fruchtbar, daher lebten die Bewohner vom Ackerbau und dem Anbau von Dattelpalmen.

[34] Abdullah wurde in Dar An-Nabigha Alya´di bei Medina begraben, vgl. Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 59.

[35] Zu Amenas Gedichten siehe At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad I, S. 100; Ar-Rahiq Al-Machtum.

[36] Ibn Hischam, S. 76. Dies geschah an einem Montag im Jahre des Elefanten. Hassan Bin Thabit, ein Gefährte des Propheten, sagte, er sei sieben Jahre alt gewesen, als ein Jude vom Dach seines Hauses aus verkündete, dass der Stern des Ahmad, des „Hochgepriesenen“, in dieser Nacht erschienen sei. Ahmad ist eine andere Form des Namens Muhammad.

[37] Die Bani Saad waren ein Stamm, der die Gegend um die Stadt Taif in der Nähe von Mekka bewohnte.

[38] Ibn Hischam, S. 77; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 62 f.

[39] Ibn Hischam, S. 78.

[40] Ibn Hischam, S. 78; At-Tabari II/S. 158; Ibn Saad.

[41] Al-Dhahabi: Dieser Hadith hat einen guten Isnad (Überlieferungskette); Dalail An-Nubuwa von Baihaqi 1/S.74-77.

[42] Ibn Hischam, S. 80; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 64.

[43] Ibn Hischam, S. 80; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 64.

[44] Ibn Hischam, S. 85.

[45] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad.

[46] Buchari 2143; Ibn Madscha 2149.

[47] Ibn Dschauzi schreibt in Talqih Fuhum Ahlil Athar, S. 7, dass er 12 Jahre, 2 Monate und 10 Tage alt war. Vgl. Ibn Hischam, S. 85.

[48] Ibn Hischam, S. 85.

[49] Al-Uzza war ein weiblicher Götze, der wie Al-Lat als „Tochter Gottes“ verehrt wurde. Ihr Heiligtum war ein Baum mit einer ihn umgebenden Kultstätte zwischen Mekka und Taif. Der Ort wurde Nachla genannt.

[50] Ibn Hischam, S. 85; At-Tabari II/S. 277–279; At-Tirmidhi V/550, 3620; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 65; Al-Baihaqi 1/S. 371-373, Hakim in Mustadrak 2/S. 616, Ibn Hadschar in Al-Fath 8/S. 587.

[51] Ash-Sham ist das Gebiet, das heute als Syrien, Libanon, Palästina und Jordanien bekannt ist.

[52] Ibn Kathir I/S. 263; Ibn Hischam, S. 88.

[53] Ibn Hischam, S. 89.

[54] Neben dem Namen Ahmad wird Muhammad (der Gepriesene) auch nach seinem ersten Kind Abul-Qasim (Qasims Vater) genannt. (Ibn Hischam, Sahih Buchari).

[55] Abdullah hatte auch die Beinamen „At-Tayyib“ und „At-Tahir“. Zad Al-Ma´ad, Addurra Almudia, Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 67.

[56] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 67.

[57] Zaids Vater Haritha war mit seinem Bruder Ka’b nach Mekka gekommen, um seinen Sohn freizukaufen, der bei einem Überfall auf sein Dorf geraubt und auf dem Sklavenmarkt verkauft worden war. Zuletzt hatte Muhammad ihn als Geschenk bekommen. Er schenkte ihm aber die Freiheit und nahm ihn als seinen Sohn an. Als Haritha zu Muhammad kam, um seinen Sohn freizukaufen, wie es üblich war, sagte Muhammad, dass er ihn ihm ohne Lösegeld mitgeben würde – es sei denn, Zaid würde sich für Muhammad entscheiden. Zaid aber hatte schon entschieden, indem er sagte: „Muhammad ist für mich Vater und Mutter, denn ich habe bei diesem Mann Dinge erlebt, die mir keine andere Wahl lassen.“ Schließlich brachte Muhammad ihn zur Kaaba, versammelte die Menschen und sagte: „Ihr Anwesenden, bezeugt alle: Zaid ist mein Sohn.“ Sein Vater kehrte mit der Gewissheit zu seinem Stamm zurück, dass es seinem Sohn gut gehen würde.

[58] Ibn Kathir I/S. 276–277.

[59] Ibn Hischam, S. 92; Ibn Kathir I/S. 278.

[60] Der schwarze Stein stammt aus dem Paradies, Abraham und Ismael hatten ihn in die Kaaba eingebaut. Imam Ahmad überlieferte, dass der Stein ursprünglich weiß wie Schnee war, doch durch die Sünden der Menschen wurde er schwarz.

[61] Ibn Hischam, S. 93; Tabari II/S. 289–290.

[62] Buchari 3.

[63] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 75; Sahih Buchari 3; Ibn Hischam, S. 111; Musnad Imam Ahmad VI/S. 233.

[64] Koran 96: 1–5, Buchari 3.

[65] Ibn Hischam, S. 111; Musnad Imam Ahmad VI/S. 233.

[66] Der große Namus: Der Erzengel Gabriel.

[67] Ibn Hischam, S. 112; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 76; Sahih Buchari 3.

[68] Koran 93: 1–11: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Bei der Morgenhelle und bei der Nacht, wenn sie alles umhüllt! Dein Herr hat dich weder verlassen noch verabscheut. Wahrlich, das Jenseits ist besser für dich als das Diesseits. Und wahrlich, dein Herr wird dir geben und du wirst wohlzufrieden sein. Hat Er dich nicht als Waise gefunden und aufgenommen, und dich irregehend gefunden und dann rechtgeleitet, und dich bedürftig gefunden und dann reich gemacht? Was nun die Waise angeht, so unterjoche sie nicht. Und was den Bettler angeht, so fahre (ihn) nicht an, und was die Gunst deines Herrn angeht, so erzähle (davon).“

[69] Koran 68: 2–4.

[70] Aischa berichtete über die Offenbarungen: „Und ich habe ihn im Zustand gesehen, als die Offenbarung zu ihm kam: An einem sehr kalten Tag lief der Schweiß von seiner Stirn hinunter, als er (der Engel) ihn verließ.“ Beide Ahadith aus Sahih Buchari, Nr. 2, 3215 bzw. Sahih Muslim, Nr. 233.

[71]„Sallallahu alaihi wassalam – Allah segne ihn und schenke ihm Heil.“ Diesen Segenswunsch sprechen die Muslime für den Propheten Muhammad jedes Mal, wenn sein Name erwähnt wird, so wie es im Koran (33: 56) empfohlen wird. „Wahrlich, Allah sendet Segnungen auf den Propheten, und Seine Engel bitten darum für ihn. O ihr, die ihr glaubt, bittet (auch) ihr für ihn und wünscht ihm Frieden in aller Ehrerbietung.“

[72] In seiner ursprünglichen Gestalt, mit welcher der Engel Gabriel erschaffen wurde, sah ihn der Prophet nur zweimal: „Ich sah ihn vom Himmel herabkommen, als seine riesige Gestalt alles zwischen Himmel und Erde ausfüllte.“ Muslim 177; Buchari 4612, 4855, 7380, 7531; Tirmidhi 3068, 3278.

[73] Ibn Hischam, S. 114.

[74] Ibn Hischam, S. 115.

[75] Abu Dawud 4682; At-Tirmidhi 1162. Abu Dawuds Überlieferung beinhaltet nur den ersten Teil des Hadith. Sahih Al-Dschami As-Saghir 1232; As-Silsila As-Sahiha 284; Sahih Tirmidhi von Albani 928 und in Mischkat Al-Masabih 3264.

[76] Koran (Qur´an) bedeutet wörtlich „Lesung“. Es ist die abschließende, verbale, in arabischer Sprache gesprochene, dem Propheten Muhammad offenbarte, an die gesamte Menschheit gerichtete Botschaft Allahs. (Zitat aus dem Kommentar der Koranübersetzung Bubenheim/Elyas).

[77] Koran 81: 8–9.

[78] Sunan Ad-Darimi, Muqaddima, S. 7.

[79] Ursprünglich hieß er Abdul ‘Amr (Diener des ‘Amr). Diesen und viele andere Namen, die einen Beigeschmack der Zeit der Unwissenheit hatten oder pessimistisch gestimmt waren, ersetzte der Prophet Muhammad durch angenehmere; zum Beispiel den Namen Harb „Krieg“, oder „Hässlich“ durch friedliche und schöne Namen wie „Dschamil“, der Schöne.

[80] Die Bani Abd Schams waren einer der Unterclans der Bani Abdu Manaf, eines großen Stammes der Quraisch.

[81] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad.

[82] Der Superlativ Ahmad heißt „der Hochgepriesene“, bzw. Muhammad, „der Gepriesene“.

[83] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad.

[84] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 84.

[85] Wegen dieses Verhaltens von Abu Lahab wurde die Koran-Sure 111 herabgesandt, in der er getadelt wird.

[86] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 85.

[87] Ibn Hischam, S. 122.

[88] Ibn Hischam S. 117–120; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 81.

[89] Ibn Hischam, S. 116; Sunan Abi Dawud, S. 26; Tabari II/S. 313 und Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 81.

[90] Vgl. dazu den Tafsir von „Saffaha Ahlamahum“.

[91] Ibn Hischam, S. 122–123.

[92] Ibn Hischam, S. 135–136.

[93] D. h. sich niederwirft.

[94] Vgl. dazu Tafsir Surat al Alaq, Koran, 96: (6) 9-19; Muslim 2797, 7243; Sifat al-Munafiqin.

[95] Nadr war einer der schlimmsten Feinde des Propheten. Er kannte die Geschichten der persischen Könige und Fürsten. Um die Menschen abzulenken, begann er jedes Mal Geschichten zu erzählen, wenn der Prophet versuchte vom Islam zu sprechen. (Ibn Hischam, S. 137).

[96] Ibn Hischam, S. 138. „Die Leute der Höhle“ – unter dieser Bezeichnung werden im Koran jene Jünglinge aufgeführt, welche im Okzident gewöhnlich „die Siebenschläfer von Ephesus“ genannt werden. (Koran 18: 9–11).

[97] Koran 18: 23–24.

[98] Koran 18: 9–22.

[99] Hier handelt es sich um einen König, der bis an alle Grenzen der ihm bekannten Welt gereist war; er war von Allah mit großer Macht ausgestattet worden, die er zum Wohle der Menschheit nutzte.

[100] Koran 18: 83–98.

[101] Koran 17: 85.

[102] Koran 18: 109.

[103] Ibn Hischam, S. 172.

[104] Ibn Hischam S. 99–100; Ibn Ishaq sagte: Dies haben wir von den Rabbinern erfahren; Sahihus-Sira An-Nabawiya Ibn Kathir/Albani.

[105] Die Bani Daws waren ein Stamm, der in Tihama im Süden der arabischen Halbinsel lebte.

[106] Da die Kaaba schon immer eine Moschee, also ein Ort der Niederwerfung war, nannte man sie auch schon immer Masdschid. Allerdings ist sie ja relativ klein, so dass der sie umgebende Hof mit zur Moschee gerechnet wird.

[107] Ibn Hischam, S. 176.

[108] Ein Stamm, der in der Nähe Medinas lebte.

[109] „Wegen dieses Satzes wollt ihr einen Menschen umbringen?”, fragte Abu Bakr einmal weinend, als er sah, wie die Quraisch Muhammad behandelten. Sie griffen Abu Bakr an und verletzten ihn am Kopf, woraufhin er bewusstlos wurde. Als er wieder erwachte, war seine erste Frage, ob dem Propheten etwas zugestoßen sei.

[110] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad IV/S. 164.

[111] Ramda war ein Ort nahe Mekka, der dafür bekannt war, dass er keinerlei Schutz vor der Sonne bot, da es dort weder Felsen noch Bäume gab. Dieser Ort wurde von den Quraisch oft genutzt, um die Muslime zu foltern.

[112] Asadul Ghabah I/S. 591; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 91.

[113] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad VIII/S. 256; Ibn Hischam, S. 146–147; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 91.

[114] Die Bani Dschuma waren einer der Stämme der Quraisch.

[115] Koran 92: 5–6, 19–21; Ibn Hischam, S. 147; At-Tabaqat Al-Kubra VIII/S. 256; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 92.

[116] Koran 6: 10.

[117] Koran 17: 81.

[118] Koran 33: 47.

[119] Ibn Hischam, S. 147.

[120] Koran 16: 106. Ibn Hischam, S. 147; At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad III/S. 248; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 91.

[121] Ibn Hischam, S. 133; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 102 f.

[122] Ibn Hischam, S. 134; Mu‘dscham As-Saghir von Tabarani I/S. 265; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 107.

[123] Sahih Buchari.

[124] Koran 54: 1–2.

[125]„Ertrage in Geduld, was sie sprechen, und halte dich fern von ihnen mit einem höflichen Gruß.“ (Koran 73: 10); und auch: „Doch wenn du dich nun von ihnen abwendest – im Trachten nach einer Barmherzigkeit von deinem Herrn, die du dir erhoffst –, so sag zu ihnen milde Worte.“ (Koran 17: 28).

[126] Das heutige Äthiopien.

[127] Negus – auf Amharisch, der Sprache Äthiopiens, der damals in Abessinien gebräuchliche Titel für „König“.

[128] Über Ruqayyas Heirat mit Uthman s. Fußnote 251.

[129] Zadul Mi’ad I/S. 24; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 98; Ibn Hischam, S. 148. Es waren etwa 80 Auswanderer; ihre Namen finden sich bei Ibn Hischam auf S. 149.

[130] Die ruhige und fromme Haltung der Muslime offenbarte eine natürliche Schönheit. Besonders zwei angenehme und sympathische Paare, Dschaafar mit seiner Frau Asma’ und Uthman mit Ruqayya, waren eine wichtige Quelle der Kraft und Hoffnung für die Auswanderer. Der Prophet hatte zu Dschaafar gesagt: „Du ähnelst mir im Aussehen und im Charakter“ (Tabaqat Ibn Saad). Es waren noch viele Cousins des Propheten und viele Söhne und Töchter der reichen Mekkaner dabei.

[131] Auch: an einen östlich gelegenen, oder: nach Osten ausgerichteten Ort.

[132] Wörtlich: „ebenmäßiges“.

[133] Auch: (Er –’Isa – ist) das Wort der Wahrheit.

[134] Koran 19: 16–35.

[135] Ibn Hischam, S. 156.

[136] Ibn Hischam, S. 155–157; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 101.

[137] Ibn Hischam S. 159–160; At-Tabaqat Al-Kubra III/S. 267–269.

[138] Ibn Hischam, S. 162; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 105.

[139] Kitab Fadail As-Sahaba, von Imam Ahmed, Hadith 372, Teil I, Seite 344.

[140] Derjenige, der die Urkunde schrieb, war Bagheed bin ‘Amir bin Hashim. Der Prophet bat Allah, ihn zu bestrafen. Daraufhin wurden einige seiner Finger gelähmt. Raheeq al Makhtum, S.117.

[141] Abul Bachtari Bin Hischam gehörte zu der Gruppe der Quraisch, die zwar keine Muslime wurden, aber die Boshaftigkeit und Grausamkeit der Quraisch ablehnten. Er hat nie ein böses Wort über den Propheten gesagt und fügte ihm keinen Schaden zu. Er war ein offener Gegner der Repression und Gewalt, die die Quraisch gegenüber den Muslimen ausübten.

[142] Ibn Hischam, S. 163, 173. Hischam Bin ‘Amr gehörte zum Stamm der Bani ‘Amr, einem der Stämme der Quraisch. Er war von Beginn an gegen den Boykott, denn er hielt es für unehrenhaft, sich gegenüber den eigenen Stammesbrüdern so zu verhalten.

[143] Mut‘im Bin Uday war auch ein Gegner der Repression und Gewalt, die die Quraisch gegenüber den Muslimen ausübten. Er schützte den Propheten, als dieser von Taif zurückehrte, nachdem dieser von dort vertrieben worden war.

[144] Ibn Hischam, S. 173–174.

[145] Sahih Buchari, Zadul Mi’ad II/S. 46; Ibn Hischam, S. 162–164, 173–176; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 112–114. Siehe auch die Gedichte Abu Talibs über die himmlische Nachricht, dass Termiten die Urkunde gefressen hatten.

[146] Koran 54: 2.

[147] „Heute bekennen sich über 1,4 Milliarden Gläubige zum Islam; er ist in der Postmoderne zur einzigen weltweit wachsenden Religion geworden, als einzige ernsthafte Alternative zur westlichen Konsumgesellschaft. Auch in den USA, Großbritannien, Frankreich und in Deutschland gibt es inzwischen jeweils Millionen von Muslimen mit einer ständig wachsenden Zahl „weißer“ und „schwarzer” Konvertiten.“ (Dr. Hofmann, Murad: Der Islam als Alternative, 4. Auflage, München 1999).

[148] Nadschran ist eine Gegend im Südwesten der arabischen Halbinsel, dort lebten auch arabische Christen. Es wird auch berichtet, dass diese Christen aus Abessinien und nicht aus Nadschran stammten. (Ibn Hischam, S. 180).

[149] Ibn Hischam, S. 180. Auf sie beziehen sich die folgenden Koranverse: „Diejenigen, denen Wir die Schrift zuvor gegeben haben, glauben an ihn (den Koran). Und wenn er ihnen verlesen wird, dann sagen sie: ‚Wir glauben daran. Wahrlich, es ist die Wahrheit von unserem Herrn; wir hatten uns (Ihm) schon vordem ergeben.‘ Diese werden ihren Lohn zweimal erhalten, weil sie geduldig waren und das Böse durch das Gute abwehrten und von dem spendeten, was Wir ihnen gegeben hatten. Und wenn sie leeres Gerede hören, so wenden sie sich davon ab und sagen: ‚Für uns (seien) unsere Taten und für euch (seien) eure Taten. Friede sei auf euch! Wir suchen keine Unwissenden.‘“ (Koran 28: 52–55).

[150] Abu Sufyan Bin Harb vom Stamm Abd-Schams war das Oberhaupt Mekkas und war oft mit den Handelskarawanen der Quraisch unterwegs. Er war ein kluger und weitsichtiger Mann, aber auch einer der einflussreichsten Gegner des Propheten.

[151] Ibn Hischam, S. 192.

[152] Sahih Buchari im Kapitel „Heirat des Propheten mit Chadidscha“; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 118. Der Koran geht in Sure 93: 6–8 auf ihre Ehe mit Muhammad ein: „Hat Er dich nicht als Waise gefunden und dir Obdach gewährt? Und dich herumirrend gefunden und rechtgeleitet! Und dich bedürftig gefunden und reich gemacht!“

[153] Buchari und Muslim.

[154] Ibn Hischam, S. 191; Adh-Dhahabi in: „Geschichte des Islam – As-Sira“, S. 235.

[155] Die Stadt Taif befindet sich ca. 70 Kilometer südöstlich von Mekka. Sie hat ein angenehmes Klima und fruchtbare Erde, daher waren viele ihrer Einwohner im Ackerbau tätig. In der Nähe der Stadt befand sich das Heiligtum von Al-Lat, welche die Hauptgöttin der Thaqif war.

[156] Ibn Hischam, S. 193.

[157] Ibn Hischam, S. 194; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 125.

[158] Ein Ort zwischen Mekka und Taif, an dem man zu rasten pflegte. In Nachla befand sich auch das Heiligtum der Uzza.

[159] Dschinn: Dies sind aus Feuer erschaffene Wesen, für die Menschen meist unsichtbar, die eine ganze Art wie die Menschheit bilden. Sie sind wie die Menschen mit eigenem Willen und eigener Entscheidungsfreiheit ausgestattet; einige von ihnen sind Gott ergeben. (siehe Zitat aus dem Kommentar der Koranübersetzung Bubenheim/Elyas). Ebenso wie die Menschen sind sie erschaffen worden, um Allah zu dienen. Siehe Koran 51: 56.

[160] Koran 46: 29–31: „Und (gedenke), als wir eine kleinere Schar der Dschinn veranlassten, sich zu dir zu begeben und dem Koran zuzuhören. Als sie sich zu ihm eingefunden hatten, sagten sie: ‚Horcht hin!‘ Als er dann zum Ende kam, kehrten sie zu ihrem Volk zurück, um sie zu warnen. Sie sagten: ‚O unser Volk, wir haben ein Buch gehört, das nach Moses (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, das zu bestätigen, was vor ihm war, und das zur Wahrheit und zu einem geraden Weg leitet. O unser Volk, erhört Allahs Rufer und glaubt an ihn, so vergibt Er euch (etwas) von euren Sünden und gewährt euch Schutz vor schmerzhafter Strafe.‘“ Vgl. auch Koran 21: 107.

[161] Ibn Hischam, S. 172 und Ausgabe des As-Safa-Verlags Band 1, Teil 2, S. 16.

[162] Ibn Hischam, S. 172.

[163] Dieses Reittier wird Al-Buraq genannt. Es gibt keine genauen Angaben, um was für ein Tier es sich handelte. Der Prophet band das Tier an einer Mauer bei der Aqsa-Moschee an, als er Jerusalem erreichte.

[164] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 135–138.

[165] Ibn Hischam, S. 197. Ad und Iram waren das altarabische Volk des Propheten Hud, das sich gegen die Gebote Allahs wandte und dafür von Allah bestraft wurde. Der Stamm wurde vernichtet. Siehe Koran 7: 65–72 und 11: 50–60.

[166] Dieser Bericht und die Namen der beteiligten Männer und Frauen sind bei Ibn Hischam auf S.197 zu lesen.

[167] Bei den ärmeren Beduinen Arabiens gab es die Sitte, in Zeiten der Dürre ihre Kinder zu töten. Des Öfteren wurden unerwünschte Mädchen lebendigen Leibes begraben. Manche gingen so weit, dies damit zu rechtfertigten, dass die Götzen es ihnen befohlen hätten. Der Islam schaffte diese Verbrechen ein für alle Mal ab.

„Und tötet nicht eure Kinder aus Furcht vor Verarmung; Wir versorgen sie und auch euch. Gewiss, sie zu töten ist ein großes Vergehen.“ (Koran 17:31).

„Wenn einem von ihnen gemeldet wird, dass ihm eine Tochter geboren wurde, trübt sich sein Gesicht, und er verbeißt nur mühsam seine Enttäuschung. Er verbirgt sich vor den Leuten aufgrund der schlimmen Nachricht, die er erhalten hat: Soll er sie trotz der Schande behalten, oder (soll er sie) in der Erde verscharren? Wahrlich, übel ist, wie sie urteilen!“ (Koran 16: 58–59).

„Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, für welche Schuld es getötet wurde.“ (Koran 81: 8–9).

[168] Tabari II/S. 356; Ibn Hischam, S. 199.

[169] Saad Bin Mu’adh war das Oberhaupt der Aws. Er war ein fähiger, kluger und mutiger Mann, der in seinem Stamm ein sehr hohes Ansehen genoss.

[170] Auf Arabisch lauten diese Worte: „Aschhadu an la ilaha illa Allah – wa anna Muhammadan Rasulullah!“

[171] Ibn Hischam, S. 200–201. Die Bani Abdul Aschhal waren eine Sippe der Aws.

[172] Ibn Hischam, S. 199–201.

[173] Ka’b Bin Malik war ein bekannter Dichter, der seine Kunst zur Verteidigung des Propheten und des Islam einsetzte.

[174] Die Bani Salimah waren eine Sippe der Chazradsch. Die Betonung liegt in diesem Namen سَلِمة auf der ersten Silbe, und alle Silben werden kurz ausgesprochen; nicht zu verwechseln mit dem weiblichen Vornamen سَليمة Salimah, bei dem die Betonung auf der zweiten Silbe liegt, welche lang ausgesprochen wird.

[175] Ibn Hischam, S. 202.

[176] Damals rief man die beiden Stämme Aws und Chazradsch aus Medina auf diese Weise. Vgl. Ibn Hischam, S. 205.

[177] Bara Bin Ma’rur war ein Vetter von Saad Bin Mu‘adh.

[178]Abbas Bin Ubada war einer von den ersten Bewohnern Medinas, die Muslime wurden. Er war bei beiden Treueiden anwesend.

[179] Ibn Hischam, S. 202–205.

[180] Die Gegend, in der sich Al-Aqaba befindet.

[181] Ibn Hischam, S. 206–207.

[182] Manat war ein weiblicher Götze, der wie Al-Lat und Al-Uzza als Tochter Allahs verehrt wurde, sie wurde als Göttin des Schicksals betrachtet.

[183] Ibn Hischam, S. 207–208.

[184] Uthman Bin Talha war für seinen Edelmut und seine Tapferkeit bekannt. Seine Familie war eine der angesehensten der Bani Abd-ad-Dar. Sie hatten die Ehre, die Hüter der Schlüssel zur Kaaba zu sein. Sein Vater war Talha Bin Abu Talha, einer der größten Gegner des Propheten.

[185] Ibn Hischam, S. 215–216, Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 148.

[186] Ibn Hischam, S. 218.

[187] Ibn Hischam, S. 218.

[188] Koran 39: 53–55.

[189] Suhaib Bin Sinan wurde als Fünfjähriger von byzantinischen Truppen bei einem Überfall auf die Stadt Ath-Thani in der Nähe des heutigen Basra geraubt und auf dem Sklavenmarkt verkauft. Mit 25 Jahren gelang ihm die Flucht nach Mekka. Dort wurde er Suhaib „Ar-Rumi – der Römer“ genannt. Er begann Handel zu treiben und gelangte zu Wohlstand und Ansehen.

[190] Fiqhus Sira, Albani, S. 157; Ibn Hischam, S. 219–220.

[191] Ibn Hischam, S. 221, 223.

[192] Es handelt sich um das Haus Dar An-Nadwa, das Qusai Bin Kilab gehörte und in dem die Quraisch alle politischen und militärischen Angelegenheiten berieten. (Ibn Hischam, S. 221).

[193] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 153; Ibn Hischam, S. 221–222.

[194] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 154; Ibn Hischam, S. 222.

[195] „Ya-Sin! Beim weisen Koran! Du bist wahrlich einer der Gesandten, auf einem geraden Weg. (Er ist) die Offenbarung des Allmächtigen und Barmherzigen, damit du ein Volk warnst, dessen Väter nicht gewarnt wurden, so dass sie (gegenüber allem) unachtsam sind. Das Wort ist ja gegen die meisten von ihnen unvermeidlich fällig geworden, so glauben sie nicht. Gewiss, Wir haben um ihre Hälse Fesseln gelegt. Sie reichen bis zum Kinn, so dass sie den Kopf hochhalten (müssen). Und Wir haben vor ihnen eine Sperrmauer errichtet und (ebenso) hinter ihnen eine Sperrmauer und sie so überdeckt, dass sie nichts sehen (können).“ (Koran 36:1–9).

[196] At-Tabari II/S. 374; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.

[197] Koran 8: 30, 3: 54, 27: 50, 52: 30–31; Ibn Hischam, S. 223.

[198] Tafsir Ibn Kathir Bd. 4

[199] Ibn Hischam, S. 225.

[200] Sahih Buchari 554; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.

[201] Sahih Buchari 516, 558; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.

[202] Ibn Hischam, S. 226; Baghawi in Sharhus Sunna 7/106; Sahih Buchari 3906, Addurra Almudhi’a von Al-Maqdisi.

[203] Koran 28: 85.

[204] Ibn Hischam, S. 227: Dies geschah an einem Montag, dem 23. September 622. Auch der Geburts- und Sterbetag Muhammads war ein Montag. Zudem pflegte der Prophet montags zu fasten.

Hassan Bin Thabit sagte, er sei 7 Jahre alt gewesen, als ein Jude in Medina von seinem Dach lautstark verkündete, dass in jener Nacht der Stern des Ahmad, des „Hochgepriesenen“, erschienen sei.

Ibn Ishaq schreibt, er habe seinen Enkelsohn Said Bin Abdurrahman Bin Hassan Bin Thabit gefragt, wie alt Hassan gewesen sei, als der Prophet nach Medina auswanderte. Er sagte, er sei 60 gewesen. Muhammad war mit 53 Jahren ausgewandert. (Ibn Hischam, S. 77).

[205] Baghawi in Sharhus Sunna 7/106.

[206] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad und Abdullah Bin ‘Amr berichtet: „Ein Mann fragte den Propheten: ‚In welcher Weise kann man den Islam am besten leben?‘ Der Prophet sagte: ‚Indem du andere speist und jeden mit dem Friedensgruß (Salam) grüßt; den du kennst, und den du nicht kennst!‘“ (Sahih Buchari 6236).

[207] Berichtet von Tirmidhi, Ibn Madscha und Ad-Darimi, Mischkat Al-Masabih 1, S. 168; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 177.

[208] Al-Wada'i in Sahihu Dala´il An-Nubuwwa 84; Ibn Kathir in Albidaya Wannihaya 2/292; Ibn Hischam S. 100–104; At-Tabaqat Al-Kubra IV/S. 75–80; Albani in Assilsila Assahiha 2/556.

[209] Zu dieser Zeit hieß die Stadt noch Yathrib. Erst nach der Gründung des islamischen Staates wurde sie Medinatu-ﷺ‬-Rasul (die Stadt des Propheten), kurz Medina, genannt.

[210] Abu Ayyub Chalid Bin Zaid hatte beim zweiten Treffen in Al-Aqaba den Treueid geschworen. (Ibn Hischam, S. 229–231).

[211] Nach ihrem Tod fasste Aischa ihre Meinung über Sauda in den Worten zusammen: „Es gibt unter den Menschen niemanden, den ich wegen seines Charakters mehr liebe als Sauda, obwohl sie etwas Schärfe hatte.“

[212] Vom Propheten selbst ausgebildet, galten seine Frauen bei der weiteren Vermittlung der islamischen Lehre als sachkundige Lehrerinnen für Frauen und Männer. Ihre Wohnräume und die Moschee waren Ausbildungsstätten für muslimische Frauen. Sie waren die ersten Theologinnen und Überlieferinnen – nicht nur für ihre Zeit, sondern für die gesamte islamische Welt bis heute. Der Koran bezeichnet jede von ihnen als „Mutter der Gläubigen“. Allein Aischa überlieferte zuverlässig mehr als 2200 Aussagen des Propheten.

[213] Eine der Aussagen des Propheten zum Thema Umwelt: „Wenn jemand ein Bäumchen pflanzt, schreibt ihm Allah so viel Lohn zu, wie der Baum Früchte trägt.“ (Überliefert durch Ahmad Ibn Hanbal).

[214] Dieses Prinzip überlieferte die Frau des Propheten, Aischa, in einem Hadith: „Jedes Mal, wenn der Gesandte Allahs zwischen zwei Dingen wählen konnte, nahm er das Leichtere, solange es keine Sünde war.“ Siehe Sahih Buchari 3560, Sahih Muslim 2327 und den bekannten Hadith: „Macht alles leicht und erschwert nichts. Verbreitet gute Botschaften und erschreckt die Leute nicht.“ (Sahih Buchari 69; Sahih Muslim 1734).

[215] „Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden.“ (Koran 2: 256). Dies ist sowohl das Verbot, in Glaubensfragen Gewalt anzuwenden, als auch die Feststellung, dass solcher Zwang ein untauglicher Versuch wäre. (Vgl. Der Koran, Übersetzung von Max Henning, Überarbeitung von Murad Hofmann).

[216] Ibn Hischam, S. 232–234.

[217] Nachdem er den Islam angenommen hatte, nannte der Prophet ihn Abdullah. Ibn Hischam, S. 240–241.

[218] Ibn Ubay Ibn Salul war ein mächtiger Mann in Medina. Nach dem Krieg zwischen den Aws und den Chazradsch war er es, auf den sich die Stämme als König geeinigt hatten. Die Ankunft des Propheten in Medina verhinderte jedoch, dass er König wurde. Ibn Salul fühlte sich daher seiner Königswürde beraubt. Diejenigen, die ihn als ihr Oberhaupt sahen, pflegten sich bei ihm zu treffen.

[219] Bei der Schlacht von Bu‘ath – einem Ort in der Nähe von Medina – hatten beide Stämme große Verluste zu beklagen. Am Ende siegten die Aws. Die Schlacht fand wenige Jahre vor der Hidschra, der Auswanderung des Propheten, statt und belastete noch immer das Verhältnis zwischen Aws und Chazradsch.

[220] Ibn Hischam, S. 245.

[221] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 216; Ibn Hischam, S. 261–262.

[222] Ibn Hischam, S. 236.

[223] Ibn Hischam, S. 236–237.

[224] Koran 22: 39–40. Das bedeutet nicht, dass der Islam den Kampf zur Selbstverteidigung und zur Freiheit des Glaubens gegen Tyrannei und Unterdrückung damals ablehnte – vielmehr machte er sie zur Pflicht, zum Teil der Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Allerdings verurteilte er damals wie heute und zu jeder Zeit den Angriffskrieg, der nur als letztes Mittel angewendet werden soll: „Und überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht.“ (2:190). Menschen mit unlauteren Absichten versuchen immer wieder, Verse aus dem Zusammenhang zu lösen, indem sie sagen, im Koran stünde:(...) Und kämpft gegen sie (…).“ Sie lassen die Verse davor und danach weg, so dass der Inhalt verfälscht wird.

[225] Koran 2: 193. Es heißt auch: damit es keine Verfolgung mehr gibt.

[226] Koran 2: 190.

[227] Koran 86: 17.

[228]Abu Dawud: Bab Khabar An-Nadhir II/S. 124; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 182. Kurz zuvor war Saad Bin Mu’adh in Mekka bei seinem Freund Umayya gewesen, um die kleine Pilgerfahrt zu machen. Abu Dschahl sah ihn mit Umayya und sagte, wenn er nicht mit ihm zusammen gewesen wäre, hätte er ihn nicht lebend nach Hause gehen lassen. Saad antwortete mit lauter Stimme, wenn er dies tue, würde er ihm auch den Weg Richtung Medina abschneiden. Wahrscheinlich meinte er die Karawanenstraße nach Syrien. (Sahih Buchari: Kitab Al-Maghazi II/S. 593).

[229] Sahih Buchari 2885; Fath Al-Bari VI/S. 95 und H 7231; Sahih Muslim, Kitab Fadail As-Sahaba; Fadl Saad Bin Abi Waqqas; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 183.

[230] Koran 5: 67.

[231] Ibn Hischam, S. 289–291.

[232] Ein Dirham (griechisch: Drachme) war eine Silbermünze, die als Währung auf der arabischen Halbinsel verwendet wurde, und ein Dinar war eine Goldmünze.

[233] Ibn Hischam, S. 290–291.

[234] Al-Miqdad Bin ‘Amr wurde auch Ibn Al-Aswad genannt. Er war ein mutiger Mann, der zu den Ersten gehörte, die gegenüber den Quraisch offen bekannten, dass sie Muslime geworden waren. Er war ein guter Freund Alis.

[235] Koran 5: 24 und Ibn Hischam, S. 293: „Der Prophet zieht seine Gefährten zu Rate“.

[236] Koran 5: 24 und Ibn Hischam, S. 294.

[237] Hamza, Zaid, Abu Kabscha und Anasa ritten abwechselnd auf einem Kamel und auch Abu Bakr, Umar und Abdurrahman Bin Awf teilten sich ein Kamel. (Ibn Hischam, S. 292).

[238] Badr ist der Name einer bekannten Wasserstelle und war der Platz einer der Märkte der Araber, wo sie sich alljährlich trafen, um Handel zu treiben. (Ibn Hischam, S. 295).

[239] Saad Bin Abi Waqqas stammte aus einem angesehenen Hause des Stammes der Bani Zuhra. Er war schon in jungem Alter Muslim geworden. Saad war gut im Herstellen von Bögen und zudem ein guter Pfeilschütze.

[240] Es waren diese Stammesführer der Quraisch: Utba Bin Rabi‘a, Schayba Bin Rabi‘a, Abu Al-Bachtari Bin Hischam, Hakim Bin Hizam, Naufal Bin Chuwaylid, Harith Bin ‘Amir Bin Naufal, Tu‘ayma Bin ‘Adi Bin Naufal, Nadir Bin Harith, Zama’a Bin Aswad, Abu Dschahl Bin Hischam, Umayya Bin Chalaf, Nabih und Munabbih, die zwei Söhne des Al-Hudschadsch, Suhail Bin ‘Amr und ‘Amr Bin Abd Wud. (Ibn Hischam, S. 294–295).

[241] Ibn Hischam, S. 295.

[242] Achnas Bin Schariq Bin ‘Amr Bin Wahb Ath-Thaqafi war ein Verbündeter der Sippe Bani Zuhra, mit denen er gekommen war. Es gelang ihm, die Bani Zuhra zu überzeugen, Abu Dschahl nicht zu folgen, und dass dieser Krieg keinen Sinn hatte. Die Bani Zuhra folgten seinem Rat und kehrten nach Mekka zurück. (Vgl. Ibn Hischam, S. 296).

[243] Im Arabischen heißt es „Nafachat Sahru“, was wortwörtlich übersetzt heißt „Seine Lunge ist angeschwollen“.

[244] D. h., dass ihre Zahl sehr gering ist.

[245] Koran 8: 10–16.

[246] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 199; Ibn Hischam, S. 299; Assilsila Assahiha von Albani 6/808.

[247] Ibn Hischam, S. 300; Sahih Buchari.

[248] Koran 8: 11.

[249] Ubayda Bin Al-Harith war der Vetter des Propheten. Er war zehn Jahre älter als der Prophet.

[250] Buchari 3763.

[251] Als sie eines Tages den Propheten bat – noch bevor er die erste Offenbarung empfing – für ihren Neffen eine Frau zu suchen, gab er ihm seine Tochter Zaynab. Nachdem Allah Muhammad mit dem Prophetentum beauftragt hatte, glaubten Chadidscha und seine Töchter an ihn. Abul-As aber blieb in seinem alten Glauben, obwohl er Muhammad nie verleumdete, wie er Zaynab gegenüber oft erwähnte. Aber nur, damit man nicht sagte, er folge seiner Frau und nicht seinem Stamm, wollte er den Islam nicht annehmen. Der Prophet hatte auch seine Töchter Ruqayya und Umm Kulthum mit Utba und Utayba, den Söhnen Abu Lahabs, verlobt. Als er öffentlich den Islam verkündete, sich gegen die menschenverachtenden Taten der Quraisch wandte und sich der Tyrannei widersetzte, sprachen diese untereinander: „Wir entlasteten Muhammad von der Fürsorge für seine Töchter, jetzt überlassen wir sie ihm wieder, damit er sich selbst um sie kümmere!“ Sie gingen zu Abul-As und sagten: „Verlasse deine Frau! Wir besorgen dir die Frau von den Quraisch, die du willst.“ „Nie würde ich so etwas tun, und ich will an ihrer Stelle auch keine andere von den Frauen der Quraisch“, entgegnete er, und der Prophet lobte ihn stets dafür. Die Quraisch machten Utba den gleichen Vorschlag. Utba sagte: „Wenn ihr mir die Tochter des Abban Bin Said Bin Al-As oder die Tochter des Sa’id Bin Al-As gebt, werde ich meine Verlobung auflösen.“ Sie gaben ihm die Tochter des Sa’id. Die Tochter des Propheten, Ruqayya, aber entließ er, ohne ihr beigewohnt zu haben. Die Muslime sagten: „So befreite Allah sie aus seiner Hand, ihr zur Ehre und ihm zur Schande.“ Danach heiratete sie Uthman Bin Affan. (vgl. Ibn Hischam, S. 312).

[252] Ibn Hischam, S. 298–304.

[253] Umayya, der den schwarzen Bilal gefoltert hatte.

[254] Ibn Hischam, S. 307; As-Sira An-Nabawiyya fi Dhaw‘ Al-Quran was-Sunna, Dr. Muhammad Ibn Muhammad Abu Schahba, Seite 164-167.

[255] Die Muslime teilten nicht nur ihr Essen und ihre Wohnungen mit den Gefangenen, sondern gaben ihnen das Beste, was sie an Essen hatten. Imam Tabarani berichtet von Abu Aziz Bin Umayr: „Ich war ein Badr-Gefangener. Der Prophet hatte seine Gefährten darum gebeten, die Gefangenen gut zu behandeln. Ich war bei den Ansar und als diese nur trockene Datteln aßen, gaben sie mir das beste Essen.“ Ähnlich äußerte sich Abul-As.

[256] As-Sira An-Nabawiyya fi Dhaw‘ Al-Quran was-Sunna, Dr. Muhammad Ibn Muhammad Abu Schahba, Seite 164-167.

[257] Sahih Buchari und Sahih Muslim, Mischkat Al-Masabih II/S. 345; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 207; At-Tabaqat Al-Kubra Bin Saad IV/V, 67–68.

[258] Ibn Hischam, S. 310.

[259] Dass eine Frau wegen ihres Kamels, er aber um seine Söhne nicht weinen durfte, darüber verfasste Aswad ein bekanntes Gedicht, das bei Ibn Hischam auf S. 310 zu lesen ist. Sein Sohn Zam‘a war einer der Gegner des Boykotts gewesen, der seinerzeit über die Muslime verhängt worden war, dennoch kämpfte er bei Badr gegen sie und wurde getötet. (Ibn Hischam, S. 310–311).

[260] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 207.

[261] Nicht nur ‘Amr wurde in die Freiheit entlassen – auch Abul-As, Muttalib Bin Hantab, Sayfi, Abu Azza und viele andere. In einem Gedicht bringt Abu Azza die Güte und Freundlichkeit Muhammads und die Rechtleitung und Vernunft seiner Religion zum Ausdruck. Das Gedicht „Abu Azza“ sowie die Namen der Gefangenen, die die Muslime ohne Bedingungen freiließen, sind bei Ibn Hischam auf S. 312 und 316 zu lesen.

[262] Ibn Hischam, Band 1, S. 654. Zu den Details der Geschichte siehe die Fußnote auf derselben Seite.

[263] Ibn Hischam, S. 313–315.

[264] Sahih Muslim 2775; Sahih Buchari 6204.

[265] Sahih Muslim, S. 36, 176.

[266] Der Sohn von Umair war einer der Gefangenen von Badr.

[267] Safwan war der Sohn von Umayya, Bilals ehemaligem Herrn. Er und Umair gehörten zu den schlimmsten Gegnern des Propheten. Wegen der Schlacht von Badr sannen beide auf Rache. (Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 214).

[268] Ibn Hischam, S. 317.

[269] Ibn Hischam, S. 317.

[270] Wegen des Weizenbreis, den die Quraisch abgeworfen hatten, wurde dieser Feldzug Muhammads der „Weizenbrei-Feldzug“ genannt. (Ibn Hischam, S. 367).

[271] Diese Truppe setzte sich aus Mitgliedern der kleineren Stämme zusammen, die außerhalb Mekkas lebten. Sie wurde gegründet, um den kleineren Stämmen mehr militärische Macht gegenüber den Quraisch zu geben. Im Laufe der Zeit und wegen des Konflikts mit dem Propheten verbündeten sie sich mit den Quraisch.

[272] Ar-Rahiq Al-Machtum, Fath Al-Bari, 7/350.

[273] Ar-Rahiq Al-Machtum.

[274] Eine rote Binde, die er zu tragen pflegte, um zu zeigen, dass er nicht zurückweichen würde, egal was auf ihn zukäme.

[275] Ibn Hischam, S. 381.

[276] Buchari 4072; Sahih Ibn Habban 7017.

[277] Ar-Rahiq Al-Machtum, Buchari 4043, 3039.

[278] Chalid war der Sohn des bekannten Gegners des Propheten Al-Walid Bin Al-Mughira, einem der reichsten Mekkaner. Er gehörte zu den Bani Machzum. Chalid war für seine Klugheit und seinen Mut bekannt. Er gehörte zu den fähigsten militärischen Führern der Quraisch.

[279] Nasiba, die Tochter des Ka’b.

[280] „Fidak Abi wa Ummi!” Dies darf natürlich nicht wortwörtlich verstanden werden, sondern es ist im Arabischen ein Ausdruck größter Liebe und Wertschätzung. Sahih Buchari V/S. 124; Ibn Hischam, S. 388.

[281] Hubal war der Hauptgott unter den 360 Gottheiten, die in der Kaaba und um sie herum standen. Bei ihm wurden oft die Lospfeile geworfen.

[282] Als im folgenden Jahr zur verabredeten Zeit der Prophet mit seinen Gefährten in Badr wartete, waren die Götzendiener nur einige Stunden von Mekka entfernt und trauten sich nicht, anzugreifen. Abu Sufyan hatte Nu‘aim Bin Mas’ud zwanzig Kamele versprochen, wenn er es schaffte, Muhammad zu überreden, nicht nach Badr zu ziehen, was ihm jedoch nicht gelang. So bereiteten sie sich weiterhin vor, um eine große Schlacht gegen die Muslime zu führen.

[283] Koran 16: 126–127.

[284] Zu den Details der Schlacht von Uhud siehe Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 225–255.

[285] Aischa berichtet, dass Abu Bakr eines Tages zum Propheten kam und dann Umar; der Prophet änderte seine Sitzstellung nicht. Dann kam Uthman, und Muhammad richtete seine Kleider und seine Sitzstellung. Als sie weg waren und Aischa nach dem Grund fragte, antwortete der Prophet, wie könne er sich vor einem Mann nicht schämen, vor dem die Engel sich schämen. Abu Huraira berichtete: „Der Prophet sagte: Der Glaube besteht aus mehr als siebzig Bestandteilen, und die Schamhaftigkeit (Haya´) ist einer der Bestandteile des Glaubens“. (Sahih Muslim, Hadith 50).

[286] Sahih Buchari 4005.

[287] Chaibar ist eine Oasenstadt etwa 150 Kilometer nördlich von Medina.

[288] Zu diesen Ereignissen wurde die Sure 59 herabgesandt.

[289] Die Bani Wa’il waren einer der Stämme, die Medina bewohnten, sie gehörten zu den Aws, stellten sich aber in der Grabenschlacht gegen ihre Stammesgenossen.

[290] Über sie hat Allah in Medina diese Koranverse offenbart: „Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie glauben an Zauberei und Götzen, und sie sagen von den Ungläubigen: ‚Sie sind in der Lehre besser geleitet als die Gläubigen.‘ Diese sind es, die Allah verflucht hat; und für den, den Allah verflucht, wirst du keinen Helfer finden.“ (Koran 4: 51–55).

[291] Nadschd ist das Gebiet in der Mitte der Arabischen Halbinsel.

[292] Die Bani Ghatafan waren ein großer Stammesverbund im Nadschd.

[293] Die Quraisch wurden von Abu Sufyan angeführt, die Bani Ghatafan von Uyayna Bin Hisn. (Ibn Hischam, S. 453).

[294] Bint Baschir Bin Sa’d berichtet: „Meine Mutter ‘Amra Bint Rawaha gab mir eine Handvoll Datteln und sagte: ‚Geh zu deinem Vater und deinem Onkel und bringe ihnen dies als Mittagessen!‘ Als ich mit den Datteln beim Propheten vorbeiging, rief er: ‚Komm, Töchterchen! Was hast du bei dir?‘ ‚O Gesandter Allahs, das sind Datteln, das Mittagsessen meines Vaters und meines Onkels.‘ ‚Bring sie hierher!‘, bat mich der Prophet. Es waren so wenige, dass sie seine Hände nicht ausfüllten. Er legte die Datteln auf ein Gewand und bat jemanden in seiner Nähe: ‚Rufe die Leute des Grabens, sie sollen zum Mittagessen kommen!‘ Sie kamen herbei und begannen zu essen, während sich die Datteln immer wieder vermehrten, bis alle satt waren, und von den Seiten des Gewandes fielen die Datteln weiter herunter.“ (Ibn Hischam, S. 454–455).

[295] Ibn Ishaq sagte, als diese Regionen tatsächlich zu Umars und Uthmans Zeit befreit wurden, pflegte Abu Huraira zu sagen: „Nehmt ein, was auch immer ihr einnehmt, ihr werdet bis zum Jüngsten Tag keine Stadt einnehmen, die nicht Allah schon vorher dem Propheten Muhammad versprochen hat.“ (Ibn Hischam, S. 455).

[296] Die Länge des Grabens betrug 3,5 km, seine Breite mehr als 6 m und seine Tiefe 5-7 m.

[297] Ihr Zeichen bestand darin, dass sie ihn grüßten und sprachen: „Udhal und Qara“, womit sie auf den Verrat von Udhal und Qara hinwiesen, den diese einst bei dem Brunnen Radschi‘ an Chubayb und seinen Gefährten begingen. (Ibn Hischam, S. 456).

[298] Mu’attib Bin Quschayr vom Stamm der Bani ‘Amr, der sich auch an der Schlacht von Badr beteiligt hatte, sagte: „Muhammad hatte uns doch versprochen, wir würden die Schätze Chosraus und Cäsars bekommen, während wir heute nicht einmal unsere Notdurft verrichten können.“ (Ibn Hischam, S. 456–457) Über diese Angst offenbarte Allah die folgenden Verse: „Als sie von oben und von unten her über euch kamen, und als die Augen rollten und die Herzen in die Kehle stiegen und ihr verschiedene Gedanken über Allah hegtet: Damals wurden die Gläubigen geprüft, und sie wurden in heftigem Maße erschüttert. Und da sagten die Heuchler und die, in deren Herzen Krankheit war: ‚Allah und Sein Gesandter haben uns nur Trug verheißen.‘ Und alsdann sagte eine Gruppe von ihnen: ‚O ihr Leute von Yathrib! Ihr könnt (ihnen) nicht standhalten, darum kehrt zurück.‘ Und ein Teil von ihnen bat den Propheten um Erlaubnis und sagte: ‚Unsere Wohnungen sind schutzlos.‘ Und sie waren nicht schutzlos. Sie wollten eben nur fliehen. Und wenn der Zutritt gegen sie von allen Seiten her erzwungen würde, und wenn sie dann aufgefordert würden, (vom Islam) abzufallen, wären sie darauf eingegangen und hätten dabei wenig gezögert.“ (Koran 33: 10–14).

[299] At-Tabaqat Al-Kubra II, S. 53; Almaghazi, S. 487.

[300] Ibn Madscha, Nr. 2833 und 2834; Ibn Hischam, S. 460.

[301] Hudhayfa Bin Al-Yaman wurde in Mekka geboren. Wegen einer Blutrache war sein Vater Al-Yaman nach Yathrib geflüchtet. Er gehörte zu der Delegation aus Medina bei Al-Aqaba. Seine ganze Familie konvertierte zum Islam. Hudhayfa war ein enger Vertrauter des Propheten, nur ihm vertraute dieser die Namen der Heuchler an.

[302] Ibn Hischam, S. 462, Musnad Ahmad, Nr. 22823.

[303] Ibn Hischam, S. 462.

[304] Ibn Hischam, S. 472.

[305] Ibn Hischam, S. 463–464.

[306] Siehe Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 278–281. Anlässlich der Grabenschlacht wurde die Sure 33 offenbart, die unter anderem auch den Verlauf der Schlacht und das Leiden der Muslime schildert.

[307] Ibn Hischam, S. 513–514.

[308] Ibn Hischam, S. 658, Sahih Buchari, Nr. 4372. Thumama Bin Athal war ein mächtiger Stammesfürst aus dem Nadschd, der dem Propheten den Krieg erklärt hatte, obwohl er ihn selbst noch nicht kannte.

[309] Koran 41: 34.

[310] Talbiya: das Aussprechen der Formel: „Labbayk Allahumma labbayk! – Hier bin ich, o Allah, zu deinen Diensten!“ Mit dieser Formel kommt zum Ausdruck, dass der Mensch dem Ruf Allahs zu Seinen Stätten folgt.

[311] Ibn Hischam, S. 315–316; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 285.

[312] Ihr vollständiger Name war Chansa’ Bint Chaddam Bin Chalid Al-Ansariya Al-Ausiyya. Buchari 5138; Mawta´ 367; Taqribul Tahthib T 11638; As-Sunan Al-Kubra von Baihaqi 7/119.

[313] Sahih Buchari 101, 102, 1249, 7310; Sahih Muslim 2633; Sahih Ibn Habban 226.

[314] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 289.

[315] Ibn Hischam, S. 491; Sahih Muslim 2782.

[316] Ibn Hischam, S. 491. Umar sagte später, dass er gemerkt hatte, dass die Entscheidung des Propheten mehr Segen brachte, als die seine es getan hätte. (Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 292).

[317] Ibn Hischam, S. 493–496; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 291. Joseph litt unschuldig. Zuerst unter seinen Brüdern, dann unter Potiphars Frau und schließlich im Gefängnis.

[318] Ibn Hischam, S. 496. Die herabgesandten Verse sind 24: 11–12; 15–17.

[319] Koran 24: 22.

[320] Ibn Hischam, S. 497; Sahih Buchari 2637, 2879, 4025, 4690, 4750, 6662, 6679, 7369, 7500, 7545; Sahih Muslim 2770.

[321] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 294.

[322] In den vier heiligen Monaten des islamischen Kalenders waren und sind jegliche Kampfhandlungen verboten, ebenso in dem geschützten Bezirk rund um die Kaaba.

[323] Asfan ist eine Ortschaft etwa 60 km nordöstlich des heutigen Dschidda.

[324] Eines der Täler in der Nähe Mekkas.

[325] Ein Ort im Süden Asfans.

[326] Ahmad 18930, dazu sagte Schu'aib Al-Arnaut: eine hassan (gute) Überlieferungskette; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 296.

[327] Ein Stamm aus Asfan.

[328] Vgl. den Feldzug Abrahas gegen die Kaaba, als Allah den Elefanten niederknien ließ.

[329] Ibn Hischam, S. 499–500; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 296.

[330] Hulais Bin Alqama gehörte zu den Bani Al-Harith Bin Abd Manat aus dem Großverband der Kinana und war damals der Führer der Ahabisch. (Ibn Hischam, S. 501; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 96).

[331] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 97.

[332] Hier gab es noch zwei Zwischenfälle: Als der Prophet den Gefährten Charrasch Bin Umayya Al-Chuza‘i mit einem seiner eigenen Reitkamele, das Thalab genannt wurde, zu den Quraisch schickte, um ihnen die Friedensbotschaft zu überbringen, geschah Folgendes: In Mekka angekommen überfiel Ikrima, der Sohn Abu Dschahls, den Botschafter und schnitt dem Kamel die Kniesehnen durch. Hulais rettete Charraschs Leben und schickte ihn zum Propheten zurück. Ikrima und einigen Quraischiten war dieses Friedensabkommen ein Dorn im Auge, und sie wollten alles tun, um es zu verhindern. Der zweite Zwischenfall: Während Uthman als Botschafter in Mekka war und die Quraisch ihn warten ließen, sprach es sich herum, dass man ihn getötet habe, weshalb der Prophet und seine Gefährten schon daran dachten, etwas gegen sie zu unternehmen. Es dauerte jedoch nicht lange und die Nachricht wurde dementiert. (Ibn Hischam, S. 502–503; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 298).

[333] In solchen kontroversen Angelegenheiten war der Prophet pragmatisch und tolerant. Während der Vertrag von Hudaibiya aufgesetzt wurde, diktierte er zunächst die Worte: „Dies ist von Muhammad, dem Gesandten Allahs.“ Als die Delegation der Quraisch gegenüber dieser Formulierung Einwände vorbrachte, ließ er sie kurzerhand streichen und wies den Schreiber an, einfach zu schreiben „Von Muhammad, dem Sohn Abdullahs“.

[334] Nach dem Tod ihres Mannes hatte Muhammad Umm Salama um ihre Hand gebeten. Ihre anfänglichen Bedenken, dass sie eine große Familie habe und auch nicht mehr jung sei, konnte er zerstreuen. Sie heirateten und er sorgte fortan für sie und ihre Kinder.

[335] Sahih Buchari 2731, 2732; Musnad Ahmad IV/S. 326, 332; Sahih Muslim 1783–1786, 1409–1413.

[336] Koran 48: 1.

[337] Das ist die Aussage von Al-Zuhri über den Friedensvertrag von Hudaibiya. (Ibn Hischam, S. 506).

[338] Später sagte Umar immer wieder darüber: „Wegen meines Benehmens dem Propheten gegenüber habe ich immer wieder Almosen gegeben, gefastet, gebetet und Sklaven freigelassen, bis ich glaubte, ich hätte es wiedergutgemacht.“ (Ibn Hischam, S. 503–504; Buchari I/S. 378, 381, II/S. 598; Sahih Muslim II/S. 104–106; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 302).

[339] Koran 2: 256. Über die Freiheit der Religion steht in einem anderen Vers: „Und sag: (Es ist) die Wahrheit von eurem Herrn. Wer nun will, der soll glauben, und wer will, der soll ungläubig sein.“ (Koran 18: 29).

[340] Sein richtiger Name war Utba Bin Usayd Bin Dscharidscha, vom Stamme der Thaqif. Er war ein Verbündeter der Quraisch, die ihn jedoch einsperrten, nachdem er Muslim geworden war.

[341] Die Ereignisse um Abu Busair finden sich in: Ibn Hischam (Ausgabe des Dar-Al-Ma‘rifa-Verlags, Beirut), S. 323–324; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 302.

[342] Ibn Hischam, S. 518–519; Tabaqat Ibn Saad I/IV, 157–159; Al-Waqidi 702–705 II. Hadschadsch gehörte zu den Bani Sulaim, einem Stamm, der den Hidschaz und den Nadschd bewohnte. Er hatte sich in Medina niedergelassen und wurde zu ihren Einwohnern gezählt.

[343] Ibn Hischam, S. 518–519.

[344] Ibn Hischam, S. 517–518.

[345] Ibn Hischam, S. 513.

[346] At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad VIII/S. 123.

[347] Ibn Hischam, S. 518.

[348] Ibn Hischam, S. 277; Al-Waqidi II/S. 742–744; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 302. Die ganze Geschichte erzählt ‘Amr selbst, sie wird von Yazid Bin Abi Habib bei Ibn Hischam überliefert.

[349] Sahih Al-Targhib von Albani 1097.

[350] Ibn Hischam, Band 2, S. 278; Sahih Muslim, S. 121 in Bab Al-Iman. Über die Verzeihung Allahs wurden viele Koranverse offenbart, z.B. 39: 53: „Sprich: ‚O meine Diener, die ihr euch gegen eure eigenen Seelen vergangen habt, verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit; denn Allah vergibt alle Sünden; Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.‘“ Und in 2: 186: „Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“

[351] Irwa´ Al-Ghalil von Albani 5/121.

[352] Der Patriarch von Alexandria, der zugleich Statthalter des oströmischen Kaisers war.

[353] Chosrau II regierte Persien bis 628 n. Chr.

[354] Der alte, einst christliche, Negus, zu dem die frühen Muslime geflüchtet waren, hatte den Islam angenommen. Als er gestorben war, betete Muhammad für ihn das Totengebet in Abwesenheit. Buchari 1317; Sahihu Ibn Habban 1774, 5544; At-Tirmidi 1022; Ibn Mascha 1258. Dieses Schreiben war an seinen Nachfolger gerichtet.

[355] Herakleios regierte das Oströmische Reich bis 641 n. Chr.

[356] Koran 2: 256.

[357] Zadul Mi‘ad II/S. 155.

[358] Einer anderen Überlieferung zufolge soll das römische Heer sogar 200.000 Mann umfasst haben.

[359] Sahih Buchari 4265; Auszüge aus: Gärten der Rechtschaffenen.

[360] In diesen zwei Jahren interessierten sich viele Völker der Region für den Islam. Unter den Delegationen waren auch sechzig Christen aus Nadschran, die ein Bündnis mit dem Propheten schlossen und den Schutz des islamischen Staates genossen. Während ihres Aufenthaltes erlaubte er ihnen, ihre Gebete in der Moschee, nach Osten gewandt, zu verrichten.

[361] „Die Byzantiner sind besiegt worden. Im nächstliegenden Land. Aber sie werden nach ihrer Niederlage siegen, in einigen Jahren. Allah steht die Entscheidung zu, vorher wie nachher. Und an jenem Tag werden die Gläubigen froh sein, über Allahs Hilfe. Er hilft wem Er will, und Er ist der Allmächtige und Barmherzige.“ (Koran 30: 2–5, offenbart zu Mekka) Anmerkung in der Übersetzung von Bubenheim und Elyas: „Die Byzantiner (Oströmer) wurden von den Persern geschlagen und verloren Damaskus (613) und Jerusalem (614). Diese Prophezeiung erfüllte sich, als Herakleios einen Feldzug gegen die Perser führte (622–627 n. Chr.) (1-5 n. H.), der mit einem großen Sieg bei Ninive endete (627). Die heidnischen Mekkaner sympathisierten mit den Persern, die Muslime hingegen mit den christlichen Byzantinern.“

Der Kaiser war im Jahre 629 n. Chr. nach Jerusalem gepilgert, um Gott für den Sieg über die Perser zu danken.

[362] Busra ist eine Stadt im Südwesten des heutigen Syriens.

[363] Sahih Buchari 7.

[364] „Sie nimmt immer noch ständig zu” ist die Antwort auf diese Frage während der gesamten 1400 Jahre – bis heute.

[365] Zakat, die Pflichtabgabe, welche die Wohlhabenden an Arme, Bedürftige und für bestimmte Situationen zu entrichten haben. Sie beträgt 2,5% des Besitzes eines jeden Menschen, dessen Vermögen eine gewisse Grenze überschreitet. Dies ist die dritte der fünf Säulen des Islam. Zakat bedeutet „Reinigung“ oder „Anwachsen“.

[366] Koran 3: 64

[367] Sahih Buchari I/S. 4; Sahih Muslim II/S. 97–99; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 308–309.

[368] Die ganze Geschichte befindet sich in folgenden authentischen Ahadith: Sahih Buchari 7, 51, 2681, 2804, 2941, 2978, 3174, 4553, 9580, 6260, 7196, 7541; Sahih Muslim 4607; Tirmidhi 2717; Abu Daud 5136.

[369] Ibn Hischam, S. 540. Auf derselben Seite steht das Gedicht von ‘Amr Bin Salim, das ausführlich über den Mord an den schlafenden Menschen berichtet.

[370] Vgl. Ibn Hischam, S. 541.

[371] Ibn Hischam, S. 542–543; Sahih Buchari I/S. 422; II/S. 612; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 343.

[372] Nicht zu verwechseln mit Abu Sufyan Bin Harb, dem Anführer der Quraisch.

[373] Ibn Hischam, S. 543, überliefert von Al-Hakim in Al-Mustadrak III/S. 43–44. In Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 344, wird weiter erwähnt, dass Ali dem Abu Sufyan Bin Al-Harith empfahl, zum Propheten zu gehen und ihm zu sagen, was Josephs Brüder zu Joseph gesagt hatten, wie es im Koran steht, nämlich: „Sie sprachen: ‚Bei Allah! Allah hat dich vor uns ausgezeichnet. Wir aber waren wahrlich Sünder.‘“ Abu Sufyan Bin Al-Harith tat dies, und tatsächlich, der Prophet antwortete, wie es im Koran steht: „Er sprach: ‚Kein Tadel treffe euch heute! Allah möge euch verzeihen. Er ist ja der Barmherzigste der Barmherzigen.‘“(Koran 12: 91–92).

[374] Tulub ist eine Wasserquelle zwischen Medina und Mekka, siehe Fußnote Al-Waqidi, S. 804.

[375] Al-Waqidi II/S. 804.

[376] Hakim Bin Hizam war Chadidschas Neffe, der seinerzeit alles versucht hatte, die Quraisch zu überzeugen, nicht zu kämpfen, um die Schlacht von Badr zu verhindern (Ibn Hischam, S. 297–298).

[377] Budail Bin Warqa’ gehörte zur Delegation der Chuza’a, die dem Propheten von dem nächtlichen Angriff der Bani Bakr auf die Chuza’a berichtet hatte. Er war einer der Anführer der Bani Chuza’a.

[378] Ibn Hischam, S. 545; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 346.

[379] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 346; Al-Waqidi II/S. 820–823.

[380] Ibn Hischam, S. 545; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 347, überliefert von Al-Hakim in Mustadrak III/S. 47; Al-Waqidi II/S. 823–824.

[381] Al-Waqidi II/S. 826, 838–839.

[382] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 348.

[383] Ibn Hischam, S. 549; Tabaqat Ibn Saad II/S. 144-145.

[384] Koran 17: 81; Ibn Hischam, S. 551; At-Tirmidhi, Nr. 3137.

[385] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 394.

[386] Sie sahen derartige Verbote als Teil ihrer Religion an und führten sie auf Allahs angeblichen Befehl zurück. Im Koran weist Allah ihre Behauptungen zurück: „Und sie sagten: ‚Dieses Vieh und diese Feldfrüchte sind unantastbar; niemand soll davon essen, außer dem, dem wir es erlauben‘, wie sie meinten, und es gibt Tiere, deren Rücken (zum Reiten) verboten ist, und Tiere, über die sie nicht den Namen Allahs aussprechen und so eine Lüge gegen Allah erfinden. Bald wird Er ihnen vergelten, was sie erdichteten.“ (Koran 6: 138). Darüber hinaus hat der Koran auch das Irregehen derjenigen offengelegt, die für erlaubt erklären, was verboten sein sollte und für verboten erklären, was erlaubt sein sollte: „Den Schaden tragen wahrlich jene, die ihre Kinder aus törichter Unwissenheit töten und das für verboten erklären, was Allah ihnen gegeben hat und so eine Lüge gegen Allah erfinden.“ (Koran 6: 140).

[387] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 395.

[388] Damit sind die Stämme gemeint, die sich zum Kampf gegen den Propheten verbündet hatten. Siehe dazu das Kapitel „Die Grabenschlacht“.

[389] Koran 49: 13. Mann und Frau sind vor Allah sowohl in religiöser als auch geistiger Hinsicht gleichwertig. Rechte und Pflichten von Mann und Frau sind in Koran und Sunna offenbart: „Und die gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde. Sie gebieten, was Recht ist und verbieten, was verwerflich ist, verrichten das Gebet, geben die Zakat und gehorchen Allah und seinem Gesandten. Ihrer wird sich Allah erbarmen.“ (Koran 9: 71).

[390] Koran 12: 92; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 348; Al-Waqidi II/S. 835.

[391] Ibn Hischam, S. 546, überliefert von Haithamy in Madschma‘ Az-Zawai´d VI/S. 173.

[392] Al-Waqidi II/S. 850.

[393] Ibn Hischam, S. 552; Al-Waqidi II/S. 853–855.

[394] Al-Waqidi III/S. 874.

[395] Mit diesem schlichten Glaubensbekenntnis erklärte Muhammad, dass der Gott des Himmels und der Erde keinen Vermittler braucht, sondern von jedermann direkt angerufen werden kann.

[396] Ibn Al-Mulqin in Badrul Munir 9/153 hat dies als authentisch eingestuft; Al-Waqidi II/S. 851–852.

[397] Al-Waqidi II/S. 850, III/S. 874.

[398] Ab diesem Tag war Ikrima auf der ganzen Welt niemand lieber als Muhammad. Die offenbarten Verse aus dem Koran zeigten den Muslimen, wie sie ihre Gegner behandeln sollten, auch nachdem sie Macht über sie gewonnen hatten: „Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die schlechte) ab, dann wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund.“ (Koran 41:34).

[399] Al-Waqidi II/S. 850–853, III/S. 870–871. Ikrima hielt sich bis zu seinem Tode an sein Versprechen: Als die Muslime bei der Schlacht von Yarmuk gegen die Byzantiner in eine schwierige Situation gerieten, sagte er: „Überall habe ich den Gesandten Allahs bekämpft, soll ich jetzt, wo ich Muslim bin, fliehen?“ Er kämpfte weiter, bis er fiel. (At-Tabari IV/S. 36; Nadwi, S. 43).

[400] Ein Stammesverbund, zu dem unter anderen die Stämme Bani Thaqif, Bani Saad und Bani Ghazia gehörten. Die Hawazin waren ursprünglich aus dem Jemen gekommen und waren Nomaden. Sie bewohnten Taif und deren Umgebung.

[401] Malik Bin Awf war damals dreißig Jahre alt. Er war sehr ehrgeizig und sah für seinen Stamm, die Hawazin, die Möglichkeit, die Vormachtstellung in Arabien zu gewinnen.

[402] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 357.

[403] Stechdorn (Ziziphus).

[404] Abu Waqid Al-Laithi sagte: „Wir begleiteten den Gesandten Allahs auf dem Feldzug von Hunayn, kurz nachdem wir den Unglauben verlassen hatten und zum Islam gekommen waren. Die Götzendiener hatten einen Sidr-Baum, bei dem sie anzuhalten pflegten und an den sie ihre Waffen hängten, um von den Göttern Segen für ihre Unternehmungen zu erbitten. Sie nannten ihn „Dhat Al-Anwat“. Als auch wir an einem Sidr-Baum vorbeikamen, sagten wir: „O Gesandter Allahs, willst Du uns keinen Dhat Al-Anwat machen, genau wie ihren Dhat Al-Anwat?“ Allahs Gesandter sagte: „Allahu Akbar! Bei Dem in Dessen Hand meine Seele liegt, das ist der Weg der früheren Nationen; ihr habt da das Gleiche gesagt wie Bani Israel zu Musa: ‚Mache uns einen Götzen so wie ihre Götzen.‘ Er sprach: ‚Ihr seid ein unwissendes Volk. Wahrlich, diese Leute werden zerstört werden für das, was sie tun, und alles, was sie tun, wird vergeblich sein.‘ (Koran 7: 138). Sicherlich werdet ihr den Wegen derer folgen, die euch vorausgingen.“

[405] Das Tal von Hunayn liegt in der Nähe von Taif, auf dem Weg nach Mekka.

[406] Sahih Muslim 1776.

[407] Buchari 2864, 2874, 2930, 4315, 4316, 4317; Sahih Muslim 1775, 1776; At-Tirmidhi 1688.

[408] Zur Schlacht von Hunayn und der Belagerung Taifs siehe: Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 356–363; Ibn Hischam (Ausgabe des Dar-Al-Ma’rifa-Verlags, Beirut), Band 2, S. 437–500.

[409] Sahih Buchari II/S. 620; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 360; Ibn Hischam, Band 2, S. 485.

[410] Ein Ort nahe Mekka, von dem aus man in den Ihram (Weihezustand) eintritt, um die Umra oder die Hadsch zu vollziehen. Zu Beginn des Ihram wird die Pilgerkleidung angelegt und die Absicht zur Umra oder zur Hadsch gefasst.

[411] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 361; Ibn Hischam, S. 586; At-Tirmidhi, Nr. 4034.

[412] Ibn Hischam (Ausgabe des Dar-Al-Ma’rifa-Verlags, Beirut), Band 2, S. 485.

[413] Ibn Hischam, S. 591–592; Sahih Buchari II/S. 620, 621; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 362.

[414] Muhammad war nun Herrscher über sämtliche Stämme Arabiens und hätte sich jeden Luxus erlauben können. Reichtümer interessierten ihn jedoch nicht, es sei denn, um sie zu verschenken, einen Menschen damit glücklich zu machen oder um damit Frieden herzustellen. Er betrachtete sich selbst ausschließlich als bescheidenen Diener Allahs. In seinem Zimmer gab es nur eine einfache Schlafmatte und ein Schaffell. Die wenigen Kleider und Schuhe, die er brauchte, reparierte er selbst. Er kümmerte sich weiterhin selbst um die Versorgung seiner Familie, so wie er es immer getan hatte. Allen Menschen begegnete er mit Liebe und Fürsorge. Wie früher schon, legte er sich nie schlafen, bevor er nicht seinen letzten Dinar an die Armen verteilt hatte. Oft hungerte er, denn häufig war jemand anders da, der dringend etwas zu Essen benötigte.

[415] Tabuk ist eine Stadt im Norden des heutigen Saudi-Arabien.

[416] Zu den Details des Feldzugs nach Tabuk siehe Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 368–375 und Ibn Hischam, S. 597–602.

[417] Sahih Buchari.

[418] Musnad Ahmad Bin Hanbal V/S. 391, Schuayb Al-Arnaut: Überlieferung authentisch. Aischa sagte: „Ich habe niemanden gesehen, der besser ist als Fatima, außer ihren Vater.” Al-Isaba, Ibn Hajar Al-Asqalani 4/378; Majma’ Al-Zawa’id von Al-Haithami; Durr Assahaba, Asch-Schawkani 216.

[419] Einige Berichte sprechen von 100.000 Menschen, die an dieser Pilgerfahrt teilnahmen, einem Ereignis, welches sich fortan ohne den Propheten jährlich wiederholen und beständig vergrößern sollte. Heute beteiligen sich daran jedes Jahr bis zu fünf Millionen Muslime, Männer und Frauen, und von vielen wird es als die größte jährliche internationale Friedensversammlung betrachtet.

[420] Buchari 1739; Albani in Fiqh Assira und in vielen verschiedenen Ahadit in Sahih Muslim; At-Tirmidhi 3087.

[421] Die Abschiedspredigt ging wie folgt weiter: „Jeder Wucher/Zins ist ungültig, doch steht euch euer Kapital zu, ohne dass ihr Unrecht tut oder euch Unrecht getan wird. Allah entschied, dass es keinen Wucher geben soll, und aller Wucher seitens Abbas Bin Abdul-Muttalib ist ungültig. Alle Blutrache aus der vorislamischen Zeit der Unwissenheit ist ungültig, und die erste Blutrache, die ich für ungültig erkläre, ist die Blutrache für Ibn Rabi‘a Bin Al Harith Bin Abdul-Muttalib.“ Im Zuge seiner Gerechtigkeit machte Muhammad zuerst die Blutrache und den Wucher seiner eigenen Verwandten ungültig und verkündete nach dem koranischen Motto „Und wir haben ja die Kinder Adams geehrt, ...“ die Unantastbarkeit der menschlichen Würde. (Koran 17: 70) Vor dem Islam waren alle Stämme verfeindet; er vereinte ihre Herzen, beseitigte die Tradition der Rache und setzte Grundsteine für die menschliche Zivilisation. „... Und keine beladene Seele trägt die Last einer anderen Seele ...“ (Kein Mensch trägt die Schuld eines anderen Menschen.) (Koran 17: 15).

[422] Ibn Hischam, S. 641; Sahih Muslim I/III, S. 97.

[423] Koran 5:3. Der gesamte von Allah offenbarte Text des Korans war nun vollständig. Seine Verse sind von den Muslimen aufgenommen und niedergeschrieben worden, noch während der Prophet Muhammad lebte. Es handelt sich um eine sehr präzise Aufnahme: Nicht ein Buchstabe oder ein Laut, ob kurz oder lang gesprochen, ist je geändert worden, geschweige denn eine Silbe oder ein Wort.

[424] Al-Waqidi, III/S. 1108–1109.

[425] Ibn Hischam, S. 664–665; At-Tirmidhi in Al-Manaqib, Nr. 3735; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 400; Sahih Buchari I/S. 516.

[426] Ibn Hischam, S. 665; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 400.

[427] Sahih Buchari.

[428] Sahih Buchari mit Fath Al-Bari II/S. 195, 238–239; Hadith, S. 683, 712–713; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 402.

[429] Sahih Buchari mit Fath Al-Bari II/S. 193; Hadith, S. 680–681, 754, 1205, 4448; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 402; Ibn Hischam, S. 666–667.

[430] „Allahumma, al Rafiq al A’la”, Sahih Buchari II/S. 638–641; Sahih Muslim 2191, Tabari III/S. 199; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 403.

[431] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 403.

[432] Koran 3: 144.

[433] Ibn Hischam, S. 672; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 405.

[434] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 405.

[435] Ad-Darimi überliefert, Mischkatul Masabih II/S. 547; Dschami‘At-Tirmidhi V/S. 588; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 404.